transparent_layer
db-images/cms/banner/img/l1_v369373_958_728_90-1.jpg
Blättern: First Back
von 2143 Forward End
Architekten, vernarrt in Schiebefenster
Teil 1
19. Februar 2013
Unser Gespräch beginnt, bevor wir die „Bau“ erreicht haben. In einem Land Rover „Defender“ machen wir uns auf den Weg zum Münchner Messegelände. Ich möchte von Amandus Sattler, Gründungspartner des Architekturbüros „Allmann, Sattler, Wappner Architekten“, erfahren, wie er sich über neue Produkte und Architektursysteme informiert. Besucht er überhaupt Messen? „Eher nicht“, meint er. Messen seien ihm zu unübersichtlich. Viel lieber informiere er sich in Zeitschriften oder auf Online-Plattformen über Neuheiten. Auch, fährt er fort, sei es für ihn wichtig, Dinge, über die man genaueres erfahren möchte, selbst in Augenschein zu nehmen. Dazu könne man am besten einen Vertreter des Herstellers, für dessen Produkt man sich interessiert, ins Büro kommen lassen. Nicht zuletzt deshalb sieht er in einer Messe eher einen Ort, an dem „Kontakte geknüpft werden“. Als ich wissen möchte, welche Messe er zuletzt besucht hat, antwortet er mit einem Schmunzeln: „Die „light+building“ in Frankfurt und die „Euroluce“ in Mailand. Licht sei schließlich ein spannendes Thema, das man nicht wirklich gut im Internet oder in Magazinen erleben könne. Er sei aber auch schon einmal auf der Orgatec und der imm Cologne gewesen.

Robert Volhard: Sie suchen tatsächlich noch selbst nach Produkten?

Amandus Sattler: Ja, gerade wenn wir etwas Neues planen, muss man oft für den Bauherren Bilder recherchieren, auf denen er sehen kann, wo so etwas oder etwas Ähnliches, schon einmal gemacht worden ist. Dann begebe ich mich auch selbst auf die Suche nach entsprechenden Projekten. Man will ja nicht nur das Material oder das System vorstellen, sondern auch einen Eindruck davon vermitteln, wie es verwendet wurde. Manchmal findet man kein anders Projekt und der Bauherr muss das entsprechende Vertrauen entwickeln, dass der Architekt sowohl gestalterisch, wie auch technisch die Neuentwicklung schafft.

Volhard: Trifft das – ich denke etwa an die „Terminals“, die für Audi realisiert wurden – vor allem für Fassaden zu? Da die Komplexität solcher Systeme immer weiter zunimmt, will man nicht nur wissen, wie diese befestigt werden und wie sie sich mit der Gebäudehaut verbinden?

Sattler: Bei der Fassade ist das natürlich extrem wichtig, weil diese mittlerweile sehr viele Aufgaben übernimmt. Es gilt aber auch für den Innenraum. Auch hier sind wir ständig am Recherchieren. Wir entwerfen ja nicht nur Gebäude, sondern planen bei der Umsetzung alles bis in die kleinste Schraube.

Volhard: Und das, wenn ich Sie richtig verstehe, mit Freude.

Sattler: Ja, auf alle Fälle. Früher kam das noch häufiger vor, da wurden wir manchmal allein für Innenausbauten beauftragt, ohne dass wir das Gebäude selbst gebaut haben. Seitdem wir viele große Projekte betreuen, ordnet man uns das nur noch sehr selten zu.

Volhard: Man traut sich nicht, Sie dafür anzufragen?

Sattler: Vielleicht? Wir haben uns, als wir angefangen haben, viel Knowhow erarbeitet, weil wir fast nur Läden und Innenausbauten geplant haben. Das ist eigentlich eine der Kernkompetenzen unseres Büros.
Volhard: Den Büroausbau der Agentur in Ihrem Bürogebäude haben Sie ja auch gemacht. Analysieren Sie, wenn es um Bürobauten geht, im Voraus, wie die Leute arbeiten, welche Atmosphäre sie bevorzugen? Welche Rolle spielt dabei beispielsweise das Thema „Akustik“?

Sattler: Was die Akustik angeht, haben wir immer differenzierte Lösungen angeboten. Wir haben im angesprochenen Fall Schrankelemente mit Absorbern ausgerüstet und in Zusammenarbeit mit einem Schreiner realisiert. Alles sehr genau auf die Raumsituation zugeschnitten. Eben keine fertigen Lösungen mit Standardprodukten. Die Schranktüren wurden mit Stoff – in diesem Fall von Kvadrat – bespannt. Auch die Wahl des richtigen Absorbers war uns wichtig, ebenso eine robuste Lackierung der Möbel. Hier arbeitet man eng mit den Farbenherstellern zusammen. Wir planen die Dinge lieber selbst, als lediglich Schranksystem auszuwählen. Zudem haben wir Betonoberflächen in dünnen Plattenstärken als Möbelmaterial ausprobiert, was technisch nicht ganz problemlos war, aber trotzdem vom Raumeindruck her gut gelungen ist. Interessant war auch der „Switch“ in eine wohnliche Atmosphäre mit Hilfe der Beleuchtung. Im Besprechungsbereich haben wir absichtlich eine Beleuchtung ausgewählt, die man im Büro eigentlich nicht erwartet.
Volhard: Welche Rolle spielt „Materialgerechtigkeit“ für Sie? Oder lieben Sie „Fakes“?

Sattler: Materialgerechtigkeit spielt eine große Rolle. Sie spielen auf die Möbelplatten aus Beton an..... Das ist kein „Fake“! Das ist Hochtechnologie! Die Oberflächenqualität entspricht mit allen Vor- und Nachteilen der einer echten Betonoberfläche, nur dass anstelle von Eisen zur Bewehrung Glasfasern verwendet werden. Genauer: FibreC interior von Rieder. Leider gibt es auch dabei Ungleichmäßigkeiten. Da hatten wir mit dem Nutzer einige Probleme. Wir hatten uns das Material aufgrund der Muster noch einheitlicher vorgestellt. Im Grunde gab es ähnliche Probleme wie bei Sichtbeton. Aber man spürt, wenn man die Fläche sieht, auch eine Materialtiefe. Wir setzen gern neue Technologien ein. Wir sind ja keine Traditionalisten, die sagen, dass zum Beispiel nur Vollholz für uns verwendbar ist. Was mir nicht zusagt: Wenn Mineralwerkstoffplatten Holzstrukturen nachahmen. Es ist immer eine Enttäuschung, wenn man merkt, dass es kein echtes Holz ist. Materialgerechtigkeit heißt für mich, dass beispielweise auch ein Mineralwerkstoff eine eigene Optik erzielt – und nicht andere Dinge nachahmt.

Volhard: An welchen Projekten arbeiten Sie gerade?

Sattler: Wir arbeiten immer gleichzeitig an zirka zwanzig Projekten, die sich in unterschiedlichen Planungsphasen befinden und sich mit verschiedenen Thematiken beschäftigen. Ob das ein Gemeindezentrum mit Kita ist, bei der wir einen Holzbau planen, bei dem nicht allein die Konstruktion aus Holz besteht, sondern alles, selbst die Dachhaut. Oder ob es ein „Leuchtturmprojekt“ für Audi in Stockholm ist – es interessiert uns alles gleichermaßen. Jedes Projekt bedeutet eine neue Herausforderung und besitzt seine eigene Komplexität. Wir stellen uns bei jedem Bauvorhaben immer selbst ein neues Forschungsthema. Das ist das Spannendste am Bauen. Nur so können wir uns selbst und die Bauherren dazu bringen, neue Wege zu gehen.

Volhard: Sie haben 2011 die energetische Sanierung des „Beruflichen Zentrums Starnberg“ entwickelt. War das die erste energetische Sanierung, die Sie realisiert haben?

Sattler: Ja, das war das erste Mal. Aber mit intelligenten, energieeffizienten Gebäuden beschäftigen wir uns schon seit mehr als fünfzehn Jahren. Ein Beispiel: Bei der „Herz Jesu-Kirche“ in München, für die wir 1995 den Wettbewerb gewonnen haben, ging es darum, wie man bei einem Glasgebäude einen hohen Anspruch an den Komfort erfüllen kann, ohne eine Klimaanlage einzubauen. Die Idee war, eine Kirche ganz aus Glas zu bauen, um alles zur Verfügung stehende Licht in den Raum zu bringen. Die Problematik eines Glashauses ist ja bekannt. Im Sommer wird es innen glühend heiß, im Winter kühlt das Gebäude schnell aus. Um den Raum benutzbar zu machen, mussten wir uns frühzeitig mit dem Thema einer energieeffizienten Raumkonditionierung beschäftigen. Damals hat noch niemand in Deutschland von ‚Nachhaltigkeit’ gesprochen. Wir haben eine Vielzahl von Maßnahmen geplant, um das Klima im Gebäude in den Griff zu bekommen. Das fängt bei der Fassade an und geht bei den Innenraumkomponenten und der Haustechnik weiter. Damals haben wir angefangen, gemeinsam mit Energieingenieuren Gebäude zu entwickeln, die einen hohen Komfort für den Nutzer bieten, aber ohne Klimatisierung auskommen.

Volhard: Sie haben sich also schon mit Nachhaltigkeit beschäftigt, als noch kein Hahn danach gekräht hat. Weshalb stellen Sie das heute nicht in den Vordergrund?

Sattler: Wir stellen kein Einzelthema in den Fokus. Für uns ist gute Architektur eine Gesamtheit, ein integrales Konzept, das aus unterschiedlichsten Komponenten besteht. Nachhaltigkeit ist nur eine von vielen. Andere Aspekte sind der Kontext, die Funktionalität, die Raumatmosphäre, der Komfort, das Wohlbefinden der Nutzer oder das Entwurfskonzept an sich. Es geht nicht darum, eine formale Vorstellung umzusetzen. Unsere Projekte zeichnen sich dadurch aus, dass sie etwas Besonderes mitteilen wollen – keine Sensationen, sondern ein beziehungsreiches Verhältnis. Wir haben immer einen „inhaltlichen“ Grund, warum wir zu einer gewissen formalen Ausbildung kommen. Das sehen Sie eindeutig bei dem Audi-Terminal-Projekt, bei dem manche denken, wir hätten die Fassade mit den schräg eingeschnittenen Fenstern so geplant, weil die Rücklichter der Fahrzeuge ähnliche Formen aufweisen. Übersehen wird dabei, dass sich die Form aus dem Innenraum entwickelt, aus der Kurve, die das Markenelement ist und den Showroom bildet. Der Rest der Fassade wird von einem gefalteten und perforiertem Blech verdeckt, so dass nur die Showrooms im Gebäude sichtbar werden. Natürlich könnten wir das Thema „Nachhaltigkeit“ in den Vordergrund stellen. Es ist uns aber wichtiger, dass wir für eine Architektur bekannt sind, die in jeder Hinsicht gute Architektur ist.
Volhard: Eine Standardfrage, die ich jedem Architekten stelle, den ich treffe: Wie wohnen Sie selbst?

Sattler: Wir wohnen in einem Haus von Sebastian Dellinger von Bembé Dellinger, das in den Hang gebaut ist, am Wald und über dem Fluss.

Volhard: Es hat Sie nicht gereizt, ihr eigenes Haus selbst zu entwerfen?
Sattler: Nein, es ist doch herrlich, wenn man den ganzen Ärger nicht am Hals hat, die ganzen Bauschäden .... (lacht) Das war witzig, das Haus war ein Rohbau, als wir es zum ersten Mal angeschaut haben. Sofort konnten wir uns vorstellen, so zu wohnen. Am Anfang hatte Sebastian Dellinger die Sorge, ich würde anfangen, alles umzuplanen. Das hatte ich aber nie vor. Wir haben dann noch etwas bei der Materialwahl im Innenraum mitgewirkt – und dann war alles gut.
Inzwischen haben wir das Messegelände erreicht. Amandus Sattler stoppt spontan am Stand von „Moradelli“ und erzählt, man habe mit der Firma bei der Realisierung der „Audi Terminals“ zusammengearbeitet, weil diese die speziellen Lochbleche aus Aluminium habe herstellen können, die benötigt wurden. Die Wabenform der Prägung habe man von der bayerischen Raute, das Aluminium von der Fahrzeugkonstruktion abgeleitet. Es hätte, so berichtet ein Mitarbeiter von Moradelli, sogar eine Anfrage gegeben, ob man die „Wabe“ auch für einen Kindergarten in Frankreich verwenden könne, was aber von Seiten der Audi AG nicht zugelassen worden sei. „Die Wabe in Verbindung mit der Faltung des Blechs, das ist absolut Audi. So muss es sein, das ist Corporate Design“, kommentiert Sattler.
Dann gehen wir weiter, zum Stand von GEZE. „An GEZE“, meint Sattler, „kommst du kaum vorbei. Früher gab es moderne Türschließer einfach nur von GEZE. Heute gibt es wahrscheinlich hunderte anderer Firmen, die so etwas anbieten.“ Und er fügt hinzu: „Vor fast dreißig Jahren hat GEZE Beschläge für Ganzglastüren entwickelt. Ich glaube, da drüben sind sie. Die haben sich nicht verändert. Die gab es schon immer so.“

Volhard: Mal ehrlich. Wenn Sie auf so einen Stand gehen, haben Sie dann den Eindruck, dass man bei solchen Herstellern gestalterisch versiert ist und das Standdesign den Besucher auch emotional anspricht?

Sattler: Nein. Man bekommt viel zu oft nur langweiligen Messebau geboten. Das ist wirklich schade. Gestalterisch hat man in dieser Branche noch viel nachzuholen. Oft sind die Produkte technisch perfekt, doch was das Design angeht, gibt es noch jede Menge Entwicklungspotential.
Wir erreichen die nächste Halle, die sich dem Thema „Investieren in die Zukunft“ widmet. Ich möchte von Sattler wissen, was ihm hier auffällt. Er schaut sich um und meint: „Hier herrscht das totale Chaos, es gibt weder eine Konzeption für die Stände, die das Thema reflektiert, noch eine klare Orientierung. Alles ist einfach irgendwie „hingebaut und hingepinnt“. Hier hängt eine Fahne, dort steht ein Bildschirm, da oben erkennt man einen Schriftzug. Würde man anfangen, Materialien zu zählen, würde man überhaupt nicht fertig werden. Der Betrachter ist völlig überfordert von dem was sich da zeigt ... und flüchtet“

Volhard: Mir ist es gestern, als ich das sah, ähnlich ergangen. Man läuft herum und denkt: Wie nur soll ich hier etwas finden? Dann ist mir aber doch etwas aufgefallen, was ich Ihnen gerne zeigen möchte: „Flissade“ heißt die kleine Trouvaille. Es handelt sich um eine Fensterfront, die sich verschieben lässt, um eine Loggia im Winter oder am Abend dem Wohnraum zuzuschlagen – und umgekehrt. Ich bin gespannt, was Sie davon halten.
Sattler: Das ist eine coole Idee! Das Schlimme ist doch, wenn diese Loggien, die ja eine tolle Qualität haben, einfach „verzimmert“ werden. Man baut Fenster und alles Mögliche andere ein – um mehr Wohnraum zu gewinnen, und dann ist es vorbei mit dem Fassadenkonzept und der Gestaltung. Dieses bewegliche System, mit dem man einer Wohnung spielend einfach zwei Funktionen bieten kann, ist natürlich genial. Das Blöde ist nur, dass man so etwas wahrscheinlich nicht nachträglich einbauen kann, oder?



Als wir am Stand von FLISSADE ankommen, sind wir gespannt, welche Möglichkeiten das System tatsächlich bietet. Sattler möchte wissen, ob und wie eine Integration des Systems in bestehende Bauten möglich ist und wie viel Aufbauhöhe man für die Schiene im Boden benötigt. Die Antwort kommt prompt: 150 Millimeter Aufbauhöhe für die Technik und Entwässerung würden genügen. Es bleibe ja eine Loggia und die müsse entsprechend entwässert werden. Und wie stehe es mit dem Schallschutz? Das, so erklärt man uns, sei ein Thema, an dem man noch arbeite. Was man hier zeige, sei „der Konzept-Prototyp“. Die erste Generation des Systems werde bis Ende des Jahres zu Ende entwickelt sein. Wir erfahren, dass Daniel Hoheneder und Lisbeth Fischbacher, die sich das System ausgedacht haben, Absolventen der TU München sind und „Flissade“ aus einem Studienprojekt hervorgegangen ist. Nun arbeite man an der finalen Produktentwicklung und setzte das System gemeinsam mit dem Metallbauer Frener & Reifer um. Wir lernen auch Michael Reifer kennen, dessen Vater, der ebenfalls an der Entwicklung von „Flissade“ beteiligt war, Amandus Sattler von gemeinsamen Bauvorhaben kennt.
Volhard: Wie genau muss man sich die Zusammenarbeit zwischen Flissade und Frener & Reifer vorstellen?

Michael Reifer: Wir entwickeln das System in einer Kooperation.

Volhard: „Flissade“ ist also ein Produkt von Frener & Reifer?

Daniel Hoheneder: „Flissade“ ist eine eigene Marke und eine eigene Firma. Wir sind gerade dabei, unsere Kooperationsszenarien zu entwickeln.

Sattler: Und wieso heißt das Produkt „Flissade“?

Lisbeth Fischbacher: „Flissade“ ist eine Wortschöpfung, die die fließende Bewegung der Fassade zum Ausdruck bringen soll. Wir wollten die spielerische Flexibilität des Systems in den Namen aufnehmen. Es war nicht leicht, einen Namen zu finden, den man noch nicht kennt und den man sowohl als Website als auch als Marke verwenden kann.

Volhard: Gibt es bereits weitere Produktideen?

Hoheneder: Im Moment stecken wir noch mitten in der Detailentwicklung. Wir haben uns einen straffen Zeitplan gesetzt. Wir sind Vollzeitgründer, also werden wir auch dementsprechend Gas geben. Was nicht bedeutet, dass wir keine Ideen haben, was sich noch so alles entwickeln ließe.


Wir eilen weiter. Mich interessiert, wie Sattler vorgeht, wenn er für ein Projekt eine Fassade eines bestimmten Herstellers auswählt. Setzt er dabei auf Bewährtes und verlässt sich auf einen Anbieter, mit dem er bereits zusammengearbeitet hat? Oder reizt es ihn, etwas Neues auszuprobieren? Im Gehen erklärt er mir, dass man natürlich nicht umhinkomme, auf Standardprodukte zurückzugreifen, aber eben auch gern etwas Neues entwickle. So habe man zum Beispiel mit „Schüco“ einen Fensterflügel entwickelt und in einem Schulgebäude eingebaut. „Es kommt“, fügt Sattler hinzu, „immer auf den Fassadenbauer und den Fassadeningenieur an. Welchen Profilhersteller schlägt dieser vor, der am besten Ansprüche an Dimensionen, an Profilausbildung und so weiter erfüllen kann. Da kommen viele Dinge zusammen und am Ende wird ja auch über den Preis entscheiden, welches Produkt eingesetzt wird. Was kann man sich leisten? Zum Beispiel „Sky-Frame“. Das kann man sich leider nur in den seltensten Fällen leisten.“
Volhard: Es sei denn, der Bauherr ist derart in die Schiebfenster vernarrt, dass er sie unbedingt haben möchte.

Sattler: Klar, aber meistens sind die Architekten in Schiebefenster mit schmalen Profilen vernarrt und müssen die höheren Kosten und die technischen Einschränkungen dem Bauherrn schmackhaft machen. Aber es kommt ja immer darauf an, wie man die Fensteröffnung formuliert. In manchen Fällen möchte man ja auch etwas Massives haben. Wenn man mit Holz arbeitet, kann man gar nichts anderes bekommen. Aber manchmal will man eben auch das Gegenteil: Transparenz. Man möchte das Profil fast ganz verschwinden lassen – und ist diesem Fall sind die Fenster von „Sky-Frame“ ideal.
Am Stand von „Sky-Frame“ erzählt Sattler dann, dass sie das „Haus der Gegenwart“ in München mit Fenstern von „Sky-Frame“ ausstatten konnten. Es wird uns aber auch eine Neuheit vorgestellt: Ein „Bogenfenster“, das „Sky-Frame-Arc“ heißt und hier zum ersten Mal gezeigt wird. Das mit gebogenem Glas versehene Fenster bietet dem Architekten noch mehr gestalterische Möglichkeiten. Und noch etwas ist neu: ein Insektenschutzgitter zum Ausziehen, dass man im Sommer bei geöffneter Fensterfront nicht gestochen wird. Den ganz in Weiß gehaltenen Messestand, so berichtet man uns voller Stolz, habe übrigens das „Studio Hannes Wettstein“ entworfen. Es entspinnt sich folgender Dialog: „Das Fenster ist auch elektrisch bedienbar?“ – „Ja genau. Das ist eine Dreifachverglasung, die sich elektromotorisch öffnen lässt, auch mit einer Fernbedienung.“ – „Sieht sehr elegant und sehr schön aus. Was hat das Fenster für Kennwerte?“ – „Das System ist natürlich zertifiziert und hat einen Wärmedämmwert von 1.0.“ Als wir den Messestand verlassen, erklärt mir Amandus Sattler: „Was hier sehr gelungen ist: dass Boden und Decke aus Holz sind, wodurch ein Raumzusammenhang hergestellt wird – zwei Decks und dazwischen bewegt sich scheinbar ganz frei das geschwungene Glas. Der Stand ist konzeptuell richtig gut. Wäre die Decke weiß, wäre der Raum schon nicht mehr so gut.“

Demnächst mehr in Teil 2 unseres Rundgangs über die „Bau“ mit Amandus Sattler.
News & Stories › 2013 › Februar
Architekten, vernarrt in Schiebefenster
Teil 1
von Robert Volhard | 19. Februar 2013
Was interessiert einen Architekten auf einer Messe wie der „BAU“ in München? Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht. Robert Volhard hat Amandus Sattler, Gründungspartner von „Allmann, Sattler, Wappner“, bei seinem Rundgang begleitet und dabei so manche Überraschung erlebt.