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Allzweckwaffe String: Das System soll für jeden Wohnbereich die richtige Lösung parat haben. Foto © String
Flurbereinigung
von Adeline Seidel
1. Februar 2016
Er ist Durchgangs- und Empfangsbereich, Erschließungszone und Stauraum – und meist das erste, was man von einer Wohnung zu Gesicht bekommt: Der Flur. Während der Korridor, wie man in dem von Stephan Trüby kuratierten Teil der Ausstellung „Elements of Architecture“ der 14. Architekturbiennale von Venedig sehen und lesen konnte, erst mit der Industrialisierung und der aufkommenden Moderne zu einem zentralen Element der Architektur geworden ist, bleibt sein kleiner Bruder noch mit dem Entree oder der Eingangshalle verschwistert. Wird über den Korridor in Wohnungsbauten, Bürogebäuden, Fabriken, Krankenhäuser oder Gefängnissen der Gebrauch der Architektur organisiert, so spiegelt sich in der nüchternen Formulierung auch der Stellenwert des Flurs als „Verkehrsfläche“ wider. Tatsache ist: Ein bürgerlich-gediegenes Entree bleibt eine Rarität. Die Realität des Flurs ist klein, schmal und dunkel. Weil aber Wohnraum in den Städten immer teurer wird, ist jeder Quadratmeter wertvoll. Ungenutzte Restflächen kann man sich nicht leisten. Weswegen nun auch der Flur zu einem Teil des Wohnraums mutiert.

Zumindest legen das zahlreiche neue Produkte nahe, die auf der imm cologne 2016 zu bestaunen waren. Dass der Wohnungsflur kein Wohnraum zweiter Klasse ist, zeigt sich von jeher bei Herstellern wie String und Montana, deren Möbelsysteme in der gesamten Wohnung bella figura machen. Ob in der Küche oder im Bad, ob als Kleiderschrank, Büromöbel oder Wohnzimmerregal, ob als Stauraum für Bücher, Akten, Spirituosen oder Schuhe, Ort und Nutzung bleibt jedem selbst überlassen.

Ankommen und Ablegen

Pragmatische Einheitlichkeit ist freilich nicht alles. Im Flur darf durchaus kombiniert werden – mit Geschick, versteht sich. Das beginnt schon bei einer Ablage, die meist das erste ist, das man beim Betreten der Wohnung ansteuert. Schließlich hat man zumeist beide Hände voll. Schlüssel, Post, Tasche, Telefon – all das findet auf dem geradlinigen und schlichten „Drayton“ von e15 – ein weiterer hölzerner Kamerad aus der Chipperfield-Kollektion des Frankfurter Herstellers – einen Landeplatz. Gerade mal 35 Zentimeter tief, bietet das Sideboard trotzdem Platz genug für die kleinen Dinge des Alltags – und zudem für den einen oder anderen dekorativen Gegenstand. Kombiniert mit dem passenden Hocker „Langley“ kann man also in Ruhe ankommen. Wer hingegen eher schwungvoll nach Hause kommt, findet mit „Tub“ von Sebastian Herkner für Schönbuch das passende Pendant: Der Konsolentisch aus einem Massivholzgestell verfügt unterhalb der Ablageplatte über eine eingelassene, gebogene Stahlwanne, in der nonchalant der Schuh, aber auch alles andere landen kann, was man schnellst möglich loswerden will.

Hängen und Überwerfen

Wer im Flur keinen Platz für einen Garderobenschrank hat, der braucht eine ebenso elegante wie praktische Garderobe – eine lange Reihe von Jacken auf einer einfachen Stange macht selten einen guten Eindruck, und wohnlich ist solch eine Lösung auch nicht. Eine gelungene Alternative bietet „Sled“ von Daniel Wehrli, ebenfalls für Schönbuch und aus Vollholz. Die Wandgarderobe aus Eiche (in zwei Breiten und in Natur geölt oder offenporig schwarz lackiert) wirkt wie ein Bilderrahmen, der sich am oberen und unteren Ende von der Wand ablöst, als wäre es ihm dort zu heiß oder zu feucht geworden. Die raffinierte Biegung ergibt nicht nur ein schönes Schattenspiel, sie ist auch durchdacht, kann man den Mantel doch einfach mal über die Garderobe werfen, sollte kein Kleiderbügel zur Hand sein.

Ein Komplettpaket für’s Hängen, Überwerfen und Ablegen bietet Steffen Kehrle – und bringt zudem Farbe in den Flur. Sein Garderobenständer „Bazar“ für Richard Lampert ist ein praktischer Geselle in Schwarz, Grau, Weiß, Blutorange oder Narzissengelb. Der filigrane Zylinder aus dünnem Stahldraht, in dem ein flexibler Holzboden eingelegt werden kann, hat eine Höhe von 1,70 Meter und wirkt von allen Seiten ansprechend: „Der Trick von ,Bazar’ ist,“ erklärt der Designer, „dass der gesamte Raum zwischen Krone und Boden nutzbar ist. Durch die Konstruktion gibt es keine Fläche, die nicht als Stauraum dienen kann, von oben bis unten lassen sich Mäntel und Jacken hinhängen, Schals und Tücher dazwischenstopfen, Schlüssel und Handschuhe ablegen.“ Wem das immer noch nicht genug Garderobe ist oder wer ein wenig Struktur auf die Flurwand bringen möchte, der kombiniert den Ständer mit der „Bazar“-Wandgarderobe, die dieselbe Material- und Konstruktionssprache spricht und in drei Größen zu haben ist.

Sitzen und Schnüren

Wohin mit all den Schuhen? Nein, mit dieser Frage soll nicht das übliche Frauenklischee bedient, sondern in aller Ernsthaftigkeit die notwenige Unterbringungsmöglichkeit in einem jeden Flur angesprochen werden. Was hat man nicht schon alles gesehen: Plastikboxen, in die die Schuhe geworfen werden, ehemalige CD-Regale, die man umfunktioniert hat. Mal stapeln sich die Latschen unansehnlich unter einer Sitzbank, mal bilden sie entlang der Wand eine Reihe – was alles weder schön noch besonders praktisch ist. Abhilfe verspricht in diesem Fall „Shustack“ von den Müller Möbelwerkstätten – aus Metall und Birkenschichtholz und entworfen von Michael Hilgers. Das modulare Schuhregal gibt sich geschlossen in seiner Front und kann von beiden Seiten mit Schuhen gefüllt werden. Die schrägen Metallböden sparen Platz und zeichnen sich als Zickzack an der Front ab. Praktisch bei der stetig zunehmenden Zahl von Schuhen ist auch: „Shustack“ wächst mit. Die Höhe des Regals wird letztlich allein durch die Deckenhöhe begrenzt. Wer nichts vom Schuhwerk sehen möchte, der freut sich über die Truhe „Chest“ von Martin Hirth für Schönbuch. Das durchdachte Zwei-in-Eins-Produkt ist ein puristisches Sitzmöbel und in seinem Inneren mit zwei Schubladen versehen, die hinter einer einfachen Fläche versteckt sind. Hier finden Schuhe oder Schals ihren Platz und man kann auch mal bequem ein Telefonat auf der Bank zu Ende führen oder einen Blick in die Post werfen, denn auf „Chest“ sitzt es sich recht bequem.

Es mag kaum verwundern, dass die neuen Produkte für den Flur äußerst zweckmäßig sind; es gilt nun mal, einiges unterzubringen. Weil das Einsatzgebiet dieser Möbel aber nicht auf Wohnungsflur beschränkt bleibt, verleihen sie jedem Entree , jedem Korridor und jeder Verkehrsfläche, so dunkel sie auch sein mögen, einen wohnlichen und mitunter eleganten Charakter. Was den Herrn und die Dame des Hauses sowenig wie die Gäste nicht sogleich in die gute Stube treibt. Schließlich ist in einem schönen Flur gut ankommen.
Schlüssel, Post, Tasche, Telefon – all das findet auf dem geradlinigen und schlichten „Drayton“ von e15 aus der Chipperfield-Kollektion einen Landeplatz. Foto © Adeline Seidel, Stylepark
Steffen Kehrles Komplettpaket für’s Hängen, Überwerfen und Ablegen: „Bazar“ für Richard Lampert. Foto © Adeline Seidel, Stylepark
Die Wandgarderobe „Sled“ von Daniel Wehrli für Schönbuch aus Vollholz gibt es in zwei Breiten, in Natur geölt oder offenporig schwarz lackiert. Foto © Adeline Seidel, Stylepark
Sebastian Herkners "Tub" für Schönbuch. Foto © Kölnmesse
Praktisch bei der stetig zunehmenden Zahl von Schuhen ist auch: „Shustack“ wächst mit.
Foto © Müller Möbelwerkstätten
Auch mit dem System von Montana ist alles in der Wohnung möglich – und natürlich im Flur.
Foto © Montana
Produkte
e15: DRAYTON @ Stylepark
e15
DRAYTON
David Chipperfield
Müller Möbelwerkstätten: Shustack @ Stylepark
Müller Möbelwerkstätten
Shustack
Michael Hilgers
e15: LEIGHTON @ Stylepark
e15
LEIGHTON
David Chipperfield
Montana: Sideboard @ Stylepark
Montana
Sideboard
Peter J. Lassen
Müller Möbelwerkstätten: Kylie @ Stylepark
Müller Möbelwerkstätten
Kylie
zweigspann
Lampert: Bazar Wandgarderobe @ Stylepark
Lampert
Bazar Wandgarderobe
Steffen Kehrle
Lampert: Bazar Stehgarderobe @ Stylepark
Lampert
Bazar Stehgarderobe
Steffen Kehrle
Müller Möbelwerkstätten: Walker @ Stylepark
Müller Möbelwerkstätten
Walker
Sascha Sartory
Montana: Hall @ Stylepark
Montana
Hall
Peter J. Lassen
String: string® pocket @ Stylepark
String
string® pocket
Nisse Strinning
News & Stories › 2016 › Februar
Flurbereinigung
von Adeline Seidel | 1. Februar 2016
Wohnraum ist kostbar, weshalb Flure oft klein und dunkel ausfallen. Das Entree kann aber auch einladend, aufgeräumt und elegant gestaltet werden.
Er ist Durchgangs- und Empfangsbereich, Erschließungszone und Stauraum – und meist das erste, was man von einer Wohnung zu Gesicht bekommt: Der Flur. Während der Korridor, wie man in dem von Stephan Trüby kuratierten Teil der Ausstellung „Elements of Architecture“ der 14. Architekturbiennale von Venedig sehen und lesen konnte, erst mit der Industrialisierung und der aufkommenden Moderne zu einem zentralen Element der Architektur geworden ist, bleibt sein kleiner Bruder noch mit dem Entree oder der Eingangshalle verschwistert. Wird über den Korridor in Wohnungsbauten, Bürogebäuden, Fabriken, Krankenhäuser oder Gefängnissen der Gebrauch der Architektur organisiert, so spiegelt sich in der nüchternen Formulierung auch der Stellenwert des Flurs als „Verkehrsfläche“ wider. Tatsache ist: Ein bürgerlich-gediegenes Entree bleibt eine Rarität. Die Realität des Flurs ist klein, schmal und dunkel. Weil aber Wohnraum in den Städten immer teurer wird, ist jeder Quadratmeter wertvoll. Ungenutzte Restflächen kann man sich nicht leisten. Weswegen nun auch der Flur zu einem Teil des Wohnraums mutiert.

Zumindest legen das zahlreiche neue Produkte nahe, die auf der imm cologne 2016 zu bestaunen waren. Dass der Wohnungsflur kein Wohnraum zweiter Klasse ist, zeigt sich von jeher bei Herstellern wie String und Montana, deren Möbelsysteme in der gesamten Wohnung bella figura machen. Ob in der Küche oder im Bad, ob als Kleiderschrank, Büromöbel oder Wohnzimmerregal, ob als Stauraum für Bücher, Akten, Spirituosen oder Schuhe, Ort und Nutzung bleibt jedem selbst überlassen.

Ankommen und Ablegen

Pragmatische Einheitlichkeit ist freilich nicht alles. Im Flur darf durchaus kombiniert werden – mit Geschick, versteht sich. Das beginnt schon bei einer Ablage, die meist das erste ist, das man beim Betreten der Wohnung ansteuert. Schließlich hat man zumeist beide Hände voll. Schlüssel, Post, Tasche, Telefon – all das findet auf dem geradlinigen und schlichten „Drayton“ von e15 – ein weiterer hölzerner Kamerad aus der Chipperfield-Kollektion des Frankfurter Herstellers – einen Landeplatz. Gerade mal 35 Zentimeter tief, bietet das Sideboard trotzdem Platz genug für die kleinen Dinge des Alltags – und zudem für den einen oder anderen dekorativen Gegenstand. Kombiniert mit dem passenden Hocker „Langley“ kann man also in Ruhe ankommen. Wer hingegen eher schwungvoll nach Hause kommt, findet mit „Tub“ von Sebastian Herkner für Schönbuch das passende Pendant: Der Konsolentisch aus einem Massivholzgestell verfügt unterhalb der Ablageplatte über eine eingelassene, gebogene Stahlwanne, in der nonchalant der Schuh, aber auch alles andere landen kann, was man schnellst möglich loswerden will.

Hängen und Überwerfen

Wer im Flur keinen Platz für einen Garderobenschrank hat, der braucht eine ebenso elegante wie praktische Garderobe – eine lange Reihe von Jacken auf einer einfachen Stange macht selten einen guten Eindruck, und wohnlich ist solch eine Lösung auch nicht. Eine gelungene Alternative bietet „Sled“ von Daniel Wehrli, ebenfalls für Schönbuch und aus Vollholz. Die Wandgarderobe aus Eiche (in zwei Breiten und in Natur geölt oder offenporig schwarz lackiert) wirkt wie ein Bilderrahmen, der sich am oberen und unteren Ende von der Wand ablöst, als wäre es ihm dort zu heiß oder zu feucht geworden. Die raffinierte Biegung ergibt nicht nur ein schönes Schattenspiel, sie ist auch durchdacht, kann man den Mantel doch einfach mal über die Garderobe werfen, sollte kein Kleiderbügel zur Hand sein.

Ein Komplettpaket für’s Hängen, Überwerfen und Ablegen bietet Steffen Kehrle – und bringt zudem Farbe in den Flur. Sein Garderobenständer „Bazar“ für Richard Lampert ist ein praktischer Geselle in Schwarz, Grau, Weiß, Blutorange oder Narzissengelb. Der filigrane Zylinder aus dünnem Stahldraht, in dem ein flexibler Holzboden eingelegt werden kann, hat eine Höhe von 1,70 Meter und wirkt von allen Seiten ansprechend: „Der Trick von ,Bazar’ ist,“ erklärt der Designer, „dass der gesamte Raum zwischen Krone und Boden nutzbar ist. Durch die Konstruktion gibt es keine Fläche, die nicht als Stauraum dienen kann, von oben bis unten lassen sich Mäntel und Jacken hinhängen, Schals und Tücher dazwischenstopfen, Schlüssel und Handschuhe ablegen.“ Wem das immer noch nicht genug Garderobe ist oder wer ein wenig Struktur auf die Flurwand bringen möchte, der kombiniert den Ständer mit der „Bazar“-Wandgarderobe, die dieselbe Material- und Konstruktionssprache spricht und in drei Größen zu haben ist.

Sitzen und Schnüren

Wohin mit all den Schuhen? Nein, mit dieser Frage soll nicht das übliche Frauenklischee bedient, sondern in aller Ernsthaftigkeit die notwenige Unterbringungsmöglichkeit in einem jeden Flur angesprochen werden. Was hat man nicht schon alles gesehen: Plastikboxen, in die die Schuhe geworfen werden, ehemalige CD-Regale, die man umfunktioniert hat. Mal stapeln sich die Latschen unansehnlich unter einer Sitzbank, mal bilden sie entlang der Wand eine Reihe – was alles weder schön noch besonders praktisch ist. Abhilfe verspricht in diesem Fall „Shustack“ von den Müller Möbelwerkstätten – aus Metall und Birkenschichtholz und entworfen von Michael Hilgers. Das modulare Schuhregal gibt sich geschlossen in seiner Front und kann von beiden Seiten mit Schuhen gefüllt werden. Die schrägen Metallböden sparen Platz und zeichnen sich als Zickzack an der Front ab. Praktisch bei der stetig zunehmenden Zahl von Schuhen ist auch: „Shustack“ wächst mit. Die Höhe des Regals wird letztlich allein durch die Deckenhöhe begrenzt. Wer nichts vom Schuhwerk sehen möchte, der freut sich über die Truhe „Chest“ von Martin Hirth für Schönbuch. Das durchdachte Zwei-in-Eins-Produkt ist ein puristisches Sitzmöbel und in seinem Inneren mit zwei Schubladen versehen, die hinter einer einfachen Fläche versteckt sind. Hier finden Schuhe oder Schals ihren Platz und man kann auch mal bequem ein Telefonat auf der Bank zu Ende führen oder einen Blick in die Post werfen, denn auf „Chest“ sitzt es sich recht bequem.

Es mag kaum verwundern, dass die neuen Produkte für den Flur äußerst zweckmäßig sind; es gilt nun mal, einiges unterzubringen. Weil das Einsatzgebiet dieser Möbel aber nicht auf Wohnungsflur beschränkt bleibt, verleihen sie jedem Entree , jedem Korridor und jeder Verkehrsfläche, so dunkel sie auch sein mögen, einen wohnlichen und mitunter eleganten Charakter. Was den Herrn und die Dame des Hauses sowenig wie die Gäste nicht sogleich in die gute Stube treibt. Schließlich ist in einem schönen Flur gut ankommen.