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Endspurt 11:
Feine Fehlfarben
Sara Bertsche | 11. Dezember 2015
Die wilden „Hippie-Kinder“ von Pedrali: Steht in der Spritzgussanlage für die Fertigung von Polypropylen-Stühlen ein Farbwechsel an, entstehen Fehlproduktionen in fröhlicher Batik-Optik. Foto © Pedrali
Der Zufall spielt sein eigenes Spiel – was oft zu Überraschungen führt. Künstler haben den Zufall schon deshalb nicht selten zu ihrem Komplizen gemacht und ihn planvoll eingesetzt. Marcel Duchamp beispielsweise hat drei Fäden von je einem Meter Länge aus einem Meter Höhe fallen lassen, die Kurve, in der sie zufällig liegengeblieben sind, fixiert, Maßstäbe daraus geformt – und das Ganze „Zufall in Konserve“ genannt. Kurt Schwitters hingegen nutzte Maschinen als „Zufallsgenerator“, sammelte Fehldrucke aus der Druckerei und wählte aus ihnen einen bestimmten Ausschnitt aus.

Während Künstler den Zufall als Quelle der Inspiration schätzen, wird er in der industriellen Produktion nicht so gern gesehen. Auch in der Produktion von Pedrali ist das Zufallsmoment nicht unbedingt erwünscht, denn der italienische Hersteller produziert Möbel für den Objektbereich und in Farben, die der Kunde teilweise mitbestimmen kann.

In den Fabrikationshallen in Bergamo arbeiten Industrieroboter und andere Maschinen mit höchster Präzision und dennoch lassen sich Fehlproduktionen während des Herstellungsprozesses nicht völlig vermeiden. Und das kommt so: Eine Spritzgussanlage produziert Polypropylen-Stühle des gleichen Modells in großer Stückzahl und in jeweils einer Farbe. Steht ein Farbwechsel an, fabriziert die Maschine im Minutentakt weiter. Es dauert freilich einige Minuten, bis das Granulat, aus dem die Stühle gefertigt werden, die neue Farbe vollständig angenommen hat. So entstehen zwischendurch wohl oder übel Exemplare, bei denen sich alte und neue Farbe apart mischen.

Man könnte die Stühle Bastarde oder Hybride nennen, was bei den fröhlichem Batikmustern und überraschenden Farbverläufen, die per Zufall entstehen, viel zu negativ klingt. Schließlich machen Farbmischung und Farbverlauf jedes Stück zu einem Unikat. So leuchtet ein Stuhl in Zitronengelb, das durchsetzt ist mit roten Streifen, die an flüssige Lava erinnern. Ein anderer gleicht in Farbe und Muster eher einem Wasserstrudel mit oszillierenden Blau- und Grüntönen; und ein weiteres Exemplar besticht durch seine karamellfarbene Sitzschale, die ein weißer „Heiligenschein“ auf der Stuhllehne krönt. All diese „wilden Hippies“ eignen sich – warum eigentlich? – nicht zum Verkauf und finden in der Recyclinganlage ein trauriges Ende. Einige der schönsten Fehlfarben hat Pedrali trotzdem gerettet und präsentiert sie auf einer Sonderfläche in der Werkshalle.
Niemand ist perfekt: Modell „Snow“ besticht dann nicht mehr durch monochrome Farbflächen, sondern mit leuchtendem Orange und zitrusgelben Fleck… Foto © Pedrali
…und Stuhl „Pasha“ glänzt mit feinsten Verläufen in oszillierenden Blautönen. Foto © Pedrali
Produkte
Pedrali: GLISS SWING 350 @ Stylepark
Pedrali
GLISS SWING 350
Archivolto Design
Pedrali: MALMÖ 391 @ Stylepark
Pedrali
MALMÖ 391
Michele Cazzaniga
Simone Mandelli
Antonio Pagliarulo
Pedrali: PASHA @ Stylepark
Pedrali
PASHA
Archivolto Design
Pedrali: SNOW 303 Junior @ Stylepark
Pedrali
SNOW 303 Junior
Odoardo Fioravanti
Pedrali: GLISS 906 @ Stylepark
Pedrali
GLISS 906
Archivolto Design
Pedrali: ARA 315 @ Stylepark
Pedrali
ARA 315
Jorge Pensi
News & Stories › 2015 › Dezember
Endspurt 11:
Feine Fehlfarben
von Sara Bertsche | 11. Dezember 2015
Wenn in der Möbelproduktion von Pedrali ein Farbwechsel ansteht, entstehen in der Spritzgussanlage überraschend aparte Nebeneffekte.
Der Zufall spielt sein eigenes Spiel – was oft zu Überraschungen führt. Künstler haben den Zufall schon deshalb nicht selten zu ihrem Komplizen gemacht und ihn planvoll eingesetzt. Marcel Duchamp beispielsweise hat drei Fäden von je einem Meter Länge aus einem Meter Höhe fallen lassen, die Kurve, in der sie zufällig liegengeblieben sind, fixiert, Maßstäbe daraus geformt – und das Ganze „Zufall in Konserve“ genannt. Kurt Schwitters hingegen nutzte Maschinen als „Zufallsgenerator“, sammelte Fehldrucke aus der Druckerei und wählte aus ihnen einen bestimmten Ausschnitt aus.

Während Künstler den Zufall als Quelle der Inspiration schätzen, wird er in der industriellen Produktion nicht so gern gesehen. Auch in der Produktion von Pedrali ist das Zufallsmoment nicht unbedingt erwünscht, denn der italienische Hersteller produziert Möbel für den Objektbereich und in Farben, die der Kunde teilweise mitbestimmen kann.

In den Fabrikationshallen in Bergamo arbeiten Industrieroboter und andere Maschinen mit höchster Präzision und dennoch lassen sich Fehlproduktionen während des Herstellungsprozesses nicht völlig vermeiden. Und das kommt so: Eine Spritzgussanlage produziert Polypropylen-Stühle des gleichen Modells in großer Stückzahl und in jeweils einer Farbe. Steht ein Farbwechsel an, fabriziert die Maschine im Minutentakt weiter. Es dauert freilich einige Minuten, bis das Granulat, aus dem die Stühle gefertigt werden, die neue Farbe vollständig angenommen hat. So entstehen zwischendurch wohl oder übel Exemplare, bei denen sich alte und neue Farbe apart mischen.

Man könnte die Stühle Bastarde oder Hybride nennen, was bei den fröhlichem Batikmustern und überraschenden Farbverläufen, die per Zufall entstehen, viel zu negativ klingt. Schließlich machen Farbmischung und Farbverlauf jedes Stück zu einem Unikat. So leuchtet ein Stuhl in Zitronengelb, das durchsetzt ist mit roten Streifen, die an flüssige Lava erinnern. Ein anderer gleicht in Farbe und Muster eher einem Wasserstrudel mit oszillierenden Blau- und Grüntönen; und ein weiteres Exemplar besticht durch seine karamellfarbene Sitzschale, die ein weißer „Heiligenschein“ auf der Stuhllehne krönt. All diese „wilden Hippies“ eignen sich – warum eigentlich? – nicht zum Verkauf und finden in der Recyclinganlage ein trauriges Ende. Einige der schönsten Fehlfarben hat Pedrali trotzdem gerettet und präsentiert sie auf einer Sonderfläche in der Werkshalle.