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Antoine
der Fels
von Adeline Seidel
21. August 2015
Die Schweizer sind Meister der Täuschung. Das glauben Sie nicht? Dann klopfen Sie doch bei Ihrer nächsten Wanderung durch die Schweizer Landschaft vorsichtshalber einmal an die Wände eines Chalets. Möglichweise ist es nicht das, für was Sie es aus der Ferne gehalten haben: Es ist kein heimeliges Heidi-Haus im Postkartenidyll, sondern schlichtweg eine militärische Anlage. Denn ab dem Zweiten Weltkrieg gestaltete die Schweizer Armee ihre Bunker zum Zweck der Tarnung im Baustil der jeweiligen Region. Sehr kunstvoll und mit viel Liebe zum Detail, wie die Bilder von Christian Schwager beweisen, die der Fotograf in seinem Buch „Falsche Chalets“ zusammengestellt hat. Da ragt aus einem Kuhstall plötzlich ein Geschützrohr, und hinter der vermeintlichen Holztür verbirgt sich eine Artilleriestellung. Durch das „Fenster“ schaut man auf nackten Beton; Plastikblumen am Fensterbrett machen die Scheinwelt perfekt. Ist es nicht grotesk, dass eine schlichte Kiste aus Sichtbeton mit Panoramafenster in der Schweiz aktuell zum bevorzugten Wunschwohnobjekt geworden ist? Würde man heute Militäranlagen tarnen wollen, die Kulissenmacher hätten es wohl leichter.

Auch bei „Antoine“ geht es um Tarnung und darum, den Anschein der Kulturlandschaft zu waren. Zwei Ur-Schweizerische Antriebe, wenn man so will. „Antoine“ gibt sich von Außen wie ein Fels, wie ein großer Findling zwischen anderen Findlingen auf einer Alm. Nur: Der falsche Felsen ist innen hohl. In seinem Innern befindet sich ein kleiner Raum aus hellem Holz mit kleinen Fenstern samt Ofen und einem Tisch und einer Bank zum Ausklappen. Antoine bietet eine einfache Herberge und Abgeschiedenheit für jedermann. Die Schutzhütte sei, erklärt Bureau A, eine Reminiszenz an den Schweizer Schriftsteller Charles-Ferdinand Ramuz und seinen Roman „Derborence“, in dem die Hauptperson – Antoine – einen Steinschlag überlebt und sieben Wochen unter Steinen haust, bevor er in sein Dorf zurückkehren kann. So zumindest die Kurzfassung.

Gelegen im westschweizerischen Verbier, genauer gesagt im „3-D Skulpturen Park“ der 3-D Foundation, befindet sich die Schutzhütte aus Beton – aus was sonst – die gelungen die Struktur und Farbgebung der Felsen nachahmt, auf 2.300 Metern Höhe und bietet im Einklang mit der Landschaft ein schattiges Plätzchen. Zugegeben, so hoch in den Bergen braucht man die meiste Zeit des Jahres eher Schutz vor Sturm, Regen und Kälte – weniger vor der Sonne. Die Sonneneinstrahlung aber nimmt zu. Man denke nur an Urs Augstburgers Zukunftsroman „Wasserwässer“, in dem der Autor eindrücklich beschreibt, wie sich die Alpenlandschaft durch die baldige Klimaerwärmung verändern würde: In Zürich ist es dann so heiß wie in der Sahara, und nur in hohen Lagen inmitten der Berge finden die Menschen ein wenig Abkühlung. So könnte jenes Schattenplätzchen schon bald äußerst gefragt sein.

www.a-bureau.com
www.3-dfoundation.com


MEHR schattige Plätze gibts hier >>
Antoine sieht aus wie ein Fels, ist aber eine Schutzhütte – aus Beton natürlich, wir sind schließlich in der Schweiz. Alle Fotos © Dylan Perrenoud
Im Inneren bietet ein Ofen Wärme und eine Bank Platz zum Schlafen.
Der Stein rollt – nicht den Berg herunter, sondern zu seinem Bestimmungsort. Film © Bureau A
Ein Tisch und Sitzbänke machen die kleine Hütte zu einem gemütlichen Ort.
Alles Mobiliar lässt sich zurück in die Wände klappen, so dass der Raum auch Schutz für mehr Person bietet.
Stellt sich allein die Frage nach der Sinnfälligkeit einer Schutzhütte, die man von Weitem kaum erkennt.
News & Stories › 2015 › August
Antoine der Fels
von Adeline Seidel | 21. August 2015
Die Schweizer sind Meister der Tarnung – ganz gleich, ob es um Geld, Bunker oder Schutzhütten wie jene von Bureau A geht.
Die Schweizer sind Meister der Täuschung. Das glauben Sie nicht? Dann klopfen Sie doch bei Ihrer nächsten Wanderung durch die Schweizer Landschaft vorsichtshalber einmal an die Wände eines Chalets. Möglichweise ist es nicht das, für was Sie es aus der Ferne gehalten haben: Es ist kein heimeliges Heidi-Haus im Postkartenidyll, sondern schlichtweg eine militärische Anlage. Denn ab dem Zweiten Weltkrieg gestaltete die Schweizer Armee ihre Bunker zum Zweck der Tarnung im Baustil der jeweiligen Region. Sehr kunstvoll und mit viel Liebe zum Detail, wie die Bilder von Christian Schwager beweisen, die der Fotograf in seinem Buch „Falsche Chalets“ zusammengestellt hat. Da ragt aus einem Kuhstall plötzlich ein Geschützrohr, und hinter der vermeintlichen Holztür verbirgt sich eine Artilleriestellung. Durch das „Fenster“ schaut man auf nackten Beton; Plastikblumen am Fensterbrett machen die Scheinwelt perfekt. Ist es nicht grotesk, dass eine schlichte Kiste aus Sichtbeton mit Panoramafenster in der Schweiz aktuell zum bevorzugten Wunschwohnobjekt geworden ist? Würde man heute Militäranlagen tarnen wollen, die Kulissenmacher hätten es wohl leichter.

Auch bei „Antoine“ geht es um Tarnung und darum, den Anschein der Kulturlandschaft zu waren. Zwei Ur-Schweizerische Antriebe, wenn man so will. „Antoine“ gibt sich von Außen wie ein Fels, wie ein großer Findling zwischen anderen Findlingen auf einer Alm. Nur: Der falsche Felsen ist innen hohl. In seinem Innern befindet sich ein kleiner Raum aus hellem Holz mit kleinen Fenstern samt Ofen und einem Tisch und einer Bank zum Ausklappen. Antoine bietet eine einfache Herberge und Abgeschiedenheit für jedermann. Die Schutzhütte sei, erklärt Bureau A, eine Reminiszenz an den Schweizer Schriftsteller Charles-Ferdinand Ramuz und seinen Roman „Derborence“, in dem die Hauptperson – Antoine – einen Steinschlag überlebt und sieben Wochen unter Steinen haust, bevor er in sein Dorf zurückkehren kann. So zumindest die Kurzfassung.

Gelegen im westschweizerischen Verbier, genauer gesagt im „3-D Skulpturen Park“ der 3-D Foundation, befindet sich die Schutzhütte aus Beton – aus was sonst – die gelungen die Struktur und Farbgebung der Felsen nachahmt, auf 2.300 Metern Höhe und bietet im Einklang mit der Landschaft ein schattiges Plätzchen. Zugegeben, so hoch in den Bergen braucht man die meiste Zeit des Jahres eher Schutz vor Sturm, Regen und Kälte – weniger vor der Sonne. Die Sonneneinstrahlung aber nimmt zu. Man denke nur an Urs Augstburgers Zukunftsroman „Wasserwässer“, in dem der Autor eindrücklich beschreibt, wie sich die Alpenlandschaft durch die baldige Klimaerwärmung verändern würde: In Zürich ist es dann so heiß wie in der Sahara, und nur in hohen Lagen inmitten der Berge finden die Menschen ein wenig Abkühlung. So könnte jenes Schattenplätzchen schon bald äußerst gefragt sein.

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MEHR schattige Plätze gibts hier >>