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Der etwas andere Schuhladen
von Adeline Seidel | 23. Juni 2015
Der Architekt Diébédo Francis Kéré hat auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein ein außergewöhnliches Retail-Konzept für Camper und mit Vitra realisiert. Foto © Vitra
Wer Kunden in sein Geschäft locken will, der muss heutzutage einiges bieten: Zum Beispiel einen kostenlosen Internetzugang und Lademöglichkeiten für die smarten elektronischen Gerätschaften. Mit solchen Lockstoffen sollen zumindest die Besucher des Vitra-Campus in Weil am Rhein in den neuen Pop-up Store von Camper gelockt werden. Auf einer blauen Sitzskulptur vor dem Eingang kann man sich ausruhen, surfen und sein Smartphone mit Strom versorgen. Erfrischt und aufgeladen, das sind wohl gute Voraussetzungen, um sich der Markeninszenierung von Camper in einer geodätischen Kuppel à la Buckminster Fuller zu widmen – einer Mischung aus Ausstellungsbesuch, Freilichtmuseum und Showroom.

Mit Markeninszenierung kennt sich Camper aus: Der Schuhhersteller aus Mallorca eröffnete bereits im Jahre 1981 als einer der ersten seiner Branche in Barcelona einen „Mono-Brand-Store“. In den „Camper Together“-Läden kreierte immer ein anderer Designer die Camper-Welt – beispielsweise Konstantin Grcic in Berlin, Jaime Hayon in Tokio und Neri&Hu in Shanghai, um nur einige Kollaborationen zwischen Stardesigner und Schuhhersteller zu nennen. Dahinter steckt der Gedanke: Der Kosmopolit schätzt zwar weltweit dasselbe Schuhsortiment, möchte aber nicht ständig ein voraussehbares Einerlei der Markenarchitektur antreffen.
Neue Retail-Konzepte und -Technologien erproben: Der Camper-Pop-up-Store verweist auf den Ursprung von Vitra als Ladenbau-Firma. Foto © Vitra
Seegrasmatte und Bildschirm

Der Pop-up Store auf dem Vitra-Gelände, gestaltet vom Berliner Architekten Diébédo Francis Kéré, kommt auf dem ersten Blick bescheiden daher, erweist sich aber als ein durchaus spannendes Experiment, das die Vorteile der Online-Welt mit denen der Offline-Welt verbinden möchte. Das Ziel ist, ein neues Kauferlebnis zu schaffen.
Zwei elliptische Ringe aus Regalen, die als Trennwände fungieren, lassen zwei Räume entstehen: Der eine, im Zentrum des Kuppelbaus, ist geräumig und hell. Eine Matte aus geflochtenem Seegras (man nennt sie auf Mallorca „Esparto“) und kobaltblauen Sitzkissen namens „Mochi“ (von Hella Jongerius für Vitra entworfen) verleihen dem Raum eine lockere, unprätentiöse Atmosphäre. Hier soll man, so der Wunsch des Architekten, mit anderen Menschen ins Gespräch kommen und mit Freuden die Schuhe ausprobieren, die in den Regalen wie Sammlungsstücke präsentiert werden.

Der zweite Raum legt sich, kaum drei Meter breit, wie ein Planetenring um den ersten. Hier steht weniger das Produkt, dafür aber die Marke im Vordergrund. Wie in einer Ausstellung werden Projekte und Produktinformationen präsentiert, die wichtig für das Markenverständnis sind. Die weißen Regalmodule sind dabei äußerst wandelbar: Regalböden können herausgenommen werden, um größere Fächer zu schaffen; mit Schiebetüren versehen, werden sie zum zweckmäßigen Stauraum. Dem Auge verborgen bleiben die Stromkabel, die geschickt in die Regalwände integriert wurden.
Durchgänge verbinden die beiden Raumzonen miteinander als auch die Installation mit dem umgebenden Kuppelraum von Buckminster Fuller. Foto © Vitra
Offline wie online Shoppen

Wer möchte, kann im Pop-up Store noch mehr über die Schuhe erfahren: Einige sind mit einem RFID-Chip ausgestattet. Stellt man den Schuh auf eine dafür vorgesehene Fläche im Regal, geben sie auf einem Monitor Informationen über sich preis. Auch können sich Kunden, die es genau wissen wollen, ihre Füße digital vermessen lassen. Der Vorteil hierbei ist: dem Kunden können auf diese Weise die für seinen Fuß optimalen Modelle vorgeschlagen werden. Wo selbst der Fachverkäufer nicht mehr weiter weiß, hilft der Computer. Wer will, kann seine Daten auf einer Karte und in seinem persönlichen Camper-Account online speichern und beim nächsten Einkauf darauf zugreifen. Große Touchscreens erschließen überdies im Netz das gesamte Sortiment, inklusive aller Angaben hinsichtlich verfügbarer Modelle, Größen und Farben. „Denn“, so erklärt Camper-CEO Miguel Fluxá, „kein Camper-Laden kann alle 700 Modelle zur Hand haben.“ Online einkaufen im stationären Handel, auch das ist hier möglich.

Für Camper ist es der erste Shop, der die Vorteile des Online-Shoppings (der mündige Kunde, der sich selber informieren möchte und keine Beschränkung der Auswahl duldet) mit dem sinnlichen Erlebnis der Offline-Welt verbindet. Dafür hätte sich Camper keinen besseren Ort als den Vitra-Campus aussuchen können, erweist sich Kérés Konzept doch als recht zeitintensiv. Der Vitra-Besucher aber ist bereits eingestimmt auf eine Auseinandersetzung mit Inhalten und hat auf dem Campus mehr Ruhe und Zeit als bei der Einkaufstour in der Innenstadt, um die Möglichkeiten im Store auszuprobieren. Auch der Schuhmacher, der vor Ort vorführt, wie Camper-Schuhe hergestellt werden, wird sicherlich die eine oder andere Frage beantworten können. Der Pop-up Store ist also etwas für echte Camper-Fans, die sich gern dem Markenerlebnis hingeben und für die der einfache Erwerb eines Schuhs nicht das Nonplusultra darstellt.

www.vitra.com
www.camper.com
www.kere-architecture.com

Camper Pop-up Store
Vitra Campus, Weil am Rhein
18. Juni bis 30. September 2015
Mo. bis Sa. 10 bis 18 Uhr

Das Buch zu Camper
The Walking Society
hrsg. v. Anniina Koivu
408 Seiten, ca. 500 Bilder, Hardcover,
Lars Mueller Publishers, Zürich 2015
49,00 Euro
www.lars-mueller-publishers.com
Während der Besucher beim Rundgang durch den äußeren Ring Wissenswertes über die Marke Camper erfährt, kann er im Zentrum Schuhe ausprobieren. Foto © Vitra
Der Besucher kann Informationen über Schuhe und Camper-Projekte auf das eigene Smartphone oder über die in das Regalsystem integrierten Monitore erhalten, wie Architekt Diébédo Francis Kéré (links vom Monitor) und Hanns-Peter Cohn, Head Shop Segment, erläutern. Photo © Adeline Seidel, Stylepark
Das zentrale Element der Retail-Architektur ist eine selbsttragende, regalartige Wandkonstruktion aus Tischlerplatten, realisiert vom Vitra-Unternehmen Vizona. Foto © Vitra
Premiere für das neue System für In-Store-Kommunikation „Mono 6 P/L“ von Visplay: Es bündelt unsichtbar die Elektrik für Licht und Digital Signage. Foto © Vitra
Unterschiedliche Lichtszenarien via iPad-Steuerung: Ansorg , der Lichtspezialist der Vitra-Gruppe, hat bei diesem Projekt die Deckeneinbauleuchten geplant und geliefert. Foto © Vitra
Produkte
Vitra: East River Chair @ Stylepark
Vitra
East River Chair
Hella Jongerius
Vitra: Bovist Lacemaker @ Stylepark
Vitra
Bovist Lacemaker
Hella Jongerius
Vitra: Akari 20N @ Stylepark
Vitra
Akari 20N
Isamu Noguchi
Vitra: Akari 1P @ Stylepark
Vitra
Akari 1P
Isamu Noguchi
Vitra: Prismatic Table schwarz @ Stylepark
Vitra
Prismatic Table schwarz
Isamu Noguchi
Vitra: Polder Compact @ Stylepark
Vitra
Polder Compact
Hella Jongerius
Vitra: Sphere Table @ Stylepark
Vitra
Sphere Table
Hella Jongerius
Vitra: Bovist Pottery @ Stylepark
Vitra
Bovist Pottery
Hella Jongerius
Vitra: Akari 50EN / 70EN @ Stylepark
Vitra
Akari 50EN / 70EN
Isamu Noguchi
Vitra: Akari 45A / 55A / 75A / 120A @ Stylepark
Vitra
Akari 45A / 55A / 75A / 120A
Isamu Noguchi
Vitra: Nestable @ Stylepark
Vitra
Nestable
Jasper Morrison
Vitra: HAL Cantilever @ Stylepark
Vitra
HAL Cantilever
Jasper Morrison
Vitra: Cork Family Modell B @ Stylepark
Vitra
Cork Family Modell B
Jasper Morrison
Vitra: Place @ Stylepark
Vitra
Place
Jasper Morrison
Vitra: HAL Cantilever @ Stylepark
Vitra
HAL Cantilever
Jasper Morrison
News & Stories › 2015 › Juni
Der etwas andere Schuhladen
von Adeline Seidel | 23. Juni 2015
Ein Paar neue Schuhe zum Designklassiker gefällig? Kein Problem. Der Architekt Diébédo Francis Kéré hat auf dem Vitra-Campus in einem Kuppelbau à la Buckminster Fuller einen Pop-up Store für Camper gestaltet.
Wer Kunden in sein Geschäft locken will, der muss heutzutage einiges bieten: Zum Beispiel einen kostenlosen Internetzugang und Lademöglichkeiten für die smarten elektronischen Gerätschaften. Mit solchen Lockstoffen sollen zumindest die Besucher des Vitra-Campus in Weil am Rhein in den neuen Pop-up Store von Camper gelockt werden. Auf einer blauen Sitzskulptur vor dem Eingang kann man sich ausruhen, surfen und sein Smartphone mit Strom versorgen. Erfrischt und aufgeladen, das sind wohl gute Voraussetzungen, um sich der Markeninszenierung von Camper in einer geodätischen Kuppel à la Buckminster Fuller zu widmen – einer Mischung aus Ausstellungsbesuch, Freilichtmuseum und Showroom.

Mit Markeninszenierung kennt sich Camper aus: Der Schuhhersteller aus Mallorca eröffnete bereits im Jahre 1981 als einer der ersten seiner Branche in Barcelona einen „Mono-Brand-Store“. In den „Camper Together“-Läden kreierte immer ein anderer Designer die Camper-Welt – beispielsweise Konstantin Grcic in Berlin, Jaime Hayon in Tokio und Neri&Hu in Shanghai, um nur einige Kollaborationen zwischen Stardesigner und Schuhhersteller zu nennen. Dahinter steckt der Gedanke: Der Kosmopolit schätzt zwar weltweit dasselbe Schuhsortiment, möchte aber nicht ständig ein voraussehbares Einerlei der Markenarchitektur antreffen.
Seegrasmatte und Bildschirm

Der Pop-up Store auf dem Vitra-Gelände, gestaltet vom Berliner Architekten Diébédo Francis Kéré, kommt auf dem ersten Blick bescheiden daher, erweist sich aber als ein durchaus spannendes Experiment, das die Vorteile der Online-Welt mit denen der Offline-Welt verbinden möchte. Das Ziel ist, ein neues Kauferlebnis zu schaffen.
Zwei elliptische Ringe aus Regalen, die als Trennwände fungieren, lassen zwei Räume entstehen: Der eine, im Zentrum des Kuppelbaus, ist geräumig und hell. Eine Matte aus geflochtenem Seegras (man nennt sie auf Mallorca „Esparto“) und kobaltblauen Sitzkissen namens „Mochi“ (von Hella Jongerius für Vitra entworfen) verleihen dem Raum eine lockere, unprätentiöse Atmosphäre. Hier soll man, so der Wunsch des Architekten, mit anderen Menschen ins Gespräch kommen und mit Freuden die Schuhe ausprobieren, die in den Regalen wie Sammlungsstücke präsentiert werden.

Der zweite Raum legt sich, kaum drei Meter breit, wie ein Planetenring um den ersten. Hier steht weniger das Produkt, dafür aber die Marke im Vordergrund. Wie in einer Ausstellung werden Projekte und Produktinformationen präsentiert, die wichtig für das Markenverständnis sind. Die weißen Regalmodule sind dabei äußerst wandelbar: Regalböden können herausgenommen werden, um größere Fächer zu schaffen; mit Schiebetüren versehen, werden sie zum zweckmäßigen Stauraum. Dem Auge verborgen bleiben die Stromkabel, die geschickt in die Regalwände integriert wurden.
Offline wie online Shoppen

Wer möchte, kann im Pop-up Store noch mehr über die Schuhe erfahren: Einige sind mit einem RFID-Chip ausgestattet. Stellt man den Schuh auf eine dafür vorgesehene Fläche im Regal, geben sie auf einem Monitor Informationen über sich preis. Auch können sich Kunden, die es genau wissen wollen, ihre Füße digital vermessen lassen. Der Vorteil hierbei ist: dem Kunden können auf diese Weise die für seinen Fuß optimalen Modelle vorgeschlagen werden. Wo selbst der Fachverkäufer nicht mehr weiter weiß, hilft der Computer. Wer will, kann seine Daten auf einer Karte und in seinem persönlichen Camper-Account online speichern und beim nächsten Einkauf darauf zugreifen. Große Touchscreens erschließen überdies im Netz das gesamte Sortiment, inklusive aller Angaben hinsichtlich verfügbarer Modelle, Größen und Farben. „Denn“, so erklärt Camper-CEO Miguel Fluxá, „kein Camper-Laden kann alle 700 Modelle zur Hand haben.“ Online einkaufen im stationären Handel, auch das ist hier möglich.

Für Camper ist es der erste Shop, der die Vorteile des Online-Shoppings (der mündige Kunde, der sich selber informieren möchte und keine Beschränkung der Auswahl duldet) mit dem sinnlichen Erlebnis der Offline-Welt verbindet. Dafür hätte sich Camper keinen besseren Ort als den Vitra-Campus aussuchen können, erweist sich Kérés Konzept doch als recht zeitintensiv. Der Vitra-Besucher aber ist bereits eingestimmt auf eine Auseinandersetzung mit Inhalten und hat auf dem Campus mehr Ruhe und Zeit als bei der Einkaufstour in der Innenstadt, um die Möglichkeiten im Store auszuprobieren. Auch der Schuhmacher, der vor Ort vorführt, wie Camper-Schuhe hergestellt werden, wird sicherlich die eine oder andere Frage beantworten können. Der Pop-up Store ist also etwas für echte Camper-Fans, die sich gern dem Markenerlebnis hingeben und für die der einfache Erwerb eines Schuhs nicht das Nonplusultra darstellt.

www.vitra.com
www.camper.com
www.kere-architecture.com

Camper Pop-up Store
Vitra Campus, Weil am Rhein
18. Juni bis 30. September 2015
Mo. bis Sa. 10 bis 18 Uhr

Das Buch zu Camper
The Walking Society
hrsg. v. Anniina Koivu
408 Seiten, ca. 500 Bilder, Hardcover,
Lars Mueller Publishers, Zürich 2015
49,00 Euro
www.lars-mueller-publishers.com