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Das Design ist am 11. September 2001 zerstört worden
von Nancy Jehmlich | 6. Februar 2009
Matteo Thun

Draußen regnet es. Die ganze Dachterrasse steht fast unter Wasser. Dem Architekten Matteo Thun wäre eine Dachfläche ohne Gefälle vermutlich nicht passiert. Währenddessen spricht er bei Parador, dem in Coesfeld ansässigen Unternehmen für Bodenkonzepte, über das erste Zusammentreffen mit deren Kreativteam. Er erzählt von den „schwarz gekleideten Männern", dem „stalinistischen Gespräch" und über die Fußleiste als Lüge, aber vor allem über seine schlechten Erfahrungen mit dem Bodenbelag Laminat: Es quillt, ist ungenau und will etwas sein, das es nicht ist. Die Laminatböden von Parador wollen genau das ändern und setzen dabei neue Maßstäbe. Die verschiedenen Gütesiegel belegen die hohe Qualität. Derweil regnet es weiter. Inspiriert von dem Dauertröpfeln erzählt Matteo Thun von einem Hotelprojekt, in dem sie „artificial water noise generieren müssen, damit der Lärm aus der Talsohle kompensiert wird."

Mit der Laminat Edition 1 von Parador wird das Laminat aus der unliebsamen Ecke des Holz- und Parkettimitats geholt und ein Stück weit verselbständigt. Was interessierte Sie an dem Projekt für Parador verschiedene Bodendesigns zu entwerfen?
Matteo Thun: Mich interessiert das Material Holz in seiner taktilen Oberflächenqualität, den Mehrwert der Offenporigkeit auf einer industriellen Basis herzustellen.

Vor zehn Jahren entwarfen Sie für Vorwerk Teppichbeläge. Inwiefern hat sich seitdem die Rolle des Designers verändert?
Thun: Die Rolle des Designers hat sich dahingehend nicht verändert, dass ich nie Designer war. Ich bin Architekt von Beruf. Ich kann ihnen keine Antwort darauf geben, was Design ist.

Gut, dann eine Frage an den Architekten Matteo Thun: Der Höhepunkt des Teppichs scheint für das Erste vorbei zu sein. Können Sie eine Prognose für die nächsten zehn Jahre abgeben?
Thun: Ich glaube, wir leben in einer Phase der Deregulation. Man kann nicht mehr von Megatrends sprechen, man kann auch nicht von Zyklen sprechen. Es findet eine Pulverisierung in der Nutzung verschiedenster Materialien statt. Eins steht fest, die Nachhaltigkeit und der Glaube an ästhetischer und technischer Dauerhaftigkeit stehen heute mehr denn je im Vordergrund. Als ich meine erste Vorwerk Teppichkollektion gemacht habe, zusammen mit Künstler - das war 1990 oder vielleicht auch einige Jahre vorher -, da waren wir noch in der Zeit, in der weltweit die Popkultur vorherrschte. Da war bei Einigen diese vordergründige Freude am Konsum vorhanden. Das ist seit dem 11. September nicht mehr so.

Wie meinen Sie das?
Thun: Der 11. September war ein Erwachen aus dem Konsumnirvana, aus einer vordergründigen Lust zu kaufen ohne zu reflektieren, ob man etwas braucht. Für eine kurze Weile wurde die sowohl nordamerikanische als auch zentralamerikanische Zivilisation gestoppt und wir sind ebenso geläutert aus diesem Schock hervorgegangen wie wir hoffentlich - und ich glaube wirklich daran - am Ende des Jahres 2009 in eine fantastische Phase der Überlegtheit und Nachhaltigkeit eingehen werden.

Glauben Sie nicht auch, dass Einflüsse wie Klimaerwärmung und Globalisierung eine Rolle dabei spielen?
Thun: Als Architekten sind wir aufgerufen die Nachhaltigkeit technisch sowie ästhetisch zu bewältigen. Ich selbst folge dem Credo „low tech by high tech", nämlich mit der Nutzung von einfachsten und komplexen Technologien, einen Planeten Erde in einer Weise unseren Kindern zu übergeben, die sich nicht unaufhaltsam verschlechtert. Das verstehe ich unter Nachhaltigkeit. Das heißt, wir Architekten haben mehr denn je eine Verpflichtung und kommen dieser Verpflichtung bestimmt nicht durch eine technische Eskalation nach.

Sie sagen, „ein Boden-Design ist nur gut, wenn es der Funktion des Raumes entspricht". Welche Funktionen des Raumes können sie sich bei ihren Bodenentwürfen vorstellen?
Thun: Immer eine Emotionale, eine Optische. Die Maxime von Goethe: „Man sieht mit den Fingerspitzen, man greift mit den Augen". Sensorialität steht im Vordergrund und die Funktion der Sensorialität ist heute auch gleichbedeutend mit Ästhetik.

Parador bietet sehr viele unterschiedliche Designs an. Meinen Sie, dass die Welt so viel Individualismus braucht?
Thun: Das ist nicht die Frage, ob die Welt Individualismus braucht, sondern wie viele fantastische Essenzen aus der Erde wachsen, wie viele verschiedene Bäume können wir im Sinne von Nachhaltigkeit nutzen ohne den Prozess des Wiederwachsens zu stören.

Wie groß ist der Einfluss des Designers nicht nur die Oberfläche des Produkts zu gestalten, sondern auch das Produkt hinsichtlich seiner Eigenschaften zu verbessern?
Thun: Das ist das zentrale Thema. Es geht hier mehr denn je in Zusammenarbeit mit Parador, mit einem hoch kompetenten technischen Team, darum Probleme zu lösen, wie zum Beispiel das Fugenbild, die Rutschfestigkeit und nicht zuletzt ein ganz spannendes Thema, das Parador sich prioritär gesetzt hat, nämlich der Einsatz von Holz im Außenbereich.

Bei der Architektur muss man sich für oder gegen den Kontext entscheiden. Wie ist es bei den Bodenbelägen?
Thun: Es gilt nach wie vor den Genius loci, die Seele des Ortes, zu verstehen - das ist die Aufgabe eines Architekten. Man könnte das auch die Maieutik des Holzes nennen, nämlich die Hebammenkunst, welches Holz an welchen Ort gehört.

Momentan debattiert die Fachwelt erneut über die Daseinsberechtigung des Ornaments. Sie sind ein eher funktional ausgerichteter Entwerfer. Meinen Sie die Schönheit gehört zur Funktion?
Thun: Ich kann die Frage nicht beantworten. Ästhetik ist ein subjektives Credo. Schönheit - und das ist das Einzige woran ich glaube - ist genauso eine Notwendigkeit wie das Essen und Trinken.

Bei welchen Bauprojekten werden Sie Ihren Boden einsetzen?
Thun: Bei sehr vielen. Ich wünsche mir in Zukunft mit Parador einen Problemlöser zu finden, der mir Boden, Wand, Decke aus einer Hand liefert. Und das ganze mit der Sensorialität, mit der ich Parador auch kennengelernt habe, mit der ich sie sogar provoziert habe, und ich bin heute außerordentlich überrascht, dass nach einem knappen Jahr technischer Entwicklung alle Probleme gelöst wurden.

Laminat Edition 1 WOOD MEMORY 1 von Matteo Thun für Parador
Parador Produktgalerie
Parador Laminat Edition 1 Ausstellung
Parador Trendcenter
Parador Trendcenter
News & Stories › 2009 › Februar
Das Design ist am 11. September 2001 zerstört worden
von Nancy Jehmlich | 6. Februar 2009
Jeden Morgen trinke ich aus einem von ihm entworfenen Porzellanbecher Tee. Das Lieblingshotel einer Freundin stammt aus seiner Feder. Matteo Thun gehört unbestritten zu den großen Gestaltern unserer Zeit. Für Parador entwarf er mehrere Bodendesigns. Wir sprachen mit dem Architekten über die taktilen Reize von Holz und den Untergang des Designs.
Draußen regnet es. Die ganze Dachterrasse steht fast unter Wasser. Dem Architekten Matteo Thun wäre eine Dachfläche ohne Gefälle vermutlich nicht passiert. Währenddessen spricht er bei Parador, dem in Coesfeld ansässigen Unternehmen für Bodenkonzepte, über das erste Zusammentreffen mit deren Kreativteam. Er erzählt von den „schwarz gekleideten Männern", dem „stalinistischen Gespräch" und über die Fußleiste als Lüge, aber vor allem über seine schlechten Erfahrungen mit dem Bodenbelag Laminat: Es quillt, ist ungenau und will etwas sein, das es nicht ist. Die Laminatböden von Parador wollen genau das ändern und setzen dabei neue Maßstäbe. Die verschiedenen Gütesiegel belegen die hohe Qualität. Derweil regnet es weiter. Inspiriert von dem Dauertröpfeln erzählt Matteo Thun von einem Hotelprojekt, in dem sie „artificial water noise generieren müssen, damit der Lärm aus der Talsohle kompensiert wird."

Mit der Laminat Edition 1 von Parador wird das Laminat aus der unliebsamen Ecke des Holz- und Parkettimitats geholt und ein Stück weit verselbständigt. Was interessierte Sie an dem Projekt für Parador verschiedene Bodendesigns zu entwerfen?
Matteo Thun: Mich interessiert das Material Holz in seiner taktilen Oberflächenqualität, den Mehrwert der Offenporigkeit auf einer industriellen Basis herzustellen.

Vor zehn Jahren entwarfen Sie für Vorwerk Teppichbeläge. Inwiefern hat sich seitdem die Rolle des Designers verändert?
Thun: Die Rolle des Designers hat sich dahingehend nicht verändert, dass ich nie Designer war. Ich bin Architekt von Beruf. Ich kann ihnen keine Antwort darauf geben, was Design ist.

Gut, dann eine Frage an den Architekten Matteo Thun: Der Höhepunkt des Teppichs scheint für das Erste vorbei zu sein. Können Sie eine Prognose für die nächsten zehn Jahre abgeben?
Thun: Ich glaube, wir leben in einer Phase der Deregulation. Man kann nicht mehr von Megatrends sprechen, man kann auch nicht von Zyklen sprechen. Es findet eine Pulverisierung in der Nutzung verschiedenster Materialien statt. Eins steht fest, die Nachhaltigkeit und der Glaube an ästhetischer und technischer Dauerhaftigkeit stehen heute mehr denn je im Vordergrund. Als ich meine erste Vorwerk Teppichkollektion gemacht habe, zusammen mit Künstler - das war 1990 oder vielleicht auch einige Jahre vorher -, da waren wir noch in der Zeit, in der weltweit die Popkultur vorherrschte. Da war bei Einigen diese vordergründige Freude am Konsum vorhanden. Das ist seit dem 11. September nicht mehr so.

Wie meinen Sie das?
Thun: Der 11. September war ein Erwachen aus dem Konsumnirvana, aus einer vordergründigen Lust zu kaufen ohne zu reflektieren, ob man etwas braucht. Für eine kurze Weile wurde die sowohl nordamerikanische als auch zentralamerikanische Zivilisation gestoppt und wir sind ebenso geläutert aus diesem Schock hervorgegangen wie wir hoffentlich - und ich glaube wirklich daran - am Ende des Jahres 2009 in eine fantastische Phase der Überlegtheit und Nachhaltigkeit eingehen werden.

Glauben Sie nicht auch, dass Einflüsse wie Klimaerwärmung und Globalisierung eine Rolle dabei spielen?
Thun: Als Architekten sind wir aufgerufen die Nachhaltigkeit technisch sowie ästhetisch zu bewältigen. Ich selbst folge dem Credo „low tech by high tech", nämlich mit der Nutzung von einfachsten und komplexen Technologien, einen Planeten Erde in einer Weise unseren Kindern zu übergeben, die sich nicht unaufhaltsam verschlechtert. Das verstehe ich unter Nachhaltigkeit. Das heißt, wir Architekten haben mehr denn je eine Verpflichtung und kommen dieser Verpflichtung bestimmt nicht durch eine technische Eskalation nach.

Sie sagen, „ein Boden-Design ist nur gut, wenn es der Funktion des Raumes entspricht". Welche Funktionen des Raumes können sie sich bei ihren Bodenentwürfen vorstellen?
Thun: Immer eine Emotionale, eine Optische. Die Maxime von Goethe: „Man sieht mit den Fingerspitzen, man greift mit den Augen". Sensorialität steht im Vordergrund und die Funktion der Sensorialität ist heute auch gleichbedeutend mit Ästhetik.

Parador bietet sehr viele unterschiedliche Designs an. Meinen Sie, dass die Welt so viel Individualismus braucht?
Thun: Das ist nicht die Frage, ob die Welt Individualismus braucht, sondern wie viele fantastische Essenzen aus der Erde wachsen, wie viele verschiedene Bäume können wir im Sinne von Nachhaltigkeit nutzen ohne den Prozess des Wiederwachsens zu stören.

Wie groß ist der Einfluss des Designers nicht nur die Oberfläche des Produkts zu gestalten, sondern auch das Produkt hinsichtlich seiner Eigenschaften zu verbessern?
Thun: Das ist das zentrale Thema. Es geht hier mehr denn je in Zusammenarbeit mit Parador, mit einem hoch kompetenten technischen Team, darum Probleme zu lösen, wie zum Beispiel das Fugenbild, die Rutschfestigkeit und nicht zuletzt ein ganz spannendes Thema, das Parador sich prioritär gesetzt hat, nämlich der Einsatz von Holz im Außenbereich.

Bei der Architektur muss man sich für oder gegen den Kontext entscheiden. Wie ist es bei den Bodenbelägen?
Thun: Es gilt nach wie vor den Genius loci, die Seele des Ortes, zu verstehen - das ist die Aufgabe eines Architekten. Man könnte das auch die Maieutik des Holzes nennen, nämlich die Hebammenkunst, welches Holz an welchen Ort gehört.

Momentan debattiert die Fachwelt erneut über die Daseinsberechtigung des Ornaments. Sie sind ein eher funktional ausgerichteter Entwerfer. Meinen Sie die Schönheit gehört zur Funktion?
Thun: Ich kann die Frage nicht beantworten. Ästhetik ist ein subjektives Credo. Schönheit - und das ist das Einzige woran ich glaube - ist genauso eine Notwendigkeit wie das Essen und Trinken.

Bei welchen Bauprojekten werden Sie Ihren Boden einsetzen?
Thun: Bei sehr vielen. Ich wünsche mir in Zukunft mit Parador einen Problemlöser zu finden, der mir Boden, Wand, Decke aus einer Hand liefert. Und das ganze mit der Sensorialität, mit der ich Parador auch kennengelernt habe, mit der ich sie sogar provoziert habe, und ich bin heute außerordentlich überrascht, dass nach einem knappen Jahr technischer Entwicklung alle Probleme gelöst wurden.