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Architektur mit Zugabe:
Rojkind Arquitectos
31. März 2014
Tor zur Schokoladenwelt: Das Nestlé Museum in Mexico City von Rojkind Arquitectos. Foto © Rojkind Arquitectos, Foto Paul Rivera
Gefaltet und geknickt wie eine Origami-Schlange, windet sich das „Museo del Chocolate Nestlé“, das Schokoladenmuseum entlang der Schnellstraße Paseo Tollucan in der Nähe der Stadt Toluca. „Der rote Alebrije“ wird das Museum genannt, denn das Gebäude sieht aus wie jene mexikanische tierähnliche Fantasiefigur, die aus Holz geschnitzt und farbenfroh bemalt wird. Die Räume des Museums erinnern ein wenig an die Schokoladenfabrik, die Tim Burton einst für den Film „Charly und die Schokoladenfabrik“ erschuf: Nach einer musealen Einführung zur Geschichte der Schokolade, gelangt man über Gänge, Tunnel und Aussichtsplattformen zur eigentlichen Schokoladenherstellung in die bestehende Fabrik und wird ganz von der Welt der Schokolade eingenommen. In nur drei Monaten entstand dieser Bau – und damit ist nicht nur die Bauzeit, sondern auch die Entwurfsphase gemeint.

Mehrwert–Architektur

Die Architekten, die die Schokoladenwelt so schnell entworfen und geplant haben, sind Rojkind Arquitectos. Gegründet wurde das Büro 2002 von Michel Rojkind in Mexiko Stadt. Hier ist er geboren und aufgewachsen, hier hat er studiert. Seit 2010 führt Rojkind das Team mit rund 25 Mitarbeitern gemeinsam mit Büropartner Gerardo Salinas. Für Rojkind muss Architektur mehr sein als nur einem Raumprogramm zu genügen und das in eine entsprechende – im besten Falle ansprechende – Form zu bringen. Vielmehr sollte Architektur in seinen Augen auf soziale, politische und wirtschaftliche Bedürfnisse reagieren und der Gesellschaft einen Mehrwert bieten.

Metalltassen für mehr Achtsamkeit

Mit dem Projekt „Portal de la Percepción“, dem „Portal der Achtsamkeit“, möchte der Architekt die öffentliche Wahrnehmung für den städtischen Raum schärfen – und das versucht er wie folgt: Am Paseo de la Reforma, der prominentesten Straße Mexico Citys, hat das Architekturbüro eine Installation aus Metalltassen geschaffen. An 1.497 Knoten befinden sich knapp 1.500 Tassen in unterschiedlichen Farben. Die dadurch entstandene Netzstruktur spannt sich als eine Art Dach über den Fußgängerweg. Durch die Form der Struktur und durch die Reflektionen auf den farbigen Metalltassen scheint es, als ob sich das Portal bewegen würde, wenn man als Passant hindurch geht.

Mehr Qualität des urbanen Raums

Auch die Sanierung und Erweiterung der „Cineteca Nacional Siglo XXI“, des nationalen Filmarchivs und Filminstituts, ist ein Projekt, das über eine „gute“ Architektur – im Sinne Rojkinds – hinaus geht. Rojkind Arquitectos ergänzen das bisherige Raumangebot durch zusätzliche Nutzungsangebote im öffentlichen Raum, wie beispielweise einem Freilichttheater, Einzelhandelsflächen und einer umfangreichen Landschaftsgestaltung. Diese ergänzenden Nutzungen beschreiben jenen Anspruch, den der mexikanische Architekt formuliert, wenn er über den Mehrwert von Architektur für den Menschen spricht. Architekten sollten ihre Fähigkeit, Raumqualitäten zu erkennen, nutzen um über die Projektanforderungen hinaus diese Qualitäten für alle erlebbar zu machen.

Die Liste von Rojkinds nationalen wie internationalen Projekten, Publikationen, Ausstellungen, Jurytätigkeiten, Vorträgen und Auszeichnungen ist lang, sehr lang. Die wohl sympathischste Auszeichnung lautet: Rojkind sei einer der „150 Movers, Shakers and Makers That Have Rocked the World in the Last 15 Years“, so das Wallpaper-Magazin im Jahr 2011. Und ein bisschen sieht man Michel Rojkind noch an, dass er während seines Architekturstudiums als Schlagzeuger in einer von Mexikos bekanntesten Bands gerockt hat. Nun rockt er als Architekt Mexiko und die Welt.

www.rojkindarquitectos.com
Der Museumsbau schlängelt sich auf Stützen durch die Landschaft. Foto © Rojkind Arquitectos, Foto Paul Rivera
Rojkinds Schokoladenmuseum erinnert an einen Alebrije – eine typisch mexikanische tierähnliche Fantasiefigur. Foto © Rojkind Arquitectos, Foto Paul Rivera
In der Modellstudie wird sichtbar, wie sich der gesamte Baukörper an die bestehende Schokoladenfabrik andockt. Foto © Rojkind Arquitectos
Das „Portal der Achtsamkeit“ überspannt einen Fußgängerweg am Paseo de la Reforma, der prominentesten Straße Mexico Citys. Foto © Rojkind Arquitectos, Foto Jaime Navarro
An 1.497 Knotenpunkten ist jeweils eine Tasse montiert. Foto © Rojkind Arquitectos, Foto Jaime Navarro
Die Form verstärkt zusammen mit dem Farbspiel der Tassen den Eindruck der Bewegung des Portals. Foto © Rojkind Arquitectos, Foto Jaime Navarro
Auch bei Dunkelheit macht das Portal auf die Bedeutung des öffentlichen städtischen Raums aufmerksam. Foto © Rojkind Arquitectos, Foto Jaime Navarro
Rojkind Arquitectos ergänzten die Nutzung des Nationalen Filmarchivs und -instituts „Cineteca Nacional Siglo XXI“ um Einzelhandelsflächen. So wird auch der öffentliche Raum des Campus erweitert. Foto © Rojkind Arquitectos, Foto Paul Rivera
Eine umfangreiche landschaftsarchitektonische Gestaltung erweitert den öffentlichen Raum zwischen Neubau und Bestand. Foto © Rojkind Arquitectos, Foto Paul Rivera
Die Explosionszeichnung zeigt die bestehenden Filmvorführräume sowie die Erweiterung des Raumangebots mit der neu angelegten Wegführung und die Dachstruktur.
Grafik © Rojkind Arquitectos
Die neue Dachstruktur stellt eine Verbindung vom neuen Gebäudeteil zu den Bestandsbauten her und überdeckt den öffentlichen Platz auf dem Campus des Filminstituts.
Grafik © Rojkind Arquitectos
Architektur › 2014 › März
Architektur mit Zugabe:
Rojkind Arquitectos
von Sophia Walk | 31. März 2014
Einst war Michel Rojkind Drummer bei „La Gente Normal“, einer der bekanntesten Rockbands Mexikos. Gut, dass er sich entschieden hat, Architektur zu machen statt professionell Schlagzeug zu spielen.
Gefaltet und geknickt wie eine Origami-Schlange, windet sich das „Museo del Chocolate Nestlé“, das Schokoladenmuseum entlang der Schnellstraße Paseo Tollucan in der Nähe der Stadt Toluca. „Der rote Alebrije“ wird das Museum genannt, denn das Gebäude sieht aus wie jene mexikanische tierähnliche Fantasiefigur, die aus Holz geschnitzt und farbenfroh bemalt wird. Die Räume des Museums erinnern ein wenig an die Schokoladenfabrik, die Tim Burton einst für den Film „Charly und die Schokoladenfabrik“ erschuf: Nach einer musealen Einführung zur Geschichte der Schokolade, gelangt man über Gänge, Tunnel und Aussichtsplattformen zur eigentlichen Schokoladenherstellung in die bestehende Fabrik und wird ganz von der Welt der Schokolade eingenommen. In nur drei Monaten entstand dieser Bau – und damit ist nicht nur die Bauzeit, sondern auch die Entwurfsphase gemeint.

Mehrwert–Architektur

Die Architekten, die die Schokoladenwelt so schnell entworfen und geplant haben, sind Rojkind Arquitectos. Gegründet wurde das Büro 2002 von Michel Rojkind in Mexiko Stadt. Hier ist er geboren und aufgewachsen, hier hat er studiert. Seit 2010 führt Rojkind das Team mit rund 25 Mitarbeitern gemeinsam mit Büropartner Gerardo Salinas. Für Rojkind muss Architektur mehr sein als nur einem Raumprogramm zu genügen und das in eine entsprechende – im besten Falle ansprechende – Form zu bringen. Vielmehr sollte Architektur in seinen Augen auf soziale, politische und wirtschaftliche Bedürfnisse reagieren und der Gesellschaft einen Mehrwert bieten.

Metalltassen für mehr Achtsamkeit

Mit dem Projekt „Portal de la Percepción“, dem „Portal der Achtsamkeit“, möchte der Architekt die öffentliche Wahrnehmung für den städtischen Raum schärfen – und das versucht er wie folgt: Am Paseo de la Reforma, der prominentesten Straße Mexico Citys, hat das Architekturbüro eine Installation aus Metalltassen geschaffen. An 1.497 Knoten befinden sich knapp 1.500 Tassen in unterschiedlichen Farben. Die dadurch entstandene Netzstruktur spannt sich als eine Art Dach über den Fußgängerweg. Durch die Form der Struktur und durch die Reflektionen auf den farbigen Metalltassen scheint es, als ob sich das Portal bewegen würde, wenn man als Passant hindurch geht.

Mehr Qualität des urbanen Raums

Auch die Sanierung und Erweiterung der „Cineteca Nacional Siglo XXI“, des nationalen Filmarchivs und Filminstituts, ist ein Projekt, das über eine „gute“ Architektur – im Sinne Rojkinds – hinaus geht. Rojkind Arquitectos ergänzen das bisherige Raumangebot durch zusätzliche Nutzungsangebote im öffentlichen Raum, wie beispielweise einem Freilichttheater, Einzelhandelsflächen und einer umfangreichen Landschaftsgestaltung. Diese ergänzenden Nutzungen beschreiben jenen Anspruch, den der mexikanische Architekt formuliert, wenn er über den Mehrwert von Architektur für den Menschen spricht. Architekten sollten ihre Fähigkeit, Raumqualitäten zu erkennen, nutzen um über die Projektanforderungen hinaus diese Qualitäten für alle erlebbar zu machen.

Die Liste von Rojkinds nationalen wie internationalen Projekten, Publikationen, Ausstellungen, Jurytätigkeiten, Vorträgen und Auszeichnungen ist lang, sehr lang. Die wohl sympathischste Auszeichnung lautet: Rojkind sei einer der „150 Movers, Shakers and Makers That Have Rocked the World in the Last 15 Years“, so das Wallpaper-Magazin im Jahr 2011. Und ein bisschen sieht man Michel Rojkind noch an, dass er während seines Architekturstudiums als Schlagzeuger in einer von Mexikos bekanntesten Bands gerockt hat. Nun rockt er als Architekt Mexiko und die Welt.

www.rojkindarquitectos.com