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Das große Teilen
von Adeline Seidel | 12. September 2013
Auch die Automobilindustrie setzt auf Car-Sharing als neues Mobilitätskonzept: „Car2Go“ von Mercedes-Benz. Foto © Car2Go
Alles begann – man ahnt es – mit dem Internet. In sozialen Netzwerken und auf Open-Source-Plattformen hat eine ganze Generation schon früh die Prinzipien des Teilens und Tauschens verinnerlicht. Nun übertragen die sogenannten „Digital Natives“ diese Kulturtechniken auf den realen sozialen Raum. Statt Musiktitel oder Dateien teilt man nun im Hier und Jetzt Gegenstände und Serviceleistungen. Und das verändert die bisherige Einstellung zum Konsum: „Collaborative Consumption“ bietet ein alternatives Wirtschaftsmodell, bei dem es vermehrt um Nutzen statt Besitzen geht: Dinge und Ressourcen werden für viele zugänglich.

Rachel Botsman veröffentlichte 2010 gemeinsam mit Roo Rogers das Buch „What’s Mine is Yours: How Collaborative Consumption is Chan­ging the Way We Live”. Nun, gut drei Jahre später, kann man ohne weiteres behaupten: gemeinsam zu konsumieren hat sich etabliert. Teilen ist keine Eintagsfliege. Im Gegenteil. Wie die steigende Anzahl der Sharing-Plattformen zeigt, ist „Collaborative Consumption“ eine soziale Bewegung, die wächst. Das Teilen und gemeinsame Nutzen macht uns nicht nur leichtfüßiger, wir lernen auch Menschen in unserem unmittelbaren Umfeld kennen, die wir ohne Tauschen und Teilen wohl kaum getroffen hätten. Sharing stärkt eine neue Form des losen, aber offenen und unkomplizierten Miteinanders. „Peer-to-peer“-Netzwerke eröffnen zudem die Möglichkeit, etwas dazuzuverdienen – und, je nach Profession und Ambition, sogar ein nicht unerhebliches Auskommen zu erwirtschaften. Aber wie weit ist es mit der Alltagstauglichkeit des Teilens und Tauschen? Ist es nur etwas für Idealisten und Menschen mit viel Zeit?

Da wir uns – rund um die IAA – gerade dem Thema „Assistenzsysteme“ widmen, haben wir uns einfach mal angesehen, wie und womit sich das Teilen im Alltag bewerkstelligen lässt. Wir beginnen mit der Fahrt zum Arbeitsplatz, besorgen uns ein anderes – nicht mehr neues – T-Shirt, hängen ein Bild auf, ohne auch nur ein Werkzeug zu besitzen, und kochen zum Abschluss ohne eine eigene Küche für zwölf Freunde.

Nicht ein Auto, sondern viele!

Die Automobilindustrie ist besorgt: Das Auto ist für die junge, urbane Generation kein Statussymbol mehr. Gerade in Ballungsräumen erweist sich der Besitz eines solchen Gefährts als teuer und bei der Parkplatzsuche als wenig praktisch. Mit Fahrrad und Nahverkehr ist man häufig schneller unterwegs. Während im Jahr 2000 noch gut die Hälfte der Männer im Alter von 18 bis 29 Jahren ein Auto ihr Eigen nannte, sind es heute in Deutschland nur noch ein Drittel. Im Vergleich dazu hat sich die Anzahl der Nutzer, die Car-Sharing betreiben, in den vergangen sieben Jahren verdreifacht. Grund dafür ist die vereinfachte Nutzung über das Smartphone, das jederzeit und von überall den Zugang zur temporären Nutzung eines Autos ermöglicht. Wenig verwunderlich, dass Autohersteller wie BMW und Mercedes mit ihren Car-Sharing-Modellen „DriveNow“ und „Car2Go“ nachziehen, um mit den abtrünnigen Nicht-Autobesitzern in Kontakt zu treten und sich an künftigen Geschäftsmodellen rund um die Mobilität zu beteiligen.

Mit dem Auto Geld verdienen

Auch all jene, die nicht mit dem Wagen ins Büro fahren, müssen ihren vierrädrigen Freund nicht ungenutzt zuhause stehen lassen. „Lass Dein Auto Geld verdienen“ lautet die Devise der Peer-to-peer-Plattform „Tamyca“, deren ungewöhnlicher Name für „Take my car“ steht. Derzeit bietet die Plattform für privates Car-sharing rund 3.500 Fahrzeuge in 650 Städten an. Wer sein Auto vermieten möchte, legt ein Profil von sich und seinem Wagen an. Ein Kalender zeigt dem potenziellen Nutzer an, wann der Wagen verfügbar ist und was er kostet. Neben der Annehmlichkeit, Zugriff auf unterschiedliche Autos zu haben – vom James-Bond-Auto Aston Martin bis zum alten Mini wie von Mr. Bean ist alles dabei –, kommt ein weiterer Faktor hinzu: der soziale Kontakt. Denn bei der Übergabe ist der Besitzer des Wagens in der Regel dabei; angeblich sollen sich so schon Liebespaare gefunden haben.

Bei Fremden Parken

Wir haben also einen fahrbaren Untersatz und sind unterwegs. Nun stellt sich die Frage: wohin mit dem Auto? Gerade in Städten ist das Parken für die meisten Autofahrer ein Ärgernis. Die Lösung: Man stellt das Gefährt bei jemandem ab und der bekommt ein wenig Geld dafür. Das ist zumindest das erfolgreiche Konzept von „ParkatmyHouse“. Die Peer-to-peer-Plattform vernetzt Parkplatzsuchende mit all jenen, die einen Abstellplatz anbieten, wenn sie beispielsweise tagsüber selbst nicht zuhause sind, der Parkplatz also frei bleibt. Mittlerweile ist ParkatmyHouse auch in den Vereinigten Staaten und Kanada erfolgreich. 2011 investierte BMW in das Sharing-Unternehmen und integriert die ParkatmyHouse-App in die BMW-eigenen Service-Apps. So möchte der Automobilhersteller seinen Kunden eine bequeme Mobilität bieten – über das eigentliche Autofahren hinaus.

Auf dem Sofa surfen

Wer weltweit unterwegs ist und zwischenmenschliche Kontakte nicht scheut –Soziophoben und Misanthropen sei grundsätzlich von „Collaborative Consumption“ abgeraten – kann mit „Couchsurfing“ günstiger übernachten als im Hotel. Wie der Name schon sagt: Man schläft auf dem Gästesofa eines fremden Menschen. Kostenlos. Online sucht man auf der Peer-to-Peer-Plattform in der passenden Stadt aber nicht nur eine logistisch sinnvoll gelegene Unterkunft. Man schaut sich auch die Profilbeschreibung des Gastgebers an und entscheidet, ob man diesen sympathisch findet. Natürlich muss man auch selbst gewillt sein, Fremde bei sich übernachten zu lassen. Die „Community“ entlarvt Schmarotzer durch das Bewertungssystem recht schnell.

Zimmer-Vermittlung

Wer etwas mehr soziale Distanz bevorzugt, der wird bei „Airbnb“ fündig. Hier wird für ein Zimmer, ein Apartment oder auch ein ganzes Haus klassisch mit Geld bezahlt. Mittlerweile ist diese Peer-to-peer-Plattform zu eine der erfolgreichsten Webseiten für all jene geworden, die nicht im Hotel übernachten wollen, sondern einfach anders übernachten möchten – sei es in einer ungewöhnlichen Wohnung, in einem anderem Stadtviertel oder sogar in einem Baumhaus. In 192 Ländern weltweit findet man hier mehr als 33.000 mögliche Domizile.

Kostenlos Neues zum Anziehen

Wenn man unterwegs ist und nichts passendes zu Anziehen hat, so tauscht man das neue Outfit sich auf „Swappingparties“ oder auf Onlineplattformen wie "Kleiderkreisel" oder "Swapstyle" einfach zusammen. Denn was einem nicht mehr passt oder was man selber nicht mehr sehen kann, ist vielleicht eines anderen neues Lieblingsteil. Dank größerer Reichweite ist die Wahrscheinlichkeit etwas Passendes zu finden wesentlich höher, als wenn man sich nur im eigenen Freundeskreis bewegt.

Für die schnelle Hilfe von Nebenan

Der „kollaborative Konsum“ des Teilens und Nutzens bezieht sich aber nicht nur auf Waren und Güter. Auch Dienstleistungen von Einzelpersonen werden zunehmend im Netz angeboten, lässt sich der ameisenartige Marktcharakter doch nur über Netzwerkstrukturen erschließen. Bei „Taskrabbit“ kann jeder ein Profil zu seiner Person und seinem Können anlegen. Die Dienstleistungsange­bote reichen von Möbelaufbau bis zu Gartenpflege, von der Hilfe bei der Steuererklärung bis zur Hundeerziehung. Da ist beispielsweise Dan B., einer der „Top Taskrabbits“ mit bereits 300 Bewertungen – allesamt positiv. Ein wahrer Alleskönner. Online kann man verfolgen, wo er gerade ist und was er macht.

Heimwerkern ohne Werkzeugkasten

Was gibt es noch zu tun? „Frents“ funktioniert nach dem Motto „Was ich nicht habe, hat mein Nachbar“. Denn wer ein Bild aufhängen will braucht ein Loch in der Wand, aber und nicht gleich eine Bohrmaschine. Frents ist eine Art „Facebook der Dinge“. Und via Facebook kann man sich mit Gleichgesinnten ver­netzen und von dem „gemeinsamen“ Ding-Pool profitieren, in dem man jene Gegenstände online stellt, die man verleihen will. So spart man Geld und lernt gleichzeitig neue Menschen kennen.

Wohnraumerweiterung

Bei vielen Ein- bis Zwei-Personenhaushalten bleibt die Küche oft kalt. Entweder ißt man mit Freunden abends im Restaurant – oder der kleine Snack tut es auch. Warum also einen zwei Meter langen Tisch und dazu passend eine große Küche vorhalten, für die vier, fünf Mal im Jahr, an denen man Freunde zur großen Kochorgie einlädt? Gerade in Städten wie Hamburg, Frankfurt und München ist jeder Quadratmeter eine teure Angelegenheit und jede ungenutzte Fläche Luxus. „Gekreuzte Möhrchen“ ist eine Küche mit langer Tafel mitten in Hamburg, die man bei Bedarf mieten kann. Blickt man nach Japan, kann man erahnen, dass es noch mehr Angebote des bewohnbaren „Shared-Space“ geben wird: von kleinen Räumen, wo man für eine Stunde ganz allein sein kann, gemeinsamen Spielzimmern bis zu Streichelzimmern für Teilzeitkatzenbesitzer.

Mikroökonomien zwischen dir und mir

Die einzelnen Sharing-Angebote bieten somit eine Alternative für all jene, die nicht die Serviceangebote der „großen“ Dienstleister in Anspruch nehmen wollen und das zwischenmenschliche Miteinander schätzen. Dennoch entsteht keine neue Tauschwirtschaft im eigentlichen Sinne – auch wenn die digitale Vernetzung die Wahrscheinlichkeit erhöht, einen Tauschpartner zu finden. Ohne Geld geht es auch auf den meisten Plattformen nicht. Die „Digital Natives“ nehmen trotzdem eine neue Rolle ein: Sie sind nicht mehr nur Konsumenten, sondern zugleich auch Anbieter und Produzenten. So gibt es auf „Airbnb“ zunehmend „professionelle Sharer“. Vermehrt findet man Profile, die nicht nur eine Wohnung oder ein Zimmer anbieten, sondern eine bunte Palette an Wohnungen in allen Größen und Lagen zu Auswahl haben.

Insgesamt sind solche Kleinstdienstleistungen zwischen dir und mir überraschend professionell organisiert und alltagstauglich, da unkompliziert. Insbesondere in Ballungszentren entsteht auf diese Weise ein vielfältiges Angebot. Es ist vor allem der Städter, nicht selten der Single, der sich eine „Community“ wünscht, die ähnlich hilfsbereit ist wie eine Familie oder Dorfgemeinschaft – aber bitte flexibler und ungezwungener.
In Deutschland hat sich die Anzahl der Nutzer, die Car-Sharing betreiben, in den vergangen sieben Jahren verdreifacht. Foto © Car2Go
Für all jene, die nicht im Hotel übernachten wollen, gibt es „airbnb“. Foto © airbnb
Ob im Flieger oder im Baumhaus – oder zugleich in allem beiden – „airbnb“ macht’s möglich. Foto © airbnb
Ungewöhnliche Übernachtungsplätze, glückliche Gäste. Foto © airbnb
Für die Autoabtrünnigen hält BMW “DriveNow” parat. Foto © DriveNow/BMW Group
Für „DriveNow“ haben sich BMW und Mini mit Sixt zusammengeschlossen. Foto © DriveNow/BMW Group
“Tamyca”: Das Teilen macht nicht nur leichtfüßiger, wir lernen auch Menschen in unserem unmittelbaren Umfeld kennen. Foto ©Tamyca
Gemeinsamer "Ding"-Pool: "Frents". Foto © Frents
News & Stories › 2013 › September
Das große Teilen
von Adeline Seidel | 12. September 2013
Die wachsende Anzahl von Sharing-Plattformen macht uns beweglicher: Statt etwas zu besitzen, nutzen wir, was wir brauchen. Das spart Geld, schont Ressourcen und passt zu einem Lebensstil, der ebenso update-fähig sein muss wie ein Smartphone. Wir haben einige wichtige Sharing-Seiten für einen assistierten Alltag zusammengestellt.
Alles begann – man ahnt es – mit dem Internet. In sozialen Netzwerken und auf Open-Source-Plattformen hat eine ganze Generation schon früh die Prinzipien des Teilens und Tauschens verinnerlicht. Nun übertragen die sogenannten „Digital Natives“ diese Kulturtechniken auf den realen sozialen Raum. Statt Musiktitel oder Dateien teilt man nun im Hier und Jetzt Gegenstände und Serviceleistungen. Und das verändert die bisherige Einstellung zum Konsum: „Collaborative Consumption“ bietet ein alternatives Wirtschaftsmodell, bei dem es vermehrt um Nutzen statt Besitzen geht: Dinge und Ressourcen werden für viele zugänglich.

Rachel Botsman veröffentlichte 2010 gemeinsam mit Roo Rogers das Buch „What’s Mine is Yours: How Collaborative Consumption is Chan­ging the Way We Live”. Nun, gut drei Jahre später, kann man ohne weiteres behaupten: gemeinsam zu konsumieren hat sich etabliert. Teilen ist keine Eintagsfliege. Im Gegenteil. Wie die steigende Anzahl der Sharing-Plattformen zeigt, ist „Collaborative Consumption“ eine soziale Bewegung, die wächst. Das Teilen und gemeinsame Nutzen macht uns nicht nur leichtfüßiger, wir lernen auch Menschen in unserem unmittelbaren Umfeld kennen, die wir ohne Tauschen und Teilen wohl kaum getroffen hätten. Sharing stärkt eine neue Form des losen, aber offenen und unkomplizierten Miteinanders. „Peer-to-peer“-Netzwerke eröffnen zudem die Möglichkeit, etwas dazuzuverdienen – und, je nach Profession und Ambition, sogar ein nicht unerhebliches Auskommen zu erwirtschaften. Aber wie weit ist es mit der Alltagstauglichkeit des Teilens und Tauschen? Ist es nur etwas für Idealisten und Menschen mit viel Zeit?

Da wir uns – rund um die IAA – gerade dem Thema „Assistenzsysteme“ widmen, haben wir uns einfach mal angesehen, wie und womit sich das Teilen im Alltag bewerkstelligen lässt. Wir beginnen mit der Fahrt zum Arbeitsplatz, besorgen uns ein anderes – nicht mehr neues – T-Shirt, hängen ein Bild auf, ohne auch nur ein Werkzeug zu besitzen, und kochen zum Abschluss ohne eine eigene Küche für zwölf Freunde.

Nicht ein Auto, sondern viele!

Die Automobilindustrie ist besorgt: Das Auto ist für die junge, urbane Generation kein Statussymbol mehr. Gerade in Ballungsräumen erweist sich der Besitz eines solchen Gefährts als teuer und bei der Parkplatzsuche als wenig praktisch. Mit Fahrrad und Nahverkehr ist man häufig schneller unterwegs. Während im Jahr 2000 noch gut die Hälfte der Männer im Alter von 18 bis 29 Jahren ein Auto ihr Eigen nannte, sind es heute in Deutschland nur noch ein Drittel. Im Vergleich dazu hat sich die Anzahl der Nutzer, die Car-Sharing betreiben, in den vergangen sieben Jahren verdreifacht. Grund dafür ist die vereinfachte Nutzung über das Smartphone, das jederzeit und von überall den Zugang zur temporären Nutzung eines Autos ermöglicht. Wenig verwunderlich, dass Autohersteller wie BMW und Mercedes mit ihren Car-Sharing-Modellen „DriveNow“ und „Car2Go“ nachziehen, um mit den abtrünnigen Nicht-Autobesitzern in Kontakt zu treten und sich an künftigen Geschäftsmodellen rund um die Mobilität zu beteiligen.

Mit dem Auto Geld verdienen

Auch all jene, die nicht mit dem Wagen ins Büro fahren, müssen ihren vierrädrigen Freund nicht ungenutzt zuhause stehen lassen. „Lass Dein Auto Geld verdienen“ lautet die Devise der Peer-to-peer-Plattform „Tamyca“, deren ungewöhnlicher Name für „Take my car“ steht. Derzeit bietet die Plattform für privates Car-sharing rund 3.500 Fahrzeuge in 650 Städten an. Wer sein Auto vermieten möchte, legt ein Profil von sich und seinem Wagen an. Ein Kalender zeigt dem potenziellen Nutzer an, wann der Wagen verfügbar ist und was er kostet. Neben der Annehmlichkeit, Zugriff auf unterschiedliche Autos zu haben – vom James-Bond-Auto Aston Martin bis zum alten Mini wie von Mr. Bean ist alles dabei –, kommt ein weiterer Faktor hinzu: der soziale Kontakt. Denn bei der Übergabe ist der Besitzer des Wagens in der Regel dabei; angeblich sollen sich so schon Liebespaare gefunden haben.

Bei Fremden Parken

Wir haben also einen fahrbaren Untersatz und sind unterwegs. Nun stellt sich die Frage: wohin mit dem Auto? Gerade in Städten ist das Parken für die meisten Autofahrer ein Ärgernis. Die Lösung: Man stellt das Gefährt bei jemandem ab und der bekommt ein wenig Geld dafür. Das ist zumindest das erfolgreiche Konzept von „ParkatmyHouse“. Die Peer-to-peer-Plattform vernetzt Parkplatzsuchende mit all jenen, die einen Abstellplatz anbieten, wenn sie beispielsweise tagsüber selbst nicht zuhause sind, der Parkplatz also frei bleibt. Mittlerweile ist ParkatmyHouse auch in den Vereinigten Staaten und Kanada erfolgreich. 2011 investierte BMW in das Sharing-Unternehmen und integriert die ParkatmyHouse-App in die BMW-eigenen Service-Apps. So möchte der Automobilhersteller seinen Kunden eine bequeme Mobilität bieten – über das eigentliche Autofahren hinaus.

Auf dem Sofa surfen

Wer weltweit unterwegs ist und zwischenmenschliche Kontakte nicht scheut –Soziophoben und Misanthropen sei grundsätzlich von „Collaborative Consumption“ abgeraten – kann mit „Couchsurfing“ günstiger übernachten als im Hotel. Wie der Name schon sagt: Man schläft auf dem Gästesofa eines fremden Menschen. Kostenlos. Online sucht man auf der Peer-to-Peer-Plattform in der passenden Stadt aber nicht nur eine logistisch sinnvoll gelegene Unterkunft. Man schaut sich auch die Profilbeschreibung des Gastgebers an und entscheidet, ob man diesen sympathisch findet. Natürlich muss man auch selbst gewillt sein, Fremde bei sich übernachten zu lassen. Die „Community“ entlarvt Schmarotzer durch das Bewertungssystem recht schnell.

Zimmer-Vermittlung

Wer etwas mehr soziale Distanz bevorzugt, der wird bei „Airbnb“ fündig. Hier wird für ein Zimmer, ein Apartment oder auch ein ganzes Haus klassisch mit Geld bezahlt. Mittlerweile ist diese Peer-to-peer-Plattform zu eine der erfolgreichsten Webseiten für all jene geworden, die nicht im Hotel übernachten wollen, sondern einfach anders übernachten möchten – sei es in einer ungewöhnlichen Wohnung, in einem anderem Stadtviertel oder sogar in einem Baumhaus. In 192 Ländern weltweit findet man hier mehr als 33.000 mögliche Domizile.

Kostenlos Neues zum Anziehen

Wenn man unterwegs ist und nichts passendes zu Anziehen hat, so tauscht man das neue Outfit sich auf „Swappingparties“ oder auf Onlineplattformen wie "Kleiderkreisel" oder "Swapstyle" einfach zusammen. Denn was einem nicht mehr passt oder was man selber nicht mehr sehen kann, ist vielleicht eines anderen neues Lieblingsteil. Dank größerer Reichweite ist die Wahrscheinlichkeit etwas Passendes zu finden wesentlich höher, als wenn man sich nur im eigenen Freundeskreis bewegt.

Für die schnelle Hilfe von Nebenan

Der „kollaborative Konsum“ des Teilens und Nutzens bezieht sich aber nicht nur auf Waren und Güter. Auch Dienstleistungen von Einzelpersonen werden zunehmend im Netz angeboten, lässt sich der ameisenartige Marktcharakter doch nur über Netzwerkstrukturen erschließen. Bei „Taskrabbit“ kann jeder ein Profil zu seiner Person und seinem Können anlegen. Die Dienstleistungsange­bote reichen von Möbelaufbau bis zu Gartenpflege, von der Hilfe bei der Steuererklärung bis zur Hundeerziehung. Da ist beispielsweise Dan B., einer der „Top Taskrabbits“ mit bereits 300 Bewertungen – allesamt positiv. Ein wahrer Alleskönner. Online kann man verfolgen, wo er gerade ist und was er macht.

Heimwerkern ohne Werkzeugkasten

Was gibt es noch zu tun? „Frents“ funktioniert nach dem Motto „Was ich nicht habe, hat mein Nachbar“. Denn wer ein Bild aufhängen will braucht ein Loch in der Wand, aber und nicht gleich eine Bohrmaschine. Frents ist eine Art „Facebook der Dinge“. Und via Facebook kann man sich mit Gleichgesinnten ver­netzen und von dem „gemeinsamen“ Ding-Pool profitieren, in dem man jene Gegenstände online stellt, die man verleihen will. So spart man Geld und lernt gleichzeitig neue Menschen kennen.

Wohnraumerweiterung

Bei vielen Ein- bis Zwei-Personenhaushalten bleibt die Küche oft kalt. Entweder ißt man mit Freunden abends im Restaurant – oder der kleine Snack tut es auch. Warum also einen zwei Meter langen Tisch und dazu passend eine große Küche vorhalten, für die vier, fünf Mal im Jahr, an denen man Freunde zur großen Kochorgie einlädt? Gerade in Städten wie Hamburg, Frankfurt und München ist jeder Quadratmeter eine teure Angelegenheit und jede ungenutzte Fläche Luxus. „Gekreuzte Möhrchen“ ist eine Küche mit langer Tafel mitten in Hamburg, die man bei Bedarf mieten kann. Blickt man nach Japan, kann man erahnen, dass es noch mehr Angebote des bewohnbaren „Shared-Space“ geben wird: von kleinen Räumen, wo man für eine Stunde ganz allein sein kann, gemeinsamen Spielzimmern bis zu Streichelzimmern für Teilzeitkatzenbesitzer.

Mikroökonomien zwischen dir und mir

Die einzelnen Sharing-Angebote bieten somit eine Alternative für all jene, die nicht die Serviceangebote der „großen“ Dienstleister in Anspruch nehmen wollen und das zwischenmenschliche Miteinander schätzen. Dennoch entsteht keine neue Tauschwirtschaft im eigentlichen Sinne – auch wenn die digitale Vernetzung die Wahrscheinlichkeit erhöht, einen Tauschpartner zu finden. Ohne Geld geht es auch auf den meisten Plattformen nicht. Die „Digital Natives“ nehmen trotzdem eine neue Rolle ein: Sie sind nicht mehr nur Konsumenten, sondern zugleich auch Anbieter und Produzenten. So gibt es auf „Airbnb“ zunehmend „professionelle Sharer“. Vermehrt findet man Profile, die nicht nur eine Wohnung oder ein Zimmer anbieten, sondern eine bunte Palette an Wohnungen in allen Größen und Lagen zu Auswahl haben.

Insgesamt sind solche Kleinstdienstleistungen zwischen dir und mir überraschend professionell organisiert und alltagstauglich, da unkompliziert. Insbesondere in Ballungszentren entsteht auf diese Weise ein vielfältiges Angebot. Es ist vor allem der Städter, nicht selten der Single, der sich eine „Community“ wünscht, die ähnlich hilfsbereit ist wie eine Familie oder Dorfgemeinschaft – aber bitte flexibler und ungezwungener.