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Chemnitzer Glanzstück
von Florian Heilmeyer | 6. September 2016
Grüntuch Ernst haben die Gleishalle des Chemnitzer Hauptbahnhofs in ein silbrig glänzendes Kleid aus ETFE gehüllt. Foto Jan Bitter © Grüntuch Ernst Architekten
Der Hauptbahnhof in Chemnitz ist eine ziemlich große Collage. Seit 1852 die erste Bahnstrecke eröffnet wurde, um die prosperierende Industriestadt mit Leipzig, Dresden, Riesa und Zwickau zu verbinden, ist der Bahnhof kontinuierlich erweitert, umgebaut oder umstrukturiert worden. So steht heute noch ein hübsches, klassizistisches Bahnhofsgebäude aus dem Jahr 1872 am Bahnhofsplatz, das freilich nur ein relativ kleines Eingangsgebäude zur dahinterliegenden Bahnsteighalle darstellt. Fast wirkt es wie eine Potemkinsche Fassade, die den dahinter verborgenen, weitläufigen Gleis- und Rangieranlagen, Barracken, Depots und Schuppen ein einigermaßen ordentliches Gesicht gibt.

Den heftigen Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg entging der Bahnhof weitgehend, allerdings wurden die wenigen Schäden nach dem Krieg lange nicht repariert. Wie für viele der großen Bahnhöfe in der noch jungen DDR, wurden zwar umfassende Neuplanungen für das gesamte Bahnhofsgebiet entworfen, allerdings nicht umgesetzt. In Chemnitz – für knapp 40 Jahre nun Karl-Marx-Stadt – wurde dem Aufbau der sozialistischen Wohnsiedlungen auf den Leerflächen und in der Peripherie Vorrang gegeben.

Die Bahnhofshalle verfiel und wurde 1972 endgültig abgerissen. Stattdessen wurde eine zweischiffige, 13 Meter hohe Halle aus Beton und Stahl über die meisten Bahnsteige gesetzt, deren Architektur sich eher mit anderen großen Konstruktionen der DDR-Moderne in Bezug setzen ließ als mit ihrer direkten Umgebung. Weder zu den verbliebenen Stadthäusern des Zentrums noch zum Klassizismus des erhaltenen Bahnhofsgebäudes versuchte diese Halle architektonisch einen Kontakt herzustellen, ihr Schachbrettmuster aus Betonfertigteilen erinnerte mehr an die neuen Kaufhäuser, sie öffnete sich lieber zum Himmel als zur Stadt und war sich eindeutig selbst genug.

In den Jahren 1992 bis 1994 musste diese Halle abermals saniert werden; danach geschah erst einmal lange Zeit nichts. Vielleicht wollte die Deutsche Bahn zunächst abwarten, wie es mit der Region weiterging? Die sinkenden Fahrgastzahlen führten letztlich zur Entscheidung, den stolzen, großen Bahnhof 2006 vom Fernverkehrsnetz abzukoppeln. Seitdem ist Chemnitz die einwohnerstärkste Stadt Deutschlands, die nur noch von Regionalzügen angefahren wird.
Entsprechend begannen Planungen für eine weitere grundlegende Umstrukturierung des Bahnhofs. Unter dem schönen Namen „Chemnitzer Modell“ entwickelt die Bahn hier ein neues Konzept, bei dem nun auch die Straßenbahnen des Regionalverbundes direkt in die große Bahnsteighalle fahren können, was das Umsteigen erleichtert. Besondere Weichen sollen es künftig auch möglich machen, dass Züge der Straßenbahn hier direkt aufs Streckennetz der Deutschen Bahn wechseln können.

Von außen blickdicht, von innen transparent: Die neue Hülle lässt diffuses Licht in die Gleishalle fallen und inszeniert gleichzeitig die Trägerstruktur als Schattenriss. Foto Jan Bitter © Grüntuch Ernst Architekten
Alte Halle, neue Hülle

Den Wettbewerb für die Neugestaltung der Halle hat 2004 das Berliner Architektenbüro von Armand Grüntuch und Almut Grüntuch-Ernst gewonnen. Gemäß ihres Vorschlages wurde die Tragstruktur der Halle aus den 1970er-Jahren bewahrt und ertüchtigt, deren Verkleidung allerdings weitgehend entsorgt. Ein Quergebäude wurde abgerissen und das Niveau der ersten vier Gleise so weit abgesenkt, dass es nun auf einer Höhe mit der Stadt liegt. Hier führen die Gleise der Straßenbahnen nun direkt in die Halle hinein – und die Halle öffnet sich auf ganz erstaunliche Weise zur Stadt: Als hätte jemand den alten Vorhang ein Stück weit hochgezogen, schaut man auf der gesamten Gebäudelänge in die Halle und durch sie hindurch. Der alte Muff, die Verschlossenheit und Dunkelheit der früheren Halle sind verschwunden. Stattdessen lässt sich aus den umliegenden Stadtteilen heraus nun verblüfft feststellen, dass dieser Bahnhof auch ein ganz erstaunlicher, überdachter Stadtplatz sein kann. Die Straßenbahnen fahren nun parallel zu den Gleisanlagen der Regionalbahnen in Nord-Süd-Richtung durch die große, helle Halle. Entlang der Westseite wurde aus breiten Sitzstufen ein kleines Podium geformt, auf dem Bäume und einige grüne Bänke stehen und von dem aus sich die ganze Bahnsteighalle mit ihrem Betrieb angenehm überblicken lässt.
Spiegelnde Verkleidungen aus poliertem Edelstahl setzten Akzente an den Zugängen zur Halle. Fotos Jan Bitter © Grüntuch Ernst Architekten
Um all das reaktivieren zu können, wurde auf die Stahlbeton-Pfeiler eine neue Stahlkonstruktion aufgesetzt; das alte Dach blieb weitgehend erhalten. Entlang der Seitenwände aber bilden jetzt mattierte ETFE-Membranen die neue Fassade zur Stadt. Deren gebogene Flächen glänzten silbern im Chemnitzer Sonnenschein, als ich den Bahnhof im Sommer besuchte. Von außen wirken die Fassadenelemente relativ opak, innen hingegen ist ein leichtes Textil über die Konstruktion gespannt, sodass Tageslicht tief in die Halle einfallen kann. Im Schattenspiel wird darin auch das Gestänge der Stahlkonstruktion mit seinen Wartungsstegen sichtbar. Die unterschiedlich großen Fassadenmodule beziehen sich ein wenig auf die schachbrettartige Gestaltung der entfernten 70er-Jahre-Fassade, aber das fällt kaum weiter auf. An den Unterseiten, wo Passanten und Reisende unter der Fassade hindurch in die Halle laufen, ist die Konstruktion mit poliertem Edelstahl versehen: Wer hinauf blickt, sieht sich selbst in einer verzerrten Reflektion, leicht verwischt, so als wäre man mit hoher Geschwindigkeit unterwegs.

Der Effekt dieser geöffneten Halle ist verblüffend: Sie wird zum belebten Stadtplatz, der insbesondere den umliegenden Straßenräumen ausgesprochen gut tut und sie aus ihrem bisherigen Schattendasein befreit. So strahlen die Mauer- und die Minna-Simon-Straße nun im silbrigen Glanz des ETFE, als ob jemand sie jemand großzügig neu und hell beleuchtet hätte.

Chemnitzer Modell: Straßenbahn und Regionalbahn teilen sich die Gleishalle. Foto Jan Bitter © Grüntuch Ernst Architekten
Vogelschwärme auf dem Bahnhof

Als ich die silberglänzende neue Bahnhofshalle in Chemnitz besucht habe, war die Lichtinstallation in der Fassade noch nicht in Betrieb genommen worden. Auf Einladung der Architekten hat das Künstlerkollektiv „Random International“ in einem strengen Raster Lichtpunkte in die Fassade eingefügt, die bei Tageslicht unsichtbar bleiben, nachts aber aus der Fassade einen riesigen Bildschirm machen. Jeder Leuchtpunkt ist einzeln steuerbar, ein System, das einfache, monochrome Darstellungen möglich macht und an jene Lichtfassade erinnert, die das Berliner Büro realities:united 2003 in die Rundungen des Grazer Kunsthauses eingelassen hat. Dort allerdings lassen sich die Projektionen mittels einer eigenen Software steuern, wodurch Künstler die Möglichkeit haben, die Fassade des Kunsthauses passend zum Ausstellungsprogramm zu gestalten.

In Chemnitz scheint so etwas nicht vorgesehen zu sein. Random International bereiten stattdessen eine eigene Installation vor, mit der sie ihre Faszination für die Bewegung von Vogelschwärmen abstrahiert darstellen wollen. Wie schwarz-weiße Wellen sollen diese Bewegungen dann über die kühle, silbrige Box des Chemnitzer Hauptbahnhofs laufen. Es darf bezweifelt werden, ob diese künstlerische Intervention der grandiosen Strenge und der abstrakten Härte dieser Fassade gut tun wird. Denn tagsüber wirkt diese wie ein über die rechteckige Hallen-Box gespannter Vorhang und formuliert damit einen äußerst angenehmen Kontrast zu der extrem unruhigen, lauten Bahnhofsumgebung, die von schrillbunten Werbeanzeigen und Ladenschildern der üblichen Handelsketten geprägt ist. Die Architektur von Grüntuch Ernst weiß die Lautstärke dieser Umgebung aufs Angenehmste zu beruhigen. Ob die Lichtinstallation diesen Effekt verstärkt oder dem Umfeld eine weitere, unruhige Dissonanz hinzufügt, wird sie noch beweisen müssen.

www.gruentuchernst.de

Wandernde Lichtpunkte: Die Installation des Künstlerkollektivs „Random International“ ist von Vogelschwärmen inspiriert. Foto Jan Bitter © Grüntuch Ernst Architekten
Ein neuer, überdachter Platz für Chemnitz: Grüntuch Ernst haben mit ihrem Umbau den Stadtraum erweitert. Fotos Jan Bitter © Grüntuch Ernst Architekten
Der Grundriss zeigt das historische Empfangsbebäude und die Bahnhofshalle. Deutlich erkennbar sind die Gleise für Straßenbahn und Regionalzüge, die dort gleichermaßen an- und abfahren. Planzeichnung © Grüntuch Ernst Architekten
Ansicht der neuen Gleishalle mit einem vorgelagerten Podium, das eine Aufenthaltefläche mit Bänken und breiten Sitzstufen ausbildet. Planzeichnung © Grüntuch Ernst Architekten
Siebziger-Jahre-Fassade mit Schachbett-Muster: Die Halle des Chemnitzer Hauptbahnhofs vor dem Umbau im Jahr 1992. Foto © Iproplan
Video © Grüntuch Ernst
Architektur › 2016 › September
Chemnitzer Glanzstück
von Florian Heilmeyer | 6. September 2016
Lange war die alte Bahnhofshalle in Chemnitz nicht mehr als ein Relikt aus DDR-Zeiten. Jetzt haben Grüntuch Ernst Architekten sie in einen angenehmen, offenen und überdachten Stadtplatz verwandelt.
Der Hauptbahnhof in Chemnitz ist eine ziemlich große Collage. Seit 1852 die erste Bahnstrecke eröffnet wurde, um die prosperierende Industriestadt mit Leipzig, Dresden, Riesa und Zwickau zu verbinden, ist der Bahnhof kontinuierlich erweitert, umgebaut oder umstrukturiert worden. So steht heute noch ein hübsches, klassizistisches Bahnhofsgebäude aus dem Jahr 1872 am Bahnhofsplatz, das freilich nur ein relativ kleines Eingangsgebäude zur dahinterliegenden Bahnsteighalle darstellt. Fast wirkt es wie eine Potemkinsche Fassade, die den dahinter verborgenen, weitläufigen Gleis- und Rangieranlagen, Barracken, Depots und Schuppen ein einigermaßen ordentliches Gesicht gibt.

Den heftigen Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg entging der Bahnhof weitgehend, allerdings wurden die wenigen Schäden nach dem Krieg lange nicht repariert. Wie für viele der großen Bahnhöfe in der noch jungen DDR, wurden zwar umfassende Neuplanungen für das gesamte Bahnhofsgebiet entworfen, allerdings nicht umgesetzt. In Chemnitz – für knapp 40 Jahre nun Karl-Marx-Stadt – wurde dem Aufbau der sozialistischen Wohnsiedlungen auf den Leerflächen und in der Peripherie Vorrang gegeben.

Die Bahnhofshalle verfiel und wurde 1972 endgültig abgerissen. Stattdessen wurde eine zweischiffige, 13 Meter hohe Halle aus Beton und Stahl über die meisten Bahnsteige gesetzt, deren Architektur sich eher mit anderen großen Konstruktionen der DDR-Moderne in Bezug setzen ließ als mit ihrer direkten Umgebung. Weder zu den verbliebenen Stadthäusern des Zentrums noch zum Klassizismus des erhaltenen Bahnhofsgebäudes versuchte diese Halle architektonisch einen Kontakt herzustellen, ihr Schachbrettmuster aus Betonfertigteilen erinnerte mehr an die neuen Kaufhäuser, sie öffnete sich lieber zum Himmel als zur Stadt und war sich eindeutig selbst genug.

In den Jahren 1992 bis 1994 musste diese Halle abermals saniert werden; danach geschah erst einmal lange Zeit nichts. Vielleicht wollte die Deutsche Bahn zunächst abwarten, wie es mit der Region weiterging? Die sinkenden Fahrgastzahlen führten letztlich zur Entscheidung, den stolzen, großen Bahnhof 2006 vom Fernverkehrsnetz abzukoppeln. Seitdem ist Chemnitz die einwohnerstärkste Stadt Deutschlands, die nur noch von Regionalzügen angefahren wird.
Entsprechend begannen Planungen für eine weitere grundlegende Umstrukturierung des Bahnhofs. Unter dem schönen Namen „Chemnitzer Modell“ entwickelt die Bahn hier ein neues Konzept, bei dem nun auch die Straßenbahnen des Regionalverbundes direkt in die große Bahnsteighalle fahren können, was das Umsteigen erleichtert. Besondere Weichen sollen es künftig auch möglich machen, dass Züge der Straßenbahn hier direkt aufs Streckennetz der Deutschen Bahn wechseln können.

Alte Halle, neue Hülle

Den Wettbewerb für die Neugestaltung der Halle hat 2004 das Berliner Architektenbüro von Armand Grüntuch und Almut Grüntuch-Ernst gewonnen. Gemäß ihres Vorschlages wurde die Tragstruktur der Halle aus den 1970er-Jahren bewahrt und ertüchtigt, deren Verkleidung allerdings weitgehend entsorgt. Ein Quergebäude wurde abgerissen und das Niveau der ersten vier Gleise so weit abgesenkt, dass es nun auf einer Höhe mit der Stadt liegt. Hier führen die Gleise der Straßenbahnen nun direkt in die Halle hinein – und die Halle öffnet sich auf ganz erstaunliche Weise zur Stadt: Als hätte jemand den alten Vorhang ein Stück weit hochgezogen, schaut man auf der gesamten Gebäudelänge in die Halle und durch sie hindurch. Der alte Muff, die Verschlossenheit und Dunkelheit der früheren Halle sind verschwunden. Stattdessen lässt sich aus den umliegenden Stadtteilen heraus nun verblüfft feststellen, dass dieser Bahnhof auch ein ganz erstaunlicher, überdachter Stadtplatz sein kann. Die Straßenbahnen fahren nun parallel zu den Gleisanlagen der Regionalbahnen in Nord-Süd-Richtung durch die große, helle Halle. Entlang der Westseite wurde aus breiten Sitzstufen ein kleines Podium geformt, auf dem Bäume und einige grüne Bänke stehen und von dem aus sich die ganze Bahnsteighalle mit ihrem Betrieb angenehm überblicken lässt.
Um all das reaktivieren zu können, wurde auf die Stahlbeton-Pfeiler eine neue Stahlkonstruktion aufgesetzt; das alte Dach blieb weitgehend erhalten. Entlang der Seitenwände aber bilden jetzt mattierte ETFE-Membranen die neue Fassade zur Stadt. Deren gebogene Flächen glänzten silbern im Chemnitzer Sonnenschein, als ich den Bahnhof im Sommer besuchte. Von außen wirken die Fassadenelemente relativ opak, innen hingegen ist ein leichtes Textil über die Konstruktion gespannt, sodass Tageslicht tief in die Halle einfallen kann. Im Schattenspiel wird darin auch das Gestänge der Stahlkonstruktion mit seinen Wartungsstegen sichtbar. Die unterschiedlich großen Fassadenmodule beziehen sich ein wenig auf die schachbrettartige Gestaltung der entfernten 70er-Jahre-Fassade, aber das fällt kaum weiter auf. An den Unterseiten, wo Passanten und Reisende unter der Fassade hindurch in die Halle laufen, ist die Konstruktion mit poliertem Edelstahl versehen: Wer hinauf blickt, sieht sich selbst in einer verzerrten Reflektion, leicht verwischt, so als wäre man mit hoher Geschwindigkeit unterwegs.

Der Effekt dieser geöffneten Halle ist verblüffend: Sie wird zum belebten Stadtplatz, der insbesondere den umliegenden Straßenräumen ausgesprochen gut tut und sie aus ihrem bisherigen Schattendasein befreit. So strahlen die Mauer- und die Minna-Simon-Straße nun im silbrigen Glanz des ETFE, als ob jemand sie jemand großzügig neu und hell beleuchtet hätte.

Vogelschwärme auf dem Bahnhof

Als ich die silberglänzende neue Bahnhofshalle in Chemnitz besucht habe, war die Lichtinstallation in der Fassade noch nicht in Betrieb genommen worden. Auf Einladung der Architekten hat das Künstlerkollektiv „Random International“ in einem strengen Raster Lichtpunkte in die Fassade eingefügt, die bei Tageslicht unsichtbar bleiben, nachts aber aus der Fassade einen riesigen Bildschirm machen. Jeder Leuchtpunkt ist einzeln steuerbar, ein System, das einfache, monochrome Darstellungen möglich macht und an jene Lichtfassade erinnert, die das Berliner Büro realities:united 2003 in die Rundungen des Grazer Kunsthauses eingelassen hat. Dort allerdings lassen sich die Projektionen mittels einer eigenen Software steuern, wodurch Künstler die Möglichkeit haben, die Fassade des Kunsthauses passend zum Ausstellungsprogramm zu gestalten.

In Chemnitz scheint so etwas nicht vorgesehen zu sein. Random International bereiten stattdessen eine eigene Installation vor, mit der sie ihre Faszination für die Bewegung von Vogelschwärmen abstrahiert darstellen wollen. Wie schwarz-weiße Wellen sollen diese Bewegungen dann über die kühle, silbrige Box des Chemnitzer Hauptbahnhofs laufen. Es darf bezweifelt werden, ob diese künstlerische Intervention der grandiosen Strenge und der abstrakten Härte dieser Fassade gut tun wird. Denn tagsüber wirkt diese wie ein über die rechteckige Hallen-Box gespannter Vorhang und formuliert damit einen äußerst angenehmen Kontrast zu der extrem unruhigen, lauten Bahnhofsumgebung, die von schrillbunten Werbeanzeigen und Ladenschildern der üblichen Handelsketten geprägt ist. Die Architektur von Grüntuch Ernst weiß die Lautstärke dieser Umgebung aufs Angenehmste zu beruhigen. Ob die Lichtinstallation diesen Effekt verstärkt oder dem Umfeld eine weitere, unruhige Dissonanz hinzufügt, wird sie noch beweisen müssen.

www.gruentuchernst.de