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Augen zu und durch!
von Pino Grigio | 24. April 2013
Eine ausgefallene Leuchte der Linköping Universität, Foto © Tatjana Prenzel, Stylepark
Wer im April nach Mailand zum Salone del Mobile fährt, der freut sich auf innovatives Design, ästhetische neue Möbelkreationen und die aktuellen Entwürfe der internationalen Topdesigner und Jungstars. Aber Vorsicht: Auch die größten Namen schützen nicht vor grandiosen Fehltritten. Da stellt sich mitunter die Frage: Muss das sein? Klare Antwort: Nein! Manches darf nicht sein.
Sieben Sünden des Salone del Mobile 2013 sind unserem Designkritiker, der sich aus guten Gründen tarnen muss, besonders aufgefallen.
Sünde Nr. 1: Ingo Maurers Spaghetti Leuchte stützt sich auf ein Durcheinander aus Gabeln und Messern. Foto © Sabrina Spee, Stylepark
Sünde Nr. 1: Showroom Spazio Krizia, Ingo Maurer

Es sieht aus, wie eine Kreation, die man in einem Laden für "Design-Leuchten" im Vorort einer deutschen Kleinstadt vielleicht noch mit einem gemischten Gefühl aus angewidert und schadenfreudig belustigt zur Kenntnis genommen hätte. Aber bei dem großen Ingo Maurer? Eine Ansammlung von Messern und Gabeln türmt sich in wirrem Durcheinander in die Höhe als Stütze für einen Tellerstapel, auf dessen oberstem – Achtung! – eine Portion Spaghetti mit Tomatensoße liegt, aus Plastik nachgebildet liegt, von der – man wagt es kaum, die Sache weiter zu beschreiben – mit einer in der Luft schwebenden Gabel der erste Bissen bereits gerollt ist, um Richtung Mund geführt zu werden. Das ist, so lecker es vielleicht klingen mag, an Geschmacklosigkeit nur schwer zu übertreffen. Dieser "Entwurf eines Lampenschirms" rangiert auf der Hitliste, der hier nur höflichkeitshalber kein "S" vorangestellt wird, relativ unangefochten auf Platz 1. Obwohl die Konkurrenz groß und prominent ist.
Sünde Nr. 2: Job Smeets für Lensvelt. Man achte auf den Schubladengriff, Verzeihung, auf die Schubladennase. Foto © Lensvelt
Sünde Nummer 2: MOST, Studio Job

Der Holländer Job Smeets ist ein sehr cooler, sehr unnahbarer, von den Medien sehr hofierter, sehr übersichtlich talentierter Designer, dafür aber umso mehr ein Meister der Selbstvermarktung. Warum hat er sich bloß entschieden, im Bereich Möbel- und Produktdesign sein Unwesen zu treiben? Im Museo Nazionale della Scienza e della Tecnologia, das auf den ersten Blick verwirrenderweise mit "MOST" abgekürzt wird, was auf die englische Übersetzung des Namens zurückzuführen ist, hat er einen prächtigen Raum mit weißen Schränken samt überdimensionierten goldenen Schlüssel (witzig!) und Leuchten angefüllt, die auch in hundertfacher Wiederholung nicht preisgeben, in welchem Sinne sie Ergebnis gestalterischer Entwurfsarbeit sein könnten. Die Krönung: Ein Tisch mit einer güldenen Nase als Schubladengriff. Ein Jammer für den Raum. Und für die Besucher, die sich durch die originelle Location an alten Dampflooks und Düsenjets vorbei dorthin geschleppt haben, um hundertfach wiederholte Einfallslosigkeit zu erleben. Eine Frechheit! Aber man hätte gewarnt sein müssen: Plakate mit Mutter Theresia, Muhammad Ali und anderen Prominenten, denen güldene Nasen verpasst wurden, erinnerten an einen anderen Holländer, ebenfalls Meister der Selbstinszenierung und Selbstüberschätzung, vor allem aber angstfrei vor jeglicher Geschmacksentgleisung: Marcel Wanders, der in dieser Liste aber ausnahmsweise nicht vorkommen soll. Denn er bleibt sich ja seit Jahren treu auf seinem Irrweg der verkitschten, neo-pseudo-barocken Entwürfe.
Sünde Nr. 3: Ein kopfloses Schwein ohne Ringelschwanz? Das schwedische Designer-Trio Front verwirrt mit den "Anomaly Seats". Foto © Tatjana Prenzel, Stylepark
Sünde Nummer 3: Salone, Halle 16, Moroso, Front

Die schwedischen Jungstars Charlotte von der Lancken, Anna Lindgren und Sofia Lagerkvist, die seit fast einem Jahrzehnt unter dem Namen "Front" die Designwelt mit aufsehen erregenden Konzepten und Projekten beeindrucken und verzücken, haben etwas entworfen, das Rätsel aufgibt? Einen Hocker? Oder einen Beistelltisch? Die Funktion ist eigentlich zweitrangig. Zum Glück ist es nicht das, wonach es aussieht: Ein kleines kopfloses Schwein ohne Ringelschwanz.
Sünde Nr. 4: Scherzartikel im Spazio Rosanna Orlandi. Ein dahinschmelzender Champagnerkübel von Maarten Baas. Foto © Pino Grigio
Sünde Nummer 4: Spacio Rosanna Orlandi, Maarten Baas

Ebenfalls zur ersten Liga der Jungdesigner gehört sicherlich auch der Holländer Maarten Baas. Im Gewimmel des wunderbaren Showrooms von Rosanna Orlandi, der kleinen Dame mit der großen weißen Brille, steht plötzlich ein, nun ja, Objekt, das zwischen Scherzartikeln und Lustigkeiten im Vor-Karnevalsgeschäft kaum auffallen würde: Ein Champagner-Kühlkübel, der samt daneben abgelegtem Deckel nur so dahin schmilzt. Das zerfließende Silber bildet den Boden für das Gesamtwerk. Zu gebrauchen ist es nicht. Wer wollte das auch? Nicht mal der Auftraggeber Reinhardt. Maarten Baas hat schon wunderbare Projekte realisiert: Holzstuhl-Klassiker verkohlt, die Zeit, beziehungsweise die Zeitanzeige neu erfunden. Warum tut er jetzt so etwas? (Und ganz nebenbei: Was ist bloß mit den Holländern los, den Kindern und Enkeln von Droog Design? Es ist erstaunlich, dass so viele Entgleisungen aus dem Land unterm Meeresspiegel kommen.)
Sünde Nr. 5: Der etwas eigenwillige Sessel „Oasis“ von dem Schweizer Trio Atelier Oi für Moroso. Was? soll? das? denn? sein? Foto © Tatjana Prenzel, Stylepark
Sünde Nummer 5: B&B Italia, Moroso, Atelier Oi

Ziemlich angesagt bei den Global Playern der Italienischen Möbelindustrie ist das Schweizer Trio Atelier Oi. Dazu passen kalauernd drei Worte: Oi, oi oi! Ein floraler dreidimensional wirkender Sitzkissenbezug aus Resten der Lederverarbeitung für andere Möbel von B&BItalia ist das Highlight der diesjährigen Präsentation im Showroom in der Via Durini. Mit ihrem politisch korrekt und gut gemeinten Resteverwertungsdesign kommen die Ois aber kaum über eine studentische Vorprüfungsarbeit hinaus. Das ist schade. Für Designer und Auftraggeber. Auch von den Spürnasen bei Moroso wurden sie engagiert. Dass sich jemand die, sagen wir mal, recht eigenwilligen Sessel "Oasis" zulegen wird, ist kaum zu glauben. Wie soll man die beschreiben? Eine über ein Sitzkissen geworfene Decke wird gehalten, besser gesagt, eingezwängt von einem auffällig dicken Metallrohr, das im Rückenbereich zu einem abgerundeten Rechteck mit geheimnisvoll geformten Verstrebungen gebogen wird. Was? soll? das? denn? sein? Andererseits: Es gibt ja sehr verschiedene Geschmäcker.
Sünde Nr. 6: die Ausstellung "Eros" von Altmeister Andrea Branzi. Portion Fremdschämen mitinbegriffen. Foto © Pino Grigio
Sünde Nummer 6: Via Pontaccio. Andrea Branzi

"Eros" heißt die Ausstellung des Altmeisters Andrea Branzi. Alte Männer, die sich gestalterisch mit Erotik auseinandersetzen, da darf man sich getrost auf eine gehörige Portion Fremdschämen einstellen. Die Einzelheiten kann man sich sparen, nur soviel: Die Ausstellung findet ihren – Achtung: Wortspiel! – Höhepunkt in einem Phallus, der in einem Totenkopf gipfelt. Es treibt einem die Tränen in die Augen. Vor allem langjährigen Verehrern des Altmeisters.
Sünde Nr. 7: der „Dream Chair“ des japanischen Architekten Tadao Ando. Man hat schon besseres bei Hersteller Carl Hansen gesehen. Foto © Robert Volhard, Stylepark
Der „Dream Chair“ von Tadao Ando, Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Sünde Nummer 7: Triennale, Carl Hansen & Son, Tadao Ando

Das dänische Unternehmen Carl Hansen vertreibt ansehnliche und überaus geschätzte Klassiker des großen dänischen Designers Hans Wegner. Der ist leider seit längerem verstorben, weshalb man für neue Entwürfe andere Gestalter gewinnen muss. Dass ein großer Name dabei nicht unbedingt die Gewähr für einen großen Wurf ist, belegt der "Dream Chair" des japanischen Architekten Tadao Ando. Präsentiert als Abschluss einer Reihe von Wegner-Klassikern, sollte er wohl die Verbindung dänischer Handwerkskunst und formaler japanischer Tradition verdeutlichen. Umgekehrt wäre es ganz bestimmt eine bessere Idee gewesen.
Wegweisender Gag: langes Spaghetti auf Leuchte. Ein Entwurf der Jungdesigner Barbi Botazzo. Foto © Robert Volhard, Stylepark
Übrigens: Spaghetti-Leuchten findet man leider nicht nur bei bedeutenden Lichtdesignern. Auf der Messe-Show für Nachwuchskräfte hat sich auch ein Duo mit dem bereits des gestalterischen Untergrunds verdächtigen Namen "Barbi Botazzo" an der Umsetzung von Speisen und Speisewerkzeug in den Lichtbereich versucht. Ihre Deckenleuchte könnte mit einiger Phantasie entfernt an die Zinken einer Gabel erinnern. Um diesen wegweisenden Gag zu verdeutlichen, haben die Jungdesigner ein dickes gelbes Seil um die Leuchte gewickelt, von wo sie auf den Boden fällt. Bleibt zu hoffen, dass sich ihre Gestaltungskraft in Zukunft eher der des früheren Ingo Maurers annähert.
Ein Stuhl zum Spielen? "Lazy basketball chair" by Emanuele Magini for Campeggil. Foto © Sabrina Spee, Stylepark
News & Stories › 2013 › April
Augen zu und durch!
von Pino Grigio | 24. April 2013
Dass aus einer Spürnase kein Möbelgriff werden muss, versteht sich eigentlich von selbst. Auch von Spaghetti, Lederresten, Eisenrohren, Sektkübeln, Schichtholz und schon gar der Erotik sollten Designer jeden Alters sparsam Gebrauch machen. Die sieben Sünden des Salone belegen, wer es partout nicht lassen konnte.
Wer im April nach Mailand zum Salone del Mobile fährt, der freut sich auf innovatives Design, ästhetische neue Möbelkreationen und die aktuellen Entwürfe der internationalen Topdesigner und Jungstars. Aber Vorsicht: Auch die größten Namen schützen nicht vor grandiosen Fehltritten. Da stellt sich mitunter die Frage: Muss das sein? Klare Antwort: Nein! Manches darf nicht sein.

Sieben Sünden des Salone del Mobile 2013 sind unserem Designkritiker, der sich aus guten Gründen tarnen muss, besonders aufgefallen.

Sünde Nr. 1: Showroom Spazio Krizia, Ingo Maurer

Es sieht aus, wie eine Kreation, die man in einem Laden für „Design-Leuchten“ im Vorort einer deutschen Kleinstadt vielleicht noch mit einem gemischten Gefühl aus angewidert und schadenfreudig belustigt zur Kenntnis genommen hätte. Aber bei dem großen Ingo Maurer? Eine Ansammlung von Messern und Gabeln türmt sich in wirrem Durcheinander in die Höhe als Stütze für einen Tellerstapel, auf dessen oberstem – Achtung! – eine Portion Spaghetti mit Tomatensoße liegt, aus Plastik nachgebildet liegt, von der – man wagt es kaum, die Sache weiter zu beschreiben – mit einer in der Luft schwebenden Gabel der erste Bissen bereits gerollt ist, um Richtung Mund geführt zu werden. Das ist, so lecker es vielleicht klingen mag, an Geschmacklosigkeit nur schwer zu übertreffen. Dieser „Entwurf eines Lampenschirms“ rangiert auf der Hitliste, der hier nur höflichkeitshalber kein „S“ vorangestellt wird, relativ unangefochten auf Platz 1. Obwohl die Konkurrenz groß und prominent ist.

Sünde Nummer 2: MOST, Studio Job

Der Holländer Job Smeets ist ein sehr cooler, sehr unnahbarer, von den Medien sehr hofierter, sehr übersichtlich talentierter Designer, dafür aber umso mehr ein Meister der Selbstvermarktung. Warum hat er sich bloß entschieden, im Bereich Möbel- und Produktdesign sein Unwesen zu treiben? Im Museo Nazionale della Scienza e della Tecnologia, das auf den ersten Blick verwirrenderweise mit „MOST“ abgekürzt wird, was auf die englische Übersetzung des Namens zurückzuführen ist, hat er einen prächtigen Raum mit weißen Schränken samt überdimensionierten goldenen Schlüssel (witzig!) und Leuchten angefüllt, die auch in hundertfacher Wiederholung nicht preisgeben, in welchem Sinne sie Ergebnis gestalterischer Entwurfsarbeit sein könnten. Die Krönung: Ein Tisch mit einer güldenen Nase als Schubladengriff. Ein Jammer für den Raum. Und für die Besucher, die sich durch die originelle Location an alten Dampflooks und Düsenjets vorbei dorthin geschleppt haben, um hundertfach wiederholte Einfallslosigkeit zu erleben. Eine Frechheit! Aber man hätte gewarnt sein müssen: Plakate mit Mutter Theresia, Muhammad Ali und anderen Prominenten, denen güldene Nasen verpasst wurden, erinnerten an einen anderen Holländer, ebenfalls Meister der Selbstinszenierung und Selbstüberschätzung, vor allem aber angstfrei vor jeglicher Geschmacksentgleisung: Marcel Wanders, der in dieser Liste aber ausnahmsweise nicht vorkommen soll. Denn er bleibt sich ja seit Jahren treu auf seinem Irrweg der verkitschten, neo-pseudo-barocken Entwürfe.

Sünde Nummer 3: Salone, Halle 16, Moroso, Front

Die schwedischen Jungstars Charlotte von der Lancken, Anna Lindgren und Sofia Lagerkvist, die seit fast einem Jahrzehnt unter dem Namen „Front“ die Designwelt mit aufsehen erregenden Konzepten und Projekten beeindrucken und verzücken, haben etwas entworfen, das Rätsel aufgibt? Einen Hocker? Oder einen Beistelltisch? Die Funktion ist eigentlich zweitrangig. Zum Glück ist es nicht das, wonach es aussieht: Ein kleines kopfloses Schwein ohne Ringelschwanz.

Sünde Nummer 4: Spacio Rosanna Orlandi, Maarten Baas

Ebenfalls zur ersten Liga der Jungdesigner gehört sicherlich auch der Holländer Maarten Baas. Im Gewimmel des wunderbaren Showrooms von Rosanna Orlandi, der kleinen Dame mit der großen weißen Brille, steht plötzlich ein, nun ja, Objekt, das zwischen Scherzartikeln und Lustigkeiten im Vor-Karnevalsgeschäft kaum auffallen würde: Ein Champagner-Kühlkübel, der samt daneben abgelegtem Deckel nur so dahin schmilzt. Das zerfließende Silber bildet den Boden für das Gesamtwerk. Zu gebrauchen ist es nicht. Wer wollte das auch? Nicht mal der Auftraggeber Reinhardt. Maarten Baas hat schon wunderbare Projekte realisiert: Holzstuhl-Klassiker verkohlt, die Zeit, beziehungsweise die Zeitanzeige neu erfunden. Warum tut er jetzt so etwas? (Und ganz nebenbei: Was ist bloß mit den Holländern los, den Kindern und Enkeln von Droog Design? Es ist erstaunlich, dass so viele Entgleisungen aus dem Land unterm Meeresspiegel kommen.)

Sünde Nummer 5: B&B Italia, Moroso, Atelier Oi

Ziemlich angesagt bei den Global Playern der Italienischen Möbelindustrie ist das Schweizer Trio Atelier Oi. Dazu passen kalauernd drei Worte: Oi, oi oi! Ein floraler dreidimensional wirkender Sitzkissenbezug aus Resten der Lederverarbeitung für andere Möbel von B&BItalia ist das Highlight der diesjährigen Präsentation im Showroom in der Via Durini. Mit ihrem politisch korrekt und gut gemeinten Resteverwertungsdesign kommen die Ois aber kaum über eine studentische Vorprüfungsarbeit hinaus. Das ist schade. Für Designer und Auftraggeber. Auch von den Spürnasen bei Moroso wurden sie engagiert. Dass sich jemand die, sagen wir mal, recht eigenwilligen Sessel „Oasis“ zulegen wird, ist kaum zu glauben. Wie soll man die beschreiben? Eine über ein Sitzkissen geworfene Decke wird gehalten, besser gesagt, eingezwängt von einem auffällig dicken Metallrohr, das im Rückenbereich zu einem abgerundeten Rechteck mit geheimnisvoll geformten Verstrebungen gebogen wird. Was? soll? das? denn? sein? Andererseits: Es gibt ja sehr verschiedene Geschmäcker.

Sünde Nummer 6: Via Pontaccio. Andrea Branzi

„Eros“ heißt die Ausstellung des Altmeisters Andrea Branzi. Alte Männer, die sich gestalterisch mit Erotik auseinandersetzen, da darf man sich getrost auf eine gehörige Portion Fremdschämen einstellen. Die Einzelheiten kann man sich sparen, nur soviel: Die Ausstellung findet ihren – Achtung: Wortspiel! – Höhepunkt in einem Phallus, der in einem Totenkopf gipfelt. Es treibt einem die Tränen in die Augen. Vor allem langjährigen Verehrern des Altmeisters.

Sünde Nummer 7: Triennale, Carl Hansen & Son, Tadao Ando

Das dänische Unternehmen Carl Hansen vertreibt ansehnliche und überaus geschätzte Klassiker des großen dänischen Designers Hans Wegner. Der ist leider seit längerem verstorben, weshalb man für neue Entwürfe andere Gestalter gewinnen muss. Dass ein großer Name dabei nicht unbedingt die Gewähr für einen großen Wurf ist, belegt der „Dream Chair“ des japanischen Architekten Tadao Ando. Präsentiert als Abschluss einer Reihe von Wegner-Klassikern, sollte er wohl die Verbindung dänischer Handwerkskunst und formaler japanischer Tradition verdeutlichen. Umgekehrt wäre es ganz bestimmt eine bessere Idee gewesen.

Übrigens: Spaghetti-Leuchten findet man leider nicht nur bei bedeutenden Lichtdesignern. Auf der Messe-Show für Nachwuchskräfte hat sich auch ein Duo mit dem bereits des gestalterischen Untergrunds verdächtigen Namen „Barbi Botazzo“ an der Umsetzung von Speisen und Speisewerkzeug in den Lichtbereich versucht. Ihre Deckenleuchte könnte mit einiger Phantasie entfernt an die Zinken einer Gabel erinnern. Um diesen wegweisenden Gag zu verdeutlichen, haben die Jungdesigner ein dickes gelbes Seil um die Leuchte gewickelt, von wo sie auf den Boden fällt. Bleibt zu hoffen, dass sich ihre Gestaltungskraft in Zukunft eher der des früheren Ingo Maurers annähert.