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Spezial | das BÜro nach dem BÜro
initiiert von Evoline
Das updatefähige Büro
Adeline Seidel | 31. Oktober 2013
„Ich mach mir meine Welt, wie sie mir gefällt!“ – so oder ähnlich lautet in vielen Fällen das Credo heutiger Arbeitnehmer. Der Arbeitnehmer arbeitet, wo er sich am wohlsten fühlt und wann es ihm passt. Arbeitgeber stellt das vor die Herausforderung, eine Bürowelt bereitzustellen, die den unterschiedlichen Bedürfnissen eines in erheblichem Maße individualisierten Arbeitnehmers gerecht wird – und dennoch die Kultur des Unternehmens repräsentiert. In einer Zeit in der sich die Arbeitsbedingungen in einem Büro und die technische Komponenten, die dort eingesetzt werden, in unterschiedlichen Zyklen verändern, braucht es vor allem die Möglichkeit des „Updates“, um räumlich und technisch auf Veränderungen reagieren zu können.

Virtuos virtuell

Kevin Kelly, der Gründer des Magazins „Wired“, sagte auf einer Konferenz, er gehe nur ins Büro, um gestört zu werden – zum Arbeiten bleibe er zuhause. „Online“, also überall erreichbar zu sein, ist längst wichtiger geworden als im Büro zu verweilen. Das „Homeoffice“ ist mittlerweile zum Standard in der Arbeitskultur geworden. Die Digitalisierung der Kommunikation treibt die Flexibilisierung des Arbeitsplatzes weiter voran. Gerade Mitarbeiter global agierender Unternehmen arbeiten häufig gemeinsam über Kontinente hinweg virtuell an Projekten. Entsprechende Software wie „Bluescape“ oder „Spacedeck“ und große Touchscreens wie das „Smartboard“, das sich bedienen lässt wie ein „iPad“, kommen einer multimedialen Arbeitsumgebung, wie sie schon der Science Fiction-Film „Minority Report“ vorgeführt hat, schon recht nah. Diese Technologien sind, neben den individuellen Bedürfnissen und Vorlieben der sogenannten „Wissensarbeiter“, ein zusätzlicher Treiber, der die die Auflösung althergebrachter Bürostrukturen vorantreibt. Die Arbeitsforscher haben recht, wenn sie proklamieren, die physische Struktur eines Büros solle vor allem dazu dienen, „Wissen zu vernetzen“. Denn in der Tat dient der Arbeitsplatz heutzutage immer häufiger dazu, Kollegen zu treffen, zufällige Begegnungen zu ermöglichen und den Meetings eines Projektteams einen Ort zu geben.


„Mircrosoft“ schließt bis zum Jahr 2015 drei deutsche Standorte: Sie werden schlichtweg nicht mehr gebraucht, weil sie nicht ausreichend genutzt werden. Denn das Unternehmen setzt ganz auf „Homeoffice“, Videokonferenzen und gezielte Team-Meetings. Dennoch sollen Mitarbeiter einander physisch begegnen können. Beispielsweise in dem Berliner Büro, das im Sommer 2013 eröffnet wurde und in dem die Microsoft-Mitarbeiter nicht nur unter sich sind. Das „Micosoft Center“ ist also ein öffentlicher „Hub“ für all jene, die kurz einmal den Laptop aufklappen wollen, Showroom, Café und „Co-Working Space“ in einem. Start-ups können hier kostenlos Büros beziehen, ein Auditorium bietet Raum für Veranstaltungen. Fotos © Microsoft
Neu bauen statt sanieren?

Trotz aller Tendenzen zum Arbeiten im virtuellen Raum: Büroflächen werden derzeit in Deutschland reichlich gebaut. Für das Jahr 2014 rechnet das Statistische Bundesamt allein in Frankfurt am Main mit knapp 250.000 Quadratmeter neugebauter Bürofläche. In Berlin sind es 110.000, in München 143.000 und in Hamburg fast 135.000 Quadratmeter. Insgesamt also knapp 640.000 Quadratmeter zum Arbeiten. Diesen Zahlen steht die Tatsache gegenüber, dass 2012 im Jahr in Frankfurt am Main 1,62 Millionen Quadratmeter Bürofläche leer standen. In München waren es knapp 1,37 Millionen, in Hamburg und Berlin sind es zwar insgesamt etwas weniger gewesen, der Leerstand bewegte sich aber dennoch im siebenstelligem Bereich. Es steht also fast zehnmal mehr Bürofläche leer als jährlich neu gebaut wird. Auch ohne auf die Gründe für den Leerstand einzugehen, lässt sich vermuten: Einfach nur Büros zu bauen scheint den Anforderungen des „neuen“ Arbeitens immer seltener zu genügen.


Obwohl Frankfurt am Main im Jahr 2012 mit 16 Prozent Büroleerstand nach Leipzig auf Platz zwei in der Liste der Städte mit den höchsten Leerstandsquoten rangiert, wird auf dem ehemaligen Degussa-Areal im Zentrum der Stadt das „Riverside Financial District“ gebaut. Illustration © maintor-frankfurt.de
Aus der Vergangenheit lernen

Oft handelt es sich bei den aktuellen Neubauten um „Portfolio“-Projekte von Immobilieninvestoren und Projektentwicklern. Diese generischen Bürobauten nach dem Prinzip „one fits all“, haben eine ähnliche Haltbarkeitsdauer wie ihre kaum älteren Verwandten aus den Achtzigern und Neunzigern, die heute leer stehen. Die Neubauten folgen der noch immer gleichen Logik: Sie verfügen über ein dem jeweiligen Zeitgeist entsprechendes, repräsentatives Äußeres und auch die Gebäudetechnik ist ebenfalls nach Baufertigstellung „state of the art“. Die Gebäude sind energetisch optimiert – oft sogar zertifiziert – und mit einem offenen Grundriss ausgestattet. Glaubt man den Marketingbroschüren, so sind sie überdies flexibel gestaltet, was es möglich macht, eine Büroetage an die Bedürfnisse eines künftigen Mieters anpassen zu können.

Indes, was hier Flexibilität heißt, bleibt begrenzt. Flexibel sein bedeutet: Wände lassen sich verschieben, Möbel austauschen. Was unberücksichtigt bleibt, ist die „Updatefähigkeit“ der „Gebäude-Software“. Damit sind beispielsweise Elektrifizierung und Steuerungstechnik gemeint. Denn die Entwicklungszyklen dieser Technologien sind erheblich kürzer als die der „Hardware“ mit Namen Architektur. Doch es sind gerade diese technischen Entwicklungen, die für den rasanten Wandel der Arbeitskultur verantwortlich sind. Macht man sich das klar, so wird es umso wichtiger, die einzelnen Komponenten einer Büroarbeitswelt getrennt voneinander zu denken. Nur so lassen sie sich entsprechend neuer Entwicklungen austauschen und anpassen. Und das wiederum verlangt ein weitaus höheres Maß an vorrausschauender und integrativer Planung als bisher üblich. Erst wenn Bau und Technik gemeinsam, aber voneinander entkoppelt geplant und realisiert werden, kann auch ein Bürogebäude tatsächlich flexibel auf zukünftige Bedürfnisse und Entwicklungen reagieren.


Flexibles Arbeiten bedeutet nicht, permanent Räume anzupassen, sondern in einer Arbeitsumgebung unterschiedliche Raumqualitäten in ausreichender Zahl anzubieten. Und diese müssen nicht unbedingt monoton ausfallen und die immergleiche Sprache der „Büroarbeit“ sprechen. Dafür braucht es eine flexible, technische Infrastruktur, die solche Arbeitsorte möglich macht. Foto @ Peter Wurmli
Das Google Büro in Tel Aviv. Foto @ Itay Sikolski
Regeneration im Büro

Es gilt aber auch: Ganz in der Virtualität des Internets scheint der Ort, an dem man arbeitet, ja nicht aufzulösen. Wie also positionieren sich die neuen Zentralen von „Apple“ und „Facebook“ innerhalb der aktuellen Debatte zur Zukunft des Büros? Die „Corporate“-Architektur dieser Unternehmen und die Gestaltung ihrer Büroflächen sind ein elementarer Baustein für solch junge Konzerne, die sich Innovation in Permanenz auf ihre Fahnen geschrieben haben. Aus einer traditionsreichen, gar familiengeführten¬ Firmengeschichte können sie die Werte, die sie propagieren, nicht ableiten. Ihre hoch individualisierten Mitarbeiter beanspruchen eine Arbeitsumgebung, die Identität stiftet und das Wir-Gefühl stärkt, die gleichzeitig aber genügend Möglichkeiten zur Regeneration bietet, um den hohen Erwartungs- und Innovationsdruck in diesem Branchen standhalten zu können.


Imagefilm zur geplanten Apple Zentrale in Cupertino. Film © Apple
Veränderbarkeit als Markenzeichen

Lord Norman Foster entwirft für „Apple“ ein schon fast mystisches Gebäude in Form eines gigantischen Rings. Frank Gehry entwickelt für „Facebook“ eine Bürolandschaft, die in ihrer Kleinteiligkeit einer Stadt entspricht. Beide Entwürfe sollen die flachen Hierarchien repräsentieren, die angeblich in Unternehmen bestehen, die ihre Umsätze in der omnipräsenten, digitalen Welt generieren. Beides sind keine Gebäude, die schon von weitem sichtbar sind wie beispielsweise das „Chrysler Building“. Auf eine derartige Signalwirkung der Gebäude lässt sich gut verzichten, sind „Facebook“ und „Apple“ doch in unserem Alltag auf eine Weise präsent, die kein Gebäude leisten könnte. Dennoch wirkt es befremdlich, wenn gerade solche Unternehmen in derart maßgeschneiderte Zentralen investieren, obwohl sie sich in einer Branche bewegen, in der es gut möglich ist, dass Unternehmen schon nach zwanzig Jahren nicht mehr existieren. Wie wandelbar und flexibel die neuen Zentralen der Internetgiganten sein werden, lässt sich derzeit nur schwer sagen. Doch stellt sich die Frage, ob und inwiefern die baulichen Komponenten der beiden Gebäude tatsächlich der „Update“-Logik der digitalen Welt folgen.


Man mÜsste Computer entwerfen, die kÜhlen, anstatt zu heizen
Wie beeinflussen veränderte Arbeitsprozesse die Architektur von Bürogebäuden?...

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Ein Haus vernetzter Wissensarbeit
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Dicke Wände sorgen für Flexibilität
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An der Steckdose im Zug Freunde finden
Das Arbeiten in Büros ist heutzutage in hohem Maße abhängig von der Versorgung mit Elektrizität und dem Zugang zu Datennetzen...

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Produkte
Evoline: Dock @ Stylepark
Evoline
Dock
Evoline: Plug Schutzkontaktstecker @ Stylepark
Evoline
Plug Schutzkontaktstecker
Evoline: U-Dock @ Stylepark
Evoline
U-Dock
Evoline: V-Dock @ Stylepark
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V-Dock
Evoline: Port @ Stylepark
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Port
Evoline: Vertical @ Stylepark
Evoline
Vertical
Evoline: Frame Dock @ Stylepark
Evoline
Frame Dock
News & Stories › 2013 › Oktober
Das updatefähige Büro
von Adeline Seidel | 31. Oktober 2013
Das klassische Büro löst sich mehr und mehr auf. Ein Grund dafür ist, man ahnt es, die zunehmende Digitalisierung unserer Arbeitsumwelt. „Flexibel“ – so lautet dabei das Zauberwort, das überall zu lesen und zu hören ist. Aber was genau meint „flexibel“ in diesem Zusammenhang?
„Ich mach mir meine Welt, wie sie mir gefällt!“ – so oder ähnlich lautet in vielen Fällen das Credo heutiger Arbeitnehmer. Der Arbeitnehmer arbeitet, wo er sich am wohlsten fühlt und wann es ihm passt. Arbeitgeber stellt das vor die Herausforderung, eine Bürowelt bereitzustellen, die den unterschiedlichen Bedürfnissen eines in erheblichem Maße individualisierten Arbeitnehmers gerecht wird – und dennoch die Kultur des Unternehmens repräsentiert. In einer Zeit in der sich die Arbeitsbedingungen in einem Büro und die technische Komponenten, die dort eingesetzt werden, in unterschiedlichen Zyklen verändern, braucht es vor allem die Möglichkeit des „Updates“, um räumlich und technisch auf Veränderungen reagieren zu können.

Virtuos virtuell

Kevin Kelly, der Gründer des Magazins „Wired“, sagte auf einer Konferenz, er gehe nur ins Büro, um gestört zu werden – zum Arbeiten bleibe er zuhause. „Online“, also überall erreichbar zu sein, ist längst wichtiger geworden als im Büro zu verweilen. Das „Homeoffice“ ist mittlerweile zum Standard in der Arbeitskultur geworden. Die Digitalisierung der Kommunikation treibt die Flexibilisierung des Arbeitsplatzes weiter voran. Gerade Mitarbeiter global agierender Unternehmen arbeiten häufig gemeinsam über Kontinente hinweg virtuell an Projekten. Entsprechende Software wie „Bluescape“ oder „Spacedeck“ und große Touchscreens wie das „Smartboard“, das sich bedienen lässt wie ein „iPad“, kommen einer multimedialen Arbeitsumgebung, wie sie schon der Science Fiction-Film „Minority Report“ vorgeführt hat, schon recht nah. Diese Technologien sind, neben den individuellen Bedürfnissen und Vorlieben der sogenannten „Wissensarbeiter“, ein zusätzlicher Treiber, der die die Auflösung althergebrachter Bürostrukturen vorantreibt. Die Arbeitsforscher haben recht, wenn sie proklamieren, die physische Struktur eines Büros solle vor allem dazu dienen, „Wissen zu vernetzen“. Denn in der Tat dient der Arbeitsplatz heutzutage immer häufiger dazu, Kollegen zu treffen, zufällige Begegnungen zu ermöglichen und den Meetings eines Projektteams einen Ort zu geben.


Neu bauen statt sanieren?

Trotz aller Tendenzen zum Arbeiten im virtuellen Raum: Büroflächen werden derzeit in Deutschland reichlich gebaut. Für das Jahr 2014 rechnet das Statistische Bundesamt allein in Frankfurt am Main mit knapp 250.000 Quadratmeter neugebauter Bürofläche. In Berlin sind es 110.000, in München 143.000 und in Hamburg fast 135.000 Quadratmeter. Insgesamt also knapp 640.000 Quadratmeter zum Arbeiten. Diesen Zahlen steht die Tatsache gegenüber, dass 2012 im Jahr in Frankfurt am Main 1,62 Millionen Quadratmeter Bürofläche leer standen. In München waren es knapp 1,37 Millionen, in Hamburg und Berlin sind es zwar insgesamt etwas weniger gewesen, der Leerstand bewegte sich aber dennoch im siebenstelligem Bereich. Es steht also fast zehnmal mehr Bürofläche leer als jährlich neu gebaut wird. Auch ohne auf die Gründe für den Leerstand einzugehen, lässt sich vermuten: Einfach nur Büros zu bauen scheint den Anforderungen des „neuen“ Arbeitens immer seltener zu genügen.


Aus der Vergangenheit lernen

Oft handelt es sich bei den aktuellen Neubauten um „Portfolio“-Projekte von Immobilieninvestoren und Projektentwicklern. Diese generischen Bürobauten nach dem Prinzip „one fits all“, haben eine ähnliche Haltbarkeitsdauer wie ihre kaum älteren Verwandten aus den Achtzigern und Neunzigern, die heute leer stehen. Die Neubauten folgen der noch immer gleichen Logik: Sie verfügen über ein dem jeweiligen Zeitgeist entsprechendes, repräsentatives Äußeres und auch die Gebäudetechnik ist ebenfalls nach Baufertigstellung „state of the art“. Die Gebäude sind energetisch optimiert – oft sogar zertifiziert – und mit einem offenen Grundriss ausgestattet. Glaubt man den Marketingbroschüren, so sind sie überdies flexibel gestaltet, was es möglich macht, eine Büroetage an die Bedürfnisse eines künftigen Mieters anpassen zu können.

Indes, was hier Flexibilität heißt, bleibt begrenzt. Flexibel sein bedeutet: Wände lassen sich verschieben, Möbel austauschen. Was unberücksichtigt bleibt, ist die „Updatefähigkeit“ der „Gebäude-Software“. Damit sind beispielsweise Elektrifizierung und Steuerungstechnik gemeint. Denn die Entwicklungszyklen dieser Technologien sind erheblich kürzer als die der „Hardware“ mit Namen Architektur. Doch es sind gerade diese technischen Entwicklungen, die für den rasanten Wandel der Arbeitskultur verantwortlich sind. Macht man sich das klar, so wird es umso wichtiger, die einzelnen Komponenten einer Büroarbeitswelt getrennt voneinander zu denken. Nur so lassen sie sich entsprechend neuer Entwicklungen austauschen und anpassen. Und das wiederum verlangt ein weitaus höheres Maß an vorrausschauender und integrativer Planung als bisher üblich. Erst wenn Bau und Technik gemeinsam, aber voneinander entkoppelt geplant und realisiert werden, kann auch ein Bürogebäude tatsächlich flexibel auf zukünftige Bedürfnisse und Entwicklungen reagieren.


Regeneration im Büro

Es gilt aber auch: Ganz in der Virtualität des Internets scheint der Ort, an dem man arbeitet, ja nicht aufzulösen. Wie also positionieren sich die neuen Zentralen von „Apple“ und „Facebook“ innerhalb der aktuellen Debatte zur Zukunft des Büros? Die „Corporate“-Architektur dieser Unternehmen und die Gestaltung ihrer Büroflächen sind ein elementarer Baustein für solch junge Konzerne, die sich Innovation in Permanenz auf ihre Fahnen geschrieben haben. Aus einer traditionsreichen, gar familiengeführten¬ Firmengeschichte können sie die Werte, die sie propagieren, nicht ableiten. Ihre hoch individualisierten Mitarbeiter beanspruchen eine Arbeitsumgebung, die Identität stiftet und das Wir-Gefühl stärkt, die gleichzeitig aber genügend Möglichkeiten zur Regeneration bietet, um den hohen Erwartungs- und Innovationsdruck in diesem Branchen standhalten zu können.


Veränderbarkeit als Markenzeichen

Lord Norman Foster entwirft für „Apple“ ein schon fast mystisches Gebäude in Form eines gigantischen Rings. Frank Gehry entwickelt für „Facebook“ eine Bürolandschaft, die in ihrer Kleinteiligkeit einer Stadt entspricht. Beide Entwürfe sollen die flachen Hierarchien repräsentieren, die angeblich in Unternehmen bestehen, die ihre Umsätze in der omnipräsenten, digitalen Welt generieren. Beides sind keine Gebäude, die schon von weitem sichtbar sind wie beispielsweise das „Chrysler Building“. Auf eine derartige Signalwirkung der Gebäude lässt sich gut verzichten, sind „Facebook“ und „Apple“ doch in unserem Alltag auf eine Weise präsent, die kein Gebäude leisten könnte. Dennoch wirkt es befremdlich, wenn gerade solche Unternehmen in derart maßgeschneiderte Zentralen investieren, obwohl sie sich in einer Branche bewegen, in der es gut möglich ist, dass Unternehmen schon nach zwanzig Jahren nicht mehr existieren. Wie wandelbar und flexibel die neuen Zentralen der Internetgiganten sein werden, lässt sich derzeit nur schwer sagen. Doch stellt sich die Frage, ob und inwiefern die baulichen Komponenten der beiden Gebäude tatsächlich der „Update“-Logik der digitalen Welt folgen.