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Museum von Sanaa in Lens, Pas-De-Calais, Frankreich. Foto © Iwan Baan
Der Bilderjäger
von Jochen Stöckmann
10. Januar 2014
Spektakuläre Neubauten lassen namhafte Architekten gerne von Iwan Baan in Szene setzen, denn dieser Fotograf bürgt für eine außergewöhnliche Bilddramaturgie. So hat der Niederländer 2011 für seinen „photographic essay“ das Institute of Contemporary Art von Diller Scofido + Renfro in Boston umkreist, die mächtig überkragende Glas-Etage von der Wasserseite her aufgenommen, seinen Blick mit den Besuchern über den Hafen schweifen lassen, die Atmosphäre belebter Treppenaufgänge ebenso gezeigt wie die in einer menschenleeren Ausstellungshalle hervortretenden Konstruktionsmerkmale. Aus reiner Neugier heraus entstand ein Kaleidoskop von Aufnahmen, das sich vor dem geistigen Auge jedes halbwegs Architekturkundigen und in der Kombination mit Grundrissen sowie konzis beschreibenden Texten zum erhellenden Panorama fügt.

Bildausbeute als Stationendrama

Mit diesem Rezept wurde Baan erfolgreich. Als Hausfotograf von Zaha Hadid, Sanaa oder Herzog & de Meuron ist der Vielflieger mittlerweile 365 Tage im Jahr unterwegs. Nun hat er diese Globetrotter-Existenz zum Prinzip erhoben. Aber seine jüngste Ausstellung „52 Wochen, 52 Städte“ im Marta Museum in Herford reiht nicht einfach nur die Bildausbeute eines Jahres auf: Wie in einem Stationendrama konfrontiert der 38-jährige Holländer das makellose Design der Kulturzentren und Kunstmuseen mit dem Alltagsleben im Schmutz der Katastrophenregionen auf Haiti oder in den Elendsvierteln Chinas und Afrikas. Aber nicht als Sozialdokumentarist oder Architekturkritiker setzt Baan seine handliche Digitalkamera ein. Dieser Fotograf versteht seine Bilder als ästhetische Schutzimpfung gegen die „Pest des Immergleichen“ – so lautet seine in viel beachteten Vorträgen abgegebene Diagnose.

Vom Konzept des Foto-Essays als einem beharrlichen Umkreisen einzelner Projekte hat Baan sich damit verabschiedet. Ihm geht es neuerdings ums bunte Ganze, um ein facettenreiches „Weltbild“. Geballte Wirkung darf man von der puren Kombination durchaus reizvoller Schlaglichter allerdings nicht erwarten. Und deshalb hat der Fotograf für jede dieser oft sehr pittoresken Aufnahmen Beipack-Texte formuliert, eine Art Gebrauchsanweisung oder Interpretationshilfe. Etwa zur Weitwinkel-Szene aus dem „Favela Painting Project“ in Rio de Janeiro, wo ältere Männern in einem Hinterhof mit türkisfarbenen oder blassblauen Wohnhausfassaden beim Kartenspiel an quietschbunten Plastiktischen sitzen: „Es war großartig, zu sehen, wie die Bemalung Teil der Identität der Kommune geworden ist und wie die Anstriche nach Jahren der Wettereinwirkung und Abnutzung noch immer so lebendig sind wie am ersten Tag.“

Nur allzu gut vertraut mit Zaha

Zur Aufnahme eines überdimensionalen Kühlergrills, an dem in der Frühlingssonne einige Passanten vorbeischlendern, liefert Baan die Koordinaten „East Lansing, Michigan, USA“. Es handelt sich um ein Kunstmuseum „am Rande des Campus der Michigan State University und es ist ,ein fremdartiges Objekt, das am Rande des Campus steht,‘ wie Zaha es einmal formulierte.“ Der Fotograf ist nur allzu gut vertraut mit der Architektin Hadid und ihren Absichten – und genau das bekommt seinen Fotos nicht. Sie sind nicht mehr geprägt durch eine beständige Neugier gegenüber bestimmten Orten, Gebäuden oder städtebaulichen Situationen – sondern zufälliges Produkt einer hektischen Suche nach immer neuen Blickwinkeln, aus denen „die Welt“ sich möglichst abwechslungsreich abbilden lässt.

Was einer bei seiner fortwährenden Reise um den Globus so alles erlebt, wäre allenfalls durch stringente Auswahl und aufgrund einer zuvor sorgfältig überlegten Fotoästhetik zu vermitteln. Mit ein oder zwei Aufnahmen pro Woche und „location“ aber schrammt Baan stets am Wesentlichen vorbei – und muss dann mit Worten nachreichen, was den Bildern fehlt. In Lagos etwa stehen einige halbnackte Jungen auf den wackligen Stegen vor improvisierten Stelzenhäusern. Sie sollen eine „Unmenge kleiner Kinder“ verkörpern, die wiederum die Bevölkerungsexplosion „deutlich“ machen müssen. Was dem Fotodiaristen darüber hinaus nach sieben Tagen in Nigerias Megalopolis haften geblieben ist, stopft er in missglückte Sprachbilder: „Von Einheimischen ‚Seele Afrikas‘ genannt, birst Lagos vor kulturellem Stolz aus allen Nähten.“

Die Flucht in Luftaufnahmen

Texte sind nicht eben die Stärke des – wie es im Katalog heißt – „modernen Nomaden, der mit seinen Bildern lebt und sich von ihnen leiten lässt“. Solche Schwächen wird man einem Fotografen nachsehen. Bedenklich stimmt nur, dass Baan nicht mehr Architektur oder urbanes Leben, also den Umgang mit „Gebautem“ zum Ausgangspunkt seiner Fotoreihe macht, sondern in einem hermetischen perpetuum mobile auf fast schon autistische Manier Bilder aus Bildern schöpft. So gerät Architektur zur Kulisse, zum Rahmen für „das Leben“ – dem der Fotograf aber auch nicht so recht auf die Spur kommt: Um Übersicht bemüht, flüchtet sich der Weltenbummler immer wieder in Luftaufnahmen, hängt in China seine Kamera gar an eine Drohne, lässt so die unterirdischen Höhlenwohnungen im chinesischen Sanmenxia zum dekorativen Muster mutieren. Er selbst leugnet allerdings diese Jagd nach graphischen Effekten, für ihn kommt es darauf an, „die Bildkomposition aus der Luft fotografieren, sodass es möglich wird, eine andere Geschichte über die Landschaft und den Kontext eines bestimmten Gebäudes zu erzählen.“

Für diese nicht neue, aber immer wieder „andere Geschichte“ fotografiert Baan beim Anflug auf Dallas „die von der Automobilindustrie geprägte, öl-reiche, typisch amerikanische Stadt” und vor allem das Perot Museum of Nature and Science, entworfen von Morphosis Architects, „rappelvoll mit ungeduldigen, zappeligen Schulkindern, die etwas über die Welt lernen möchten, die sie umgibt.“ Aber auch das bleibt reine Behauptung, pures Wortgeklingel, denn zu sehen ist von diesem prallen Leben unter einem soliden Betondach naturgemäß überhaupt nichts. Dass dann in der von Sou Fujimoto konstruierten „Wolke“ der Serpentine Gallery Pavilions in London zwischen weißen Stahlstangen „Besucher aller sozialen Schichten die Struktur erkundeten“ muss ebenso Vermutung bleiben. Denn, wer wäre heutzutage schon in der Lage, an der Kleidung definitiv den sozialen Status abzulesen?

Der Mensch macht das Bild

Über solche Fragen geht der Katalog mit seinen Anleitungen zum betreuten Sehen souverän hinweg: „Oft machen die Menschen in seinen Bildern die Gebäude erst verständlich, so bei seinem Foto des House K in Japan.“ In dem relativ beengten Wohnhaus in Osaka hatten es die Architekten verstanden, durch trickreiche Grundrisse die Räume großzügiger erscheinen zu lassen. Auf dem Foto ist ein Mädchen zu sehen, das in Pippi-Langstrumpf-Manier kopfüber durch eine Tür schaut – und derart auf die „Existenz des nicht abgebildeten oberen Geschosses“ hinweisen soll. Mit solchen anekdotischen Szenen setzt sich Baan endgültig ab von einer Architekturfotografie, die nie vorgibt, Abbildung zu sein, sondern dem Betrachter mit bewusstem Bildkalkül den Anreiz bietet, vor dem geistigen Auge Dimensionen, Raumbeziehungen zu imaginieren. Oder auch den Entwurfsprozess, wie ihn Architekten noch vor wenigen Jahren mit dem Zeichenstift angingen, retrospektiv nachzuvollziehen.

Aber das war wohl von Anfang an Baans Sache nicht: Beim Blick zurück in sein Fotobuch über das Institute of Contemporary Art in Boston stellt sich heraus, dass die beiden für das Verständnis dieses „photographic essay“ entscheidenden Aufnahmen gar nicht vom Fotografen stammen. Die Bilder von der konstruktivistisch anmutenden Silhouette des Baugerüsts und das Foto einer Armada von Alternativ-Modellen, die auf dem Fußboden ihres Büros versammelt ist, hatten die Architekten selbst beigesteuert.

52 Wochen, 52 Städte
Fotografien von Iwan Baan
Noch bis zum 16. Februar 2014
Marta Herford
Goebenstr. 2-10
32052 Herford

www.marta-herford.de
www.iwan.com
Der Fotograf Iwan Baan. Foto © Iwan Baan
Aufblasbarer Konzertsaal in Matsushima, Japan, von Anish Kapoor und Arata Isozaki.
Foto © Iwan Baan
„Es hat viel Spaß gemacht, den Tag mit diesem kleinen Mädchen auf seinem persönlichen Spielplatz zu verbringen, den Sou Fujimoto entworfen hat.“
Foto © Iwan Baan
Eine Geschichte aus der Luft erzählen: Sanaa-Museum in Lens. Foto © Iwan Baan
Pavillon von Ryue Nishizawa in Shodoshima, Japan. Foto © Iwan Baan
Hadids Eli and Edythe Broad Art Museum von Zaha Hadid. Foto © Iwan Baan
New York City zur Zeit des Hurrikan Sandy. Foto © Iwan Baan
Im Dorf Larabunga, an der Nordküste von Ghana. Foto © Iwan Baan
Eröffnung der schwimmenden Schule von Kunle Adeymi in Makoko, Lagos, Nigeria. Foto © Iwan Baan
Architektur › 2014 › Januar
Der Bilderjäger
von Jochen Stöckmann | 10. Januar 2014
Als Hausfotograf von Zaha Hadid, Sanaa oder Herzog & de Meuron ist Iwan Baan 365 Tage im Jahr unterwegs. In der Schau „52 Wochen, 52 Städte“ im Marta Herford entfaltet der Niederländer nun sein ganzes Weltbild – das nicht ohne Menschen und Beipackzettel auskommt.
Spektakuläre Neubauten lassen namhafte Architekten gerne von Iwan Baan in Szene setzen, denn dieser Fotograf bürgt für eine außergewöhnliche Bilddramaturgie. So hat der Niederländer 2011 für seinen „photographic essay“ das Institute of Contemporary Art von Diller Scofido + Renfro in Boston umkreist, die mächtig überkragende Glas-Etage von der Wasserseite her aufgenommen, seinen Blick mit den Besuchern über den Hafen schweifen lassen, die Atmosphäre belebter Treppenaufgänge ebenso gezeigt wie die in einer menschenleeren Ausstellungshalle hervortretenden Konstruktionsmerkmale. Aus reiner Neugier heraus entstand ein Kaleidoskop von Aufnahmen, das sich vor dem geistigen Auge jedes halbwegs Architekturkundigen und in der Kombination mit Grundrissen sowie konzis beschreibenden Texten zum erhellenden Panorama fügt.

Bildausbeute als Stationendrama

Mit diesem Rezept wurde Baan erfolgreich. Als Hausfotograf von Zaha Hadid, Sanaa oder Herzog & de Meuron ist der Vielflieger mittlerweile 365 Tage im Jahr unterwegs. Nun hat er diese Globetrotter-Existenz zum Prinzip erhoben. Aber seine jüngste Ausstellung „52 Wochen, 52 Städte“ im Marta Museum in Herford reiht nicht einfach nur die Bildausbeute eines Jahres auf: Wie in einem Stationendrama konfrontiert der 38-jährige Holländer das makellose Design der Kulturzentren und Kunstmuseen mit dem Alltagsleben im Schmutz der Katastrophenregionen auf Haiti oder in den Elendsvierteln Chinas und Afrikas. Aber nicht als Sozialdokumentarist oder Architekturkritiker setzt Baan seine handliche Digitalkamera ein. Dieser Fotograf versteht seine Bilder als ästhetische Schutzimpfung gegen die „Pest des Immergleichen“ – so lautet seine in viel beachteten Vorträgen abgegebene Diagnose.

Vom Konzept des Foto-Essays als einem beharrlichen Umkreisen einzelner Projekte hat Baan sich damit verabschiedet. Ihm geht es neuerdings ums bunte Ganze, um ein facettenreiches „Weltbild“. Geballte Wirkung darf man von der puren Kombination durchaus reizvoller Schlaglichter allerdings nicht erwarten. Und deshalb hat der Fotograf für jede dieser oft sehr pittoresken Aufnahmen Beipack-Texte formuliert, eine Art Gebrauchsanweisung oder Interpretationshilfe. Etwa zur Weitwinkel-Szene aus dem „Favela Painting Project“ in Rio de Janeiro, wo ältere Männern in einem Hinterhof mit türkisfarbenen oder blassblauen Wohnhausfassaden beim Kartenspiel an quietschbunten Plastiktischen sitzen: „Es war großartig, zu sehen, wie die Bemalung Teil der Identität der Kommune geworden ist und wie die Anstriche nach Jahren der Wettereinwirkung und Abnutzung noch immer so lebendig sind wie am ersten Tag.“

Nur allzu gut vertraut mit Zaha

Zur Aufnahme eines überdimensionalen Kühlergrills, an dem in der Frühlingssonne einige Passanten vorbeischlendern, liefert Baan die Koordinaten „East Lansing, Michigan, USA“. Es handelt sich um ein Kunstmuseum „am Rande des Campus der Michigan State University und es ist ,ein fremdartiges Objekt, das am Rande des Campus steht,‘ wie Zaha es einmal formulierte.“ Der Fotograf ist nur allzu gut vertraut mit der Architektin Hadid und ihren Absichten – und genau das bekommt seinen Fotos nicht. Sie sind nicht mehr geprägt durch eine beständige Neugier gegenüber bestimmten Orten, Gebäuden oder städtebaulichen Situationen – sondern zufälliges Produkt einer hektischen Suche nach immer neuen Blickwinkeln, aus denen „die Welt“ sich möglichst abwechslungsreich abbilden lässt.

Was einer bei seiner fortwährenden Reise um den Globus so alles erlebt, wäre allenfalls durch stringente Auswahl und aufgrund einer zuvor sorgfältig überlegten Fotoästhetik zu vermitteln. Mit ein oder zwei Aufnahmen pro Woche und „location“ aber schrammt Baan stets am Wesentlichen vorbei – und muss dann mit Worten nachreichen, was den Bildern fehlt. In Lagos etwa stehen einige halbnackte Jungen auf den wackligen Stegen vor improvisierten Stelzenhäusern. Sie sollen eine „Unmenge kleiner Kinder“ verkörpern, die wiederum die Bevölkerungsexplosion „deutlich“ machen müssen. Was dem Fotodiaristen darüber hinaus nach sieben Tagen in Nigerias Megalopolis haften geblieben ist, stopft er in missglückte Sprachbilder: „Von Einheimischen ‚Seele Afrikas‘ genannt, birst Lagos vor kulturellem Stolz aus allen Nähten.“

Die Flucht in Luftaufnahmen

Texte sind nicht eben die Stärke des – wie es im Katalog heißt – „modernen Nomaden, der mit seinen Bildern lebt und sich von ihnen leiten lässt“. Solche Schwächen wird man einem Fotografen nachsehen. Bedenklich stimmt nur, dass Baan nicht mehr Architektur oder urbanes Leben, also den Umgang mit „Gebautem“ zum Ausgangspunkt seiner Fotoreihe macht, sondern in einem hermetischen perpetuum mobile auf fast schon autistische Manier Bilder aus Bildern schöpft. So gerät Architektur zur Kulisse, zum Rahmen für „das Leben“ – dem der Fotograf aber auch nicht so recht auf die Spur kommt: Um Übersicht bemüht, flüchtet sich der Weltenbummler immer wieder in Luftaufnahmen, hängt in China seine Kamera gar an eine Drohne, lässt so die unterirdischen Höhlenwohnungen im chinesischen Sanmenxia zum dekorativen Muster mutieren. Er selbst leugnet allerdings diese Jagd nach graphischen Effekten, für ihn kommt es darauf an, „die Bildkomposition aus der Luft fotografieren, sodass es möglich wird, eine andere Geschichte über die Landschaft und den Kontext eines bestimmten Gebäudes zu erzählen.“

Für diese nicht neue, aber immer wieder „andere Geschichte“ fotografiert Baan beim Anflug auf Dallas „die von der Automobilindustrie geprägte, öl-reiche, typisch amerikanische Stadt” und vor allem das Perot Museum of Nature and Science, entworfen von Morphosis Architects, „rappelvoll mit ungeduldigen, zappeligen Schulkindern, die etwas über die Welt lernen möchten, die sie umgibt.“ Aber auch das bleibt reine Behauptung, pures Wortgeklingel, denn zu sehen ist von diesem prallen Leben unter einem soliden Betondach naturgemäß überhaupt nichts. Dass dann in der von Sou Fujimoto konstruierten „Wolke“ der Serpentine Gallery Pavilions in London zwischen weißen Stahlstangen „Besucher aller sozialen Schichten die Struktur erkundeten“ muss ebenso Vermutung bleiben. Denn, wer wäre heutzutage schon in der Lage, an der Kleidung definitiv den sozialen Status abzulesen?

Der Mensch macht das Bild

Über solche Fragen geht der Katalog mit seinen Anleitungen zum betreuten Sehen souverän hinweg: „Oft machen die Menschen in seinen Bildern die Gebäude erst verständlich, so bei seinem Foto des House K in Japan.“ In dem relativ beengten Wohnhaus in Osaka hatten es die Architekten verstanden, durch trickreiche Grundrisse die Räume großzügiger erscheinen zu lassen. Auf dem Foto ist ein Mädchen zu sehen, das in Pippi-Langstrumpf-Manier kopfüber durch eine Tür schaut – und derart auf die „Existenz des nicht abgebildeten oberen Geschosses“ hinweisen soll. Mit solchen anekdotischen Szenen setzt sich Baan endgültig ab von einer Architekturfotografie, die nie vorgibt, Abbildung zu sein, sondern dem Betrachter mit bewusstem Bildkalkül den Anreiz bietet, vor dem geistigen Auge Dimensionen, Raumbeziehungen zu imaginieren. Oder auch den Entwurfsprozess, wie ihn Architekten noch vor wenigen Jahren mit dem Zeichenstift angingen, retrospektiv nachzuvollziehen.

Aber das war wohl von Anfang an Baans Sache nicht: Beim Blick zurück in sein Fotobuch über das Institute of Contemporary Art in Boston stellt sich heraus, dass die beiden für das Verständnis dieses „photographic essay“ entscheidenden Aufnahmen gar nicht vom Fotografen stammen. Die Bilder von der konstruktivistisch anmutenden Silhouette des Baugerüsts und das Foto einer Armada von Alternativ-Modellen, die auf dem Fußboden ihres Büros versammelt ist, hatten die Architekten selbst beigesteuert.

52 Wochen, 52 Städte
Fotografien von Iwan Baan
Noch bis zum 16. Februar 2014
Marta Herford
Goebenstr. 2-10
32052 Herford

www.marta-herford.de
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