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Der Esel im System
von Thomas Wagner
20. April 2016
Die Beine fest am Boden, zielstrebig und stark: Mit „Ettore“ hat Konstantin Grcic nicht nur für Magis, sondern für alle Designer und Messebesucher ein neues gusseisernes Wappentier geschaffen. Foto © Robert Volhard, Stylepark
Salone 1: In Mailand ist Wohlfühlen angesagt – Ettore trägt geduldig Lasten, es gibt Bänke, kleine Tische und große Sofas.
Eins /// Das geduldige Wappentier

Kaum etwas wird im Netz derzeit so viel angeklickt wie Katzenvideos. Es ist also an der Zeit, auch mal ein anderes Tier zum Zug kommen zu lassen. Da kommt der Esel gerade recht, zumal er in der Möbelbranche längst heimisch geworden ist, wo er schon eine ganze Weile als Wappentier von Magis amtiert. Weshalb der Esel? Weil er, so ist zumindest am Messestand von Magis zu lesen, bescheiden und nicht eingebildet ist, weil er sich nicht aufspielt und ein unermüdlicher Arbeiter ist, weil er niemals aufgibt und immer wieder aufsteht, wenn er hinfällt, weil er nicht nach bequemen Lösungen sucht, sondern die Herausforderung liebt, und weil er eigensinnig und neugierig andauernd neue Wege erkundet.

Und weil man bei Magis weiß, wie wichtig alle diese Eigenschaften auch für Designer sind, gibt es das kleine Maskottchen nun in einer auf den Namen „Ettore“ hörenden gusseisernen Version von keinem Geringeren als Konstantin Grcic. Ettore sei ein echtes Maultier geworden, meint Grcic, „mit den Beinen fest am Boden, zielstrebig und stark. Aber es ist auch schön geworden, liebenswert und fröhlich. Genau wie Magis.“

Ob man indes, wie vorgeschlagen wird, bei Ettore allein an den homerischen Helden Hektor denken muss, den vor Troia nur ein Halbgott besiegen konnte, scheint fraglich. Wir befinden uns schließlich auf dem Feld des Möbeldesigns, und dort denkt man beim Namen Ettore natürlich auch an den großen Ettore Sottsass. Eine versteckte Hommage also? Vielleicht.

Wie dem auch sei, das Maultier oder der neue Esel, wie der Gründer von Magis, Eugenio Perazza, ihn angeregt und Konstantin Grcic ihn aufgefasst hat – mit Ecken und Kanten, sehr stabil, aufgrund seines Gewichts enorm beharrend und versehen mit einem breiten Sattel für große Lasten –, taugt tatsächlich zum Wappentier aller Designer. Weshalb wir ihn uns gern zum treuen Begleiter auf unseren Wegen durch Mailand gewählt haben. Eseleien gibt es hier ja immer genug – im positiven wie im negativen Sinn.

Grcics geduldiger Muli gehört jedenfalls nicht einfach zur Gattung „Equus asinus asinus“, sowenig wie, spinnt man die Metapher weiter, dessen Bruder im Geiste, der Designer als verlässlich selbstbewusstes Lasttier. (Wer hier sogleich an das eine oder andere Eselsklischee denkt, hat das selbst zu verantworten.) Wer bei Grcics Exemplar partout nicht auf eine taxonomische Systematik verzichten möchte, sollte Ettore vielleicht unter „Equus asinus constantinus“ einordnen.

Generell ist der Esel als Gattungstier ja nicht nur als bescheidener, kräftiger und ausdauernder Arbeiter bekannt, er gilt auch als störrischer Zauderer, der sich nicht zu entscheiden vermag. Weshalb man sich, während man durch all die Messehallen und Showrooms flaniert, auch an Buridans Esel erinnern mag, ja sich selbst zuweilen sogar mit diesem verwandt fühlt. Das kommt daher, dass auch wir, die wir all den – vermeintlichen oder tatsächlichen – Neuheiten, also der ganzen Vielfalt angepriesener Stühle, Tische, Sofas und Sesseln für drinnen und (einer der Trends der letzten Jahre) für draußen nachjagen, nicht recht wissen, wie und vor allem weshalb wir uns für das eine und gegen das andere Stück entscheiden sollen. Der einschlägige Esel des Philosophen ist nämlich, als er vor zwei gleich großen und gleich weit von ihm entfernten Heuhaufen stand, vor Hunger gestorben, weil er sich nicht für einen der beiden entscheiden konnte.
Hier soll über ein Happyend für die Zukunft nachgedacht werden: Jerszy Seymours „Bureau for the Study of Vivid Blue Every-Colour Inhabitations of the Planet, the Transformation of Reality, and a Multitude of Happy Endings“ am Stand von Magis. Foto © Robert Volhard, Stylepark
Zwei /// Konzeptkunst oder Schwerindustrie

Weil wir gerade bei Magis sind. Hier paradieren zum feierlichen Anlass selbstverständlich nicht nur bekannte Produkte, es werden auch Neuheiten enthüllt. Jerszy Seymour etwa versucht sich an einer Serie schwarzweiß gesprenkelter leichter hoher Tische und Hocker mit dynamisch vom Untergesell abstehender Sitzfläche. Die Serie hört auf den ebenso programmatischen wie verwirrenden Namen „Bureau for the Study of Vivid Blue Every-Colour Inhabitations of the Planet, the Transformation of Reality, and a Multitude of Happy Endings“. Ihre einzelnen Teile lassen sich vielfältig kombinieren und sollen in unterschiedlichen Arbeitsbereichen oder Gemeinschaftsräumen zum Einsatz kommen – im Büro oder zu Hause, in einer Lagerhalle, aber auch unterm Baum im Garten. Sie bestehen sämtlich aus voll recycelbaren, verschweißten Aluminiumprofilen, und weil sie manuell mit Sprühlack überzogen werden, sollen sie „wie eine Zukunft mit grenzenlosen Möglichkeiten wirken“. Seymours „Bureau“ will also, abermals im Originalton des Pressetextes, nicht weniger als „ein Platz sein, wo wir unsere Zukunft überdenken, diskutieren und Entscheidungen treffen, oder einfach Daumendrehen, schnell etwas notieren und uns entspannen“. Einen Versuch ist das sicher wert, auch wenn sich „happy endings“ auch ganz ohne gesprenkeltes Aluminium ereignen und das Ensemble etwas zu optimistisch in die Nähe einer Konzeptkunst rückt, die selbst in die Jahre gekommenen ist. Aus Seymours „New Dirty Enterprises“ sind nun eher „New Chic Enterprises“ geworden. C’est la vie.
Etwas Schwerindustrie muss schon sein: „Brut“ von Konstantin Grcic umfasst Tische, Bänke und Tischböcke aus Gusseisen. Foto © Robert Volhard, Stylepark
Man traf ihn schon am frühen Morgen des ersten Messetags: Konstantin Grcic bei Magis vor seiner Gusseisen-Kollektion „Brut“. Foto © Robert Volhard, Stylepark
Während Seymour noch danach trachtet, die Realität zu beeinflussen, schafft Konstantin Grcic Realitäten und stellt mit „Brut“ eine Kollektion aus veritablem Gusseisen vor. Spötter wollten in Tisch und Bank – es gibt auch in der Höhe verstellbare Tischböcke, runde Bistro- und Esstische – sogleich eine elitäre Biergartengarnitur erkennen. Geflissentlich übersehen sie dabei: Die Ästhetik des Industriellen gehörte von Beginn an ebenso zu Grcics Arbeit wie die offenbare Solidität und physische Beständigkeit seiner Entwürfe. Indem er die Physis des Gusseisens geschickt mit historischen Reminiszenzen mischt, die Wucht von Produkten einer auf dem Rückzug befindlichen Schwerindustrie ins kleine Format übersetzt und augenzwinkernd auf die Eisenkonstruktionen des 19. Jahrhunderts verweist, aber auch indem er mit leichter Hand die Dekore viktorianischer Gartenmöbel in Angaben zu Name, Hersteller und Herkunft verwandelt, holt er das im digitalen Zeitalter scheinbar Obsolete zurück und stellt es provokativ mitten ins oft leichtgewichtig Zeitgenössische. Hinzu kommt: Wie eigentlich immer bei Grcic, so steckt auch hier die Raffinesse im Detail. Wer weiß, vielleicht steht „Brut“ nicht nur zu Recht für ein schweres, kompromissloses Stück Eisen, sondern auch exemplarisch für die selbstbewusste Gestaltung der physischen Realität diesseits virtueller und zunehmend körperloser Welten.
Jubiläen gab es zu feiern wohin man schaute: Auch bei Walter Knoll konnte man viele Modelle aus der Geschichte der Firma ins Rampenlicht stellen. Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Drei /// Jubiläen, Serien, Systeme

Im Ganzen betrachtet ging die große Mailänder Wohlfühlparty auch dieses Jahr unberührt von allem Politischen über die Bühne, feierten sich alle mehr oder weniger selbst. Tagsüber zog der Tross aus Designern, Journalisten, Herstellern, Händlern und Fans aus sämtlichen Weltgegenden wie gehabt durch die übervollen Messehallen in Rho, abends flanierte man heiter gestimmt bei Frühlingswetter durch die innerstädtischen Bezirke, stets auf der Jagd nach der ultimativen Sensation, nach Gesprächen, Prosecco, Cocktails und Häppchen. Wobei diesmal überraschend viele, die man rund um Salone und Fuorisalone traf – selten bang, aber doch leicht irritiert – fragten, ob und wo es denn etwas zu entdecken gäbe, was über das Übliche und dessen Varianten hinausgehe. Dass es allein die enorme Zahl der Jubiläen gewesen ist – Magis wurde 40, B&B Italia 50, Walter Knoll und viele andere hatten ebenfalls Grund zu feiern – die dazu verleitet hat, eher zurück als nach vorne zu schauen, scheint unwahrscheinlich.
Aus einem Produkt wird ein ganzes System aus unterschiedlichen Varianten: Flötotto macht mit „Pro“ vor, wie das geht. Foto © Robert Volhard, Stylepark
Wie emsig in der Branche an der Konsolidierung des Erreichten gearbeitet wird, ließ sich unter anderem daran erkennen, dass heute auf der Basis eines Entwurfs gleich eine ganze Kollektion, fast schon ein komplettes System entwickelt, eine einzige Idee sogleich als Stuhl, Sessel, Tisch, Barhocker und Stehtisch durchdekliniert werden muss. Ökonomisch ist das offenbar so nötig wie erfolgreich. Bei aller Konkurrenz und Vielfalt führt es in der Konsequenz aber doch zu einer nicht nur gedeihlichen Homogenisierung. Ein Wagnis einzugehen und etwas radikal anderes, ein singuläres Stück Design zu schaffen, scheint derzeit – Ökonomie! – kaum vorgesehen zu sein.
Ruhe bewahren statt hektisch zu werden: Auch für den Design-Esel „Ettore“ ist es manchmal von Vorteil, einfach stehenzubleiben. Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Was eine andere Eigenschaft des Design-Esels ins Gedächtnis ruft: Er bleibt, wo Gefahr lauert, gern stehen, verharrt regungslos. Was biologisch gern auf den Umstand zurückgeführt wird, dass manche Raubtiere, die es auf ihn abgesehen haben, aufgrund anatomischer Besonderheiten ihrer Sinnesorgane nur bewegliche Ziele als Beute wahrnehmen können. In den Augen unverbesserlicher Modernisten und aktionsversessener Zeitgenossen wird er deshalb als Stehenbleiber abqualifiziert. Man könnte sein Verharren aber auch so auffassen: Er flieht nicht blind und voller Furcht in irgendeine Richtung, sondern bleibt stehen und schaut sich genau an, was um ihn herum geschieht.

Genau besehen halten sich gegenwärtig viele an diese Methode. Auch in der Möbelbranche ist Flucht kein Ausweg, selbst wenn sie nach vorne angetreten zu werden scheint. Der Esel als Stehenbleiber gemahnt also womöglich auch daran, den so grundlegenden und inzwischen viele Jahrhunderte lang eingeübten Glauben zu überdenken, das Heil liege im „Plus Ultra“, im „immer weiter“ der Aktion und das Neue sei allemal besser, nicht nur anders, als das bereits Vorhandene, das sich bewährt hat. Konsolidierung ist eines, Weiterdenken etwas anderes. Raymond Loewys Rat, ein gewitzter Formgestalter besitze einen Instinkt dafür, wo im Einzelfall die Grenze zu ziehen sei, wo ein Entwurf am fortschrittlichsten und trotzdem für den Kunden noch annehmbar sei, scheint sich noch immer zu bewähren. Seine MAYA-Schwelle (Most Advanced Yet Acceptable) wird jedenfalls selten einmal überschritten.
Sofas müssen anscheinend immer weiter wachsen: Patricia Urquiola hat diesmal deren viele entworfen, darunter auch „Belt“ für Moroso. Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Vier /// Große Sofas, lange Bänke

Besonders bei den noblen italienischen Herstellern mit ihren exquisiten und hochwertigen Kollektionen werden Sofas und Sofaensembles immer noch größer. Reichen die Sitze für die Party nicht aus, nimmt man auf dem (gepolsterten) Tisch Platz. Einerseits kommen diese Archipele für die Wohnhalle fast immer kubisch oder leicht rundlich daher, andererseits ist die Zahl an neu präsentierten Sofa-Modellen kaum noch zu überblicken. Gediegen-elegante Gemütlichkeit hat im neuen Biedermeier Konjunktur. Allein die Entwürfe und Prototypen von Patricia Urquiola sind – von „Lowland“ bis „Massas“ und „Volant“, ob neu oder „reloaded“ – Legion, nicht nur bei Moroso, wo „Belt“ mit durch die Polster gezogenen Lederbändern einen aparten Akzent setzt. Wer es jugendlicher mag, greift bei Diesel zu „Gimme more Denim“.
Erst hat er von einem großen, komfortablen Sofa geträumt, dann hat es „Wow“ gemacht: Also heißt Philippe Starcks Sofa für Driade auch so. Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Driade zeigt ein luxuriöses und wuchtiges, aber durchaus reizvolles modulares Sofa von Philippe Starck. Dessen Namen „Wow“ ist für Starck Programm, habe er doch eines nachts von jenen Zeiten geträumt, als Sofas noch bequem gewesen seien und man unwillkürlich „Wow“ gerufen habe, wenn man sich auf sie geworfen habe. „Wow“ ist zugleich eine Neuinterpretation jenes Sofas, das Starck 1988 für das New Yorker Hotel Royalton entworfen hat.

Modularisierung ist bei Sofas zweifellos eines der neuen (oder den Sixties und Seventies entliehenen) Zauberworte. Customizing und Systematisierung greifen dabei ineinander, wie beispielsweise e15 mit „Kerman“ von Philipp Mainzer und Farah Ebrahimi oder Vitra mit Jasper Morrisons „Soft Modular Sofa“ belegen. Auch hier zeigt sich, wie intensiv derzeit bestimmte Typologien – in diesem Fall die eines bodennahen, horizontal ausgeprägten, modularen Sofas – durchgesehen und neu interpretiert werden. Man kann das so oder so verstehen: Als Präzisierung und an veränderte Seh- und Wohngewohnheiten angepasste Optimierung oder als Mangel an Einfällen. Eine Zeit extravaganter Solitäre erleben wir momentan sicher nicht.
Bänke taugen für viele Gelegenheiten: Bei „Brut“ von Konstantin Grcic erkennt man, dass es immer auf die Details ankommt. Foto © Robert Volhard, Stylepark
Im Wohnzimmer, in der Lounge oder der Lobby, lange Sofabänke sind gefragt: „Social“ von Pedrali gibt sich schlicht variabel. Foto © Robert Volhard, Stylepark.
Coole Sitzgelegenheit mit Tischen davor und dazwischen: Auch LaPalma hat eine variable Polstersitzbank im Programm. Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Fast überall war zu sehen: Bänke sind in. Entweder hat sich die Ästhetik der Bierbank nun überall durchgesetzt oder alle trainieren jetzt auch beim Essen ihre Rückenmuskulatur. Es könnte aber auch sein, dass die Verweildauer beim – mehr oder weniger gepflegten – Speisen generell sinkt. Herausragendes Beispiel ist das bereits erwähnte Set aus der „Brut“-Kollektion von Konstantin Grcic. Ebenfalls auf breiter Front durchzusetzen scheint sich eine Mischung aus langer gepolsterter Bank und Sofa, ebenfalls modular angelegt. Hier hat Arper, vor allem für den Objektbereich, mit „Zinta“ von Lievore Altherr Molina schon 2014 die Richtung vorgegeben, der andere, etwa Pedrali mit „Social“ folgen.
Kleine Tische für viele Gelegenheiten finden sich fast überall: Vitra beispielsweise hat einen Couchtisch von Charles und Ray Eames aus dem Jahr 1949 ausgegraben. Daneben steht Jasper Morrisons neuer polygonaler „Occasional Lounge Chair“. Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Fünf /// Kleine Tische und kleine Kinder

Fehlen noch die kleinen – Tische und Kinder. Beistelltische sind aktuell der Renner, ob rund, eckig oder oval, ob aus Holz, Kunststoff oder Metall, mit oder ohne Marmorplatte. Das Bedürfnis, Gläser, Teller oder Smartphones abzustellen oder abzulegen, scheint immens. Vitra hat einen Couchtisch von Charles und Ray Eames aus dem Jahr 1949 ausgegraben, den die beiden als Einzelstück für das berühmte Eames House in Pacific Palisades entworfen hatten und präsentiert den aus einer „Dowel-leg-base“ und einer Marmorplatte (ursprünglich war die Platte vergoldet!) bestehenden Tisch nun in einer Re-edition. Daneben bietet Vitra die „Side Tables“ der Bouroullecs nun auch in Holz an, was nicht recht zu ihrem Charakter passen will, sowie neue, wohlproportionierte „Occasional Low Tables“ von Jasper Morrison. Thonets „1025“ von James van Vossel gehört ebenso in diese Kategorie wie Naoto Fukasawas „Ci“ (japanisch „Erde“), der zusammen mit dem komfortablen kleinen Sessel „Ten“ (japanisch „Himmel) ein schönes Paar bildet.
Eine Schaukel von Starck, ein Schaukelpferd von Nendo: Kartell präsentierte eine eigene Kollektion für Kinder. Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Was die heranwachsenden Design-Aficionados angeht, so nun auch Kartell eine eigene Kollektion für die Kleinen vorgestellt, damit im Tretauto oder auf dem Schaukelpferd aus transparentem Kunststoff der Geschmack ausgebildet werde. Mitgemacht und Entwürfe beigesteuert haben Nendo, Ferruccio Laviani, Piero Lissoni und Philippe Starck. Bei Magis, wo Möbel und Spielzeug für Kinder schon Tradition hat, findet sich mit „Little BIG“ ein dreifach in der Höhe verstellbarer Kinderstuhl mit einem Fußgestell aus Holz und einer Sitzschale aus Kunststoff. Zum Spielen steuert Floris Hovers taktile „CARtools“ mit dreidimensional ausgeformten Lichtkegeln und Eero Aarnio einen „Happy Bird“ bei.
Hase und Igel: Kaum waren wir zum Stand von Plank weitergewandert, schon war Konstantin Grcic wieder da und erklärte, weshalb es „Remo“ jetzt auch in Kunststoff und vielen Farben gibt. Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Ob’s am Ölpreis liegt oder doch an der Neigung, die vom Aufbruch in eine bessere Zukunft beseelten Sixities und Seventies (samt Mondlandung und Astronautik) wiederaufleben zu lassen, mit dem Trend zu mehr Farbe kommt auch der Kunststoff zurück (wirklich verschwunden war er ja nie). Zwei Beispiele: Konstantin Grcics „Remo“ für Plank gibt es nun auch in Kunststoff und zwölf Farben, und Jasper Morrisons hat mit dem „All Plastic Chair“, kurz „APC“, für Vitra einen treuen und leichten Kumpan für jeden Tag geschaffen.
Ein leichter und treuer Kumpan: Jasper Morrisons „All Plastic Chair“ für Vitra setzt auf verschiedene Kunststoffe und kluge Details. Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Der APC erinnert ein wenig an die schlichten, klassischen Holzstühle, wie man sie hierzulande schon lange kennt, gibt dem Objekt aber einen entscheidenden Dreh, indem die dünne Sitzfläche organisch ausformt und die Rückenlehne filigraner zeichnet als bei den Ahnen aus Holz. Hinzu kommt: Während der Rahmen aus hochfesten Polypropylen besteht, geben Sitz und Rückenlehne nach und passen sich so dem Körper an. Da die Rückenlehne zudem über Gummipuffer mit dem Rahmen verbunden ist, folgt sie beim Zurücklehnen sanft den Bewegungen des Nutzers. Und was die Farbgebung angeht, so erscheint das Gestells jeweils um Nuancen dunkler als Sitz- und Rückenlehne. Schlicht, aber raffiniert – typisch Jasper Morrison.

I-Ah, ruft da der Esel, bleibt stehen und macht Pause. Weiter geht’s im zweiten Teil.
Ob Esel oder Maultier, Lasten müssen getragen werden. Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Produkte
Magis: BRUT Bank @ Stylepark
Magis
BRUT Bank
Konstantin Grcic
 
Magis: Little BIG @ Stylepark
Magis
Little BIG
Big-Game
 
Flötotto: PRO STOOL Vierbeingestell hoch mit Rückenlehne @ Stylepark
Flötotto
PRO STOOL Vierbeingestell hoch mit Rückenlehne
Konstantin Grcic
 
Magis: HAPPY ENDINGS @ Stylepark
Magis
HAPPY ENDINGS
Jerszy Seymour
Vitra: All Plastic Chair @ Stylepark
Vitra
All Plastic Chair
Jasper Morrison
 
Magis: ETTORE @ Stylepark
Magis
ETTORE
Konstantin Grcic
 
Vitra: Eames Coffee Table @ Stylepark
Vitra
Eames Coffee Table
Charles Eames
Ray Eames
 
Vitra: Occasional Low Tables @ Stylepark
Vitra
Occasional Low Tables
Jasper Morrison
 
Vitra: Wooden Side Tables @ Stylepark
Vitra
Wooden Side Tables
Ronan Bouroullec
Erwan Bouroullec
 
Plank: Remo Kunststoff @ Stylepark
Plank
Remo Kunststoff
Konstantin Grcic
 
Lapalma: ADD @ Stylepark
Lapalma
ADD
Francesco Rota
Magis: BRUT rechteckiger Tisch @ Stylepark
Magis
BRUT rechteckiger Tisch
Konstantin Grcic
 
e15: KERMAN @ Stylepark
e15
KERMAN
Philipp Mainzer
Farah Ebrahimi
 
Vitra: Soft Modular Sofa @ Stylepark
Vitra
Soft Modular Sofa
Jasper Morrison
 
Thonet: 1025 @ Stylepark
Thonet
1025
James van Vossel
 
News & Stories › 2016 › April
Der Esel im System
von Thomas Wagner | 20. April 2016
Salone 1: In Mailand ist Wohlfühlen angesagt – Ettore trägt geduldig Lasten, es gibt Bänke, kleine Tische und große Sofas.
Eins /// Das geduldige Wappentier

Kaum etwas wird im Netz derzeit so viel angeklickt wie Katzenvideos. Es ist also an der Zeit, auch mal ein anderes Tier zum Zug kommen zu lassen. Da kommt der Esel gerade recht, zumal er in der Möbelbranche längst heimisch geworden ist, wo er schon eine ganze Weile als Wappentier von Magis amtiert. Weshalb der Esel? Weil er, so ist zumindest am Messestand von Magis zu lesen, bescheiden und nicht eingebildet ist, weil er sich nicht aufspielt und ein unermüdlicher Arbeiter ist, weil er niemals aufgibt und immer wieder aufsteht, wenn er hinfällt, weil er nicht nach bequemen Lösungen sucht, sondern die Herausforderung liebt, und weil er eigensinnig und neugierig andauernd neue Wege erkundet.

Und weil man bei Magis weiß, wie wichtig alle diese Eigenschaften auch für Designer sind, gibt es das kleine Maskottchen nun in einer auf den Namen „Ettore“ hörenden gusseisernen Version von keinem Geringeren als Konstantin Grcic. Ettore sei ein echtes Maultier geworden, meint Grcic, „mit den Beinen fest am Boden, zielstrebig und stark. Aber es ist auch schön geworden, liebenswert und fröhlich. Genau wie Magis.“

Ob man indes, wie vorgeschlagen wird, bei Ettore allein an den homerischen Helden Hektor denken muss, den vor Troia nur ein Halbgott besiegen konnte, scheint fraglich. Wir befinden uns schließlich auf dem Feld des Möbeldesigns, und dort denkt man beim Namen Ettore natürlich auch an den großen Ettore Sottsass. Eine versteckte Hommage also? Vielleicht.

Wie dem auch sei, das Maultier oder der neue Esel, wie der Gründer von Magis, Eugenio Perazza, ihn angeregt und Konstantin Grcic ihn aufgefasst hat – mit Ecken und Kanten, sehr stabil, aufgrund seines Gewichts enorm beharrend und versehen mit einem breiten Sattel für große Lasten –, taugt tatsächlich zum Wappentier aller Designer. Weshalb wir ihn uns gern zum treuen Begleiter auf unseren Wegen durch Mailand gewählt haben. Eseleien gibt es hier ja immer genug – im positiven wie im negativen Sinn.

Grcics geduldiger Muli gehört jedenfalls nicht einfach zur Gattung „Equus asinus asinus“, sowenig wie, spinnt man die Metapher weiter, dessen Bruder im Geiste, der Designer als verlässlich selbstbewusstes Lasttier. (Wer hier sogleich an das eine oder andere Eselsklischee denkt, hat das selbst zu verantworten.) Wer bei Grcics Exemplar partout nicht auf eine taxonomische Systematik verzichten möchte, sollte Ettore vielleicht unter „Equus asinus constantinus“ einordnen.

Generell ist der Esel als Gattungstier ja nicht nur als bescheidener, kräftiger und ausdauernder Arbeiter bekannt, er gilt auch als störrischer Zauderer, der sich nicht zu entscheiden vermag. Weshalb man sich, während man durch all die Messehallen und Showrooms flaniert, auch an Buridans Esel erinnern mag, ja sich selbst zuweilen sogar mit diesem verwandt fühlt. Das kommt daher, dass auch wir, die wir all den – vermeintlichen oder tatsächlichen – Neuheiten, also der ganzen Vielfalt angepriesener Stühle, Tische, Sofas und Sesseln für drinnen und (einer der Trends der letzten Jahre) für draußen nachjagen, nicht recht wissen, wie und vor allem weshalb wir uns für das eine und gegen das andere Stück entscheiden sollen. Der einschlägige Esel des Philosophen ist nämlich, als er vor zwei gleich großen und gleich weit von ihm entfernten Heuhaufen stand, vor Hunger gestorben, weil er sich nicht für einen der beiden entscheiden konnte.
Zwei /// Konzeptkunst oder Schwerindustrie

Weil wir gerade bei Magis sind. Hier paradieren zum feierlichen Anlass selbstverständlich nicht nur bekannte Produkte, es werden auch Neuheiten enthüllt. Jerszy Seymour etwa versucht sich an einer Serie schwarzweiß gesprenkelter leichter hoher Tische und Hocker mit dynamisch vom Untergesell abstehender Sitzfläche. Die Serie hört auf den ebenso programmatischen wie verwirrenden Namen „Bureau for the Study of Vivid Blue Every-Colour Inhabitations of the Planet, the Transformation of Reality, and a Multitude of Happy Endings“. Ihre einzelnen Teile lassen sich vielfältig kombinieren und sollen in unterschiedlichen Arbeitsbereichen oder Gemeinschaftsräumen zum Einsatz kommen – im Büro oder zu Hause, in einer Lagerhalle, aber auch unterm Baum im Garten. Sie bestehen sämtlich aus voll recycelbaren, verschweißten Aluminiumprofilen, und weil sie manuell mit Sprühlack überzogen werden, sollen sie „wie eine Zukunft mit grenzenlosen Möglichkeiten wirken“. Seymours „Bureau“ will also, abermals im Originalton des Pressetextes, nicht weniger als „ein Platz sein, wo wir unsere Zukunft überdenken, diskutieren und Entscheidungen treffen, oder einfach Daumendrehen, schnell etwas notieren und uns entspannen“. Einen Versuch ist das sicher wert, auch wenn sich „happy endings“ auch ganz ohne gesprenkeltes Aluminium ereignen und das Ensemble etwas zu optimistisch in die Nähe einer Konzeptkunst rückt, die selbst in die Jahre gekommenen ist. Aus Seymours „New Dirty Enterprises“ sind nun eher „New Chic Enterprises“ geworden. C’est la vie.
Während Seymour noch danach trachtet, die Realität zu beeinflussen, schafft Konstantin Grcic Realitäten und stellt mit „Brut“ eine Kollektion aus veritablem Gusseisen vor. Spötter wollten in Tisch und Bank – es gibt auch in der Höhe verstellbare Tischböcke, runde Bistro- und Esstische – sogleich eine elitäre Biergartengarnitur erkennen. Geflissentlich übersehen sie dabei: Die Ästhetik des Industriellen gehörte von Beginn an ebenso zu Grcics Arbeit wie die offenbare Solidität und physische Beständigkeit seiner Entwürfe. Indem er die Physis des Gusseisens geschickt mit historischen Reminiszenzen mischt, die Wucht von Produkten einer auf dem Rückzug befindlichen Schwerindustrie ins kleine Format übersetzt und augenzwinkernd auf die Eisenkonstruktionen des 19. Jahrhunderts verweist, aber auch indem er mit leichter Hand die Dekore viktorianischer Gartenmöbel in Angaben zu Name, Hersteller und Herkunft verwandelt, holt er das im digitalen Zeitalter scheinbar Obsolete zurück und stellt es provokativ mitten ins oft leichtgewichtig Zeitgenössische. Hinzu kommt: Wie eigentlich immer bei Grcic, so steckt auch hier die Raffinesse im Detail. Wer weiß, vielleicht steht „Brut“ nicht nur zu Recht für ein schweres, kompromissloses Stück Eisen, sondern auch exemplarisch für die selbstbewusste Gestaltung der physischen Realität diesseits virtueller und zunehmend körperloser Welten.Drei /// Jubiläen, Serien, Systeme

Im Ganzen betrachtet ging die große Mailänder Wohlfühlparty auch dieses Jahr unberührt von allem Politischen über die Bühne, feierten sich alle mehr oder weniger selbst. Tagsüber zog der Tross aus Designern, Journalisten, Herstellern, Händlern und Fans aus sämtlichen Weltgegenden wie gehabt durch die übervollen Messehallen in Rho, abends flanierte man heiter gestimmt bei Frühlingswetter durch die innerstädtischen Bezirke, stets auf der Jagd nach der ultimativen Sensation, nach Gesprächen, Prosecco, Cocktails und Häppchen. Wobei diesmal überraschend viele, die man rund um Salone und Fuorisalone traf – selten bang, aber doch leicht irritiert – fragten, ob und wo es denn etwas zu entdecken gäbe, was über das Übliche und dessen Varianten hinausgehe. Dass es allein die enorme Zahl der Jubiläen gewesen ist – Magis wurde 40, B&B Italia 50, Walter Knoll und viele andere hatten ebenfalls Grund zu feiern – die dazu verleitet hat, eher zurück als nach vorne zu schauen, scheint unwahrscheinlich.
Wie emsig in der Branche an der Konsolidierung des Erreichten gearbeitet wird, ließ sich unter anderem daran erkennen, dass heute auf der Basis eines Entwurfs gleich eine ganze Kollektion, fast schon ein komplettes System entwickelt, eine einzige Idee sogleich als Stuhl, Sessel, Tisch, Barhocker und Stehtisch durchdekliniert werden muss. Ökonomisch ist das offenbar so nötig wie erfolgreich. Bei aller Konkurrenz und Vielfalt führt es in der Konsequenz aber doch zu einer nicht nur gedeihlichen Homogenisierung. Ein Wagnis einzugehen und etwas radikal anderes, ein singuläres Stück Design zu schaffen, scheint derzeit – Ökonomie! – kaum vorgesehen zu sein.Was eine andere Eigenschaft des Design-Esels ins Gedächtnis ruft: Er bleibt, wo Gefahr lauert, gern stehen, verharrt regungslos. Was biologisch gern auf den Umstand zurückgeführt wird, dass manche Raubtiere, die es auf ihn abgesehen haben, aufgrund anatomischer Besonderheiten ihrer Sinnesorgane nur bewegliche Ziele als Beute wahrnehmen können. In den Augen unverbesserlicher Modernisten und aktionsversessener Zeitgenossen wird er deshalb als Stehenbleiber abqualifiziert. Man könnte sein Verharren aber auch so auffassen: Er flieht nicht blind und voller Furcht in irgendeine Richtung, sondern bleibt stehen und schaut sich genau an, was um ihn herum geschieht.

Genau besehen halten sich gegenwärtig viele an diese Methode. Auch in der Möbelbranche ist Flucht kein Ausweg, selbst wenn sie nach vorne angetreten zu werden scheint. Der Esel als Stehenbleiber gemahnt also womöglich auch daran, den so grundlegenden und inzwischen viele Jahrhunderte lang eingeübten Glauben zu überdenken, das Heil liege im „Plus Ultra“, im „immer weiter“ der Aktion und das Neue sei allemal besser, nicht nur anders, als das bereits Vorhandene, das sich bewährt hat. Konsolidierung ist eines, Weiterdenken etwas anderes. Raymond Loewys Rat, ein gewitzter Formgestalter besitze einen Instinkt dafür, wo im Einzelfall die Grenze zu ziehen sei, wo ein Entwurf am fortschrittlichsten und trotzdem für den Kunden noch annehmbar sei, scheint sich noch immer zu bewähren. Seine MAYA-Schwelle (Most Advanced Yet Acceptable) wird jedenfalls selten einmal überschritten.
Vier /// Große Sofas, lange Bänke

Besonders bei den noblen italienischen Herstellern mit ihren exquisiten und hochwertigen Kollektionen werden Sofas und Sofaensembles immer noch größer. Reichen die Sitze für die Party nicht aus, nimmt man auf dem (gepolsterten) Tisch Platz. Einerseits kommen diese Archipele für die Wohnhalle fast immer kubisch oder leicht rundlich daher, andererseits ist die Zahl an neu präsentierten Sofa-Modellen kaum noch zu überblicken. Gediegen-elegante Gemütlichkeit hat im neuen Biedermeier Konjunktur. Allein die Entwürfe und Prototypen von Patricia Urquiola sind – von „Lowland“ bis „Massas“ und „Volant“, ob neu oder „reloaded“ – Legion, nicht nur bei Moroso, wo „Belt“ mit durch die Polster gezogenen Lederbändern einen aparten Akzent setzt. Wer es jugendlicher mag, greift bei Diesel zu „Gimme more Denim“.
Driade zeigt ein luxuriöses und wuchtiges, aber durchaus reizvolles modulares Sofa von Philippe Starck. Dessen Namen „Wow“ ist für Starck Programm, habe er doch eines nachts von jenen Zeiten geträumt, als Sofas noch bequem gewesen seien und man unwillkürlich „Wow“ gerufen habe, wenn man sich auf sie geworfen habe. „Wow“ ist zugleich eine Neuinterpretation jenes Sofas, das Starck 1988 für das New Yorker Hotel Royalton entworfen hat.

Modularisierung ist bei Sofas zweifellos eines der neuen (oder den Sixties und Seventies entliehenen) Zauberworte. Customizing und Systematisierung greifen dabei ineinander, wie beispielsweise e15 mit „Kerman“ von Philipp Mainzer und Farah Ebrahimi oder Vitra mit Jasper Morrisons „Soft Modular Sofa“ belegen. Auch hier zeigt sich, wie intensiv derzeit bestimmte Typologien – in diesem Fall die eines bodennahen, horizontal ausgeprägten, modularen Sofas – durchgesehen und neu interpretiert werden. Man kann das so oder so verstehen: Als Präzisierung und an veränderte Seh- und Wohngewohnheiten angepasste Optimierung oder als Mangel an Einfällen. Eine Zeit extravaganter Solitäre erleben wir momentan sicher nicht.
Fast überall war zu sehen: Bänke sind in. Entweder hat sich die Ästhetik der Bierbank nun überall durchgesetzt oder alle trainieren jetzt auch beim Essen ihre Rückenmuskulatur. Es könnte aber auch sein, dass die Verweildauer beim – mehr oder weniger gepflegten – Speisen generell sinkt. Herausragendes Beispiel ist das bereits erwähnte Set aus der „Brut“-Kollektion von Konstantin Grcic. Ebenfalls auf breiter Front durchzusetzen scheint sich eine Mischung aus langer gepolsterter Bank und Sofa, ebenfalls modular angelegt. Hier hat Arper, vor allem für den Objektbereich, mit „Zinta“ von Lievore Altherr Molina schon 2014 die Richtung vorgegeben, der andere, etwa Pedrali mit „Social“ folgen.Fünf /// Kleine Tische und kleine Kinder

Fehlen noch die kleinen – Tische und Kinder. Beistelltische sind aktuell der Renner, ob rund, eckig oder oval, ob aus Holz, Kunststoff oder Metall, mit oder ohne Marmorplatte. Das Bedürfnis, Gläser, Teller oder Smartphones abzustellen oder abzulegen, scheint immens. Vitra hat einen Couchtisch von Charles und Ray Eames aus dem Jahr 1949 ausgegraben, den die beiden als Einzelstück für das berühmte Eames House in Pacific Palisades entworfen hatten und präsentiert den aus einer „Dowel-leg-base“ und einer Marmorplatte (ursprünglich war die Platte vergoldet!) bestehenden Tisch nun in einer Re-edition. Daneben bietet Vitra die „Side Tables“ der Bouroullecs nun auch in Holz an, was nicht recht zu ihrem Charakter passen will, sowie neue, wohlproportionierte „Occasional Low Tables“ von Jasper Morrison. Thonets „1025“ von James van Vossel gehört ebenso in diese Kategorie wie Naoto Fukasawas „Ci“ (japanisch „Erde“), der zusammen mit dem komfortablen kleinen Sessel „Ten“ (japanisch „Himmel) ein schönes Paar bildet.
Was die heranwachsenden Design-Aficionados angeht, so nun auch Kartell eine eigene Kollektion für die Kleinen vorgestellt, damit im Tretauto oder auf dem Schaukelpferd aus transparentem Kunststoff der Geschmack ausgebildet werde. Mitgemacht und Entwürfe beigesteuert haben Nendo, Ferruccio Laviani, Piero Lissoni und Philippe Starck. Bei Magis, wo Möbel und Spielzeug für Kinder schon Tradition hat, findet sich mit „Little BIG“ ein dreifach in der Höhe verstellbarer Kinderstuhl mit einem Fußgestell aus Holz und einer Sitzschale aus Kunststoff. Zum Spielen steuert Floris Hovers taktile „CARtools“ mit dreidimensional ausgeformten Lichtkegeln und Eero Aarnio einen „Happy Bird“ bei.Ob’s am Ölpreis liegt oder doch an der Neigung, die vom Aufbruch in eine bessere Zukunft beseelten Sixities und Seventies (samt Mondlandung und Astronautik) wiederaufleben zu lassen, mit dem Trend zu mehr Farbe kommt auch der Kunststoff zurück (wirklich verschwunden war er ja nie). Zwei Beispiele: Konstantin Grcics „Remo“ für Plank gibt es nun auch in Kunststoff und zwölf Farben, und Jasper Morrisons hat mit dem „All Plastic Chair“, kurz „APC“, für Vitra einen treuen und leichten Kumpan für jeden Tag geschaffen.Der APC erinnert ein wenig an die schlichten, klassischen Holzstühle, wie man sie hierzulande schon lange kennt, gibt dem Objekt aber einen entscheidenden Dreh, indem die dünne Sitzfläche organisch ausformt und die Rückenlehne filigraner zeichnet als bei den Ahnen aus Holz. Hinzu kommt: Während der Rahmen aus hochfesten Polypropylen besteht, geben Sitz und Rückenlehne nach und passen sich so dem Körper an. Da die Rückenlehne zudem über Gummipuffer mit dem Rahmen verbunden ist, folgt sie beim Zurücklehnen sanft den Bewegungen des Nutzers. Und was die Farbgebung angeht, so erscheint das Gestells jeweils um Nuancen dunkler als Sitz- und Rückenlehne. Schlicht, aber raffiniert – typisch Jasper Morrison.

I-Ah, ruft da der Esel, bleibt stehen und macht Pause. Weiter geht’s im zweiten Teil.