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Eine Frage der Balance
Im Gespräch: Marie Christine Dorner
2. Februar 2016
Marie Christine Dorner mag ausgewogene Proportionen. Ihre Tische, Regale, Betten und Stühle für Marken wie Ligne Roset, Montis und Zeus wirken wie kleinformatige Architektur. Für die Französin, die sagt, dass sie überall Inspiration finde, geht es darum, Ideen in einem Produkt zu bündeln, das Objekt dabei aber nicht zu überfrachten. Uta Abendroth hat mit der Innenarchitektin und Designern über die Schaffung von Raum, die Idee der Collage und ihre Neuvorstellungen für Ligne Roset gesprochen.

Uta Abendroth: Viele Ihrer Möbel wirken wie Architektur im Kleinen – ist das so gewollt?

Marie Christine Dorner: Ja, auf jeden Fall. Für mich ist Architektur eine ständige Inspiration für meine Entwürfe, bei denen sich alles um das Thema Balance und Ausgewogenheit dreht. Bei dem Regal „Allitération“ für Ligne Roset spiele ich mit offenen und geschlossenen Fächern, die Tiefe der einzelnen Borde variiert, sie nimmt von unten nach oben ab beziehungsweise von links nach rechts. Sieht man das Regal zunächst von der rechten Seite, gewinnt es weiter links optisch an Volumen, das ist wie eine Welle. Lässt man den Blick von unten nach oben über „Allitération“ wandern, verjüngt es sich zur Decke hin. Man kann auch zwei Regale Rücken an Rücken stellen, dann entsteht ein Gebilde im Raum, das sich von zwei Seiten nutzen lässt. Bei dem Couchtisch „Allégorie“ (ebenfalls für Ligne Roset, Anm. d. Red.) ist die untere Platte ein bisschen größer als die Deckplatte. Die dünnen Stangen zwischen der oberen und der unteren Platte, die wie Pfeiler zwischen Boden und Dach aufragen, schaffen einen Raum, der sich in diesem speziellen Fall für Hefte, Bücher und andere Gegenstände eignet.

Es geht also um die Schaffung von Raum im Möbel selbst?

Marie Christine Dorner: Nicht nur im Möbel, sondern auch mit dem Möbel. Ich denke räumlich, überlege, was ein Tisch oder Regal selbst können, welche Funktion das Objekt aber auch im Raum übernehmen sollte. Es geht ja schließlich nicht nur um das Produkt an sich, sondern um die Menschen, die damit leben. Mit Möbeln soll man sich wohlfühlen. Die sind einfach so dicht an uns dran, umgeben uns den ganzen Tag. Deshalb spielen auch Farben und Materialien so eine wichtige Rolle.

Aber die unterliegen ja auch Moden …

Marie Christine Dorner: Das stimmt und ich bin davon überzeugt, dass es richtig ist, bei Farben auch mal Mut zu haben und durch sie ein Statement abzugeben. Aber wichtig ist vor allem Qualität. Bei einem Möbel aus Holz sollte nicht nur die Oberfläche schön aussehen, sondern von unten muss das gleichfalls gut gemacht sein.

So wie bei dem Nachttisch „Episode“ für Ligne Roset?

Marie Christine Dorner: Der ist ein gutes Beispiel, ja. Das Walnuss-Holz ist an jeder Stelle des Möbels perfekt verarbeitet. Und das muss so sein, denn der Nutzer sieht das Möbel aus verschiedenen Blickwinkeln: Mal blickt er von oben drauf, mal eher seitlich. Und vom Bett aus wandert das Auge wieder über ganz andere Stellen. „Episode“ schafft übrigens auch wieder Raum auf verschiedenen Ebenen, man kann Objekte auf drei Leveln ablegen.

Dieses Tischchen wirkt so ganz anders als ihre restlichen Entwürfe für Ligne Roset.

Marie Christine Dorner: Meistens ergeben meine Stücke so eine Art Kollektion für sich, aber es gibt immer wieder Entwürfe, wie den Nachttisch, die ein bisschen rausfallen. Das hängt mit der Aufgabenstellung zusammen. Manchmal mache ich Vorschläge, manchmal gibt es einen Wunsch von Seiten Ligne Rosets verbunden mit einem Briefing und dann wieder bekomme ich eine „Carte Blanche“. Ich empfinde es als einen Vorzug, als Designer über einen langen Zeitraum mit einer Firma zusammen arbeiten zu können. In meinen Augen ist diese Kontinuität für beide Seiten von Vorteil, sie bietet die Möglichkeit, sich gemeinsam zu entwickeln.

Wie gehen Sie denn an Ihre Entwürfe heran?

Marie Christine Dorner: Ich zeichne die ganze Zeit. Das ist nicht immer konkret; es geht eher darum, all das, was mich inspiriert, irgendwie zu verarbeiten. Das dann später in einem Produkt zu fokussieren, ist die Kunst. Schließlich kann man nicht alles, was einen gerade beschäftigt, was man sieht oder denkt, in ein Objekt packen. An dieser Stelle eine Entscheidung zu treffen, was man will und braucht, und was man besser weglässt, das ist eine echte Herausforderung und manchmal ziemlich schwer.

Gibt es etwas Bestimmtes, das Sie beeinflusst?

Marie Christine Dorner: Ich habe nach dem Studium ein Jahr in Japan verbracht, die Ästhetik beeinflusst mich bis heute. Ich war auch, bevor ich 2008 nach Paris zurückgekommen bin, zwölf Jahre in England, aber aus dieser Zeit sind die Einflüsse längst nicht so stark. Da habe ich eher die Arbeit mit den Studenten aus aller Welt als sehr anregend empfunden (Marie Christine Dorner hat am Royal College of Art in London unterrichtet, Anm. d. Red.). Ja, das war auch für mich richtiges „Lernen“.

Sie sind im Bereich Interior Design tätig, haben französische Botschaften ausgestattet, gestalten Bushaltestellen ebenso wie Geschirr, Schmuck und Leuchten für die Cristalleries de Saint-Louis, Baccarat und Bernardaud. Was würde Sie gestalterisch denn noch reizen?

Marie Christine Dorner: Ich würde sehr gerne ein Hotel gestalten. In diesem Bereich wird Möbeldesign immer wichtiger und das könnte ich mit meiner Leidenschaft für Interior Design verbinden. Ich habe ein Faible für Vintage-Stücke, mag die Idee der Collage, den Stil-Mix. Nichts ist Schlimmer, als wenn ein Zuhause, und sei es nur auf Zeit, nach einem Showroom aussieht.

www.dorner-design.com

www.ligne-roset.de
Marie Christine Dorner bevorzugt Möbel, die architektonisch anmuten. Foto © Martina Metzner, Stylepark
Das Regal „Allitération“ ist wie eine Welle gestaltet und spielt mit unterschiedlichen Tiefen. Foto © Ligne Roset
Rendering von „Allitération“: Die Bretter sind unterschiedlich tief, aber noch nicht geschwungen. Foto © MCD
Bei „Allégorie“ verbinden Aluminiumstäbe die obere Platte aus Laminat mit der unteren aus Aluminium. Foto © Ligne Roset
Très francais: Der Nachttisch „Episode“ aus Nussbaum mit bleigrauer Lackierung im Inneren. Foto © Ligne Roset
„Demi-Teintes“: Das Bild erscheint in grauen oder bronzefarbenen Tönen, nur ein Ausschnitt ist klar. Foto © Ligne Roset
„Un & Deux“ kombiniert drei U-förmige Elemente in unterschiedlichen Größen und Materialien. Foto © Ligne Roset
Produkte
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ISO Stuhl
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News & Stories › 2016 › Februar
Eine Frage der Balance
2. Februar 2016
Dass ein Möbel von allen Seiten, selbst von unten, gut aussehen muss, davon ist Marie Christine Dorner überzeugt. Uta Abendroth hat mit der Innenarchitektin und Designerin über ihre neuen Entwürfe für Ligne Roset gesprochen.
Marie Christine Dorner mag ausgewogene Proportionen. Ihre Tische, Regale, Betten und Stühle für Marken wie Ligne Roset, Montis und Zeus wirken wie kleinformatige Architektur. Für die Französin, die sagt, dass sie überall Inspiration finde, geht es darum, Ideen in einem Produkt zu bündeln, das Objekt dabei aber nicht zu überfrachten. Uta Abendroth hat mit der Innenarchitektin und Designern über die Schaffung von Raum, die Idee der Collage und ihre Neuvorstellungen für Ligne Roset gesprochen.

Uta Abendroth: Viele Ihrer Möbel wirken wie Architektur im Kleinen – ist das so gewollt?

Marie Christine Dorner: Ja, auf jeden Fall. Für mich ist Architektur eine ständige Inspiration für meine Entwürfe, bei denen sich alles um das Thema Balance und Ausgewogenheit dreht. Bei dem Regal „Allitération“ für Ligne Roset spiele ich mit offenen und geschlossenen Fächern, die Tiefe der einzelnen Borde variiert, sie nimmt von unten nach oben ab beziehungsweise von links nach rechts. Sieht man das Regal zunächst von der rechten Seite, gewinnt es weiter links optisch an Volumen, das ist wie eine Welle. Lässt man den Blick von unten nach oben über „Allitération“ wandern, verjüngt es sich zur Decke hin. Man kann auch zwei Regale Rücken an Rücken stellen, dann entsteht ein Gebilde im Raum, das sich von zwei Seiten nutzen lässt. Bei dem Couchtisch „Allégorie“ (ebenfalls für Ligne Roset, Anm. d. Red.) ist die untere Platte ein bisschen größer als die Deckplatte. Die dünnen Stangen zwischen der oberen und der unteren Platte, die wie Pfeiler zwischen Boden und Dach aufragen, schaffen einen Raum, der sich in diesem speziellen Fall für Hefte, Bücher und andere Gegenstände eignet.

Es geht also um die Schaffung von Raum im Möbel selbst?

Marie Christine Dorner: Nicht nur im Möbel, sondern auch mit dem Möbel. Ich denke räumlich, überlege, was ein Tisch oder Regal selbst können, welche Funktion das Objekt aber auch im Raum übernehmen sollte. Es geht ja schließlich nicht nur um das Produkt an sich, sondern um die Menschen, die damit leben. Mit Möbeln soll man sich wohlfühlen. Die sind einfach so dicht an uns dran, umgeben uns den ganzen Tag. Deshalb spielen auch Farben und Materialien so eine wichtige Rolle.

Aber die unterliegen ja auch Moden …

Marie Christine Dorner: Das stimmt und ich bin davon überzeugt, dass es richtig ist, bei Farben auch mal Mut zu haben und durch sie ein Statement abzugeben. Aber wichtig ist vor allem Qualität. Bei einem Möbel aus Holz sollte nicht nur die Oberfläche schön aussehen, sondern von unten muss das gleichfalls gut gemacht sein.

So wie bei dem Nachttisch „Episode“ für Ligne Roset?

Marie Christine Dorner: Der ist ein gutes Beispiel, ja. Das Walnuss-Holz ist an jeder Stelle des Möbels perfekt verarbeitet. Und das muss so sein, denn der Nutzer sieht das Möbel aus verschiedenen Blickwinkeln: Mal blickt er von oben drauf, mal eher seitlich. Und vom Bett aus wandert das Auge wieder über ganz andere Stellen. „Episode“ schafft übrigens auch wieder Raum auf verschiedenen Ebenen, man kann Objekte auf drei Leveln ablegen.

Dieses Tischchen wirkt so ganz anders als ihre restlichen Entwürfe für Ligne Roset.

Marie Christine Dorner: Meistens ergeben meine Stücke so eine Art Kollektion für sich, aber es gibt immer wieder Entwürfe, wie den Nachttisch, die ein bisschen rausfallen. Das hängt mit der Aufgabenstellung zusammen. Manchmal mache ich Vorschläge, manchmal gibt es einen Wunsch von Seiten Ligne Rosets verbunden mit einem Briefing und dann wieder bekomme ich eine „Carte Blanche“. Ich empfinde es als einen Vorzug, als Designer über einen langen Zeitraum mit einer Firma zusammen arbeiten zu können. In meinen Augen ist diese Kontinuität für beide Seiten von Vorteil, sie bietet die Möglichkeit, sich gemeinsam zu entwickeln.

Wie gehen Sie denn an Ihre Entwürfe heran?

Marie Christine Dorner: Ich zeichne die ganze Zeit. Das ist nicht immer konkret; es geht eher darum, all das, was mich inspiriert, irgendwie zu verarbeiten. Das dann später in einem Produkt zu fokussieren, ist die Kunst. Schließlich kann man nicht alles, was einen gerade beschäftigt, was man sieht oder denkt, in ein Objekt packen. An dieser Stelle eine Entscheidung zu treffen, was man will und braucht, und was man besser weglässt, das ist eine echte Herausforderung und manchmal ziemlich schwer.

Gibt es etwas Bestimmtes, das Sie beeinflusst?

Marie Christine Dorner: Ich habe nach dem Studium ein Jahr in Japan verbracht, die Ästhetik beeinflusst mich bis heute. Ich war auch, bevor ich 2008 nach Paris zurückgekommen bin, zwölf Jahre in England, aber aus dieser Zeit sind die Einflüsse längst nicht so stark. Da habe ich eher die Arbeit mit den Studenten aus aller Welt als sehr anregend empfunden (Marie Christine Dorner hat am Royal College of Art in London unterrichtet, Anm. d. Red.). Ja, das war auch für mich richtiges „Lernen“.

Sie sind im Bereich Interior Design tätig, haben französische Botschaften ausgestattet, gestalten Bushaltestellen ebenso wie Geschirr, Schmuck und Leuchten für die Cristalleries de Saint-Louis, Baccarat und Bernardaud. Was würde Sie gestalterisch denn noch reizen?

Marie Christine Dorner: Ich würde sehr gerne ein Hotel gestalten. In diesem Bereich wird Möbeldesign immer wichtiger und das könnte ich mit meiner Leidenschaft für Interior Design verbinden. Ich habe ein Faible für Vintage-Stücke, mag die Idee der Collage, den Stil-Mix. Nichts ist Schlimmer, als wenn ein Zuhause, und sei es nur auf Zeit, nach einem Showroom aussieht.

www.dorner-design.com

www.ligne-roset.de