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Frankfurter Hochhäuser
1970 bis 1980
6. November 2014

Wie kam es, dass gerade Frankfurt am Main nach dem Zweiten Weltkrieg als erste und lange Zeit einzige deutsche Stadt himmelwärts strebte und mittlerweile eine sehenswerte Skyline besitzt? Das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt am Main geht dieser Frage nach und setzt sich mit der Hochhausgeschichte der Stadt in der Ausstellung „Himmelstürmend. Hochhausstadt Frankfurt“ auseinander.


Für uns Anlass genug, einige Hochhäuser aus verschiedenen Jahrzehnten vorzustellen, die das Gesicht der Stadt am Main heute prägen. Zur Ausstellungseröffnung am 7. November 2014 erscheint auch die begleitende Publikation „Hochhausstadt Frankfurt. Bauten und Visionen seit 1945“, der wir die folgenden Texte und Bilder entnommen haben.

Abbildung © Archiv Wayss & Freytag Ingenieurbau AG, Frankfurt am Main
Westend Gate (Marriott Hotel)
Architekt: Siegfried Hoyer
Höhe: 159 Meter || Geschosse: 47 || Gebaut: 1972-1976 ||

Die drei zueinander versetzten Hochhausscheiben des Westend-Gate sind besser bekannt als Marriott-Hotel, das dort seit 1989 die oberen Etagen mietet. Die dunklen Vorhangfassaden des Hotel- und Bürohochhauses bestehen aus Fenster- und Brüstungselementen, die ein gliederndes Raster bilden. Helle Seitenflächen schließen das Gebäude an den Schmalseiten ab. Ein früherer Entwurf für denselben Standort von Egon Eiermann aus dem Jahr 1964 sah hingegen zwei freistehende abgewinkelte Türme vor, deren gemeinsames Nottreppenhaus über verglaste Brücken zu erreichen gewesen wäre.
(Myriam Pflugmann)
Abbildung © DAM Sammlung, Foto: Jutta Hofmann
Eurotower
Architekten: Richard Heil und Partner, Erwin Müller, Heinrich Kempf
Höhe: 148 Meter || Geschosse: 40 || Gebaut: 1971-1977 ||

Nachdem die Kapazität der Zentrale der Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) an der Mainzer Landstraße nicht mehr ausreichte, begann 1969 die Neubauplanung
mit einer Exkursion nach New York und Chicago. Ziel der gewerkschaftsnahen BfG war, ein ästhetisch anspruchsvolles Gebäude zwischen Moderne und Postmoderne zu errichten, das sich gegenüber den Hochhäusern der Geschäftsbanken behaupten kann. Über drei Sockelgeschossen, die bis 1994 ein öffentliches Einkaufszentrum mit U-Bahn-Zugang beherbergten, thront ein prismenförmiger Büroturm mit komplexem Grundriss. Der Gebäudekomplex wirkt elegant und aufstrebend, nicht zuletzt durch seine vertikale Fassadengestaltung, an deren Entwurf der damalige Planungsdezernent Hanns Adrian mitgewirkt haben soll. 1994 wurde das Gebäude grundlegend saniert, die öffentlichen Bereiche rückgebaut und ein vergleichs-weise kleiner öffentlicher Pavillon zum Park errichtet. Seitdem steht der Turm im Zeichen des Euro: Nach dem Europäischen Währungsinstitut und der EZB wird nun die europäische Bankenaufsicht einziehen.
(Philipp Sturm)
Abbildung © Baukultur, 2, 1984, S. 3
Silberturm
Architekten: ABB Architekten Beckert, Becker, Partner Hanig, Scheid, Schmidt
Höhe: 166 Meter || Geschosse: 32 || Gebaut: 1972-1978 ||

Nachdem die bisherigen Räumlichkeiten der Dresdner Bank, der Zinßerturm sowie das Verwaltungsgebäude an der Gallusanlage 8, zu klein geworden waren, plante die Bank einen 32-geschossigen Neubau. Das Stadtparlament bewilligte jedoch nur 25 Geschosse im gründerzeitlichen Bahnhofsviertel. Da der Rohbau zu gedrungen wirkte, reichte die Stadt die Genehmigung für die Ursprungsplanung nach. Der aufgrund seiner matt glänzenden Aluminiumfassade heute als Silberturm bezeichnete Bau gliedert sich in zwei quadratische, punktsymmetrisch angeordnete und gegeneinander versetzte Baukörper, die zwischen zwei Versorgungstürmen eingehängt sind. Die abgerundeten Ecken, die helle Farbgebung der Verkleidung sowie die ausgestanzten Fenster und der spiegelnde Sonnenschutz geben dem Turm sein futuristisches Aussehen. Ein Brunnenensemble des Bildhauers Heinz Mack grenzt den nach dem ehemaligen Vorstandssprecher Jürgen Ponto benannten Vorplatz zur Weserstraße ab. Auch die ursprüngliche Innenausstattung spiegelte die zukunftsweisende Entwurfshaltung der Planer wider. Diese baute auf dem Corporate Design der Dresdner Bank auf, das ABB in Zusammenarbeit mit Otl Aicher konzipiert hatten: Unter Berücksichtigung neuester arbeits-psychologischer Erkenntnisse wurden eine offene Bürolandschaft mit Arbeitsinseln sowie ein flexibles Möbelsystem entwickelt, das es erlaubte, jeden Arbeitsplatz individuell zu gestalten. Beruhigende, an die Hausfarbe der Dresdner Bank erinnernde Grüntöne und eine helle sandfarbene Einrichtung sowie ein Schwimmbad und ein Auditorium im 31. Geschoss sollten eine menschliche Arbeitswelt schaffen. Um heutige energetische Standards zu erfüllen, erfuhr der Büroturm, der gegenwärtig von der Deutschen Bahn genutzt wird, in den Jahren 2009 bis 2011 eine Sanierung.
(Evelyn Steiner)
Abbildung © Historisches Archiv der Commerzbank, Frankfurt am Main
Bürohaus Neue Mainzer Straße 32–36
bis 1997 Commerzbank-Zentrale
Architekten: Richard Heil und Partner, Erwin Müller, Heinrich Kempf
Höhe: 109 Meter || Geschosse: 28 || Gebaut: 1970-1973 ||

Der Hauptsitz der Commerzbank (bis 1929 Mitteldeutsche Creditbank) befand sich ursprünglich in einem klassizistischen Bankgebäude (1905) von Eugen Rückgauer in der Neuen Mainzer Straße. Zu Beginn der 1950er-Jahre ließ Otto Bieger an der Ecke zur Großen Gallusstraße sein Tapeten- und Gardinengeschäft, das soge-nannte Bieger-Haus, errichten. Die Commerzbank baute 1960 auf dem Nachbargrundstück einen 7-geschossigen Erweiterungsbau. Nur sechs Jahre später wuchs im Vorstand der Commerzbank der Wunsch, die Belegschaft in einem einzigen Gebäude zusammenzuziehen. Sieben Architekturbüros wurden zu einem Wettbewerb eingeladen: die Frankfurter Walter Maria Schultz, ABB Architekten & Partner Scheid, Max Meid & Helmut Romeick sowie Richard Heil, die Düsseldorfer HPP sowie Heinrich Rosskotten & Edgar Tritthart, und als internationaler Architekt Ludwig Mies van der Rohe. Ziel war es, ein Gebäude zu finden, dass nach dem Vorbild von Mies’ New Yorker Seagram Building (1958) eine »repräsentative, unaufdringliche Architektur« mit geringen Verkehrswegen und der besten Ausnutzung des Grundstücks erreichen sollte. Die Entwürfe sahen alle einen Turm vor, entweder freistehend oder verbunden mit einem niedrigeren Sockelbau. Einzig Mies van der Rohe, der nur selten an Wettbewerben teilgenommen hatte und sich zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend aus dem Berufsalltag zurückgezogen hatte, schlug eine Aufteilung in zwei separate Gebäude vor: einen 127 Meter hohen Büroturm an der Neuen Mainzer Landstraße und einen eingeschossigen Pavillon an der Großen Gallusstraße. Der konkrete Frankfurter Entwurf stammt allerdings von seinem Mitarbeiter und Enkel Dirk Lohan. Wie schon bei dem Chicago Federal Center (1964–1974) und dem Toronto Dominion Center (1967/1969) sollten die Gebäude durch eine unterirdische Passage verbunden werden. Als einer der letzten und nahezu unbekannten Entwürfe – Mies starb 1969 – ist dieser eine Zusammenfassung der Elemente, die ihn sein Leben lang
beschäftigt hatten und für die er eine allgemeingültige Lösung entwickelt hatte: das Stahlskelett und dessen Übersetzung in Rasterfassaden, der aufgeständerte Turm über einem verglasten Erdgeschoss und der Pavillon mit seinen Bezügen zur Umgebung. Der Platz, den Mies vor dem Hochhaus vorsah, hätte die heute bestehende ›Bankenklamm‹ mit einem Ausblick auf den Pavillon geöffnet. Es wäre sein einziges Hochhaus in Deutschland gewesen.Der Vorstand war jedoch mit der Ausnutzung des Baugrunds nicht einverstanden und die Entscheidung fiel auf Richard Heil, nicht zuletzt weil dieser »aufgrund seiner guten Kontakte zur Stadtverwaltung eine optimale Ausnutzung der knappen Grundstücksfläche anbieten konnte«. Die Planung begann im Dezember 1968, mit dem
Bau wurde im Juni 1970 begonnen. Über dem Sockel, der sich an der Traufhöhe der benachbarten Gründerzeitbauten orientierte, errichtete Heil zwei zusammenhängende und gegeneinander versetzte Scheiben und integrierte das 1960 fertiggestellte Gebäude von Schultz in den Gesamtkomplex. Das Leitsystem für die Großraumbüros wurde von Olaf Leu entwickelt. Nach dem Vorbild des Seagram Building wurde die Fassade mit eloxiertem, bronzefarbenem Aluminium verkleidet. Mies van der Rohes Einfluss war so auch ohne seine direkte Beteiligung sichtbar.
(Teresa Fankhänel)

Himmelstürmend. Hochausstadt Frankfurt
8. November 2014 bis 19. April 2015
Architekturmuseum Frankfurt am Main
www.dam-online.de

Hochhausstadt Frankfurt – Bauten und Visionen seit 1945
Philipp Sturm (Hrsg.), Peter Cachola Schmal (Hrsg.)
Geb., 320 S., 232 Abb.
Prestel Verlag
49,95 Euro
Architektur › 2014 › November
Frankfurter Hochhäuser
1970 bis 1980
6. November 2014
Häuser von nicht unerheblicher und deshalb erwähnenswerter Höhe hat Frankfurt am Main einige zu bieten. Was aber ist da alles gen Himmel gewachsen? Wir stellen Ihnen die wichtigsten Bauten vor, sortiert nach Jahrzehnten.

Wie kam es, dass gerade Frankfurt am Main nach dem Zweiten Weltkrieg als erste und lange Zeit einzige deutsche Stadt himmelwärts strebte und mittlerweile eine sehenswerte Skyline besitzt? Das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt am Main geht dieser Frage nach und setzt sich mit der Hochhausgeschichte der Stadt in der Ausstellung „Himmelstürmend. Hochhausstadt Frankfurt“ auseinander.


Für uns Anlass genug, einige Hochhäuser aus verschiedenen Jahrzehnten vorzustellen, die das Gesicht der Stadt am Main heute prägen. Zur Ausstellungseröffnung am 7. November 2014 erscheint auch die begleitende Publikation „Hochhausstadt Frankfurt. Bauten und Visionen seit 1945“, der wir die folgenden Texte und Bilder entnommen haben.

Westend Gate (Marriott Hotel)
Architekt: Siegfried Hoyer
Höhe: 159 Meter || Geschosse: 47 || Gebaut: 1972-1976 ||

Die drei zueinander versetzten Hochhausscheiben des Westend-Gate sind besser bekannt als Marriott-Hotel, das dort seit 1989 die oberen Etagen mietet. Die dunklen Vorhangfassaden des Hotel- und Bürohochhauses bestehen aus Fenster- und Brüstungselementen, die ein gliederndes Raster bilden. Helle Seitenflächen schließen das Gebäude an den Schmalseiten ab. Ein früherer Entwurf für denselben Standort von Egon Eiermann aus dem Jahr 1964 sah hingegen zwei freistehende abgewinkelte Türme vor, deren gemeinsames Nottreppenhaus über verglaste Brücken zu erreichen gewesen wäre.
(Myriam Pflugmann)
Eurotower
Architekten: Richard Heil und Partner, Erwin Müller, Heinrich Kempf
Höhe: 148 Meter || Geschosse: 40 || Gebaut: 1971-1977 ||

Nachdem die Kapazität der Zentrale der Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) an der Mainzer Landstraße nicht mehr ausreichte, begann 1969 die Neubauplanung
mit einer Exkursion nach New York und Chicago. Ziel der gewerkschaftsnahen BfG war, ein ästhetisch anspruchsvolles Gebäude zwischen Moderne und Postmoderne zu errichten, das sich gegenüber den Hochhäusern der Geschäftsbanken behaupten kann. Über drei Sockelgeschossen, die bis 1994 ein öffentliches Einkaufszentrum mit U-Bahn-Zugang beherbergten, thront ein prismenförmiger Büroturm mit komplexem Grundriss. Der Gebäudekomplex wirkt elegant und aufstrebend, nicht zuletzt durch seine vertikale Fassadengestaltung, an deren Entwurf der damalige Planungsdezernent Hanns Adrian mitgewirkt haben soll. 1994 wurde das Gebäude grundlegend saniert, die öffentlichen Bereiche rückgebaut und ein vergleichs-weise kleiner öffentlicher Pavillon zum Park errichtet. Seitdem steht der Turm im Zeichen des Euro: Nach dem Europäischen Währungsinstitut und der EZB wird nun die europäische Bankenaufsicht einziehen.
(Philipp Sturm)
Silberturm
Architekten: ABB Architekten Beckert, Becker, Partner Hanig, Scheid, Schmidt
Höhe: 166 Meter || Geschosse: 32 || Gebaut: 1972-1978 ||

Nachdem die bisherigen Räumlichkeiten der Dresdner Bank, der Zinßerturm sowie das Verwaltungsgebäude an der Gallusanlage 8, zu klein geworden waren, plante die Bank einen 32-geschossigen Neubau. Das Stadtparlament bewilligte jedoch nur 25 Geschosse im gründerzeitlichen Bahnhofsviertel. Da der Rohbau zu gedrungen wirkte, reichte die Stadt die Genehmigung für die Ursprungsplanung nach. Der aufgrund seiner matt glänzenden Aluminiumfassade heute als Silberturm bezeichnete Bau gliedert sich in zwei quadratische, punktsymmetrisch angeordnete und gegeneinander versetzte Baukörper, die zwischen zwei Versorgungstürmen eingehängt sind. Die abgerundeten Ecken, die helle Farbgebung der Verkleidung sowie die ausgestanzten Fenster und der spiegelnde Sonnenschutz geben dem Turm sein futuristisches Aussehen. Ein Brunnenensemble des Bildhauers Heinz Mack grenzt den nach dem ehemaligen Vorstandssprecher Jürgen Ponto benannten Vorplatz zur Weserstraße ab. Auch die ursprüngliche Innenausstattung spiegelte die zukunftsweisende Entwurfshaltung der Planer wider. Diese baute auf dem Corporate Design der Dresdner Bank auf, das ABB in Zusammenarbeit mit Otl Aicher konzipiert hatten: Unter Berücksichtigung neuester arbeits-psychologischer Erkenntnisse wurden eine offene Bürolandschaft mit Arbeitsinseln sowie ein flexibles Möbelsystem entwickelt, das es erlaubte, jeden Arbeitsplatz individuell zu gestalten. Beruhigende, an die Hausfarbe der Dresdner Bank erinnernde Grüntöne und eine helle sandfarbene Einrichtung sowie ein Schwimmbad und ein Auditorium im 31. Geschoss sollten eine menschliche Arbeitswelt schaffen. Um heutige energetische Standards zu erfüllen, erfuhr der Büroturm, der gegenwärtig von der Deutschen Bahn genutzt wird, in den Jahren 2009 bis 2011 eine Sanierung.
(Evelyn Steiner)
Bürohaus Neue Mainzer Straße 32–36
bis 1997 Commerzbank-Zentrale
Architekten: Richard Heil und Partner, Erwin Müller, Heinrich Kempf
Höhe: 109 Meter || Geschosse: 28 || Gebaut: 1970-1973 ||

Der Hauptsitz der Commerzbank (bis 1929 Mitteldeutsche Creditbank) befand sich ursprünglich in einem klassizistischen Bankgebäude (1905) von Eugen Rückgauer in der Neuen Mainzer Straße. Zu Beginn der 1950er-Jahre ließ Otto Bieger an der Ecke zur Großen Gallusstraße sein Tapeten- und Gardinengeschäft, das soge-nannte Bieger-Haus, errichten. Die Commerzbank baute 1960 auf dem Nachbargrundstück einen 7-geschossigen Erweiterungsbau. Nur sechs Jahre später wuchs im Vorstand der Commerzbank der Wunsch, die Belegschaft in einem einzigen Gebäude zusammenzuziehen. Sieben Architekturbüros wurden zu einem Wettbewerb eingeladen: die Frankfurter Walter Maria Schultz, ABB Architekten & Partner Scheid, Max Meid & Helmut Romeick sowie Richard Heil, die Düsseldorfer HPP sowie Heinrich Rosskotten & Edgar Tritthart, und als internationaler Architekt Ludwig Mies van der Rohe. Ziel war es, ein Gebäude zu finden, dass nach dem Vorbild von Mies’ New Yorker Seagram Building (1958) eine »repräsentative, unaufdringliche Architektur« mit geringen Verkehrswegen und der besten Ausnutzung des Grundstücks erreichen sollte. Die Entwürfe sahen alle einen Turm vor, entweder freistehend oder verbunden mit einem niedrigeren Sockelbau. Einzig Mies van der Rohe, der nur selten an Wettbewerben teilgenommen hatte und sich zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend aus dem Berufsalltag zurückgezogen hatte, schlug eine Aufteilung in zwei separate Gebäude vor: einen 127 Meter hohen Büroturm an der Neuen Mainzer Landstraße und einen eingeschossigen Pavillon an der Großen Gallusstraße. Der konkrete Frankfurter Entwurf stammt allerdings von seinem Mitarbeiter und Enkel Dirk Lohan. Wie schon bei dem Chicago Federal Center (1964–1974) und dem Toronto Dominion Center (1967/1969) sollten die Gebäude durch eine unterirdische Passage verbunden werden. Als einer der letzten und nahezu unbekannten Entwürfe – Mies starb 1969 – ist dieser eine Zusammenfassung der Elemente, die ihn sein Leben lang
beschäftigt hatten und für die er eine allgemeingültige Lösung entwickelt hatte: das Stahlskelett und dessen Übersetzung in Rasterfassaden, der aufgeständerte Turm über einem verglasten Erdgeschoss und der Pavillon mit seinen Bezügen zur Umgebung. Der Platz, den Mies vor dem Hochhaus vorsah, hätte die heute bestehende ›Bankenklamm‹ mit einem Ausblick auf den Pavillon geöffnet. Es wäre sein einziges Hochhaus in Deutschland gewesen.Der Vorstand war jedoch mit der Ausnutzung des Baugrunds nicht einverstanden und die Entscheidung fiel auf Richard Heil, nicht zuletzt weil dieser »aufgrund seiner guten Kontakte zur Stadtverwaltung eine optimale Ausnutzung der knappen Grundstücksfläche anbieten konnte«. Die Planung begann im Dezember 1968, mit dem
Bau wurde im Juni 1970 begonnen. Über dem Sockel, der sich an der Traufhöhe der benachbarten Gründerzeitbauten orientierte, errichtete Heil zwei zusammenhängende und gegeneinander versetzte Scheiben und integrierte das 1960 fertiggestellte Gebäude von Schultz in den Gesamtkomplex. Das Leitsystem für die Großraumbüros wurde von Olaf Leu entwickelt. Nach dem Vorbild des Seagram Building wurde die Fassade mit eloxiertem, bronzefarbenem Aluminium verkleidet. Mies van der Rohes Einfluss war so auch ohne seine direkte Beteiligung sichtbar.
(Teresa Fankhänel)

Himmelstürmend. Hochausstadt Frankfurt
8. November 2014 bis 19. April 2015
Architekturmuseum Frankfurt am Main
www.dam-online.de

Hochhausstadt Frankfurt – Bauten und Visionen seit 1945
Philipp Sturm (Hrsg.), Peter Cachola Schmal (Hrsg.)
Geb., 320 S., 232 Abb.
Prestel Verlag
49,95 Euro
Bürohaus Neue Mainzer Straße 32–36
bis 1997 Commerzbank-Zentrale
Architekten: Richard Heil und Partner, Erwin Müller, Heinrich Kempf
Höhe: 109 Meter || Geschosse: 28 || Gebaut: 1970-1973 ||

Der Hauptsitz der Commerzbank (bis 1929 Mitteldeutsche Creditbank) befand sich ursprünglich in einem klassizistischen Bankgebäude (1905) von Eugen Rückgauer in der Neuen Mainzer Straße. Zu Beginn der 1950er-Jahre ließ Otto Bieger an der Ecke zur Großen Gallusstraße sein Tapeten- und Gardinengeschäft, das soge-nannte Bieger-Haus, errichten. Die Commerzbank baute 1960 auf dem Nachbargrundstück einen 7-geschossigen Erweiterungsbau. Nur sechs Jahre später wuchs im Vorstand der Commerzbank der Wunsch, die Belegschaft in einem einzigen Gebäude zusammenzuziehen. Sieben Architekturbüros wurden zu einem Wettbewerb eingeladen: die Frankfurter Walter Maria Schultz, ABB Architekten & Partner Scheid, Max Meid & Helmut Romeick sowie Richard Heil, die Düsseldorfer HPP sowie Heinrich Rosskotten & Edgar Tritthart, und als internationaler Architekt Ludwig Mies van der Rohe. Ziel war es, ein Gebäude zu finden, dass nach dem Vorbild von Mies’ New Yorker Seagram Building (1958) eine »repräsentative, unaufdringliche Architektur« mit geringen Verkehrswegen und der besten Ausnutzung des Grundstücks erreichen sollte. Die Entwürfe sahen alle einen Turm vor, entweder freistehend oder verbunden mit einem niedrigeren Sockelbau. Einzig Mies van der Rohe, der nur selten an Wettbewerben teilgenommen hatte und sich zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend aus dem Berufsalltag zurückgezogen hatte, schlug eine Aufteilung in zwei separate Gebäude vor: einen 127 Meter hohen Büroturm an der Neuen Mainzer Landstraße und einen eingeschossigen Pavillon an der Großen Gallusstraße. Der konkrete Frankfurter Entwurf stammt allerdings von seinem Mitarbeiter und Enkel Dirk Lohan. Wie schon bei dem Chicago Federal Center (1964–1974) und dem Toronto Dominion Center (1967/1969) sollten die Gebäude durch eine unterirdische Passage verbunden werden. Als einer der letzten und nahezu unbekannten Entwürfe – Mies starb 1969 – ist dieser eine Zusammenfassung der Elemente, die ihn sein Leben lang
beschäftigt hatten und für die er eine allgemeingültige Lösung entwickelt hatte: das Stahlskelett und dessen Übersetzung in Rasterfassaden, der aufgeständerte Turm über einem verglasten Erdgeschoss und der Pavillon mit seinen Bezügen zur Umgebung. Der Platz, den Mies vor dem Hochhaus vorsah, hätte die heute bestehende ›Bankenklamm‹ mit einem Ausblick auf den Pavillon geöffnet. Es wäre sein einziges Hochhaus in Deutschland gewesen.Der Vorstand war jedoch mit der Ausnutzung des Baugrunds nicht einverstanden und die Entscheidung fiel auf Richard Heil, nicht zuletzt weil dieser »aufgrund seiner guten Kontakte zur Stadtverwaltung eine optimale Ausnutzung der knappen Grundstücksfläche anbieten konnte«. Die Planung begann im Dezember 1968, mit dem
Bau wurde im Juni 1970 begonnen. Über dem Sockel, der sich an der Traufhöhe der benachbarten Gründerzeitbauten orientierte, errichtete Heil zwei zusammenhängende und gegeneinander versetzte Scheiben und integrierte das 1960 fertiggestellte Gebäude von Schultz in den Gesamtkomplex. Das Leitsystem für die Großraumbüros wurde von Olaf Leu entwickelt. Nach dem Vorbild des Seagram Building wurde die Fassade mit eloxiertem, bronzefarbenem Aluminium verkleidet. Mies van der Rohes Einfluss war so auch ohne seine direkte Beteiligung sichtbar.
(Teresa Fankhänel)


Himmelstürmend. Hochausstadt Frankfurt

8. November 2014 bis 19. April 2015
Architekturmuseum Frankfurt am Main
www.dam-online.de

Hochhausstadt Frankfurt – Bauten und Visionen seit 1945
Philipp Sturm (Hrsg.), Peter Cachola Schmal (Hrsg.)
Geb., 320 S., 232 Abb.
Prestel Verlag
49,95 Euro