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Durchatmen,
nicht nur Lernen und Essen
von Adeline Seidel | 28. Mai 2015
Auf der Expo in Mailand überlagern sich Formen und Themen: Parametrische Architekturen oder solche die es sein wollen (links im Bild), didaktische Anlagen wie der „Park der Biodiversität“ (der Modell-Berg rechts im Bild) und der „Baum des Lebens“ (rechts). Alle Fotos © Adeline Seidel, Stylepark
Was wurde im Vorfeld nicht schon alles über die Expo in Mailand berichtet: Bestechungsskandale, Finanzdebakel, Architekturdesaster. Auch wurden Zweifel daran geäußert, ob man heute überhaupt noch eine Weltausstellung brauche, es sei doch ohnehin alles miteinander vernetzt und die Wirtschaft sowieso gänzlich globalisiert. Dem kann man immerhin entgegenhalten, dass die physische Begegnung gerade im digitalen Zeitalter als besonders wichtig angesehen wird. Auf einem überschaubaren Expogelände in nur wenigen Minuten von Land zu Land zu switchen – das kann man zwar mit Google Earth auch, aber nicht ganz so sinnlich – ist eine Art Digitalkultur im Realraum. Auch das Thema „Feeding the Planet, Energie for life“ klingt fast zu schön, um wahr werden zu können. Was also ist unter der Ägide von Eventagenturen und Messearchitekten aus den in eine bessere Zukunft weisenden Projekten und Gefühlen geworden? Was zeigen all die Erlebnislandschaften und Markeninszenierungen mitsamt ihrem „Edutainment“?
Ein Feld, auf dem Ideen gedeihen
Beginnen wir unseren Rundgang über das Expogelände im Pavillon Deutschlands. Dort haben die „Markenarchitekten“ Schmidhuber das Deutschlandbild gezeichnet: Nicht blühende Landschaften, sondern ein Feld für Ideen soll der Pavillon sein. Doch man findet sich auf einer – mitunter zugigen – Holzpromenade wieder, auf der Blumenkübel, Kunstrasen, futuristische Sonnenschirme und Pappaufsteller der Bundesländer wenig einfallsreich herumstehen. Zusammen mit der Konzertmuschel erinnert der Pavillon an ein Ostsee-Seebad, von dessen besten Zeiten man möglicherweise keine Vorstellung mehr hat. Dabei scheint es, als spiegele der in unterschiedlichen Beigetönen gehaltene Pavillon subtil den demografischen Wandel der Republik wider. Bei so viel gestalterisch-geistreichen Realismus fehlt eigentlich nur noch Ottmar Hörls Einheitsmännchen, aber das ist vielleicht schon auf dem Weg nach Mailand.
Ohne Bienen geht es nicht
Blühende Landschaften gibt es aber tatsächlich. Bei den Briten beispielsweise. Diese widmen ihren Pavillon, kreiert von dem Künstler Wolfgang Buttress, den Bienen. Am Ende des langgestreckten Grundstücks – angefüllt mit Blumen und Bäumen – türmt sich ein metallener Bienenschwarm auf. Die flirrende und summende Struktur, die den einen oder anderen entfernt an den britischen Pavillon von Thomas Heatherwick auf der Expo in Shanghai 2010 erinnern mag, ist mit einem Bienenstock in England verbunden. Digital, versteht sich: Je nachdem, wie aktiv die fleißigen Insekten auf der Insel sind, verändert sich das Lichtspiel und das Summen im Pavillon. Das soll die Aufmerksamkeit auf die Bienen lenken und vermitteln, dass deren Population aufgrund von Monokulturen und dem Einsatz von Pestiziden bereits erheblich geschrumpft ist. Ohne Bienen aber, die Blüten bestäuben, wird es mit der Ernährung schwierig.
Gemeinsam essen
Länderspezifische Speisen werden in jedem Pavillon serviert, weshalb über dem gesamten Expogelände ständig ein undefinierbarer Essensgeruch liegt. Die Niederländer haben das Thema der Expo denn auch wörtlich genommen. Statt aufgeregter Installationen haben sie unter dem Titel „Share, Grow, Live“ eine fröhliche Fressmeile aufgebaut. Ob Ironie oder tatsächlich ernstgemeinte Länderpräsentation: Soviel unverkrampfte Völlerei macht den Fresstempeln der Unternehmen auf der Expo munter Konkurrenz.
Die Macht der Konzerne
Zwischen den Länderpavillons hat eine Vielzahl von Markeninszenierungen Platz gefunden. McDonalds, Lindt, Nestlé oder Coca-Cola – ob als typisches Fast-Food-Restaurant oder blaue Schokoladenfabrik, ob als Strandbar oder Trinkhalle – die Selbstdarstellung globaler Konzerne und Lebensmittelverarbeiter kann pragmatisch als kritische Bescheidenheit gedeutet werden. Wird durch die Positionierung zwischen den Länderpavillons aufgezeigt, mit welcher Macht die Lebensmittelkonzerne nationale Grenzen überwinden, gar mit ihrer globalisierten Geschmackskultur die Menschen vereinen?
Langsam essen
Vom Fast Food zum Slow Food: Am Ende des Expo-Areals sind noch die letzten Überbleibsel von Jacques Herzogs Konzept für die Weltausstellung zu sehen. Nämlich der Slow Food Pavillon, der das Flair eines Lehrbeetes im Montessori-Kindergarten versprüht und so didaktisch-moralisch daherkommt, dass die Freude an gutem Essen schnell verloren geht.
Jede Menge Folklore
Trotz globaler Geschmackskulturen darf eines nicht fehlen: Folklore. Entweder perfekt zitiert oder neu interpretiert, da gibt es ganz unterschiedliche Möglichkeiten. Ungarn hat ein überdimensionales Weinfass aufgebaut, der Oman naturgetreu eine Karawanserei in Mailand aufgestellt. Katar bietet einen herrschaftlichen Sultanspalast, während China auf einem Stück Mauer die verbliebenen Naturschönheiten des Landes anpreist und man in Slowenien aufgefordert wird, zu tanzen, empfängt Turkmenistan seine Gäste mit Teppichen auf dem Boden. Keine Tourismusmesse könnte das besser.
Stararchitekten
Verwechslungsgefahr besteht angesichts des rotschuppigen Pavillons für Vanke, dem größten Immobilienunternehmen der Volksrepublik China: Was aussieht wie ein Bau von Frank Gehry, stammt tatsächlich von Daniel Libeskind. Und Lord Norman Foster hat anstatt Stahl und Glas roten Beton zu einem Wadi für die Vereinten Arabischen Emirate verbaut. Das war’s dann auch schon.
Seltsame Zukunftsträume
Lebensbäume und Smart City-Träume: Libeskind ist nicht nur für Vanke, sondern auch für Siemens tätig geworden. Was die LED-Stahl-Skulpturen auf der Piazza Italia darstellen sollen, verrät die Pressemitteilung – beim Vorbeigehen übersieht man es doch sehr leicht: „Sie sollen die Piazza Italia mit einem stetigen Strom von Klängen, Bildern und pulsierenden Formen beleben, die ihren Ursprung in den Techniktrends der Zukunft haben. Von der Digitalen Fabrik über nachhaltige Energieversorgung bis hin zur intelligenten Infrastruktur verkörpern sie die ideale Verknüpfung von Kunst und Technologie.“ Der „Tree of Life“ hingegen sei Italien pur, ist seine „Baumkrone“ doch von Michelangelos „Kapitolsplatz“, der Piazza del Campidoglio in Rom, inspiriert und ziehe mit seiner Lichterschau die Menschen an das Wasserbecken, das den Baum umspielt. Armer Michelangelo.
Kameradschaft
Beim Russischen und Estnischen Pavillon muss man zweimal hinschauen, kennzeichnet beide doch ein ähnlich dynamisches Vordach. Hat Russland hier den Esten die Architektur diktiert? Oder wollten die beiden ihre Verbundenheit symbolisieren? Schließlich tritt Russland doch dezent zurück und lässt dem Pavillon Estlands den Vortritt. Spekulieren kann man ja mal.
Hotel Schweiz
Räumlich in den Hintergrund wurde auch der Schweizer Pavillon gerückt. Statt die Besucher direkt am Boulevard zu begrüßen – wie es die meisten Pavillons machen, die sich rechts und links von diesem befinden – muss man, um zum Pavillon zu gelangen, über einen müde asphaltierten Weg gehen. Das macht man aber nicht, denn der Schweizer Pavillon wirkt aus der Ferne wie ein günstiges Hotel, das ebenso gut auch irgendwo am Stadtrand hätte stehen können. Da reibt man sich die Augen und bleibt weit weg.
Beton, weiß und glatt
Wer den präzisen, samtweichen Beton bei den Schweizern vermisst hat, kann im kleinen Pavillon von Bahrain die Hände über diesen – ganz weiß, ganz glatt – streichen lassen. Der ausgesprochen feine und edle Pavillon ist eine Oase für jeden Ästheten und frei von überflüssiger Didaktik. Man wünscht sich, man bekäme den Bau nach der Expo geschenkt, könnte er doch auch ein traumhaftes Wohnhaus sein, durch das man staunend wandeln möchte.
Luft zum Atmen
Grüß Gott und küss die Hand – die Österreicher haben die Natur technologisiert und einen der wenigen gelungen Pavillons der Expo geschaffen. Statt überladener Lehrpfade und hektischer Medieninstallationen, durchwandert man einen herrlich erfrischenden und duftenden Mischwald, dessen Mikroklima sich von dem des Mailänder Explogelände erheblich unterscheidet. Nicht das Essen steht hier im Vordergrund, sondern die Luft, die wir atmen – was schon der Titel „Breath Austria“ erahnen lässt. Der Pavillon produziere in einer Stunde Sauerstoff für knapp 1.800 Menschen, erklärt der Architekt Klaus Loenhart. Was natürlich erscheint, ist ein ausgeklügeltes klimatechnisches System. Über eine App – die nur der Architekt, nicht aber die Besucher bedienen dürfen – lässt sich das Klima des Pavillons verändern. Dann dringt aus Ventilatoren feiner Sprühregen, wodurch die Sauerstoffproduktion angeregt und die Kühlung durch Verdunstung erhöht wird – was das angeschlossene Restaurant ganz ohne Kühlaggregate angenehm temperiert. Luft, Präzision und Liebe zum Detail reichen auch bei einer Expo.


MEHR zur Expo:

Propaganda und Aufbruch - Seit der allerersten Weltausstellung in London sind wichtige Meilensteine der Architektur speziell für solche Großereignisse entstanden.
News & Stories › 2015 › Mai
Durchatmen,
nicht nur Lernen und Essen
von Adeline Seidel | 28. Mai 2015
Doch, doch, die Weltausstellung in Mailand hat so einiges zu bieten und erweist sich durchaus als unterhaltsam. Es kommt eben – wie so oft – auf die Perspektive an.
Was wurde im Vorfeld nicht schon alles über die Expo in Mailand berichtet: Bestechungsskandale, Finanzdebakel, Architekturdesaster. Auch wurden Zweifel daran geäußert, ob man heute überhaupt noch eine Weltausstellung brauche, es sei doch ohnehin alles miteinander vernetzt und die Wirtschaft sowieso gänzlich globalisiert. Dem kann man immerhin entgegenhalten, dass die physische Begegnung gerade im digitalen Zeitalter als besonders wichtig angesehen wird. Auf einem überschaubaren Expogelände in nur wenigen Minuten von Land zu Land zu switchen – das kann man zwar mit Google Earth auch, aber nicht ganz so sinnlich – ist eine Art Digitalkultur im Realraum. Auch das Thema „Feeding the Planet, Energie for life“ klingt fast zu schön, um wahr werden zu können. Was also ist unter der Ägide von Eventagenturen und Messearchitekten aus den in eine bessere Zukunft weisenden Projekten und Gefühlen geworden? Was zeigen all die Erlebnislandschaften und Markeninszenierungen mitsamt ihrem „Edutainment“?Ein Feld, auf dem Ideen gedeihen
Beginnen wir unseren Rundgang über das Expogelände im Pavillon Deutschlands. Dort haben die „Markenarchitekten“ Schmidhuber das Deutschlandbild gezeichnet: Nicht blühende Landschaften, sondern ein Feld für Ideen soll der Pavillon sein. Doch man findet sich auf einer – mitunter zugigen – Holzpromenade wieder, auf der Blumenkübel, Kunstrasen, futuristische Sonnenschirme und Pappaufsteller der Bundesländer wenig einfallsreich herumstehen. Zusammen mit der Konzertmuschel erinnert der Pavillon an ein Ostsee-Seebad, von dessen besten Zeiten man möglicherweise keine Vorstellung mehr hat. Dabei scheint es, als spiegele der in unterschiedlichen Beigetönen gehaltene Pavillon subtil den demografischen Wandel der Republik wider. Bei so viel gestalterisch-geistreichen Realismus fehlt eigentlich nur noch Ottmar Hörls Einheitsmännchen, aber das ist vielleicht schon auf dem Weg nach Mailand.
Ohne Bienen geht es nicht
Blühende Landschaften gibt es aber tatsächlich. Bei den Briten beispielsweise. Diese widmen ihren Pavillon, kreiert von dem Künstler Wolfgang Buttress, den Bienen. Am Ende des langgestreckten Grundstücks – angefüllt mit Blumen und Bäumen – türmt sich ein metallener Bienenschwarm auf. Die flirrende und summende Struktur, die den einen oder anderen entfernt an den britischen Pavillon von Thomas Heatherwick auf der Expo in Shanghai 2010 erinnern mag, ist mit einem Bienenstock in England verbunden. Digital, versteht sich: Je nachdem, wie aktiv die fleißigen Insekten auf der Insel sind, verändert sich das Lichtspiel und das Summen im Pavillon. Das soll die Aufmerksamkeit auf die Bienen lenken und vermitteln, dass deren Population aufgrund von Monokulturen und dem Einsatz von Pestiziden bereits erheblich geschrumpft ist. Ohne Bienen aber, die Blüten bestäuben, wird es mit der Ernährung schwierig.
Gemeinsam essen
Länderspezifische Speisen werden in jedem Pavillon serviert, weshalb über dem gesamten Expogelände ständig ein undefinierbarer Essensgeruch liegt. Die Niederländer haben das Thema der Expo denn auch wörtlich genommen. Statt aufgeregter Installationen haben sie unter dem Titel „Share, Grow, Live“ eine fröhliche Fressmeile aufgebaut. Ob Ironie oder tatsächlich ernstgemeinte Länderpräsentation: Soviel unverkrampfte Völlerei macht den Fresstempeln der Unternehmen auf der Expo munter Konkurrenz.
Die Macht der Konzerne
Zwischen den Länderpavillons hat eine Vielzahl von Markeninszenierungen Platz gefunden. McDonalds, Lindt, Nestlé oder Coca-Cola – ob als typisches Fast-Food-Restaurant oder blaue Schokoladenfabrik, ob als Strandbar oder Trinkhalle – die Selbstdarstellung globaler Konzerne und Lebensmittelverarbeiter kann pragmatisch als kritische Bescheidenheit gedeutet werden. Wird durch die Positionierung zwischen den Länderpavillons aufgezeigt, mit welcher Macht die Lebensmittelkonzerne nationale Grenzen überwinden, gar mit ihrer globalisierten Geschmackskultur die Menschen vereinen?
Langsam essen
Vom Fast Food zum Slow Food: Am Ende des Expo-Areals sind noch die letzten Überbleibsel von Jacques Herzogs Konzept für die Weltausstellung zu sehen. Nämlich der Slow Food Pavillon, der das Flair eines Lehrbeetes im Montessori-Kindergarten versprüht und so didaktisch-moralisch daherkommt, dass die Freude an gutem Essen schnell verloren geht.
Jede Menge Folklore
Trotz globaler Geschmackskulturen darf eines nicht fehlen: Folklore. Entweder perfekt zitiert oder neu interpretiert, da gibt es ganz unterschiedliche Möglichkeiten. Ungarn hat ein überdimensionales Weinfass aufgebaut, der Oman naturgetreu eine Karawanserei in Mailand aufgestellt. Katar bietet einen herrschaftlichen Sultanspalast, während China auf einem Stück Mauer die verbliebenen Naturschönheiten des Landes anpreist und man in Slowenien aufgefordert wird, zu tanzen, empfängt Turkmenistan seine Gäste mit Teppichen auf dem Boden. Keine Tourismusmesse könnte das besser.
Stararchitekten
Verwechslungsgefahr besteht angesichts des rotschuppigen Pavillons für Vanke, dem größten Immobilienunternehmen der Volksrepublik China: Was aussieht wie ein Bau von Frank Gehry, stammt tatsächlich von Daniel Libeskind. Und Lord Norman Foster hat anstatt Stahl und Glas roten Beton zu einem Wadi für die Vereinten Arabischen Emirate verbaut. Das war’s dann auch schon.
Seltsame Zukunftsträume
Lebensbäume und Smart City-Träume: Libeskind ist nicht nur für Vanke, sondern auch für Siemens tätig geworden. Was die LED-Stahl-Skulpturen auf der Piazza Italia darstellen sollen, verrät die Pressemitteilung – beim Vorbeigehen übersieht man es doch sehr leicht: „Sie sollen die Piazza Italia mit einem stetigen Strom von Klängen, Bildern und pulsierenden Formen beleben, die ihren Ursprung in den Techniktrends der Zukunft haben. Von der Digitalen Fabrik über nachhaltige Energieversorgung bis hin zur intelligenten Infrastruktur verkörpern sie die ideale Verknüpfung von Kunst und Technologie.“ Der „Tree of Life“ hingegen sei Italien pur, ist seine „Baumkrone“ doch von Michelangelos „Kapitolsplatz“, der Piazza del Campidoglio in Rom, inspiriert und ziehe mit seiner Lichterschau die Menschen an das Wasserbecken, das den Baum umspielt. Armer Michelangelo.
Kameradschaft
Beim Russischen und Estnischen Pavillon muss man zweimal hinschauen, kennzeichnet beide doch ein ähnlich dynamisches Vordach. Hat Russland hier den Esten die Architektur diktiert? Oder wollten die beiden ihre Verbundenheit symbolisieren? Schließlich tritt Russland doch dezent zurück und lässt dem Pavillon Estlands den Vortritt. Spekulieren kann man ja mal.
Hotel Schweiz
Räumlich in den Hintergrund wurde auch der Schweizer Pavillon gerückt. Statt die Besucher direkt am Boulevard zu begrüßen – wie es die meisten Pavillons machen, die sich rechts und links von diesem befinden – muss man, um zum Pavillon zu gelangen, über einen müde asphaltierten Weg gehen. Das macht man aber nicht, denn der Schweizer Pavillon wirkt aus der Ferne wie ein günstiges Hotel, das ebenso gut auch irgendwo am Stadtrand hätte stehen können. Da reibt man sich die Augen und bleibt weit weg.
Beton, weiß und glatt
Wer den präzisen, samtweichen Beton bei den Schweizern vermisst hat, kann im kleinen Pavillon von Bahrain die Hände über diesen – ganz weiß, ganz glatt – streichen lassen. Der ausgesprochen feine und edle Pavillon ist eine Oase für jeden Ästheten und frei von überflüssiger Didaktik. Man wünscht sich, man bekäme den Bau nach der Expo geschenkt, könnte er doch auch ein traumhaftes Wohnhaus sein, durch das man staunend wandeln möchte.
Luft zum Atmen
Grüß Gott und küss die Hand – die Österreicher haben die Natur technologisiert und einen der wenigen gelungen Pavillons der Expo geschaffen. Statt überladener Lehrpfade und hektischer Medieninstallationen, durchwandert man einen herrlich erfrischenden und duftenden Mischwald, dessen Mikroklima sich von dem des Mailänder Explogelände erheblich unterscheidet. Nicht das Essen steht hier im Vordergrund, sondern die Luft, die wir atmen – was schon der Titel „Breath Austria“ erahnen lässt. Der Pavillon produziere in einer Stunde Sauerstoff für knapp 1.800 Menschen, erklärt der Architekt Klaus Loenhart. Was natürlich erscheint, ist ein ausgeklügeltes klimatechnisches System. Über eine App – die nur der Architekt, nicht aber die Besucher bedienen dürfen – lässt sich das Klima des Pavillons verändern. Dann dringt aus Ventilatoren feiner Sprühregen, wodurch die Sauerstoffproduktion angeregt und die Kühlung durch Verdunstung erhöht wird – was das angeschlossene Restaurant ganz ohne Kühlaggregate angenehm temperiert. Luft, Präzision und Liebe zum Detail reichen auch bei einer Expo.


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