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Distribuzione Desmodromica:
Ducati 750 Supersport Desmo
5. August 2015
Das erste Superbike, das man kaufen konnte: Die „750 SS Desmo“ aus dem Jahr 1974. Foto © Ducati
Das desmodromische System wurde 1974 erstmals in einer Zweizylinder-Straßenmaschine verbaut: der „750 Supersport Desmo“ von Ducati. Sie stammt aus dem Rennsport und wurde von jenem siegreichen Werksrenner abgeleitet, mit dem Paul Smart 1972 das 200-Meilen-Rennen von Imola gewonnen hat, vor Bruno Spaggiari, ebenfalls auf Ducati. Sogar „Ago“ hat man seinerzeit geschlagen, der mit seiner MV Agusta ausfiel. Von der Straßenmaschine „750 GT“, einem Sporttourer, unterschied sich die „750 SS“ durch die „Desmo“-Zylinderköpfe, bessere Bremsen, das Aussehen und die sorgfältige Montage in der Rennabteilung. Die Maschine hatte 10 PS mehr als die Honda „CB 750“ und war zudem 50 Kilogramm leichter. Zunächst sollten nur 25 Exemplare gebaut werden; die Resonanz übertraf freilich alle Erwartungen.

Der besondere Leckerbissen war der Motor, bei dem die Kurbelwelle über zwei Königswellen die beiden Nockenwellen und die desmodromische Ventilsteuerung antreibt. Das Wort „desmodromisch“ geht auf die griechischen Wörter „desmos“ (Verbindung) und „dromos“ (Wettlauf, Rennen) zurück. Im Bereich der Mechanik wird „desmodronisch“ zur Beschreibung von Mechanismen verwendet, die anhand einer spezifischen Steuerung jeweils in zwei Richtungen betätigt werden können. Heute versteht man darunter gemeinhin ein für Ducati-Motorräder typisches Ventilsteuerungssystem.

Üblicherweise werden die Ventile eines Verbrennungsmotors durch Kipphebel, Schlepphebel oder Tassenstößel geöffnet und durch Ventilfedern wieder geschlossen. Der Zweizylinder-Motor der Ducati arbeitet nicht nur mit je einer Königswelle pro Zylinder, sondern auch mit einer desmodromischen Ventilsteuerung ohne Ventilfedern, bei der auch die Schließbewegung gesteuert ausgeführt wird. Ohne allzu sehr ins Detail zu gehen: Um das hinzubekommen, muss mittels zahlreicher Kegelräder die waagrechte Rotation der Kurbelwelle zunächst auf eine vertikale Zwischenwelle geleitet und dann wieder in die Horizontale umgelenkt werden. Es gilt also, jede Menge bewegter Teile präzise aufeinander abzustimmen. Und wozu das Ganze? Natürlich, um mehr Leistung zu erzeugen. Die desmodromische Ventilsteuerung ist vergleichsweise drehzahlfest und reibungsarm, da nicht gegen Ventilfedern gearbeitet werden muss. Auch werden die Ventile viel schneller als bei herkömmlichen Motoren geöffnet und wieder geschlossen.

Es wird oft berichtet, die Auspuffgeräusche der „750 SS Desmo“ seien unsagbar laut, aber wunderschön. Probleme mit der Zulassung waren die Folge. Die Maschine hatte aber noch andere Besonderheiten: Der Kunststofftank war extrem lang und die Lenkerstummel weit vorne montiert, so dass die Sitzposition extrem gestreckt ausfiel. Um die Kupplung zu betätigen, brauchte es einen kräftigen Unterarm. Obendrein lag die Schaltung an der „falschen“ Seite, nämlich rechts, und funktionierte umgedreht: Der erste Gang lag oben. Die „750 SS Desmo“ leistete am Hinterrad 65 PS bei einer Motordrehzahl von 8500 Umdrehungen pro Minute; die Verdichtung lag bei 9,8:1. Der Zylinderwinkel beträgt 90 Grad, was dazu führt, dass der Motor sehr vibrationsarm läuft. Es wurden große 40-Millimeter-Dell’Orto-Vergaser verwendet samt grober Siebe als Luftfilter vor den Einlasstrichtern.

Der Rahmen und die untere Hälfte der Halbverkleidung waren in einem funkelnden Türkis lackiert, der Rest der Verschalung, das Schutzblech, der Tank und der Sitzhöcker in einem hellen Silberton. Die Ducati „750 SS Desmo“ war also nicht nur technisch, sondern auch ästhetisch ein Leckerbissen. Das erste Superbike, das man kaufen konnte.

www.ducati.de


MEHR auf Stylepark:

Bis heute baut keiner derart schöne Maschinen wie die Italiener: Alle Berichte aus der Reihe "Bella Macchina" finden Sie HIER
Das Vorbild war die Rennmaschine, auf der Paul Smart 1972 das 200-Meilen-Rennen von Imola gewonnen hat, vor Bruno Spaggiari, ebenfalls auf Ducati. Foto © Ducati
Die desmodromische Ventilsteuerung, die Ducati 1956 entwickelt hat, arbeitet ohne Ventilfedern, bei der auch die Schließbewegung gesteuert wird. Foto © Ducati
Belegschaft vor dem Ducati-Stammsitz in Bologna, 1939. Foto © Ducati
News & Stories › 2015 › August
Distribuzione Desmodromica:
Ducati 750 Supersport Desmo
von Thomas Wagner | 5. August 2015
Der Motor der Ducati „750 Supersport Desmo“ von 1974 gilt mit seiner desmodromischen Ventilsteuerung als eines der schönsten und aufwendigsten Triebwerke aller Zeiten.
Das desmodromische System wurde 1974 erstmals in einer Zweizylinder-Straßenmaschine verbaut: der „750 Supersport Desmo“ von Ducati. Sie stammt aus dem Rennsport und wurde von jenem siegreichen Werksrenner abgeleitet, mit dem Paul Smart 1972 das 200-Meilen-Rennen von Imola gewonnen hat, vor Bruno Spaggiari, ebenfalls auf Ducati. Sogar „Ago“ hat man seinerzeit geschlagen, der mit seiner MV Agusta ausfiel. Von der Straßenmaschine „750 GT“, einem Sporttourer, unterschied sich die „750 SS“ durch die „Desmo“-Zylinderköpfe, bessere Bremsen, das Aussehen und die sorgfältige Montage in der Rennabteilung. Die Maschine hatte 10 PS mehr als die Honda „CB 750“ und war zudem 50 Kilogramm leichter. Zunächst sollten nur 25 Exemplare gebaut werden; die Resonanz übertraf freilich alle Erwartungen.

Der besondere Leckerbissen war der Motor, bei dem die Kurbelwelle über zwei Königswellen die beiden Nockenwellen und die desmodromische Ventilsteuerung antreibt. Das Wort „desmodromisch“ geht auf die griechischen Wörter „desmos“ (Verbindung) und „dromos“ (Wettlauf, Rennen) zurück. Im Bereich der Mechanik wird „desmodronisch“ zur Beschreibung von Mechanismen verwendet, die anhand einer spezifischen Steuerung jeweils in zwei Richtungen betätigt werden können. Heute versteht man darunter gemeinhin ein für Ducati-Motorräder typisches Ventilsteuerungssystem.

Üblicherweise werden die Ventile eines Verbrennungsmotors durch Kipphebel, Schlepphebel oder Tassenstößel geöffnet und durch Ventilfedern wieder geschlossen. Der Zweizylinder-Motor der Ducati arbeitet nicht nur mit je einer Königswelle pro Zylinder, sondern auch mit einer desmodromischen Ventilsteuerung ohne Ventilfedern, bei der auch die Schließbewegung gesteuert ausgeführt wird. Ohne allzu sehr ins Detail zu gehen: Um das hinzubekommen, muss mittels zahlreicher Kegelräder die waagrechte Rotation der Kurbelwelle zunächst auf eine vertikale Zwischenwelle geleitet und dann wieder in die Horizontale umgelenkt werden. Es gilt also, jede Menge bewegter Teile präzise aufeinander abzustimmen. Und wozu das Ganze? Natürlich, um mehr Leistung zu erzeugen. Die desmodromische Ventilsteuerung ist vergleichsweise drehzahlfest und reibungsarm, da nicht gegen Ventilfedern gearbeitet werden muss. Auch werden die Ventile viel schneller als bei herkömmlichen Motoren geöffnet und wieder geschlossen.

Es wird oft berichtet, die Auspuffgeräusche der „750 SS Desmo“ seien unsagbar laut, aber wunderschön. Probleme mit der Zulassung waren die Folge. Die Maschine hatte aber noch andere Besonderheiten: Der Kunststofftank war extrem lang und die Lenkerstummel weit vorne montiert, so dass die Sitzposition extrem gestreckt ausfiel. Um die Kupplung zu betätigen, brauchte es einen kräftigen Unterarm. Obendrein lag die Schaltung an der „falschen“ Seite, nämlich rechts, und funktionierte umgedreht: Der erste Gang lag oben. Die „750 SS Desmo“ leistete am Hinterrad 65 PS bei einer Motordrehzahl von 8500 Umdrehungen pro Minute; die Verdichtung lag bei 9,8:1. Der Zylinderwinkel beträgt 90 Grad, was dazu führt, dass der Motor sehr vibrationsarm läuft. Es wurden große 40-Millimeter-Dell’Orto-Vergaser verwendet samt grober Siebe als Luftfilter vor den Einlasstrichtern.

Der Rahmen und die untere Hälfte der Halbverkleidung waren in einem funkelnden Türkis lackiert, der Rest der Verschalung, das Schutzblech, der Tank und der Sitzhöcker in einem hellen Silberton. Die Ducati „750 SS Desmo“ war also nicht nur technisch, sondern auch ästhetisch ein Leckerbissen. Das erste Superbike, das man kaufen konnte.

www.ducati.de


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Bis heute baut keiner derart schöne Maschinen wie die Italiener: Alle Berichte aus der Reihe "Bella Macchina" finden Sie HIER