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Fixe Decke
Im Gespräch: Inga Sempé | 1. Februar 2015
„Man kann auf so vielen Arten darauf sitzen“, so Inga Sempé über „Beau Fixe“ für Ligne Roset. Foto © Robert Volhard, Stylepark
Inga Sempé ist bekannt für funktionelles und innovatives Design, das elegante Lösungen bietet, denen oft eine poetische Note inne wohnt. So auch bei „Beau Fixe“, ihrem jüngsten Entwurf für Ligne Roset. Die 47-Jährige, die außer für Ligne Roset für Firmen wie Hay, Cappellini, Edra und Luceplan arbeitet, hat bei dem Sessel und dem Zweisitzer-Sofa mit der hohen Rücklehne auf besonders viel Komfort und eine ausgeklügelte Technik gesetzt. Der Vorgänger „Ruché“ mit der gesteppten Polsterdecke, ebenfalls für Ligne Roset, erscheint da ganz anders. Uta Abendroth hat mit der französischen Designerin über ihren Entwurf und dessen Technik gesprochen, wie sie ihre Produkte im Teamwork gestaltet und weshalb sie sich von kleinen Objekten so angezogen fühlt.
„Beau Fixe” ist laut Sempé aufgebaut wie eine Zange, die eine gefaltete Decke (das Polster) einklemmt. Foto © Robert Volhard, Stylepark
Uta Abendroth: Inga Sempé, wollten Sie mit „Beau Fixe“ den Ohrensessel in einer neuen, moderneren Form wieder auferstehen lassen?

Inga Sempé: Ja, genau. Diese Herangehensweise, etwas neu zu denken, ist meine grundsätzliche Arbeitsphilosophie. Es ist doch so: An einem Projekt zu arbeiten ist in den meisten Fällen recht langwierig. Wenn man als Designer von einem Projekt gelangweilt ist, dann zieht sich das also über einen ganz schön langen Zeitraum hin. Deshalb liegt es schon im eigenen Interesse, ein Objekt zumindest ein wenig neu zu denken und eine Herausforderung darin zu sehen. Herausforderung klingt jetzt so gewaltig für eine Sache, die sehr „basic“ ist, denn einen Sessel zu gestalten, ist ziemlich „basic“. Aber deshalb habe ich um so mehr an der Struktur gearbeitet, die bei „Beau Fixe“ das Polsterteil hält. Ich mag es, an den technischen Kleinigkeiten zu arbeiten, auch wenn man das bei dem fertigen Objekt vielleicht nicht sieht. Meiner Meinung nach sollte man die Technik auch gar nicht sehen, sie ist lediglich ein interessanter Aspekt für den Designer. Wenn ein Produkt technisch aussieht, ist es langweilig. Mir drängt sich da der Vergleich mit Ballett-Tänzern auf: Wenn ihr Tanz technisch aussieht, ist es nicht Moderner Tanz, sondern lediglich eine Übung. Das gleiche gilt für Design.
Für Sempé war es wichtig, dass die Idee von „Zange" und „Decke" sichtbar ist. Foto © Sarah Böttger, Stylepark
Verbinden Sie persönlich etwas mit dem Typus Ohrensessel?

Sempé: Allerdings! Als Kind standen diese gemütlichen Sessel in einem Ferienhaus, in das wir immer gefahren sind. Wenn ich heute in so einem Sessel sitze, fühle ich mich gleich wohl. Dieses familiäre Gefühl und die Kindheitserinnerungen… Man kann auf so viele verschiedene Arten in so einem Sessel sitzen, wenn man klein ist. Aber dass ich diesen Möbeltypus besonders mag, hat es nicht einfacher gemacht, ihn auf eine neue Art zu gestalten. Ich wollte ja nichts Nostalgisches, das kann ich nämlich überhaupt nicht leiden.
Den Ohrensessel neu denken – das war die Motivation der Designerin. Foto © Ligne Roset
Wie ist „Beau Fixe“ denn aufgebaut?

Sempé: Es gibt nur zwei Komponenten, das Metallgestell und die Polsterung. Das Gestell ist wie eine große Zange, die zwischen ihren Gabeln eine große einteilige Decke fasst. Diese Zange teilt und faltet die Decke in verschiedene Teile, die die Armlehnen, die Sitzfläche, die Rücklehne und die Ohren bilden. Ich wollte, dass die Struktur von den Füßen bis zum Kopfteil nicht nur dekorativ, sondern nützlich ist und sichtbar bleibt. So hat auch das fertige Möbel immer noch etwas von einer Skizze.
Das Projekt „Ruché” wollte Sempé zunächst abbrechen – dank Teamarbeit wurde es zum Erfolg. Foto © Robert Volhard, Stylepark
Gehören Sie denn zu den Designern, die noch mit der Hand zeichnen oder entwerfen Sie am Computer?

Sempé: Ich zeichne mit dem Stift, würde allerdings am Computer entwerfen, wenn ich es besser könnte. Aber wir Designer sind ja keine Illustratoren, keine professionellen Zeichner. Es geht um das Projekt und nicht um den Weg, wie wir zu dem finalen Entwurf kommen. Es gibt Personen, die behaupten, wenn man nicht gut zeichnen kann, könnte man keine guten Projekte machen. Das ist arrogant. Das Ergebnis hängt von deinem „Spirit“ ab, nicht der Technik.
Uta Abendroth mit Inga Sempé im Interview auf der imm cologne. Foto © Robert Volhard, Stylepark
Aber die Technik oder das technisches Know-how haben doch einen ganz großen Einfluss auf das fertige Produkt?

Sempé: Naja, ein Produkt ist letztlich immer das Ergebnis einer Kooperation, verschiedene Leute bringen ihr Fachwissen in den Gestaltungsprozess ein. Es geht ja darum, aus einer Zeichnung ein Produkt zu entwickeln. „Ruché“ ist für mich so ein Beispiel dafür. Ich fand den ersten Prototyp von „Ruché“ dermaßen langweilig, dass ich das gesamte Projekt stoppen wollte. Gemeinsam konnten wir die Entwicklung aber voran bringen. Das ist ein Grund, warum ich so gerne mit Ligne Roset zusammenarbeite, weil man bei ihnen direkt in der Fabrik mit dem ganzen Team das Produkt entwickeln kann.
„Kleine Modelle sehen immer toll aus“ – die Arbeitsmodelle zu „Beau Fixe“. Foto © Inga Sempé
Also ist die Arbeit am maßstabsgerechten Modell für Sie sehr wichtig?

Sempé: Auf jeden Fall! Kleine Modelle sehen immer toll aus. Was die Japaner mit ihrem Begriff „kawaii“ bezeichnen und damit „klein ist niedlich“ meinen, das gilt auch für Möbel. Da kann man die hässlichsten Sachen nehmen, sie auf Puppenhaus-Größe schrumpfen und schon sieht alles süß aus. Die Schwierigkeit liegt darin, gute Arbeit im Maßstab von eins-zu-eins zu machen.

Haben Sie auch die Bezugsstoffe für „Beau Fixe“ entworfen?

Sempé: Die Stoffe, mit denen „Beau Fixe“ jetzt bezogen ist, habe ich nicht gemacht. Aber ich habe einen Bezugsstoff mit einem kleinen Muster entworfen, nur leider ist er nicht mehr rechtzeitig fertig geworden.
Die Designerin zieht Stift und Papier dem Computer als Entwurfswerkzeuge vor. Foto © Inga Sempé
Auf den ersten Blick wirken weder Sessel noch Sofa besonders gemütlich, man ist von dem weichen Sitzkomfort dann geradezu überrascht.

Sempé: Ein Sofa muss ja nicht unbedingt sehr soft aussehen, auch wenn es das ist. Bei „Ruché“ haben am Anfang auch viele gedacht, dass es eher nicht so weich ist, aber es ist wirklich sehr komfortabel. Als Designer kann man es sich nicht erlauben, ein Sofa zu entwerfen, das nicht bequem ist – es sei denn, es ist für Bereiche gedacht, wo Leute sich nicht zu lange aufhalten sollen. Aber sobald ein Sofa für eine häusliche Umgebung gedacht ist, muss es auch bequem sein.

Muss in Ihren Augen denn die Form der Funktionalität folgen?

Sempé: Jede Art von Form kann einer Funktion folgen. Ich mag keine ästhetischen Regeln, denn Ästhetik kann in so viele verschiedene Richtungen zielen. Ich gehe immer von der Funktion aus, aber ich finde, dass man das nicht sehen sollte. Wir brauchen mehr Freiheit als „form follows function“.
Den abgebildeten Bezugsstoff hat Sempé selbst entwickelt – er soll noch gelauncht werden. Foto © Inga Sempé
Mal abgesehen von Möbeln, was gestalten Sie noch gerne?

Sempé: Also Möbel designen, das mache ich eigentlich überhaupt nicht gerne. Es sind nicht die ersten Objekte, an die ich denke. Ich habe mich immer eher von kleinen Objekten angezogen gefühlt. Ich ziehe es vor, Leuchten zu entwerfen. Das gibt mir in kreativer Hinsicht viel mehr Spielraum als ein Möbel, das immer im Hinblick auf die Größe des menschlichen Körpers gestaltet werden muss. Aber letztlich ist jedes Objekt interessant, so lange das Unternehmen, mit dem man daran arbeitet, interessant ist. Für die norwegische Firma Røros Tweed habe ich zum Beispiel Wolldecken entworfen, für die italienische Marke Mutina Keramikfliesen. Wenn es eine Firma gäbe, die eine besondere Passion für die Herstellung von Schraubenziehern hätte, würde ich mit ihnen zusammenzuarbeiten! Leute, mit denen man zusammenarbeitet, sollten einem vertrauen, sonst vergeudet man zu viel Zeit und Energie. Ich bin natürlich in Nichts eine Expertin, aber wenn ich mich in ein Projekt stürze, dann werde ich zu einer.
Wie alles anfing… vom Ohrensessel zum „schnellen Schönling“. Foto © Inga Sempé
„Ruché” im Härtetest durch Inga Sempés Tochter. Video © Inga Sempé
Produkte
ligne roset: RUCHÉ Bank @ Stylepark
ligne roset
RUCHÉ Bank
Inga Sempé
ligne roset: BEAU FIXE Sessel @ Stylepark
ligne roset
BEAU FIXE Sessel
Inga Sempé
David design: Double Access @ Stylepark
David design
Double Access
Inga Sempé
ligne roset: RUCHÉ @ Stylepark
ligne roset
RUCHÉ
Inga Sempé
ligne roset: RUCHÉ 3-Sitzer niedrig @ Stylepark
ligne roset
RUCHÉ 3-Sitzer niedrig
Inga Sempé
ligne roset: BEAU FIXE 2-Sitzer @ Stylepark
ligne roset
BEAU FIXE 2-Sitzer
Inga Sempé
edra: Brosse @ Stylepark
edra
Brosse
Inga Sempé
Moustache: Balcon Mirror @ Stylepark
Moustache
Balcon Mirror
Inga Sempé
ligne roset: MOËL Sessel @ Stylepark
ligne roset
MOËL Sessel
Inga Sempé
ligne roset: RUCHÉ Bett @ Stylepark
ligne roset
RUCHÉ Bett
Inga Sempé
Tectona: Delta @ Stylepark
Tectona
Delta
Inga Sempé
David design: La Chapelle Grand @ Stylepark
David design
La Chapelle Grand
Inga Sempé
edra: Chantilly oval @ Stylepark
edra
Chantilly oval
Inga Sempé
Gärsnäs: Österlein Stuhl @ Stylepark
Gärsnäs
Österlein Stuhl
Inga Sempé
Artecnica: Double Stray @ Stylepark
Artecnica
Double Stray
Inga Sempé
Moustache: Vapeur suspension @ Stylepark
Moustache
Vapeur suspension
Inga Sempé
wästberg: Sempé w103s1 @ Stylepark
wästberg
Sempé w103s1
Inga Sempé
Luceplan: Plissé @ Stylepark
Luceplan
Plissé
Inga Sempé
Cappellini: PO/0202 Stehlampe @ Stylepark
Cappellini
PO/0202 Stehlampe
Inga Sempé
News & Stories › 2015 › Februar
Fixe Decke
von Uta Abendroth | 1. Februar 2015
Inga Sempé hat mit „Beau Fixe“ für Ligne Roset den Ohrensessel in die Gegenwart geholt. Im Interview mit Uta Abendroth erklärt die französische Designerin, was der Entwurf mit ihrer Kindheit zu tun hat, weshalb sie gerne im Team arbeitet und wieso sie sich von kleinen Objekten angezogen fühlt.
Inga Sempé ist bekannt für funktionelles und innovatives Design, das elegante Lösungen bietet, denen oft eine poetische Note inne wohnt. So auch bei „Beau Fixe“, ihrem jüngsten Entwurf für Ligne Roset. Die 47-Jährige, die außer für Ligne Roset für Firmen wie Hay, Cappellini, Edra und Luceplan arbeitet, hat bei dem Sessel und dem Zweisitzer-Sofa mit der hohen Rücklehne auf besonders viel Komfort und eine ausgeklügelte Technik gesetzt. Der Vorgänger „Ruché“ mit der gesteppten Polsterdecke, ebenfalls für Ligne Roset, erscheint da ganz anders. Uta Abendroth hat mit der französischen Designerin über ihren Entwurf und dessen Technik gesprochen, wie sie ihre Produkte im Teamwork gestaltet und weshalb sie sich von kleinen Objekten so angezogen fühlt.Uta Abendroth: Inga Sempé, wollten Sie mit „Beau Fixe“ den Ohrensessel in einer neuen, moderneren Form wieder auferstehen lassen?

Inga Sempé: Ja, genau. Diese Herangehensweise, etwas neu zu denken, ist meine grundsätzliche Arbeitsphilosophie. Es ist doch so: An einem Projekt zu arbeiten ist in den meisten Fällen recht langwierig. Wenn man als Designer von einem Projekt gelangweilt ist, dann zieht sich das also über einen ganz schön langen Zeitraum hin. Deshalb liegt es schon im eigenen Interesse, ein Objekt zumindest ein wenig neu zu denken und eine Herausforderung darin zu sehen. Herausforderung klingt jetzt so gewaltig für eine Sache, die sehr „basic“ ist, denn einen Sessel zu gestalten, ist ziemlich „basic“. Aber deshalb habe ich um so mehr an der Struktur gearbeitet, die bei „Beau Fixe“ das Polsterteil hält. Ich mag es, an den technischen Kleinigkeiten zu arbeiten, auch wenn man das bei dem fertigen Objekt vielleicht nicht sieht. Meiner Meinung nach sollte man die Technik auch gar nicht sehen, sie ist lediglich ein interessanter Aspekt für den Designer. Wenn ein Produkt technisch aussieht, ist es langweilig. Mir drängt sich da der Vergleich mit Ballett-Tänzern auf: Wenn ihr Tanz technisch aussieht, ist es nicht Moderner Tanz, sondern lediglich eine Übung. Das gleiche gilt für Design.
Verbinden Sie persönlich etwas mit dem Typus Ohrensessel?

Sempé: Allerdings! Als Kind standen diese gemütlichen Sessel in einem Ferienhaus, in das wir immer gefahren sind. Wenn ich heute in so einem Sessel sitze, fühle ich mich gleich wohl. Dieses familiäre Gefühl und die Kindheitserinnerungen… Man kann auf so viele verschiedene Arten in so einem Sessel sitzen, wenn man klein ist. Aber dass ich diesen Möbeltypus besonders mag, hat es nicht einfacher gemacht, ihn auf eine neue Art zu gestalten. Ich wollte ja nichts Nostalgisches, das kann ich nämlich überhaupt nicht leiden.
Wie ist „Beau Fixe“ denn aufgebaut?

Sempé: Es gibt nur zwei Komponenten, das Metallgestell und die Polsterung. Das Gestell ist wie eine große Zange, die zwischen ihren Gabeln eine große einteilige Decke fasst. Diese Zange teilt und faltet die Decke in verschiedene Teile, die die Armlehnen, die Sitzfläche, die Rücklehne und die Ohren bilden. Ich wollte, dass die Struktur von den Füßen bis zum Kopfteil nicht nur dekorativ, sondern nützlich ist und sichtbar bleibt. So hat auch das fertige Möbel immer noch etwas von einer Skizze.
Gehören Sie denn zu den Designern, die noch mit der Hand zeichnen oder entwerfen Sie am Computer?

Sempé: Ich zeichne mit dem Stift, würde allerdings am Computer entwerfen, wenn ich es besser könnte. Aber wir Designer sind ja keine Illustratoren, keine professionellen Zeichner. Es geht um das Projekt und nicht um den Weg, wie wir zu dem finalen Entwurf kommen. Es gibt Personen, die behaupten, wenn man nicht gut zeichnen kann, könnte man keine guten Projekte machen. Das ist arrogant. Das Ergebnis hängt von deinem „Spirit“ ab, nicht der Technik.
Aber die Technik oder das technisches Know-how haben doch einen ganz großen Einfluss auf das fertige Produkt?

Sempé: Naja, ein Produkt ist letztlich immer das Ergebnis einer Kooperation, verschiedene Leute bringen ihr Fachwissen in den Gestaltungsprozess ein. Es geht ja darum, aus einer Zeichnung ein Produkt zu entwickeln. „Ruché“ ist für mich so ein Beispiel dafür. Ich fand den ersten Prototyp von „Ruché“ dermaßen langweilig, dass ich das gesamte Projekt stoppen wollte. Gemeinsam konnten wir die Entwicklung aber voran bringen. Das ist ein Grund, warum ich so gerne mit Ligne Roset zusammenarbeite, weil man bei ihnen direkt in der Fabrik mit dem ganzen Team das Produkt entwickeln kann.
Also ist die Arbeit am maßstabsgerechten Modell für Sie sehr wichtig?

Sempé: Auf jeden Fall! Kleine Modelle sehen immer toll aus. Was die Japaner mit ihrem Begriff „kawaii“ bezeichnen und damit „klein ist niedlich“ meinen, das gilt auch für Möbel. Da kann man die hässlichsten Sachen nehmen, sie auf Puppenhaus-Größe schrumpfen und schon sieht alles süß aus. Die Schwierigkeit liegt darin, gute Arbeit im Maßstab von eins-zu-eins zu machen.

Haben Sie auch die Bezugsstoffe für „Beau Fixe“ entworfen?

Sempé: Die Stoffe, mit denen „Beau Fixe“ jetzt bezogen ist, habe ich nicht gemacht. Aber ich habe einen Bezugsstoff mit einem kleinen Muster entworfen, nur leider ist er nicht mehr rechtzeitig fertig geworden.
Auf den ersten Blick wirken weder Sessel noch Sofa besonders gemütlich, man ist von dem weichen Sitzkomfort dann geradezu überrascht.

Sempé: Ein Sofa muss ja nicht unbedingt sehr soft aussehen, auch wenn es das ist. Bei „Ruché“ haben am Anfang auch viele gedacht, dass es eher nicht so weich ist, aber es ist wirklich sehr komfortabel. Als Designer kann man es sich nicht erlauben, ein Sofa zu entwerfen, das nicht bequem ist – es sei denn, es ist für Bereiche gedacht, wo Leute sich nicht zu lange aufhalten sollen. Aber sobald ein Sofa für eine häusliche Umgebung gedacht ist, muss es auch bequem sein.

Muss in Ihren Augen denn die Form der Funktionalität folgen?

Sempé: Jede Art von Form kann einer Funktion folgen. Ich mag keine ästhetischen Regeln, denn Ästhetik kann in so viele verschiedene Richtungen zielen. Ich gehe immer von der Funktion aus, aber ich finde, dass man das nicht sehen sollte. Wir brauchen mehr Freiheit als „form follows function“.
Mal abgesehen von Möbeln, was gestalten Sie noch gerne?

Sempé: Also Möbel designen, das mache ich eigentlich überhaupt nicht gerne. Es sind nicht die ersten Objekte, an die ich denke. Ich habe mich immer eher von kleinen Objekten angezogen gefühlt. Ich ziehe es vor, Leuchten zu entwerfen. Das gibt mir in kreativer Hinsicht viel mehr Spielraum als ein Möbel, das immer im Hinblick auf die Größe des menschlichen Körpers gestaltet werden muss. Aber letztlich ist jedes Objekt interessant, so lange das Unternehmen, mit dem man daran arbeitet, interessant ist. Für die norwegische Firma Røros Tweed habe ich zum Beispiel Wolldecken entworfen, für die italienische Marke Mutina Keramikfliesen. Wenn es eine Firma gäbe, die eine besondere Passion für die Herstellung von Schraubenziehern hätte, würde ich mit ihnen zusammenzuarbeiten! Leute, mit denen man zusammenarbeitet, sollten einem vertrauen, sonst vergeudet man zu viel Zeit und Energie. Ich bin natürlich in Nichts eine Expertin, aber wenn ich mich in ein Projekt stürze, dann werde ich zu einer.