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Frankfurter Hochhäuser
1980 bis 1990
6. November 2014

Wie kam es, dass gerade Frankfurt am Main nach dem Zweiten Weltkrieg als erste und lange Zeit einzige deutsche Stadt himmelwärts strebte und mittlerweile eine sehenswerte Skyline besitzt? Das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt am Main geht dieser Frage nach und setzt sich mit der Hochhausgeschichte der Stadt in der Ausstellung „Himmelstürmend. Hochhausstadt Frankfurt“ auseinander.


Für uns Anlass genug, einige Hochhäuser aus verschiedenen Jahrzehnten vorzustellen, die das Gesicht der Stadt am Main heute prägen. Zur Ausstellungseröffnung am 7. November 2014 erscheint auch die begleitende Publikation „Hochhausstadt Frankfurt. Bauten und Visionen seit 1945“, der wir die folgenden Texte und Bilder entnommen haben.

Abbildung © Institut für Stadtgeschichte, Frankfurt am Main, Foto: Klaus Meier-Ude
Frankfurter Büro Center (FBC)
Architekten: Richard Heil und Partner, Erwin Müller, Heinrich Kempf
Höhe: 142 Meter || Geschosse: 40 || Gebaut: 1973-1981 ||

Das FBC ist ein Beispiel für die Hochhausarchitektur der Nachkriegsmoderne. Richard Heils nüchterner Stahlskelettbau mit Glas-Stahl-Fassade betont die vertikalen Linien, nur das fensterlose Technikgeschoss im 15. Stock durchbricht als horizontales Granitband die Glasfront. Der schlanke Grundriss sorgt für Tageslicht im ganzen Turm. Bereits in der Planungsphase war das FBC in der Stadtverwaltung und der Bürgerschaft umstritten. 1975 wurden die Bauarbeiten unterbrochen, der bereits 140 Meter hohe Rohbau der Bauherren Simon Preisler und Isidor Herskovits ragte als »Frankfurts größte Spekulationsruine« in den Himmel. Nach vier Jahren Stillstand und Zwangsversteigerung an ECE Projektmanagement öffnete das FBC 1981 seine Büroflächen. Seit 2012 bindet ein offener Vorbau mit Lichtdach das Hochhaus stärker in seine Umgebung ein.
(Bernhard Unterholzner)
Abbildung © HOCHTIEF Archiv, Essen, Foto: Wolfgang Kleber
Messe Torhaus
Architekten: Oswald Mathias Ungers with Jo. Franzke, Alfram von Hoessle, Max Dudler
Höhe: 117 Meter || Geschosse: 30 || Gebaut: 1983/84 ||

Das sogenannte Torhaus liegt im Zentrum der Frankfurter Messe. Das dreieckige Grundstück grenzt an die Bahnlinie, die das Messegelände in Ost- und Westteil trennt. Zwei gläserne Fußgängerbrücken schaffen die Verbindung zum Sockel des Hochhauses aus rotem Sandstein mit Glasverkleidung. Er beherbergt zentrale Service-einrichtungen der Messe. Über dem Sockel erhebt sich der gläserne Gebäudekern, eingefasst von einer Steinfassade mit quadratischen Fenstern. Hinter diesen befinden sich Büros – im Glasturm Konferenzräume. Die Öffnung der Steinfassade legt den Kern über mehrere Stockwerke frei und erzeugt die charakteristische Torform des Hochhauses.Ungers stellte einen ersten Entwurf seines ›Tores zur Welt‹ 1982 auf der Architektenkonferenz in Charlottesville (USA) vor.Dort übten Kollegen wie Peter Eisenman und Kevin Roche harte Kritik an seinem Entwurf, der vor allem Maßstäblichkeit vermissenließe. Jaquelin Robertson und Michael Graves sahen in ihm eher eine Guillotine als ein Tor zur Welt und Leon Krier bezeichnete ihn gar als »hard kitsch«. Umgesetzt wurde eine Variante mit geschlossener Fassade – die heute als ›Fenster zur Stadt‹ funktioniert und zugleich dem Heizkraftwerk Messe als Schornstein dient.
(Franziska Stein)
Abbildung © Historisches Institut der Deutschen Bank, Frankfurt am Main
Deutsche-Bank-Hochhaus
Architekten: ABB Architekten Beckert, Becker, Partner Hanig, Scheid, Schmidt
Höhe: 155 Meter || Geschosse: 40 || Gebaut: 1978-1984 ||

Für das Grundstück des im Krieg teilzerstörten Löwenstein’schen Palais (1891/92) von Ludwig Neher und Aage von Kauffmann lobten die Investoren Josef Buchmann, Bolek Israelewicz, Isidor Herskovits und Simon Preisler 1971 einen Wettbewerb aus, bei dem das Büro Giefer und Mäckler mit dem Entwurf eines Doppelturms als Sieger hervorging. Aufgrund der Rezession in den 1970er-Jahren gaben die Investoren das Projekt auf und es wurde von der Münchner Schörghuber-Gruppe übernommen, die ABB Architekten beauftragte, ein doppeltürmiges Bürohochhaus zu entwickeln. Die Türme wurden gegenüber dem Entwurf von 1971 aufgestockt und in ihrer Form verändert, der Grundgedanke – zwei Hochhäuser umgeben von einem 5-geschossigen Breitfuß – blieb erhalten. Erst im Winter 1978/79, nachdem bereits das Fundament gegossen war, erwarb die Deutsche Bank das Projekt und setzte mit ABB Architekten den Bau fort, um ihn als eigene Zentrale zu nutzen. Über dem Sockelbau, der das Grundstück nahezu vollständig einnimmt, erheben sich zwei in Massivbauweise errichtete prismenförmige und axialsymmetrisch angeordnete Türme. Die Betonaußenwand mit Lochfenstern und vorgehängter silberblauer Spiegelglashülle trägt die Baulast zusammen mit den zentralen Kernen und wirkt sich gleichzeitig durch ihre Masse günstig auf den Energiehaushalt des Gebäudes aus. Städtebaulich bildet die verspiegelte Bauskulptur den Dreh- und Angelpunkt zwischen historischem Bankenviertel und der sich entwickelnden Mainzer Landstraße. Ein öffentlicher Weg durch den Sockel – eine Vorgabe der Stadtverwaltung – verbindet den Anlagenring mit dem Westend. Die Skulptur Kontinuität (1983–1986) von Max Bill, einst prominent vor dem Haupteingang platziert, steht seit 2011 nach umfassender Revitalisierung der Türme in einer Grünanlage zwischen Deutscher Bank und Trianon.
(Philipp Sturm)


Himmelstürmend. Hochausstadt Frankfurt
8. November 2014 bis 19. April 2015
Architekturmuseum Frankfurt am Main
www.dam-online.de

Hochhausstadt Frankfurt – Bauten und Visionen seit 1945
Philipp Sturm (Hrsg.), Peter Cachola Schmal (Hrsg.)
Geb., 320 S., 232 Abb.
Prestel Verlag
49,95 Euro
Architektur › 2014 › November
Frankfurter Hochhäuser
1980 bis 1990
6. November 2014
Häuser von nicht unerheblicher und deshalb erwähnenswerter Höhe hat Frankfurt am Main einige zu bieten. Was aber ist da alles gen Himmel gewachsen? Wir stellen Ihnen die wichtigsten Bauten vor, sortiert nach Jahrzehnten.

Wie kam es, dass gerade Frankfurt am Main nach dem Zweiten Weltkrieg als erste und lange Zeit einzige deutsche Stadt himmelwärts strebte und mittlerweile eine sehenswerte Skyline besitzt? Das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt am Main geht dieser Frage nach und setzt sich mit der Hochhausgeschichte der Stadt in der Ausstellung „Himmelstürmend. Hochhausstadt Frankfurt“ auseinander.


Für uns Anlass genug, einige Hochhäuser aus verschiedenen Jahrzehnten vorzustellen, die das Gesicht der Stadt am Main heute prägen. Zur Ausstellungseröffnung am 7. November 2014 erscheint auch die begleitende Publikation „Hochhausstadt Frankfurt. Bauten und Visionen seit 1945“, der wir die folgenden Texte und Bilder entnommen haben.

Frankfurter Büro Center (FBC)
Architekten: Richard Heil und Partner, Erwin Müller, Heinrich Kempf
Höhe: 142 Meter || Geschosse: 40 || Gebaut: 1973-1981 ||

Das FBC ist ein Beispiel für die Hochhausarchitektur der Nachkriegsmoderne. Richard Heils nüchterner Stahlskelettbau mit Glas-Stahl-Fassade betont die vertikalen Linien, nur das fensterlose Technikgeschoss im 15. Stock durchbricht als horizontales Granitband die Glasfront. Der schlanke Grundriss sorgt für Tageslicht im ganzen Turm. Bereits in der Planungsphase war das FBC in der Stadtverwaltung und der Bürgerschaft umstritten. 1975 wurden die Bauarbeiten unterbrochen, der bereits 140 Meter hohe Rohbau der Bauherren Simon Preisler und Isidor Herskovits ragte als »Frankfurts größte Spekulationsruine« in den Himmel. Nach vier Jahren Stillstand und Zwangsversteigerung an ECE Projektmanagement öffnete das FBC 1981 seine Büroflächen. Seit 2012 bindet ein offener Vorbau mit Lichtdach das Hochhaus stärker in seine Umgebung ein.
(Bernhard Unterholzner)
Messe Torhaus
Architekten: Oswald Mathias Ungers with Jo. Franzke, Alfram von Hoessle, Max Dudler
Höhe: 117 Meter || Geschosse: 30 || Gebaut: 1983/84 ||

Das sogenannte Torhaus liegt im Zentrum der Frankfurter Messe. Das dreieckige Grundstück grenzt an die Bahnlinie, die das Messegelände in Ost- und Westteil trennt. Zwei gläserne Fußgängerbrücken schaffen die Verbindung zum Sockel des Hochhauses aus rotem Sandstein mit Glasverkleidung. Er beherbergt zentrale Service-einrichtungen der Messe. Über dem Sockel erhebt sich der gläserne Gebäudekern, eingefasst von einer Steinfassade mit quadratischen Fenstern. Hinter diesen befinden sich Büros – im Glasturm Konferenzräume. Die Öffnung der Steinfassade legt den Kern über mehrere Stockwerke frei und erzeugt die charakteristische Torform des Hochhauses.Ungers stellte einen ersten Entwurf seines ›Tores zur Welt‹ 1982 auf der Architektenkonferenz in Charlottesville (USA) vor.Dort übten Kollegen wie Peter Eisenman und Kevin Roche harte Kritik an seinem Entwurf, der vor allem Maßstäblichkeit vermissenließe. Jaquelin Robertson und Michael Graves sahen in ihm eher eine Guillotine als ein Tor zur Welt und Leon Krier bezeichnete ihn gar als »hard kitsch«. Umgesetzt wurde eine Variante mit geschlossener Fassade – die heute als ›Fenster zur Stadt‹ funktioniert und zugleich dem Heizkraftwerk Messe als Schornstein dient.
(Franziska Stein)
Deutsche-Bank-Hochhaus
Architekten: ABB Architekten Beckert, Becker, Partner Hanig, Scheid, Schmidt
Höhe: 155 Meter || Geschosse: 40 || Gebaut: 1978-1984 ||

Für das Grundstück des im Krieg teilzerstörten Löwenstein’schen Palais (1891/92) von Ludwig Neher und Aage von Kauffmann lobten die Investoren Josef Buchmann, Bolek Israelewicz, Isidor Herskovits und Simon Preisler 1971 einen Wettbewerb aus, bei dem das Büro Giefer und Mäckler mit dem Entwurf eines Doppelturms als Sieger hervorging. Aufgrund der Rezession in den 1970er-Jahren gaben die Investoren das Projekt auf und es wurde von der Münchner Schörghuber-Gruppe übernommen, die ABB Architekten beauftragte, ein doppeltürmiges Bürohochhaus zu entwickeln. Die Türme wurden gegenüber dem Entwurf von 1971 aufgestockt und in ihrer Form verändert, der Grundgedanke – zwei Hochhäuser umgeben von einem 5-geschossigen Breitfuß – blieb erhalten. Erst im Winter 1978/79, nachdem bereits das Fundament gegossen war, erwarb die Deutsche Bank das Projekt und setzte mit ABB Architekten den Bau fort, um ihn als eigene Zentrale zu nutzen. Über dem Sockelbau, der das Grundstück nahezu vollständig einnimmt, erheben sich zwei in Massivbauweise errichtete prismenförmige und axialsymmetrisch angeordnete Türme. Die Betonaußenwand mit Lochfenstern und vorgehängter silberblauer Spiegelglashülle trägt die Baulast zusammen mit den zentralen Kernen und wirkt sich gleichzeitig durch ihre Masse günstig auf den Energiehaushalt des Gebäudes aus. Städtebaulich bildet die verspiegelte Bauskulptur den Dreh- und Angelpunkt zwischen historischem Bankenviertel und der sich entwickelnden Mainzer Landstraße. Ein öffentlicher Weg durch den Sockel – eine Vorgabe der Stadtverwaltung – verbindet den Anlagenring mit dem Westend. Die Skulptur Kontinuität (1983–1986) von Max Bill, einst prominent vor dem Haupteingang platziert, steht seit 2011 nach umfassender Revitalisierung der Türme in einer Grünanlage zwischen Deutscher Bank und Trianon.
(Philipp Sturm)


Himmelstürmend. Hochausstadt Frankfurt
8. November 2014 bis 19. April 2015
Architekturmuseum Frankfurt am Main
www.dam-online.de

Hochhausstadt Frankfurt – Bauten und Visionen seit 1945
Philipp Sturm (Hrsg.), Peter Cachola Schmal (Hrsg.)
Geb., 320 S., 232 Abb.
Prestel Verlag
49,95 Euro