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Spezial | das BÜro nach dem BÜro
initiiert von Evoline
Dicke Wände sorgen
für Flexibilität
Adeline Seidel im GesprÄch mit
NL Architects
25. Oktober 2013
Adeline Seidel: Inwiefern spiegelt der Umbau Zentrale der „NS Stations“ in Utrecht die Veränderungen heutiger Arbeitsbedingungen wider?

Kirsten Hüsig: „NS Stations“ ist ein Tochterunternehmen der „Nederlandse Spoorwegen“, also die niederländische Bahngesellschaft, die vergleichbar mit der „Deutschen Bahn AG“ ist. Ich denke, mit dem Vergleich kann jeder etwas anfangen, wenn es darum geht, sich ein Großunternehmen strukturell vorzustellen. Wie viele andere Unternehmen, die seit Jahrzehnten bestehen, steht auch die NS Stations vor der Herausforderung, sich der wandelnden Arbeitsweise ihrer Mitarbeiter und der damit verbundenen Veränderungen der Arbeitsprozesse anzunehmen. Viele der Einzelbüros sind aufgrund von „Homeoffice“ nicht immer besetzt. Ehemalige Abteilungen werden zu abteilungsübergreifenden Projektteams. Derartige Veränderungen in der Arbeitskultur sollen nun durch die neue Gestaltung ermöglicht und effizienter werden. Allerdings wollte die NS Stations dann doch nicht nur flexible Arbeitsplätze: Nicht jeder Mitarbeiter kann sich von heute auf morgen an ein neues Arbeitsmodell gewöhnen. Dieses Dazwischen oder Nebeneinander von flexiblen und „gewachsenen“ Arbeitsstrukturen bildet sehr gut die aktuellen Veränderungen in der Arbeitskultur ab.

Welche Wünsche hat die niederländische Bahngesellschaft formuliert und an Sie gerichtet?

Walter van Dijk: „Man wollte eine Kombination aus flexibel nutzbaren und sehr spezifischen Arbeitsplätzen in einem Großraumbüro. Es soll, nach einem Zeitraum der Transformation, die Möglichkeit bestehen, sämtliche Arbeitsplätze flexibel zu nutzen. Mit anderen Worten: Das Design soll „strapazierbar“ genug sein, um diese Veränderungen zu ermöglichen. Außerdem wollten sie ein schlichtes, minimalistisches, aber frisches und sportliches Design für die Büros.
Walter van Dijk (Gründer und Partner bei NL Architects), Bobby de Graaf
und Kirsten Hüsig (beide Architekten des Projektes) in ihrem Amsterdamer Büro. Foto © Adam Drobiec
Das sind doch klar formulierte Wünsche. Wie weit war das Unternehmen davon entfernt? Was haben Sie vor Planungsbeginn vorgefunden?

Walter van Dijk: Die Zentrale der NS hat für ein solches Unternehmen die perfekte Lage: Das Hochhaus aus den 1970er Jahren schwebt über dem Gleisbett des Utrechter Hauptbahnhofs. Das bedeutet aber auch, dass das Gebäude eine Menge konstruktiver Elemente beinhaltet, um diese Lage statisch zu meistern. Zudem weist es eine größere Tiefe auf als bei Bürobauten üblich, was die Belichtung der Arbeitsplätze beeinträchtigt.

Kirsten Hüsig: Hinzu kam, dass die ursprüngliche, markante Fassade des brutalistischen Baus nach einer Sanierung im Jahr 1999 hinter einer Doppelfassade aus Glas verschwunden ist. Übrigens hat man erst im Zuge dieser Sanierung die Zellenbüros eingebaut. Vorher hatte das Gebäude einen offenen Grundriss! Diese Maßnahme führte dazu, dass knapp 40 Prozent der Fläche einer Etage zum Arbeiten unbrauchbar waren: Es fehlte Tageslicht und die Belüftung war unzureichend. So entwickelte sich dieser Bereich zunehmend zu einer Art „Abstellkammer“.

Welche Maßnahmen haben Sie ergriffen, um das zu ändern?

Kirsten Hüsig: Jede Menge! Was wir nicht verändert haben, sind die Fassade, die Position der beiden Treppenhäuser und der Aufzugsschächte. Ansonsten haben wir alle Trennwände herausgenommen, den Serverraum und die Toiletten jeweils an die Schmalseiten des Gebäudes verlegt, um das Maximum an offener Fläche zu erhalten und die Küchen vollkommen erneuert.

Walter van Dijk: Ein wichtiger Nebeneffekt dieser Neuorganisation war, dass die Betonstruktur wieder sichtbar wurde. Die ehemalige Außenfassade mit ihren ungewöhnlichen H-Stützen, die durch die vorgehängte Doppelfassade nicht mehr von außen sichtbar ist, wurde nun von innen erkennbar. Diese konstruktiven Elemente prägen nach unseren Maßnahmen den Raum und geben ihm eine ganz eigene Identität. Etwas, was vorher vollkommen gefehlt hatte.
Foto © Adam Drobiec
Foto © Adam Drobiec
Schaut man jetzt auf den Grundriss, so sind aber sehr wohl wieder Wände zu sehen...

Kirsten Hüsig: Ein Großraumbüro mit unterschiedlichen Bereichen und Nutzungsmöglichkeiten braucht eine Struktur – ohne dass Flurfläche entsteht. Wir haben hierfür die „Thick Walls“ entwickelt: Dicke Wände, die eine Vielzahl von Funktionen erfüllen können. Diese „Thick Walls“ schaffen übersichtliche Bereiche, die sich von der gesamten Struktur aber nicht abschotten.

Walter van Dijk: Ein wichtiger Nebeneffekt dieser Neuorganisation war, dass die Betonstruktur wieder sichtbar wurde. Die ehemalige Außenfassade mit ihren ungewöhnlichen H-Stützen, die durch die vorgehängte Doppelfassade nicht mehr von außen sichtbar ist, wurde nun von innen erkennbar. Diese konstruktiven Elemente prägen nach unseren Maßnahmen den Raum und geben ihm eine ganz eigene Identität. Etwas, was vorher vollkommen gefehlt hatte.

Dicke Wände scheinen mir aber ein Widerspruch zur gewünschten Flexibilität zu sein – oder sind diese beweglich?

Walter van Dijk: Flexibilität wird meiner Meinung nach oft falsch verstanden. Flexibilität zeichnet sich nicht dadurch aus, dass man Tische verschieben und Räume gleichsam auf Knopfduck verändern kann. Flexibilität bedeutet, dass die vorhandenen Räume und Tische unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten bieten!

Kirsten Hüsig: Die Flexibilität der „Thick Walls“ liegt in ihrer Nutzungsvielfalt. Sie bestehen aus unterschiedlichen Elementen, die nach Bedarf zusammengestellt werden können, wie beispielsweise Flipchard, Regal, Schrank, Projektionsfläche, ja selbst abgeschottete Konzentrationsräume. Funktionen, für die man immer spezifische und vor allem unterschiedliche Möbel beziehungsweise Einbauten braucht. Wir haben all das in einem Modul zusammengefasst – und das schafft vor allem Raum! Denn die Fläche wird nicht durch monofunktionale, kleinteilige Möbel zugestellt.
Foto © Adam Drobiec
Foto © Adam Drobiec
Dennoch kann es in Zukunft möglicherweise zu weiteren Veränderungen der Arbeitsprozesse kommen. Wie flexibel kann darauf reagiert werden?

Walter van Dijk: Gerade technische Entwicklungen beeinflussen das Arbeiten und müssen unbedingt vorrausschauend berücksichtigt werden. Deswegen war die IT-Abteilung Teil des „Design-Teams“. So haben wir uns entschieden, eine Art „Ringleitung“ zu verlegen, die an der Glasfassade entlang einmal um das gesamte Gebäude herum verläuft. Von da aus verteilen sich die einzelnen Strom- und Datenkabel und gelangen zu den Arbeitsplätzen unterhalb der Hohlbodenkonstruktion aus Holz. Im Abstand von zwei bis drei Meter sind Holzdielen herausnehmbar. Darunter befindet sich ein hierfür „maßgeschneiderter“ Kabelkanal. Die Holzdielen sind in 50 Zentimeter,100 Zentimeter und „Endstücke“ mit Kabelausgang unterteilt. So kann die IT-Abteilung den Kabelanschluss an die gewünschte Stelle puzzeln, sollte sich später die Position der Arbeitsplätze ändern.


Bei offenen Grundrissen stellt sich immer die Frage nach qualitativ gleichwertigen Arbeitsplätzen. Wie sind Sie mit dem Thema Belichtung bei derart tiefen Räumen umgegangen?

Kirsten Hüsig: Eines der wichtigsten Elemente die wir im Zwischenraum der Doppelfassade hinzugefügt haben, ist der Sonnenschutz „Delta Genius“. Dessen Lamellen haben ein geknicktes Profil, das Wärme und Sonneneinstrahlung reflektiert, ohne dass die Lamellen vollständig geschlossen sein müssen. Das ermöglicht eine natürliche Helligkeit im Büro. Der Sonnenschutz wird automatisch und zentral betätigt, nur so kann eine zuverlässige Wärmekontrolle gewährleistet werden – denn im Allgemeinen schließt man die Jalousien zu spät, wenn die Wärme bereits eingedrungen ist.

Walter van Dijk: Es ist immer wieder ein Spagat, individuelle Bedürfnisse am Arbeitsplatz zu berücksichtigen, ohne dass der Kollege nebenan beeinträchtigt wird. So halten wir beispielsweise einen durchgängigen Lichtlevel von 300 Lux. Für Arbeiten am Computer ist das vollkommen ausreichend. Wer mehr benötigt, kann über eine individuell einstellbare Leuchte an seinem Arbeitsplatz 500 Lux erreichen.


Ein 800 Quadratmeter großer Büroraum mit bis zu 80 Menschen – wie lösen Sie die Akustik?

Walter van Dijk: Wir setzen bei der NS-Zentrale „Soundmasking“ ein. So nennt sich dieses „Empty-Noise Soundsystem“. Man kennt das Phänomen bei Straßengeräuschen: Tagsüber gehen die einzelnen Geräusche im allgemeinen Rauschen unter, während man nachts, wenn der Geräuschpegel sinkt, jedes einzelne Auto hört.

Kirsten Hüsig: Lautsprecher in der Decke strahlen ein Hintergrundrauschen in einer Frequenz ab, die kaum wahrnehmbar ist. Mit dieser Maßnahme werden einzelne Geräusche nicht mehr exponiert wahrgenommen. So stört beispielsweise der telefonierende Kollege niemanden mehr. Und andersherum: Seine Kollegen verstehen ihn nicht gut genug, um jedes einzelne Wort mitzubekommen, was im Großraum wieder ein wenig Privatsphäre schafft.
Foto © Adam Drobiec
Sie haben auf jedem Geschoß eine zusätzliche Treppe eingefügt. Reicht das aus, um die Kommunikation auch zwischen den einzelnen Etagen zu erhöhen?

Kirsten Hüsig: Insbesondere bei der Bürotypologie „Hochhaus“ ist es wichtig, dass man zufällige Begegnungen und damit mehr Austausch untereinander fördert. Man neigt immer dazu, sich nur auf „seiner“ Etage zu bewegen. Bei der NS-Zentrale kann es aber durchaus vorkommen, dass man auf „seiner“ Etage keinen freien Arbeitsplatz findet. Dann erleichtert es die zusätzliche Treppe, einen Arbeitsplatz eine Etage darüber oder darunter zu finden.

Walter van Dijk: Wichtig ist, dass diese Treppe kein durchgehendes Element über 15 Geschosse hinweg ist. Eine Treppe verbindet zwei Etagen und wechselt dann die Position. So mäandert man durch die einzelnen Geschosse – und das fördert die gewünschte Begegnung untereinander.
Kamiel Klaasse, Gründer und Partner bei NL Architects. Foto © Adam Drobiec
Für das Spezial „Das Büro nach dem Büro“ haben wir einige Architekturbüros besucht. Wie kommt es eigentlich, dass Architekturbüros oft nicht so aussehen wie die Arbeitswelten, die Architekten für andere gestalten?

Walter van Dijk: Das ist wohl ein wenig so wie „der Klempner hat einen tropfenden Wasserhahn zuhause“. Architekten sind noch immer recht gebunden an ihren Arbeitsplatz, wir brauchen Computer mit großer Rechenleistung, brauchen Platz für Pläne und für den Modellbau. Aber Architekturbüros sind in ihrem Inneren flexibel – sie sehen nur nicht danach aus. Wir nutzen unsere Räume sehr organisch, passen sie schnell unseren Bedürfnissen an. Nur verschieben wir dazu keine Möbel oder weisen spezifische Zonen aus. Gerade bei kleineren bis mittleren Büros passieren Nutzungsveränderungen informell und organisch – sie brauchen für diese Prozesse kein „Cooperate“-Design.

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News & Stories › 2013 › Oktober
Dicke Wände sorgen
für Flexibilität
25. Oktober 2013
„NL Architects“ haben ein Bürogebäude aus den 1970er Jahren in einen Ort verwandelt, der heutigen Arbeitsprozessen gerecht wird und Möglichkeiten für künftige Veränderungen schafft. Adeline Seidel hat mit Kirsten Hüsig und Walter van Dijk von dem Amsterdamer Architekturbüro über die Herausforderungen gesprochen, neue Arbeitswelten in alten Strukturen zu implementieren.
Adeline Seidel: Inwiefern spiegelt der Umbau Zentrale der „NS Stations“ in Utrecht die Veränderungen heutiger Arbeitsbedingungen wider?

Kirsten Hüsig: „NS Stations“ ist ein Tochterunternehmen der „Nederlandse Spoorwegen“, also die niederländische Bahngesellschaft, die vergleichbar mit der „Deutschen Bahn AG“ ist. Ich denke, mit dem Vergleich kann jeder etwas anfangen, wenn es darum geht, sich ein Großunternehmen strukturell vorzustellen. Wie viele andere Unternehmen, die seit Jahrzehnten bestehen, steht auch die NS Stations vor der Herausforderung, sich der wandelnden Arbeitsweise ihrer Mitarbeiter und der damit verbundenen Veränderungen der Arbeitsprozesse anzunehmen. Viele der Einzelbüros sind aufgrund von „Homeoffice“ nicht immer besetzt. Ehemalige Abteilungen werden zu abteilungsübergreifenden Projektteams. Derartige Veränderungen in der Arbeitskultur sollen nun durch die neue Gestaltung ermöglicht und effizienter werden. Allerdings wollte die NS Stations dann doch nicht nur flexible Arbeitsplätze: Nicht jeder Mitarbeiter kann sich von heute auf morgen an ein neues Arbeitsmodell gewöhnen. Dieses Dazwischen oder Nebeneinander von flexiblen und „gewachsenen“ Arbeitsstrukturen bildet sehr gut die aktuellen Veränderungen in der Arbeitskultur ab.


Welche Wünsche hat die niederländische Bahngesellschaft formuliert und an Sie gerichtet?

Walter van Dijk: „Man wollte eine Kombination aus flexibel nutzbaren und sehr spezifischen Arbeitsplätzen in einem Großraumbüro. Es soll, nach einem Zeitraum der Transformation, die Möglichkeit bestehen, sämtliche Arbeitsplätze flexibel zu nutzen. Mit anderen Worten: Das Design soll „strapazierbar“ genug sein, um diese Veränderungen zu ermöglichen. Außerdem wollten sie ein schlichtes, minimalistisches, aber frisches und sportliches Design für die Büros.


Das sind doch klar formulierte Wünsche. Wie weit war das Unternehmen davon entfernt? Was haben Sie vor Planungsbeginn vorgefunden?

Walter van Dijk: Die Zentrale der NS hat für ein solches Unternehmen die perfekte Lage: Das Hochhaus aus den 1970er Jahren schwebt über dem Gleisbett des Utrechter Hauptbahnhofs. Das bedeutet aber auch, dass das Gebäude eine Menge konstruktiver Elemente beinhaltet, um diese Lage statisch zu meistern. Zudem weist es eine größere Tiefe auf als bei Bürobauten üblich, was die Belichtung der Arbeitsplätze beeinträchtigt.

Kirsten Hüsig: Hinzu kam, dass die ursprüngliche, markante Fassade des brutalistischen Baus nach einer Sanierung im Jahr 1999 hinter einer Doppelfassade aus Glas verschwunden ist. Übrigens hat man erst im Zuge dieser Sanierung die Zellenbüros eingebaut. Vorher hatte das Gebäude einen offenen Grundriss! Diese Maßnahme führte dazu, dass knapp 40 Prozent der Fläche einer Etage zum Arbeiten unbrauchbar waren: Es fehlte Tageslicht und die Belüftung war unzureichend. So entwickelte sich dieser Bereich zunehmend zu einer Art „Abstellkammer“.


Welche Maßnahmen haben Sie ergriffen, um das zu ändern?

Kirsten Hüsig: Jede Menge! Was wir nicht verändert haben, sind die Fassade, die Position der beiden Treppenhäuser und der Aufzugsschächte. Ansonsten haben wir alle Trennwände herausgenommen, den Serverraum und die Toiletten jeweils an die Schmalseiten des Gebäudes verlegt, um das Maximum an offener Fläche zu erhalten und die Küchen vollkommen erneuert.

Walter van Dijk: Ein wichtiger Nebeneffekt dieser Neuorganisation war, dass die Betonstruktur wieder sichtbar wurde. Die ehemalige Außenfassade mit ihren ungewöhnlichen H-Stützen, die durch die vorgehängte Doppelfassade nicht mehr von außen sichtbar ist, wurde nun von innen erkennbar. Diese konstruktiven Elemente prägen nach unseren Maßnahmen den Raum und geben ihm eine ganz eigene Identität. Etwas, was vorher vollkommen gefehlt hatte.


Schaut man jetzt auf den Grundriss, so sind aber sehr wohl wieder Wände zu sehen...

Kirsten Hüsig: Ein Großraumbüro mit unterschiedlichen Bereichen und Nutzungsmöglichkeiten braucht eine Struktur – ohne dass Flurfläche entsteht. Wir haben hierfür die „Thick Walls“ entwickelt: Dicke Wände, die eine Vielzahl von Funktionen erfüllen können. Diese „Thick Walls“ schaffen übersichtliche Bereiche, die sich von der gesamten Struktur aber nicht abschotten.

Walter van Dijk: Ein wichtiger Nebeneffekt dieser Neuorganisation war, dass die Betonstruktur wieder sichtbar wurde. Die ehemalige Außenfassade mit ihren ungewöhnlichen H-Stützen, die durch die vorgehängte Doppelfassade nicht mehr von außen sichtbar ist, wurde nun von innen erkennbar. Diese konstruktiven Elemente prägen nach unseren Maßnahmen den Raum und geben ihm eine ganz eigene Identität. Etwas, was vorher vollkommen gefehlt hatte.


Dicke Wände scheinen mir aber ein Widerspruch zur gewünschten Flexibilität zu sein – oder sind diese beweglich?

Walter van Dijk: Flexibilität wird meiner Meinung nach oft falsch verstanden. Flexibilität zeichnet sich nicht dadurch aus, dass man Tische verschieben und Räume gleichsam auf Knopfduck verändern kann. Flexibilität bedeutet, dass die vorhandenen Räume und Tische unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten bieten!

Kirsten Hüsig: Die Flexibilität der „Thick Walls“ liegt in ihrer Nutzungsvielfalt. Sie bestehen aus unterschiedlichen Elementen, die nach Bedarf zusammengestellt werden können, wie beispielsweise Flipchard, Regal, Schrank, Projektionsfläche, ja selbst abgeschottete Konzentrationsräume. Funktionen, für die man immer spezifische und vor allem unterschiedliche Möbel beziehungsweise Einbauten braucht. Wir haben all das in einem Modul zusammengefasst – und das schafft vor allem Raum! Denn die Fläche wird nicht durch monofunktionale, kleinteilige Möbel zugestellt.


Dennoch kann es in Zukunft möglicherweise zu weiteren Veränderungen der Arbeitsprozesse kommen. Wie flexibel kann darauf reagiert werden?

Walter van Dijk: Gerade technische Entwicklungen beeinflussen das Arbeiten und müssen unbedingt vorrausschauend berücksichtigt werden. Deswegen war die IT-Abteilung Teil des „Design-Teams“. So haben wir uns entschieden, eine Art „Ringleitung“ zu verlegen, die an der Glasfassade entlang einmal um das gesamte Gebäude herum verläuft. Von da aus verteilen sich die einzelnen Strom- und Datenkabel und gelangen zu den Arbeitsplätzen unterhalb der Hohlbodenkonstruktion aus Holz. Im Abstand von zwei bis drei Meter sind Holzdielen herausnehmbar. Darunter befindet sich ein hierfür „maßgeschneiderter“ Kabelkanal. Die Holzdielen sind in 50 Zentimeter,100 Zentimeter und „Endstücke“ mit Kabelausgang unterteilt. So kann die IT-Abteilung den Kabelanschluss an die gewünschte Stelle puzzeln, sollte sich später die Position der Arbeitsplätze ändern.


Bei offenen Grundrissen stellt sich immer die Frage nach qualitativ gleichwertigen Arbeitsplätzen. Wie sind Sie mit dem Thema Belichtung bei derart tiefen Räumen umgegangen?

Kirsten Hüsig: Eines der wichtigsten Elemente die wir im Zwischenraum der Doppelfassade hinzugefügt haben, ist der Sonnenschutz „Delta Genius“. Dessen Lamellen haben ein geknicktes Profil, das Wärme und Sonneneinstrahlung reflektiert, ohne dass die Lamellen vollständig geschlossen sein müssen. Das ermöglicht eine natürliche Helligkeit im Büro. Der Sonnenschutz wird automatisch und zentral betätigt, nur so kann eine zuverlässige Wärmekontrolle gewährleistet werden – denn im Allgemeinen schließt man die Jalousien zu spät, wenn die Wärme bereits eingedrungen ist.

Walter van Dijk: Es ist immer wieder ein Spagat, individuelle Bedürfnisse am Arbeitsplatz zu berücksichtigen, ohne dass der Kollege nebenan beeinträchtigt wird. So halten wir beispielsweise einen durchgängigen Lichtlevel von 300 Lux. Für Arbeiten am Computer ist das vollkommen ausreichend. Wer mehr benötigt, kann über eine individuell einstellbare Leuchte an seinem Arbeitsplatz 500 Lux erreichen.


Ein 800 Quadratmeter großer Büroraum mit bis zu 80 Menschen – wie lösen Sie die Akustik?

Walter van Dijk: Wir setzen bei der NS-Zentrale „Soundmasking“ ein. So nennt sich dieses „Empty-Noise Soundsystem“. Man kennt das Phänomen bei Straßengeräuschen: Tagsüber gehen die einzelnen Geräusche im allgemeinen Rauschen unter, während man nachts, wenn der Geräuschpegel sinkt, jedes einzelne Auto hört.

Kirsten Hüsig: Lautsprecher in der Decke strahlen ein Hintergrundrauschen in einer Frequenz ab, die kaum wahrnehmbar ist. Mit dieser Maßnahme werden einzelne Geräusche nicht mehr exponiert wahrgenommen. So stört beispielsweise der telefonierende Kollege niemanden mehr. Und andersherum: Seine Kollegen verstehen ihn nicht gut genug, um jedes einzelne Wort mitzubekommen, was im Großraum wieder ein wenig Privatsphäre schafft.


Sie haben auf jedem Geschoß eine zusätzliche Treppe eingefügt. Reicht das aus, um die Kommunikation auch zwischen den einzelnen Etagen zu erhöhen?

Kirsten Hüsig: Insbesondere bei der Bürotypologie „Hochhaus“ ist es wichtig, dass man zufällige Begegnungen und damit mehr Austausch untereinander fördert. Man neigt immer dazu, sich nur auf „seiner“ Etage zu bewegen. Bei der NS-Zentrale kann es aber durchaus vorkommen, dass man auf „seiner“ Etage keinen freien Arbeitsplatz findet. Dann erleichtert es die zusätzliche Treppe, einen Arbeitsplatz eine Etage darüber oder darunter zu finden.

Walter van Dijk: Wichtig ist, dass diese Treppe kein durchgehendes Element über 15 Geschosse hinweg ist. Eine Treppe verbindet zwei Etagen und wechselt dann die Position. So mäandert man durch die einzelnen Geschosse – und das fördert die gewünschte Begegnung untereinander.


Für das Spezial „Das Büro nach dem Büro“ haben wir einige Architekturbüros besucht. Wie kommt es eigentlich, dass Architekturbüros oft nicht so aussehen wie die Arbeitswelten, die Architekten für andere gestalten?

Walter van Dijk: Das ist wohl ein wenig so wie „der Klempner hat einen tropfenden Wasserhahn zuhause“. Architekten sind noch immer recht gebunden an ihren Arbeitsplatz, wir brauchen Computer mit großer Rechenleistung, brauchen Platz für Pläne und für den Modellbau. Aber Architekturbüros sind in ihrem Inneren flexibel – sie sehen nur nicht danach aus. Wir nutzen unsere Räume sehr organisch, passen sie schnell unseren Bedürfnissen an. Nur verschieben wir dazu keine Möbel oder weisen spezifische Zonen aus. Gerade bei kleineren bis mittleren Büros passieren Nutzungsveränderungen informell und organisch – sie brauchen für diese Prozesse kein „Cooperate“-Design.

› www.nlarchitects.nl