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Rarität aus Rosenholz: Von Alain Richards „Sideboard 816“ aus dem Jahr 1960 gibt es angeblich weltweit nur noch zwei Exemplare – eins davon zeigte die Pariser Galerie Pascal Cuisinier. Foto © Uta Abendroth
Déjà-vu in Basel
von Uta Abendroth
27. Juni 2016
Entspannt geht es zu, bei der Design Miami/Basel. Im Unterschied zur Kunstmesse kann sich der Besucher durch die Halle 1 Süd treiben lassen, ganz ohne großes Gedränge, ganz ohne Hektik. Liegt eben darin ein Problem? Immerhin geht es auf dieser Messe primär um den Verkauf der gezeigten Objekte – und da möchte man vermuten, je voller die Halle, desto höher der Umsatz. Auch auf alte Bekannte trifft man. Vor allem die renommierten Pariser Galerien sind mit Dauerbrennern am Start. Von Charlotte Perriand und Jean Prouvé sind alljährlich vergleichbare Stücke zu sehen. Aber es sind eben Angebot und Nachfrage, die sich auf einer solchen Messe widerspiegeln, beziehungsweise Zeitgeist und Trends, die nach Objekten einiger weniger Designer verlangen. Jedenfalls wäre es zu einfach, den vergleichsweise engen Angebotsrahmen damit erklären zu wollen, dass es im Design und seiner Geschichte nichts Spannendes mehr zu entdecken gäbe. Der Markt entscheidet – und da wird eben seit Jahren in Bewährtes investiert.

So umweht die beiden „PK22“-Sessel von Poul Kjaerholm am Stand der Dansk Møbelkunst Gallery ein Hauch von Geschichte. Das Peddigrohr hat seit den Sechziger Jahren eine wunderbare Patina angenommen und das Gestell aus matt verchromtem Stahl hat abgerundete Kanten. Im Gegensatz dazu hat die gleich daneben platzierte Liege „PK24“ ein Gestell aus rostfreiem Stahl. Das war damals ungleich teurer und wurde nur für Outdoor-Möbel eingesetzt. Das Sessel-Paar kostet 13.000 Euro; neu ist ein Sessel mit geraden Kanten bei Fritz Hansen für etwas über 3.000 Euro zu haben.

Immerhin 40.000 Euro muss man bei der Rotterdamer Galerie Vivid investieren, möchte man ein Original des heute von Cassina gefertigten Rietveld-Sessels „Red and Blue“ mit seinem Gestell aus schwarz gebeizter Buche, blauer Sitzfläche und roter Rückenlehne haben (Neupreis: ca. 2.410 Euro). Auch hier spielt die Story eine Rolle, die das Möbel erzählt: Das Modell aus dem Jahr 1954 gab der Sohn des Designers, Jan Rietveld, dem niederländischen Maler, Bildhauer und Dichter Corneille, der einer der Mitbegründer der Künstlergruppe CoBrA war. Und wenn wir schon bei stolzen Preisen sind: „CP-1“-Wandleuchten von Charlotte Perriand aus den 1960er-Jahren für „Les Arcs“, die sich mit ihrem verstellbaren flachen Reflektor horizontal oder vertikal montieren lassen, sind bei der Galerie Laffanour für 2.000 Euro das Stück zu haben. Überhaupt dominiert französisches Design aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts die 11. Ausgabe der Basler Designmesse.

Ein echtes Highlight unter den sechsundvierzig Galerien ist da Friedman Benda aus New York: An deren Stand war die vollständige „Microstructures“-Kollektion des 3D-Druck-Pioniers und niederländischen Designers Joris Laarman zu sehen, der „Soft Gradient Chair“ war ebenso ausgestellt wie der „Butterfly Screen“. Hier zeigt sie sich, die Zukunft des Designs, das an Ort und Stelle – und aus den unterschiedlichsten Materialien – aus dem Drucker kommen oder geschweißt werden kann.

Originell, weil herrlich unprätentiös, kam der Stand von Patrick Parrish daher. Nach den Objekten, die die New Yorker Galerie zeigt, lecken sich alle Eames- und Nelson-Fans die Finger. Dabei war die Präsentation der Herman-Miller-Ikonen Understatement pur. Die enge Aneinanderreihung der Stücke hatte etwas von einem Trödelhändler, wodurch das Sammelsurium der Überhöhung des Einzelobjekts entgegenwirkte, wie sie sonst gern betrieben wird. Besucher durften nicht nur zwischen den dicht gedrängt stehenden Stühlen und Lampen auf Entdeckungstour gehen, hier war auch der Preis Thema: Neben jedem Objekt lag ein kleines Kärtchen mit den genauen Angaben inklusive Verkaufspreis in Dollar.

Die Mailänder Galerie Nilufar zeigte dagegen elegant zurückgenommene Objekte der Moderne wie den Sessel „811“ von Gio Ponti aus dem Jahr 1957 und einen Paravent des Brasilianers Joaquim Tenreiro, ebenfalls aus den Fünfzigern. Eine Abwechslung boten Franck Laigneau mit anthroposophischem Design, wobei Jugendstil und Rudolf Steiner eine wichtige Rolle spielten, sowie Jacques Lacoste mit Objekten des Art Déco.

Die Sogkraft des Vintage- und Retro-Stils, wie sie derzeit auf jeder aktuellen Möbelmesse unübersehbar ist, hat dazu geführt, dass Arbeiten zeitgenössischer Designer insgesamt in den Hintergrund treten. Die Zaha Hadid Gallery bildete deshalb eine Ausnahme in Basel. Zu sehen waren hier außergewöhnliche Stücke der Anfang des Jahres überraschend verstorbenen Architektin, zum Beispiel Tische und Keramiken.

Unterm Strich wirkte die Halle der Design Miami in Basel nicht wirklich „gefüllt“. Während im vergangenen Jahr diverse Schmuck-Galerien und Uhren-Spezialisten ihre Preziosen präsentierten, durfte in diesem Jahr die Pariser Groupe Hess einige ihrer Oldtimer zeigen: Vom Fiat über einen Jaguar bis zu Ferraris reihten sich diverse Automobile aneinander und nahmen so einige Quadratmeter ein. Trotzdem blieb, was besondere historische Stücke angeht, das große Aha-Erlebnis in Sachen Design aus.

designmiami.com
Mit wunderbarer Patina: Die Liege „PK24“ und die Sessel „PK22“ aus Peddigrohrgeflecht von Poul Kjaerholm am Stand der Dansk Møbelkunst Gallery. Foto © Uta Abendroth
Studio Formafantasma stellte seine Kollektion „Delta“ vor, die Formen und Materialien der alten Römer nach Basel brachten. Foto © Uta Abendroth
40.000 Euro kostet dieses Exemplar von Gerrit Rietvelds Clubsessel „Red and Blue“ bei der Rotterdamer Galerie Vivid. Foto © Uta Abendroth
Joris Laarman zählt zu den Ausnahmetalenten seiner Generation. Schon seit Jahren arbeitet er mit 3-D-Technologien. Hier sein „Adaption Chair“. Foto © Uta Abendroth
Laarman wird von der New Yorker Galerie Friedmann Benda vertreten. An deren Stand war auch der „Aluminum Gradient Chair“ ausgestellt. Foto © Uta Abendroth
Patrick Parrish ist spezialisiert auf amerikanisches Design zwischen 1940 und 1965. Ein Eames-„DCW“, produziert von Herman Miller, kostet bei ihm 4.500 Dollar.
Foto © Uta Abendroth
Für den gleichen Preis ist die „Chronopak Table Clock“ (1949) von Irving Harper für George Nelson zu haben, die von der Howard Miller Clock Company produziert wurde.
Foto © Uta Abendroth
Verschiedene Design-Generationen vereint die Pariser Galerie Jousse Entreprise: Jean Prouvé und Marc Newson. Foto © Uta Abendroth
Jetzt also auch Autos: Die Pariser Groupe Hess stellte unter anderem einen 1963 Ferrari 250/GT Lusso in angesagtem Grün aus. Foto © Uta Abendroth
Die skulpturale „Dragon Bench“ des 37-jährigen Niederländers wird von Roboterarmen sozusagen in die Luft gedruckt. Foto © Uta Abendroth
Herrlich unprätentiös: Die New Yorker Galerie Patrick Parrish inszenierte die Designikonen betont lässig. Foto © Uta Abendroth
Die Mailänder Galerie Nilufar zeigte den satinbezogenen Sessel „811“ von Gio Ponti, produziert 1957 von Figli di Amadeo Cassina, vor dem sechsteiligen Paravent von Joaquim Tenreiro aus den Fünfzigern. Foto © Uta Abendroth
Die Galerie Feldt, die zwei Standbeine hat, eins in Kopenhagen, eins in Berlin, präsentierte die rot-schwarzen „Butterfly Chairs“ von Nanna Ditzel. Foto © Uta Abendroth
In einem abgedunkelten Extraraum der Kopenhagener Dansk Møbelkunst Gallery hing Poul Henningsens „Fluorescent lamp“ von 1959. Foto © Uta Abendroth
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Cassina: Red and Blue @ Stylepark
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Gerrit Rietveld
News & Stories › 2016 › Juni
Déjà-vu in Basel
von Uta Abendroth | 27. Juni 2016
Die parallel zur Art Basel stattfindende Messe Design Miami bot in diesem Jahr nur vereinzelte Highlights. Man vermisste echte Neuerungen oder eine spannende Ausstellung.
Entspannt geht es zu, bei der Design Miami/Basel. Im Unterschied zur Kunstmesse kann sich der Besucher durch die Halle 1 Süd treiben lassen, ganz ohne großes Gedränge, ganz ohne Hektik. Liegt eben darin ein Problem? Immerhin geht es auf dieser Messe primär um den Verkauf der gezeigten Objekte – und da möchte man vermuten, je voller die Halle, desto höher der Umsatz. Auch auf alte Bekannte trifft man. Vor allem die renommierten Pariser Galerien sind mit Dauerbrennern am Start. Von Charlotte Perriand und Jean Prouvé sind alljährlich vergleichbare Stücke zu sehen. Aber es sind eben Angebot und Nachfrage, die sich auf einer solchen Messe widerspiegeln, beziehungsweise Zeitgeist und Trends, die nach Objekten einiger weniger Designer verlangen. Jedenfalls wäre es zu einfach, den vergleichsweise engen Angebotsrahmen damit erklären zu wollen, dass es im Design und seiner Geschichte nichts Spannendes mehr zu entdecken gäbe. Der Markt entscheidet – und da wird eben seit Jahren in Bewährtes investiert.

So umweht die beiden „PK22“-Sessel von Poul Kjaerholm am Stand der Dansk Møbelkunst Gallery ein Hauch von Geschichte. Das Peddigrohr hat seit den Sechziger Jahren eine wunderbare Patina angenommen und das Gestell aus matt verchromtem Stahl hat abgerundete Kanten. Im Gegensatz dazu hat die gleich daneben platzierte Liege „PK24“ ein Gestell aus rostfreiem Stahl. Das war damals ungleich teurer und wurde nur für Outdoor-Möbel eingesetzt. Das Sessel-Paar kostet 13.000 Euro; neu ist ein Sessel mit geraden Kanten bei Fritz Hansen für etwas über 3.000 Euro zu haben.

Immerhin 40.000 Euro muss man bei der Rotterdamer Galerie Vivid investieren, möchte man ein Original des heute von Cassina gefertigten Rietveld-Sessels „Red and Blue“ mit seinem Gestell aus schwarz gebeizter Buche, blauer Sitzfläche und roter Rückenlehne haben (Neupreis: ca. 2.410 Euro). Auch hier spielt die Story eine Rolle, die das Möbel erzählt: Das Modell aus dem Jahr 1954 gab der Sohn des Designers, Jan Rietveld, dem niederländischen Maler, Bildhauer und Dichter Corneille, der einer der Mitbegründer der Künstlergruppe CoBrA war. Und wenn wir schon bei stolzen Preisen sind: „CP-1“-Wandleuchten von Charlotte Perriand aus den 1960er-Jahren für „Les Arcs“, die sich mit ihrem verstellbaren flachen Reflektor horizontal oder vertikal montieren lassen, sind bei der Galerie Laffanour für 2.000 Euro das Stück zu haben. Überhaupt dominiert französisches Design aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts die 11. Ausgabe der Basler Designmesse.

Ein echtes Highlight unter den sechsundvierzig Galerien ist da Friedman Benda aus New York: An deren Stand war die vollständige „Microstructures“-Kollektion des 3D-Druck-Pioniers und niederländischen Designers Joris Laarman zu sehen, der „Soft Gradient Chair“ war ebenso ausgestellt wie der „Butterfly Screen“. Hier zeigt sie sich, die Zukunft des Designs, das an Ort und Stelle – und aus den unterschiedlichsten Materialien – aus dem Drucker kommen oder geschweißt werden kann.

Originell, weil herrlich unprätentiös, kam der Stand von Patrick Parrish daher. Nach den Objekten, die die New Yorker Galerie zeigt, lecken sich alle Eames- und Nelson-Fans die Finger. Dabei war die Präsentation der Herman-Miller-Ikonen Understatement pur. Die enge Aneinanderreihung der Stücke hatte etwas von einem Trödelhändler, wodurch das Sammelsurium der Überhöhung des Einzelobjekts entgegenwirkte, wie sie sonst gern betrieben wird. Besucher durften nicht nur zwischen den dicht gedrängt stehenden Stühlen und Lampen auf Entdeckungstour gehen, hier war auch der Preis Thema: Neben jedem Objekt lag ein kleines Kärtchen mit den genauen Angaben inklusive Verkaufspreis in Dollar.

Die Mailänder Galerie Nilufar zeigte dagegen elegant zurückgenommene Objekte der Moderne wie den Sessel „811“ von Gio Ponti aus dem Jahr 1957 und einen Paravent des Brasilianers Joaquim Tenreiro, ebenfalls aus den Fünfzigern. Eine Abwechslung boten Franck Laigneau mit anthroposophischem Design, wobei Jugendstil und Rudolf Steiner eine wichtige Rolle spielten, sowie Jacques Lacoste mit Objekten des Art Déco.

Die Sogkraft des Vintage- und Retro-Stils, wie sie derzeit auf jeder aktuellen Möbelmesse unübersehbar ist, hat dazu geführt, dass Arbeiten zeitgenössischer Designer insgesamt in den Hintergrund treten. Die Zaha Hadid Gallery bildete deshalb eine Ausnahme in Basel. Zu sehen waren hier außergewöhnliche Stücke der Anfang des Jahres überraschend verstorbenen Architektin, zum Beispiel Tische und Keramiken.

Unterm Strich wirkte die Halle der Design Miami in Basel nicht wirklich „gefüllt“. Während im vergangenen Jahr diverse Schmuck-Galerien und Uhren-Spezialisten ihre Preziosen präsentierten, durfte in diesem Jahr die Pariser Groupe Hess einige ihrer Oldtimer zeigen: Vom Fiat über einen Jaguar bis zu Ferraris reihten sich diverse Automobile aneinander und nahmen so einige Quadratmeter ein. Trotzdem blieb, was besondere historische Stücke angeht, das große Aha-Erlebnis in Sachen Design aus.

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