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2 Fragen an Konstantin Grcic
13. April 2012
Sessel „Medici“ von Konstantin Grcic für Mattiazzi, Foto © Gerhardt Kellermann

Der Sessel wirkt, als sei er – wie bei einem Pop-up in einem Buch – aus einem Verbund von Brettern herausgeklappt. War es das konstruktive Prinzip, das Sie besonders gereizt hat?

Konstantin Grcic: Mir gefällt das Bild der Pop-up-Bücher, allerdings hat die Konstruktion meines Sessels damit wenig zu tun. Für den Mattiazzi-Stuhl wollte ich eine Sprache oder besser Grammatik finden, die ganz nah am Material Holz ist. Ich habe mir Regeln aufgestellt, nach denen ich vorgegangen bin, ähnlich eines Dogma-Filmers. Eine Regel hat zum Beispiel festgeschrieben, dass ich Holz nur in Form von Brettern verwenden dürfe. Die Brettform ist urtypisch für Holz: Der Baumstamm wird nach dem Fällen in Bretter zersägt. Eine andere Regel besagte, dass es keine bündigen Verbindungen zwischen den einzelnen Bauteilen geben darf. Holz arbeitet und das führt zu einem gewissen Materialschwund, der sich längerfristig bei flächenbündigen Verbindungen bemerkbar machen würde. Es gibt eine klare Logik, wie die Konstruktion des Stuhls auch seine Funktion und Form bestimmt. Der Entwurfsprozess ist empirisch, vollzieht sich also am Objekt und mit dem Material. Das ist die schönste Form zu arbeiten, weil der Prozess sehr direkt ist und unmittelbar. Mattiazzi stellt die Möbel in der eigenen Fabrik her. Das ist heutzutage sehr selten, denn die meisten Firmen, mit denen wir arbeiten, lassen ihre Möbel außerhalb fertigen. Mattiazzi macht sie selber und das macht den Entwicklungsprozess soviel klarer. Der Entwurf „Medici" bringt dies zum Ausdruck.

Ihre Entwürfe tragen immer besondere Namen. Wie sind Sie auf „Medici" gekommen?

Grcic: Ich wollte dem Stuhl einen Namen geben, der ihm eine gewisse Größe und ein Gewicht gibt. Der Stuhl ist groß (und auch schwer). Er strahlt ein gutes Selbstbewusstsein aus, man könnte es sogar Arroganz nennen. „Medici" schien mir dafür passend, aber ehrlich gesagt sind die Namen immer auch eine Lotterie.

Foto © Gerhardt Kellermann
Foto © Gerhardt Kellermann
Konstantin Grcic, Foto © Konstantin Grcic
News & Stories › 2012 › April
2 Fragen an Konstantin Grcic
13. April 2012
Dass in Mailand neue Möbel von Konstantin Grcic zu sehen sind, ist keine Überraschung. Mit „Medici" hat er sich für Mattiazzi gleichwohl etwas Überraschendes ausgedacht. Die gesamte Kollektion des auf Holzverarbeitung spezialisierten Herstellers wird in Halle 20, Stand F06 präsentiert.
Der Sessel wirkt, als sei er – wie bei einem Pop-up in einem Buch – aus einem Verbund von Brettern herausgeklappt. War es das konstruktive Prinzip, das Sie besonders gereizt hat?

Konstantin Grcic: Mir gefällt das Bild der Pop-up-Bücher, allerdings hat die Konstruktion meines Sessels damit wenig zu tun. Für den Mattiazzi-Stuhl wollte ich eine Sprache oder besser Grammatik finden, die ganz nah am Material Holz ist. Ich habe mir Regeln aufgestellt, nach denen ich vorgegangen bin, ähnlich eines Dogma-Filmers. Eine Regel hat zum Beispiel festgeschrieben, dass ich Holz nur in Form von Brettern verwenden dürfe. Die Brettform ist urtypisch für Holz: Der Baumstamm wird nach dem Fällen in Bretter zersägt. Eine andere Regel besagte, dass es keine bündigen Verbindungen zwischen den einzelnen Bauteilen geben darf. Holz arbeitet und das führt zu einem gewissen Materialschwund, der sich längerfristig bei flächenbündigen Verbindungen bemerkbar machen würde. Es gibt eine klare Logik, wie die Konstruktion des Stuhls auch seine Funktion und Form bestimmt. Der Entwurfsprozess ist empirisch, vollzieht sich also am Objekt und mit dem Material. Das ist die schönste Form zu arbeiten, weil der Prozess sehr direkt ist und unmittelbar. Mattiazzi stellt die Möbel in der eigenen Fabrik her. Das ist heutzutage sehr selten, denn die meisten Firmen, mit denen wir arbeiten, lassen ihre Möbel außerhalb fertigen. Mattiazzi macht sie selber und das macht den Entwicklungsprozess soviel klarer. Der Entwurf „Medici" bringt dies zum Ausdruck.

Ihre Entwürfe tragen immer besondere Namen. Wie sind Sie auf „Medici" gekommen?

Grcic: Ich wollte dem Stuhl einen Namen geben, der ihm eine gewisse Größe und ein Gewicht gibt. Der Stuhl ist groß (und auch schwer). Er strahlt ein gutes Selbstbewusstsein aus, man könnte es sogar Arroganz nennen. „Medici" schien mir dafür passend, aber ehrlich gesagt sind die Namen immer auch eine Lotterie.