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Engelstrompete bei Rot
von Nancy Jehmlich | 18. August 2011
Die meisten Wohnungssuchenden meiden Mietangebote nahe mehrspurigen Autostraßen, sie seien zu laut und zu dreckig. Wohnungen sucht man lieber in idyllischeren Lagen. Und Ladenbesitzer vermissen an Einfallstraßen die Laufkundschaft, die mal zufällig vorbeischnuppert. Der Showroom von Vitra in Frankfurt am Main liegt an einer Kreuzung mit fünfspuriger Straße. Bei Rot warten an der Ampel gleich neben dem Schaufenster alle drei Minuten lange Schlangen von Autos. Der Schweizer Möbelhersteller nutzt diesen ungewöhnlichen Standort wiederholt für das bemerkenswerte Projekt „Ampelphase". Zum fünften Mal hat Vitra Architekten aus der Region einladen, für einen Zeitraum von drei Wochen den Showroom ganz nach ihrem Geschmack umzubauen. Dabei sind keine Regeln gesetzt, nur rückbaufähig sollen die Installationen sein. Für die Architekten, die im Berufsalltag Bebauungspläne und viele weitere Vorgaben einzuhalten haben, eine willkommene Abwechslung.

Die eingeladenen Büros, 3deluxe transdisciplinary design aus Wiesbaden, a5 Planung aus Wiesbaden, Bernhardt + Partner aus Darmstadt, Kontext Architektur, KSP Jürgen Engel Architekten (beide aus Frankfurt am Main) und Planquadrat Elfers Geskes Krämer aus Darmstadt, knüpften in diesem Jahr nicht einfach an die vergangenen Projekte an, sondern wagten bewusst etwas Neues. Die Zuteilung der Schaufenster an die einzelnen Büros wurde als Projektrahmen kurzerhand verworfen.

Unter dem selbst gewählten Thema „stop/motion" wird erstmalig nicht nur die Schaufensterfront umgebaut, sondern der gesamte Showroom. Die Vitra-Möbel sind eingelagert, einzig ein paar Stehtische befinden sich in der Installation. Die Kunden von Vitra irritiert die fehlende Produktpräsentation nicht, im Gegenteil, meist sind es Kunden, die das Engagement von Vitra, dem „charmanten Querdenker", so Alexandra Düll von Kontext Architektur, zu schätzen wissen.

Das erste Treffen aller Beteiligten fand Anfang Februar statt, dann wurde in regelmäßigen Workshops gemeinschaftlich an den Entwürfen gearbeitet. Im Showroom befindet sich nun eine geschwungene Plattform, auf der mehrere organische Sitzinseln angeordnet sind. Damit wurde eine gemeinsame Präsentationsfläche oder auch, wie Max Diemand von 3deluxe sagt, „eine szenografische Klammer" für die Einzelexponate geschaffen. Gedacht als eine Erlebniswelt zum Anfassen und Staunen, eine fließende Podestlandschaft, die das Miteinander, den gemeinschaftlichen Gedanken der ausstellenden Büros deutlich machen soll.

Integriert sind die Einzelprojekte der Büros, die bewusst keine Werkschau der Teilnehmer sein sollen gezeigt. „Das war die Vorgabe, die wir uns selbst gestellt haben", erläutert Jennifer Herzog von a5 Architekten. Das Büro aus Frankfurt installiert insgesamt sieben sogenannte „Looper", Ferngläser, die in einer filmischen Endlosschleife, Straßenräume anderer Städte zeigen. KSP Jürgen Engel Architekten bauen eine riesige Engelstrompete, die den Straßenraum vor dem Schaufenster scheinbar in den Innenraum zieht und gleichzeitig in der Bewegung erstarrt. Das Büro Kontext Architektur hat zwei Automaten entworfen, die Dynamik und Stillstand thematisieren und an die reale Ampelphase vor dem Showroom gekoppelt sind, und den Besucher spielerisch auf die Phasen des Wartens und Bewegens hinweisen. 3deluxe baut einen schwarzen Block, eine „Black box", mit einem Lichtspiel aus 78 Kaltkathodenröhren. Bernhardt + Partner entwerfen einen Raum aus Tischtennisbällen und Gummischnüren, die durch die Bewegungen des Nutzers in ungleichmäßige Schwingungen versetzt werden.

Dank des Büros Planquadrat hat der Besucher in der Ausstellung sein Getränk in ungewohnter Form zur Hand: Ein handliches Häuschen aus opakem Acryl lässt die farbigen Getränke verlockend durchschimmern. Auf den Scheiben des Showrooms weisen von außen aufgeklebte Längsstreifen, aus der Entfernung einem Barcode gleich, auf die Veränderungen durch das Projekt hin. In unregelmäßigen Abständen geben die Streifen den Innenraum preis. „Man soll von außen einen Ahnung von innen bekommen, aber der Fokus der Ausstellung liegt im Innenraum", erläutert Marie Sobe von Planquadrat die Verwandlung der Glasfassade. Die Streifen suggerieren auch, der Rezipient erzeuge mit seiner Bewegung entlang der breiten Fensterfront eine Art Stop-motion-Film.

Ampelphase 5
Von 18. August bis 7. September 2011
Vitra Schauraum, Frankfurt am Main
www.ampelphase.com
Showroom von Vitra mit der fünften Ampelphase "stop/motion"
Blick in den Showroom
Black box von 3deluxe transdisciplinary design aus Wiesbaden
Auto-Mat von Kontext Architektur aus Frankfurt am Main
Hausbar von Planquadrat aus Darmstadt
Hausbar von Planquadrat aus Darmstadt
Looper von a5 Planung aus Wiesbaden
Engelstrompete von KSP Jürgen Engel Architekten aus Frankfurt am Main
Vitra Showroom in Frankfurt am Main, Fotos: David Giebel
12.173 Tischtennisbälle von Bernhardt + Partner Architekten aus Darmstadt
12.173 von Bernhardt + Partner Architekten aus Darmstadt
Black box von 3deluxe transdisciplinary design aus Wiesbaden
Auto-Mat von Kontext Architektur aus Frankfurt am Main
Hausbar von Planquadrat aus Darmstadt
Looper von a5 Planung aus Wiesbaden
Engelstrompete von KSP Jürgen Engel Architekten aus Frankfurt am Main