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Der mexikanische Geschichtenerzähler
von Sophia Walk | 30. März 2014
Der mexikanische Industriedesigner Ricardo Casas verwendet für seine Objekte schwerpunktmäßig Holz. Dies bedeutet jedoch keinesfalls, dass seine Arbeiten eintönig sind. Im Gegenteil – seine Möbel erzählen jeweils eine andere Geschichte über den Raum. Hier der Sessel für Michel Rojkinds Sanierung der Cineteca Nacional Siglo XXI.
Foto © Ricardo Casas
Der Innenraum des Restaurants Malamén im Viertel Polanco von Mexiko Stadt erzählt die Geschichte von Malamén – einem Mädchen, das zur Zeit der mexikanischen Revolution zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebte und eine besondere Freude am Kochen hatte, sodass sie jedes Detail der Zubereitung schriftlich festhielt. Der Grafikdesigner Marco Colin fand im Keller des Hauses, in dem Malamén wohnte, ihr Kochbuch. Und der Industriedesigner Ricardo Casas realisierte Malaméns Traum eines Restaurants. Die Räume des Restaurants sind gefüllt mit Malaméns Rezepten, Reisegeschichten sowie Illustrationen von Marco Colin.

Geschichten in Raum und Objekte zu übersetzen, ist typisch Ricardo Casas, der 2009 in Mexiko Stadt sein Büro RCD Ricardo Casas Design gründete. Mit seinem Team widmet er sich dem Entwurf von Möbeln, Produktdesign und vor allem der Innenraumgestaltung. Auf diesem Gebiet arbeitet RCD mit den wichtigsten Architekturbüros Mexikos zusammen. So stammt das Mobiliar für Michel Rojkinds Sanierung des Filminstituts Cineteca Nacional Siglo XXI aus seiner Feder. Diese Möbelserie bestehend aus einem Tisch, einer Sitzbank und einem Sessel zeigt wie viele andere Möbelobjekte von Ricardo Casas vor allem seine Affinität zu Holz als Gestaltungsmaterial, das er immer wieder unterschiedlich verarbeitet und interpretiert.

Der Tisch „Mesa xxx“ etwa verbindet Holz mit einer Glastischplatte, das Sideboard „Consola Moon“ hat zwar klare geometrische Formen, seine Holzoberflächen jedoch kommen mit ihren Einschnitten sehr organisch daher, und der Sessel „Butaca Sut“ besteht aus einem puristischen Holzgestell mit einer dezent farbigen Textilauflage. Obwohl sich Holz als Arbeitsmaterial durch Casas Arbeiten zieht, sind seine innenarchitektonischen Objekte keinesfalls eintönig, sondern zeigen ein breites Spektrum an Möglichkeiten, Holz so zu verarbeiten, dass seine Objekte am jeweiligen Ort ihre Geschichte erzählen. –Eben die Geschichten des mexikanischen Designers Ricardo Casas. Für den erst 2012 gegründeten mexikanischen Möbelhersteller Notwaste, der hauptsächlich Möbel aus Grobspanplatten produziert, entwarf Casas den Stuhl „Clara“, der ebenso aus Pressspan gefertigt ist und durch eine Netzstruktur als Sitzfläche auffällt.

Neben seiner eigenständigen Designtätigkeit ist Casas Gründungsmitglied des Colectivo NEL. Das Kollektiv von mexikanischen Designern, das 2004 ins Leben gerufen wurde, versteht sich als Plattform für experimentelles Design mit einer konzeptionellen Herangehensweise. Ständiges Wechseln der Mitglieder der Gruppe garantiert eine hohe Vielfalt an Projekten. Die derzeitigen Mitglieder von NEL sind Ricardo Casas, Alejandro Castro, Héctor Esrawe, Emiliano Godoy und Cecilia León de la Barra, alle ebenso Designer in Mexiko Stadt.

Sowohl NEL als auch Casas alleine arbeiten für Pirwi, eine weitere Designplattform, die zeigt, dass Mexikos Kreative gerne kollaborieren. Für Pirwi entwarf Casas, ebenfalls aus Holz den Hocker „Val“, der aussieht wie eine kleine Buschtrommel aus Multiplex. Welche Geschichte sich wohl dahinter verbirgt?

www.ricardocasas.com.mx
Die Sitzbank und der Schreibtisch gehören zu der von Ricardo Casas entworfenen Möbelserie für das Filminstitut Cineteca Nacional Siglo XXI. Foto © Ricardo Casas
Das Restaurant Malamén in Mexico Citys Stadtteil Polanco erzählt die Geschichte des Mädchens Malamén. Der Grafikdesigner Marco Colin fand im Keller ihres Hauses ihr Kochbuch und der Designer Ricardo Casas verwirklichte ihren Traum. Foto © Ricardo Casas
Malamén lebte zur Zeit der mexikanischen Revolution zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Mit seinen Illustrationen an den Wänden des Restaurants Malamén erzählt der Grafikdesigner Marco Colin ihre Geschichte. Ricardo Casas gestaltete die Innenräume des Restaurants. Foto © Ricardo Casas
Für den erst 2012 gegründeten mexikanischen Möbelhersteller Notwaste, der hauptsächlich Objekte aus Grobspanplatten produziert, entwarf Casas den Stuhl „Clara“ - ebenfalls aus Pressspan, mit einer Netzstruktur als Sitzfläche. Foto © Ricardo Casas
Wie eine Buschtrommel wirkt Casas Hocker „Val“, der aus Multiplex-Holz gefertigt wurde. Foto © Ricardo Casas
Für den Tisch „Mesa xxx“ kombinierte Casas das von ihm favorisierte Material Holz mit einer Tischplatte aus Glas. Foto © Ricardo Casas
Die klare geometrische Form des Sideboard „Consola Moon“ steht den organischen Einschnitten der Holzoberfläche entgegen. Foto © Ricardo Casas
Der Sessel „Butaca Sut“ zeigt mexikanischen Purismus nach dem Entwurf von Ricardo Casas. Foto © Ricardo Casas
Architektur › 2014 › März
Der mexikanische Geschichtenerzähler
von Sophia Walk | 30. März 2014
Ricardo Casas gehört zur Riege der Industriedesigner Mexikos, die sich experimenteller Innenraumgestaltung verschrieben haben. In seinen Arbeiten interpretiert er Holz auf sehr unterschiedliche Art und erzählt dabei Geschichten über den Raum.
Der Innenraum des Restaurants Malamén im Viertel Polanco von Mexiko Stadt erzählt die Geschichte von Malamén – einem Mädchen, das zur Zeit der mexikanischen Revolution zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebte und eine besondere Freude am Kochen hatte, sodass sie jedes Detail der Zubereitung schriftlich festhielt. Der Grafikdesigner Marco Colin fand im Keller des Hauses, in dem Malamén wohnte, ihr Kochbuch. Und der Industriedesigner Ricardo Casas realisierte Malaméns Traum eines Restaurants. Die Räume des Restaurants sind gefüllt mit Malaméns Rezepten, Reisegeschichten sowie Illustrationen von Marco Colin.

Geschichten in Raum und Objekte zu übersetzen, ist typisch Ricardo Casas, der 2009 in Mexiko Stadt sein Büro RCD Ricardo Casas Design gründete. Mit seinem Team widmet er sich dem Entwurf von Möbeln, Produktdesign und vor allem der Innenraumgestaltung. Auf diesem Gebiet arbeitet RCD mit den wichtigsten Architekturbüros Mexikos zusammen. So stammt das Mobiliar für Michel Rojkinds Sanierung des Filminstituts Cineteca Nacional Siglo XXI aus seiner Feder. Diese Möbelserie bestehend aus einem Tisch, einer Sitzbank und einem Sessel zeigt wie viele andere Möbelobjekte von Ricardo Casas vor allem seine Affinität zu Holz als Gestaltungsmaterial, das er immer wieder unterschiedlich verarbeitet und interpretiert.

Der Tisch „Mesa xxx“ etwa verbindet Holz mit einer Glastischplatte, das Sideboard „Consola Moon“ hat zwar klare geometrische Formen, seine Holzoberflächen jedoch kommen mit ihren Einschnitten sehr organisch daher, und der Sessel „Butaca Sut“ besteht aus einem puristischen Holzgestell mit einer dezent farbigen Textilauflage. Obwohl sich Holz als Arbeitsmaterial durch Casas Arbeiten zieht, sind seine innenarchitektonischen Objekte keinesfalls eintönig, sondern zeigen ein breites Spektrum an Möglichkeiten, Holz so zu verarbeiten, dass seine Objekte am jeweiligen Ort ihre Geschichte erzählen. –Eben die Geschichten des mexikanischen Designers Ricardo Casas. Für den erst 2012 gegründeten mexikanischen Möbelhersteller Notwaste, der hauptsächlich Möbel aus Grobspanplatten produziert, entwarf Casas den Stuhl „Clara“, der ebenso aus Pressspan gefertigt ist und durch eine Netzstruktur als Sitzfläche auffällt.

Neben seiner eigenständigen Designtätigkeit ist Casas Gründungsmitglied des Colectivo NEL. Das Kollektiv von mexikanischen Designern, das 2004 ins Leben gerufen wurde, versteht sich als Plattform für experimentelles Design mit einer konzeptionellen Herangehensweise. Ständiges Wechseln der Mitglieder der Gruppe garantiert eine hohe Vielfalt an Projekten. Die derzeitigen Mitglieder von NEL sind Ricardo Casas, Alejandro Castro, Héctor Esrawe, Emiliano Godoy und Cecilia León de la Barra, alle ebenso Designer in Mexiko Stadt.

Sowohl NEL als auch Casas alleine arbeiten für Pirwi, eine weitere Designplattform, die zeigt, dass Mexikos Kreative gerne kollaborieren. Für Pirwi entwarf Casas, ebenfalls aus Holz den Hocker „Val“, der aussieht wie eine kleine Buschtrommel aus Multiplex. Welche Geschichte sich wohl dahinter verbirgt?

www.ricardocasas.com.mx