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Aufmerksame Mitfahrer
von Thomas Edelmann | 6. September 2013
Die Lichtgestaltung im neuem Mercedes-Benz S-Klasse erinnert an Autos diverser Hip-Hop Stars und Sternchen – oder an ein Raumschiff. Foto @ Daimler AG
„Vision erfüllt“, betitelt Mercedes-Benz die aktuellen Anzeigen für das neueste Modell der S-Klasse. War da nicht was? „Mission accomplished“, verkündete ein Banner über der Brücke des Flugzeugträgers USS Abraham Lincoln, als George W. Bush dort im Mai 2003 über den Abschluss der amerikanischen Kampfoperationen im Irak-Krieg sprach. Kurzes, knackiges Technokraten-Sprech. Mission erfüllt. Fertig. Seine Behauptung wurde Bush wiederholt und zu Recht um die Ohren gehauen, denn nichts hatte sich erfüllt nach dem Ende der Kampfhandlungen.

Was also will uns Daimler sagen, wenn exakt zehn Jahre nach der Rede Bushs die neue Mercedes-Benz S-Klasse, sein Top-Modell, mit den Worten „Vision erfüllt“ offeriert? Kann man Visionen überhaupt erfüllen? Oder müsste man ihnen nicht eher entsprechen, ihnen gerecht werden? Vermutlich darf man so viel Differenzierung von einem Werbe-Claim nicht erwarten. Einem ehemaligen Bundeskanzler passte bekanntlich die ganze Idee des Visionären nicht, das man bei ihm vermisste. Und so empfahl Helmut Schmidt bekanntlich, wer Visionen habe, solle den Arzt aufsuchen.

Zukunft – jetzt und sofort


Seit jeher versuchen Hersteller und PR-Experten ein neues Automobil als Botschafter einer kommenden Epoche zu beschreiben. Show-Cars künden lange vor Serienanlauf auf Automobilmessen von der nahen, vielversprechenden Zukunft. Nach dem Ende des Maybach hat bei Daimler die Mercedes S-Klasse wieder ihre traditionelle Rolle als herausgehobenes Fahrzeug eingenommen, das neue Standards in Sachen Qualität und Innovation setzen soll. Dabei unterliegt die S-Klasse als Repräsentationsgefährt dem Wandel gesellschaftlicher Ideale und wirkt auf diese zurück. Das Design spielt – seit dem Abschied von Bruno Sacco als Designchef – dabei mit einer sachlichen Grundaussage und Details, die mitunter in neobarocker Üppigkeit in Erscheinung treten, eine wichtige Rolle. Besonders deutlich wird dies an der Frontpartie der neuen S-Klasse. Unterhalb des riesigen, aufrechten Kühlergrills gibt es wie bei anderen neueren Mercedes-Limousinen große Lufteinlässe, die nicht zuletzt gestalterische Zwecke erfüllen. Die Frontpartie wirkt dynamisch zugespitzt, eine nicht eben leichte Aufgabe angesichts der Volumina, die hier verbaut werden. Die F.A.Z . lobt eine „intelligente Form des Repräsentierens“, betont aber auch, die Erneuerung des Designs bei Mercedes sei „von gewissen Auswüchsen begleitet.“ Immerhin verschwanden die ausgestellten Radhäuser des Vorgänger-Modells zu Gunsten eines fließenden harmonischen Gesamteindrucks. Die Urheberschaft für die strukturierte Seitenpartie hätte man noch vor wenigen Jahren eher in München als in Stuttgart vermutet.

Vergangenheit – ein Dickfisch mit Tradition

An die Popularität der Baureihe 126, der bislang erfolgreichsten S-Klasse, die zwischen 1979 bis 1991 rund 892.000 Mal gefertigt wurde, konnten die Nachfolge-Baureihen nicht mehr anknüpfen. Zu viele Wettbewerber in der Oberklasse, zu viele Nischenmodelle und Karosserievarianten gibt es inzwischen, um mit einer Modellreihe an die Erfolge der 1980er Jahre anknüpfen zu können. „Autos raus – Städte ersticken im Verkehr“ titelte im März 1991 der „Spiegel“. Als „Riesenbaby“ wurde die Baureihe 140 bespöttelt, von der (1991 bis 1998) rund 407.000 Exemplare gefertigt wurden. Ihre äußeren Abmessungen und ihr Gewicht gingen über bis dahin übliche europäische Maße hinaus. In Deutschland galt die Baureihe 140 wegen ihres hohen Gewichts und des vergleichsweise hohen Verbrauchs als unzeitgemäß. Die Kritik setzte Mercedes-Benz derart zu, dass beim schwäbischen Automobilpionier mit Smart und A-Klasse seit langem erprobte Kompaktwagen erstmals in Serie gingen. Der „Spiegel“ nannte das „Perestroika“ des Fahrzeugbaus. Als 1998 eine elegantere windschlüpfrige, leichtere und etwas sparsamere S-Klasse (Baureihe 220) auf den Markt kam, war sie nicht mehr das alleinige Dienstfahrzeug des Bundeskanzlers. Wie Gerhard Schröder hielt auch seine Nachfolgerin Angela Merkel daran fest, zusätzlich je einen VW Phaeton, einen Audi A8 sowie ein BMW 7er im Fuhrpark zu halten. Polit-Proporz in der automobilen Oberklasse.

Unterstützung – Fahren, Bremsen, Rangieren


„Vision erfüllt“ – genauer betrachtet sind damit nicht etwa Trugbilder oder Fantastereien gemeint, sondern technische Hilfsmittel, Assistenzsysteme, die ergänzt, perfektioniert und erweitert wurden, woraus eine neue Art der automobilen Nutzung resultieren könnte. Noch ist diese Kombination von 20 sensorisch-aktorischen Systemen großenteils unterstützend tätig. Noch ist die S-Klasse ein gutes Stück vom autonomen Fahren entfernt, wie es Google, IBM und Continental bald zur Marktreife bringen wollen. Zweck der Übung ist es, Unfälle zu vermeiden und den Fahrkomfort zu erhöhen.

Mit einer Vielzahl von Sonderausstattungen ist es möglich, nicht nur in Räder, Zierelemente, Leder und Hölzer, in Ausstattungslinien wie die „AMG Linie“, das „Exklusiv-Paket“ oder das Individualisierungsprogramm „designo“ zu investieren, sondern auch in Technik, die Sicherheit und Komfort unterstützt. „Magic Body Control“ etwa bezeichnet die Vorab-Analyse der Straßenverhältnisse via Stereokamera, die einen „Road Surface Scan“ vornehmen. Die Daten werden an das Fahrwerk weiter geleitet, das über einzeln angesteuerte Federbeine den Fahrkomfort bei Geschwindigkeiten bis zu 130 km/h merklich beeinflussen kann. So nützlich die serienmäßigen und optionalen Unterstützer auch sind, an der Bezeichnung der Programme könnte Mercedes noch arbeiten.

Sprachverwirrung – Pre-Safe-Lenk-Abstands-Spur-Park-Assistenten

Unter Code „P20“ lässt sich für knapp 2700 Euro das „Fahrassistenz-Paket Plus“ buchen. Es beinhaltet unter anderem die „Distronic“, den Abstandsregeltempomat, den es seit 1998 in der S-Klasse gibt. Ab 2005 reifte diese Technik zum radarunterstützten „Distronic Plus“ heran, nun begleitet vom „Lenk-Assistenten“ und „Stop & Go-Pilot“, der bei langsamer Fahrt die Spurführung und sogar das Lenken übernehmen kann. Ferner gehören die „Pre-Safe“-Bremse mit aktivem Fußgängerschutz, der Bremsassistent „Bas Plus“ mit „Kreuzungs-Assistent“, die „aktiven Totwinkel-Assistenten“, auch der „aktive Spurhalte-Assistent“ und „Presafe Plus“ Teil des „Fahrassistenz-Paket Plus“, das stets in Verbindung mit dem „Park-Paket“ inklusive aktivem Park-Assistenten mit „Parktronic“ und Rückfahrkamera geordert werden muss (rund 1300 Euro). Die Radar-Technik funktioniert nicht immer reibungslos, etwa in der Nähe militärischer Radaranlagen oder von Blitzern an der Straße. Störend wirken können auch entgegenkommende Autos mit Radar oder simpler Schmutz auf den Sensoren. Doch selbst im Fall der Beeinträchtigung gibt das System rechtzeitig zu erkennen, dass es gerade nicht funktioniert.

Große und kleine Sicherheits- und Komfortsysteme bietet die neue S-Klasse in einem Umfang, den bislang kein Konkurrent aufbieten kann. Dazu gehören vier vernetzte Kameras (optional), die Hindernisse auch unterhalb der Fensterlinie für den Fahrer sichtbar machen („360°-Kamera“). Der optionale „Nachtsicht-Assistent Plus“ tritt in Aktion, sobald er bei Dunkelheit Gefahren auf der Fahrbahn erkannt hat. Ein 31,2 Zentimeter großes Display präsentiert dem Fahrer übersichtlich die nötigen Informationen. Ein „Attention Assist“ tritt in Aktion, sobald die Aufmerksamkeit des Fahrers nachlässt. Ein Kaffeetasse erscheint im Display, nebst der Aufforderung, mal solle eine Pause machen.

Die neue S-Klasse sei das erste Auto ohne jede Glühbirne, heißt es bei Mercedes. LEDs übernehmen die Beleuchtung der Straße, ermöglichen die Wahl aus sieben Farben der Ambiente-Beleuchtung im Innenraum. Auch mit einem „adaptiven Fernlicht-Assistent Plus“, lassen sich die LEDs steuern. Das Fernlicht bleibt dabei eingeschaltet, andere Fahrzeuge werden jedoch aus dem Lichtkegel ausgeblendet.

Wie sich das von vielen unsichtbaren Helfern beeinflusste Fahren auswirkt, wird zu beobachten sein. Was wird aus der Fahrfreude? Was ist neu zu erlernen? Welche Fähigkeiten des Eingreifens geraten künftig in Vergessenheit? Nerven Assistenten oder werden sie bald unverzichtbar im immer dichteren Verkehr? Wer fährt, kann die Systeme übersteuern, wie das geht, wie sich das anfühlt und was man davon hat, ist bislang noch eine höchst individuelle Erfahrung. Findet die neue S-Klasse genug Käufer, könnten uns einige Assistenten schon bald in deutlich kleineren Autos begegnen. Falls wir nicht gegensteuern sind Privatheit und Autonomie wohl bald auch im Auto nur noch Fiktion.
Eine neue, doch vertraute Frontpartie. Foto @ Daimler AG
Das abgestimmte Material- und Farbkonzept soll einen Innenraum „wie aus einem Guss“ entstehen lassen. Foto @ Daimler AG
Nein, die Entertainmentanlage im Auto ist noch nicht so intuitiv zu bedienen wie ein Smartphone. Foto @ Daimler AG
Duftbaum adé: Die neue S-Klasse verfügt über eine „aktive Beduftung“ im Rahmen des "Air-Balance Pakets". Foto @ Daimler AG
Der Duft wird wie ein geheimnisvoller Zaubertrank inszeniert. Foto @ Daimler AG
Handgefertigt für den zahlungskräftigen Kunden... Foto @ Daimler AG
...und detailverliebt bis in die kleinste Naht. Foto © Daimler AG
Autofahren wird zum Wellnessprogramm. „Eine Weltneuheit ist die 'Energizing'-Massagefunktion nach dem Hot-Stone Prinzip.“ Foto © Daimler AG
Die Mercedes-Benz S-Klasse ist ein großer, eleganter Dickfisch. Foto © Daimler AG
Auf dem Rücken lodern drei dezente LED-Flammen. Foto © Daimler AG
"Vision erfüllt“? Foto © Daimler AG
News & Stories › 2013 › September
Aufmerksame Mitfahrer
von Thomas Edelmann | 6. September 2013
Die neue S-Klasse von Mercedes versucht nicht nur Repräsentation wieder einmal zeitgemäß zu interpretieren. Zu Steigerung von Komfort und Sicherheit bietet sie eine Ansammlung kleiner und großer Assistenten, die aktiv Verkehr, Umfeld und Fahrer beobachten und notfalls eingreifen.
„Vision erfüllt“, betitelt Mercedes-Benz die aktuellen Anzeigen für das neueste Modell der S-Klasse. War da nicht was? „Mission accomplished“, verkündete ein Banner über der Brücke des Flugzeugträgers USS Abraham Lincoln, als George W. Bush dort im Mai 2003 über den Abschluss der amerikanischen Kampfoperationen im Irak-Krieg sprach. Kurzes, knackiges Technokraten-Sprech. Mission erfüllt. Fertig. Seine Behauptung wurde Bush wiederholt und zu Recht um die Ohren gehauen, denn nichts hatte sich erfüllt nach dem Ende der Kampfhandlungen.

Was also will uns Daimler sagen, wenn exakt zehn Jahre nach der Rede Bushs die neue Mercedes-Benz S-Klasse, sein Top-Modell, mit den Worten „Vision erfüllt“ offeriert? Kann man Visionen überhaupt erfüllen? Oder müsste man ihnen nicht eher entsprechen, ihnen gerecht werden? Vermutlich darf man so viel Differenzierung von einem Werbe-Claim nicht erwarten. Einem ehemaligen Bundeskanzler passte bekanntlich die ganze Idee des Visionären nicht, das man bei ihm vermisste. Und so empfahl Helmut Schmidt bekanntlich, wer Visionen habe, solle den Arzt aufsuchen.

Zukunft – jetzt und sofort


Seit jeher versuchen Hersteller und PR-Experten ein neues Automobil als Botschafter einer kommenden Epoche zu beschreiben. Show-Cars künden lange vor Serienanlauf auf Automobilmessen von der nahen, vielversprechenden Zukunft. Nach dem Ende des Maybach hat bei Daimler die Mercedes S-Klasse wieder ihre traditionelle Rolle als herausgehobenes Fahrzeug eingenommen, das neue Standards in Sachen Qualität und Innovation setzen soll. Dabei unterliegt die S-Klasse als Repräsentationsgefährt dem Wandel gesellschaftlicher Ideale und wirkt auf diese zurück. Das Design spielt – seit dem Abschied von Bruno Sacco als Designchef – dabei mit einer sachlichen Grundaussage und Details, die mitunter in neobarocker Üppigkeit in Erscheinung treten, eine wichtige Rolle. Besonders deutlich wird dies an der Frontpartie der neuen S-Klasse. Unterhalb des riesigen, aufrechten Kühlergrills gibt es wie bei anderen neueren Mercedes-Limousinen große Lufteinlässe, die nicht zuletzt gestalterische Zwecke erfüllen. Die Frontpartie wirkt dynamisch zugespitzt, eine nicht eben leichte Aufgabe angesichts der Volumina, die hier verbaut werden. Die F.A.Z . lobt eine „intelligente Form des Repräsentierens“, betont aber auch, die Erneuerung des Designs bei Mercedes sei „von gewissen Auswüchsen begleitet.“ Immerhin verschwanden die ausgestellten Radhäuser des Vorgänger-Modells zu Gunsten eines fließenden harmonischen Gesamteindrucks. Die Urheberschaft für die strukturierte Seitenpartie hätte man noch vor wenigen Jahren eher in München als in Stuttgart vermutet.

Vergangenheit – ein Dickfisch mit Tradition

An die Popularität der Baureihe 126, der bislang erfolgreichsten S-Klasse, die zwischen 1979 bis 1991 rund 892.000 Mal gefertigt wurde, konnten die Nachfolge-Baureihen nicht mehr anknüpfen. Zu viele Wettbewerber in der Oberklasse, zu viele Nischenmodelle und Karosserievarianten gibt es inzwischen, um mit einer Modellreihe an die Erfolge der 1980er Jahre anknüpfen zu können. „Autos raus – Städte ersticken im Verkehr“ titelte im März 1991 der „Spiegel“. Als „Riesenbaby“ wurde die Baureihe 140 bespöttelt, von der (1991 bis 1998) rund 407.000 Exemplare gefertigt wurden. Ihre äußeren Abmessungen und ihr Gewicht gingen über bis dahin übliche europäische Maße hinaus. In Deutschland galt die Baureihe 140 wegen ihres hohen Gewichts und des vergleichsweise hohen Verbrauchs als unzeitgemäß. Die Kritik setzte Mercedes-Benz derart zu, dass beim schwäbischen Automobilpionier mit Smart und A-Klasse seit langem erprobte Kompaktwagen erstmals in Serie gingen. Der „Spiegel“ nannte das „Perestroika“ des Fahrzeugbaus. Als 1998 eine elegantere windschlüpfrige, leichtere und etwas sparsamere S-Klasse (Baureihe 220) auf den Markt kam, war sie nicht mehr das alleinige Dienstfahrzeug des Bundeskanzlers. Wie Gerhard Schröder hielt auch seine Nachfolgerin Angela Merkel daran fest, zusätzlich je einen VW Phaeton, einen Audi A8 sowie ein BMW 7er im Fuhrpark zu halten. Polit-Proporz in der automobilen Oberklasse.

Unterstützung – Fahren, Bremsen, Rangieren


„Vision erfüllt“ – genauer betrachtet sind damit nicht etwa Trugbilder oder Fantastereien gemeint, sondern technische Hilfsmittel, Assistenzsysteme, die ergänzt, perfektioniert und erweitert wurden, woraus eine neue Art der automobilen Nutzung resultieren könnte. Noch ist diese Kombination von 20 sensorisch-aktorischen Systemen großenteils unterstützend tätig. Noch ist die S-Klasse ein gutes Stück vom autonomen Fahren entfernt, wie es Google, IBM und Continental bald zur Marktreife bringen wollen. Zweck der Übung ist es, Unfälle zu vermeiden und den Fahrkomfort zu erhöhen.

Mit einer Vielzahl von Sonderausstattungen ist es möglich, nicht nur in Räder, Zierelemente, Leder und Hölzer, in Ausstattungslinien wie die „AMG Linie“, das „Exklusiv-Paket“ oder das Individualisierungsprogramm „designo“ zu investieren, sondern auch in Technik, die Sicherheit und Komfort unterstützt. „Magic Body Control“ etwa bezeichnet die Vorab-Analyse der Straßenverhältnisse via Stereokamera, die einen „Road Surface Scan“ vornehmen. Die Daten werden an das Fahrwerk weiter geleitet, das über einzeln angesteuerte Federbeine den Fahrkomfort bei Geschwindigkeiten bis zu 130 km/h merklich beeinflussen kann. So nützlich die serienmäßigen und optionalen Unterstützer auch sind, an der Bezeichnung der Programme könnte Mercedes noch arbeiten.

Sprachverwirrung – Pre-Safe-Lenk-Abstands-Spur-Park-Assistenten

Unter Code „P20“ lässt sich für knapp 2700 Euro das „Fahrassistenz-Paket Plus“ buchen. Es beinhaltet unter anderem die „Distronic“, den Abstandsregeltempomat, den es seit 1998 in der S-Klasse gibt. Ab 2005 reifte diese Technik zum radarunterstützten „Distronic Plus“ heran, nun begleitet vom „Lenk-Assistenten“ und „Stop & Go-Pilot“, der bei langsamer Fahrt die Spurführung und sogar das Lenken übernehmen kann. Ferner gehören die „Pre-Safe“-Bremse mit aktivem Fußgängerschutz, der Bremsassistent „Bas Plus“ mit „Kreuzungs-Assistent“, die „aktiven Totwinkel-Assistenten“, auch der „aktive Spurhalte-Assistent“ und „Presafe Plus“ Teil des „Fahrassistenz-Paket Plus“, das stets in Verbindung mit dem „Park-Paket“ inklusive aktivem Park-Assistenten mit „Parktronic“ und Rückfahrkamera geordert werden muss (rund 1300 Euro). Die Radar-Technik funktioniert nicht immer reibungslos, etwa in der Nähe militärischer Radaranlagen oder von Blitzern an der Straße. Störend wirken können auch entgegenkommende Autos mit Radar oder simpler Schmutz auf den Sensoren. Doch selbst im Fall der Beeinträchtigung gibt das System rechtzeitig zu erkennen, dass es gerade nicht funktioniert.

Große und kleine Sicherheits- und Komfortsysteme bietet die neue S-Klasse in einem Umfang, den bislang kein Konkurrent aufbieten kann. Dazu gehören vier vernetzte Kameras (optional), die Hindernisse auch unterhalb der Fensterlinie für den Fahrer sichtbar machen („360°-Kamera“). Der optionale „Nachtsicht-Assistent Plus“ tritt in Aktion, sobald er bei Dunkelheit Gefahren auf der Fahrbahn erkannt hat. Ein 31,2 Zentimeter großes Display präsentiert dem Fahrer übersichtlich die nötigen Informationen. Ein „Attention Assist“ tritt in Aktion, sobald die Aufmerksamkeit des Fahrers nachlässt. Ein Kaffeetasse erscheint im Display, nebst der Aufforderung, mal solle eine Pause machen.

Die neue S-Klasse sei das erste Auto ohne jede Glühbirne, heißt es bei Mercedes. LEDs übernehmen die Beleuchtung der Straße, ermöglichen die Wahl aus sieben Farben der Ambiente-Beleuchtung im Innenraum. Auch mit einem „adaptiven Fernlicht-Assistent Plus“, lassen sich die LEDs steuern. Das Fernlicht bleibt dabei eingeschaltet, andere Fahrzeuge werden jedoch aus dem Lichtkegel ausgeblendet.

Wie sich das von vielen unsichtbaren Helfern beeinflusste Fahren auswirkt, wird zu beobachten sein. Was wird aus der Fahrfreude? Was ist neu zu erlernen? Welche Fähigkeiten des Eingreifens geraten künftig in Vergessenheit? Nerven Assistenten oder werden sie bald unverzichtbar im immer dichteren Verkehr? Wer fährt, kann die Systeme übersteuern, wie das geht, wie sich das anfühlt und was man davon hat, ist bislang noch eine höchst individuelle Erfahrung. Findet die neue S-Klasse genug Käufer, könnten uns einige Assistenten schon bald in deutlich kleineren Autos begegnen. Falls wir nicht gegensteuern sind Privatheit und Autonomie wohl bald auch im Auto nur noch Fiktion.