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Das Rupert Art and Education Centre liegt in einer idyllischen Umgebung in der Nähe von Vilnius, der Hauptstadt Litauens. Foto © Audrius Ambrasas Architects
Haben Sie schon von Rupert gehört?
von Vaidas Norkus
12. Mai 2014
Audrius Ambrasas macht sich eigentlich nichts aus Architekturpreisen, auch wenn er als einer der namhaftesten Architekten Litauens angesichts der Anzahl der ihm zugedachten Auszeichnungen wohl leicht den Überblick verlieren könnte. “Hanner”, das von ihm entworfene Bürogebäude (die Taxifahrer haben ihm aufgrund der 15 Stockwerke den Spitznamen “der Rasierer” gegeben) wurde in 2001, nach der zweiten Unabhängigkeitserklärung des Landes, Litauens erstes Hochhaus. Einige Jahre später baute Ambrasas den Geschäftskomplex “Europa” in Vilnius. Mit seinen 33 Stockwerken ist es nunmehr das höchste Gebäude in Litauen. Die Liste seiner Projekte könnte beliebig fortgesetzt werden, obwohl Ambrasas die Bekanntheit seiner Projekte für Bürogebäude eher herunterspielt. Wenn er jedoch über sein jüngstes Projekt, den Rupert Art Incubator, spricht – das Projekt hat seit seiner Eröffnung in 2013 bereits große Aufmerksamkeit auf sich gezogen – beginnen seine Augen zu funkeln.

Heute ist der Rupert Art Incubator das größte Gebäude für Kunst und Kultur, das in den vergangenen 20 Jahren in Litauen gebaut wurde. Aber das ist nicht der Grund, warum es mittlerweile einen solchen Sonderstatus in der modernen litauischen Architektur genießt und überdies auch das Lieblingsprojekt von Ambrasas ist.

Das Rupert Art and Education Centre liegt in einer idyllischen Umgebung in der Nähe von Vilnius, der Hauptstadt Litauens. Es handelt sich um ein außerordentlich schönes Naherholungsgebiet am Neris Fluss, das die Einwohner sehr schätzen. Vor ein paar Jahrzehnten gab es hier nichts außer einem kleinen Lebensmittelgeschäft, in dem Strandbesucher Eiscreme und Limonade kaufen konnten. Daher waren viele Einheimische während der Bauphase des Rupert Art Incubator fest davon überzeugt, dass hier ein neuer Supermarkt entstehen würde. Ganz im Gegenteil dazu ist das Zentrum jedoch ein offener, multifunktionaler Raum für Künstler und Kunstfreunde. Und es scheint als hätte man keinen besseren Ort dafür finden können. In Vilnius gibt es ungeachtet der Gebäudeart sehr strenge Baurichtlinien. Aufgrund der Beschränkungen hinsichtlich Höhe und Grundfläche durfte das Gebäude nur ein Stockwerk mit einer nur 10 Meter hohen Dachlinie haben und nicht größer als 2.096 Quadratmeter sein. Es gibt wahrscheinlich nur wenige Architekten die derartig strikte Vorgaben als positive Herausforderung und Chance empfinden und das Gespür haben, dafür eine besondere Lösung zu entwickeln.

Die Form des Gebäudes definiert seine Funktionsbereiche und ihre Positionen in ihm. Im ersten Stockwerk befindet sich eine Ausstellungshalle mit einer Bibliothek und einem Verwaltungstrakt: hier werden Ausstellungen, Seminare und Vorträge abgehalten. Das zweite Stockwerk und das Untergeschoss in dem sogar auch ein Atelier für Computerkunst untergebracht ist, ist den Künstlern vorbehalten. Spezielle Oberlichter sorgen hier für ausreichend Tageslicht, das für die im Bereich Computerkunst arbeitenden Künstler weniger wichtig ist. Die Ateliers im zweiten Stock hingegen verfügen über große Fenster, die einen großartigen Ausblick über die Umgebung eröffnen. Diese Ateliers werden von litauischen und Künstlern aus dem Ausland genutzt, die an speziellen Kunstprogrammen teilnehmen.

Für die Gestaltung waren vor allem zwei Aspekte wesentlich, zum einen die Lage in dem Badeort und zum anderen der Bezug zur Kunst. Die großflächigen Atelierfenster im zweiten Stock zitieren auf moderne Weise die Holzhäuser, die es in diesem Teil der Stadt immer noch gibt. Die hier untergebrachten Künstler sagen häufig, dass sie sich hier fühlen als seien sie im Urlaub. Im Sommer sind vor allem die Treppen eine Versuchung, die von den Ateliers im zweiten Stock direkt zum Strand führen.

Da sich das Gebäude in einer einmaligen landschaftlichen Umgebung befindet, sollte es visuell gut mit den Kiefern harmonieren, die hier stehen. Für die Fassade wurden daher wärmebehandelte, aber ansonsten naturbelassene Kiefernholzbretter verwendet.

Die schlichte Architektur verrät wenig über den Zweck des Gebäudes, obwohl es auch einige verspielte und ironische Untertöne gibt. So ist die Hauptfassade mit zahlreichen Öffnungen versehen, die an Schlüssellöcher erinnern. Für Neugierige gibt es dahinter garantiert geheimnisvolle Dinge zu entdecken. Aber auch für jene, die sich bislang noch nicht in das Gebäude gewagt haben, da es hier weder Eiscreme noch Limonade im Angebot gibt.

Hoffentlich sind die Passanten oder Urlauber beim nächsten Mal etwas mutiger, denn hinter den Öffnungen offenbart sich ein sehr offener und einladender und behaglicher Innenraum. Der Architekt hat sich hier für eine Verkleidung aus gebleichten Kiefernholzpaneelen, ein helles Eschenholzparkett und im Untergeschoss für geschliffene Betonfußböden entschieden. Mehr muss man eigentlich über das Innere nicht sagen, es steht für sich.

Die Möbel im Rupert Art Incubator verdienen jedoch besondere Aufmerksamkeit. Nauris Kalinauskas, einer der bekanntesten litauischen Designer hat für dieses Projekt streng ökologische und nachhaltige Büromöbel entwickelt bzw. umgestaltet. Der Stil der Tische und Vitrinen aus der “75er” Serie ist deutlich von den 1980er Jahren inspiriert, wobei die Objekte alle sehr schlicht gestalten sind: Der Tisch ist 75cm hoch. Die Möbel wurden aus Schichtholz und massiver Esche gefertigt und besitzen keine Kunststoff- bzw. Metallkomponenten. Das “+” Regalsystem für Bücher zeichnet sich durch ein einzigartiges Verbindungsprinzip aus, wobei durch einzelne Kiefernholzmodule ohne Schrauben verschiedene Regalgrößen hergestellt werden können. Den “004” Stuhl hat der Designer ebenfalls speziell für dieses Projekt entworfen, er ist mittlerweile zu einem Bestseller im litauischen Möbeldesign avanciert. Auch für den Küchenbereich wurde mit “Loft” ein eigenes Möbelsystem entwickelt.

Ein Traum von Audrius Ambrasas bleibt jedoch der Entwurf einer Konzerthalle, denn die gibt es in Litauen noch nicht. Wer weiß, wann dieser Traum wahr wird.

www.rupert.lt


MEHR auf Stylepark:

Drei Stühle und litauisches Design: Welche Rolle spielt Design überhaupt in einem kleinen Land zwischen Skandinavien und Russland?
(12. Juli 2013)
Die großflächigen Atelierfenster sorgen für optimale Belichtung der Arbeitsräume.
Foto © Audrius Ambrasas Architects
In das Untergeschoss, in dem sich ein Atelier für Computerkunst befindet, fällt Tageslicht mittels Oberlichtern. Foto © Audrius Ambrasas Architects
Innenraum und Außenraum stehen annähernd überall im Gebäude in Bezug zueinander.
Foto © Audrius Ambrasas Architects
Nauris Kalinauskas, einer der bekanntesten litauischen Designer hat für den Rupert Art Incubator streng ökologische und nachhaltige Büromöbel entwickelt. Foto © Audrius Ambrasas Architects
Die Oberflächen der Innenräume sind verkleidet mit gebleichten Kiefernholzpaneelen sowie mit hellem Eschenholzparkett. Foto © Audrius Ambrasas Architects
Von der zweiten Ebene der Arbeitsräume bietet sich ein Blick durch das Atelierfenster, der gerahmt wird durch die Holzverkleidung des Raums. Foto © Audrius Ambrasas Architects
Eine Treppe vom zweiten Obergeschoss führt direkt in den Grünraum, der den Rupert Art Inkubator umgibt. Foto © Audrius Ambrasas Architects
In der Explosionszeichnung wird der Aufbau der unterschiedlichen Ebenen des Atelierhauses deutlich. Foto © Audrius Ambrasas Architects
Die naturbelassenen Kiefernholzbretter sollen mit den Kiefern in dieser einmaligen landschaftlichen Umgebung harmonieren. Foto © Audrius Ambrasas Architects
Architektur › 2014 › Mai
Haben Sie schon von Rupert gehört?
von Vaidas Norkus | 12. Mai 2014
Das Rupert Art and Education Centre liegt in einer idyllischen Landschaft in der Nähe von Vilnius, der Hauptstadt Litauens und bietet Künstlern und Designern einen Rückzugsort für ihre Arbeit. Der Entwurf für das Gebäude stammt von Audrius Ambrasas, einem der bekanntesten Architekten des Landes.
Audrius Ambrasas macht sich eigentlich nichts aus Architekturpreisen, auch wenn er als einer der namhaftesten Architekten Litauens angesichts der Anzahl der ihm zugedachten Auszeichnungen wohl leicht den Überblick verlieren könnte. “Hanner”, das von ihm entworfene Bürogebäude (die Taxifahrer haben ihm aufgrund der 15 Stockwerke den Spitznamen “der Rasierer” gegeben) wurde in 2001, nach der zweiten Unabhängigkeitserklärung des Landes, Litauens erstes Hochhaus. Einige Jahre später baute Ambrasas den Geschäftskomplex “Europa” in Vilnius. Mit seinen 33 Stockwerken ist es nunmehr das höchste Gebäude in Litauen. Die Liste seiner Projekte könnte beliebig fortgesetzt werden, obwohl Ambrasas die Bekanntheit seiner Projekte für Bürogebäude eher herunterspielt. Wenn er jedoch über sein jüngstes Projekt, den Rupert Art Incubator, spricht – das Projekt hat seit seiner Eröffnung in 2013 bereits große Aufmerksamkeit auf sich gezogen – beginnen seine Augen zu funkeln.

Heute ist der Rupert Art Incubator das größte Gebäude für Kunst und Kultur, das in den vergangenen 20 Jahren in Litauen gebaut wurde. Aber das ist nicht der Grund, warum es mittlerweile einen solchen Sonderstatus in der modernen litauischen Architektur genießt und überdies auch das Lieblingsprojekt von Ambrasas ist.

Das Rupert Art and Education Centre liegt in einer idyllischen Umgebung in der Nähe von Vilnius, der Hauptstadt Litauens. Es handelt sich um ein außerordentlich schönes Naherholungsgebiet am Neris Fluss, das die Einwohner sehr schätzen. Vor ein paar Jahrzehnten gab es hier nichts außer einem kleinen Lebensmittelgeschäft, in dem Strandbesucher Eiscreme und Limonade kaufen konnten. Daher waren viele Einheimische während der Bauphase des Rupert Art Incubator fest davon überzeugt, dass hier ein neuer Supermarkt entstehen würde. Ganz im Gegenteil dazu ist das Zentrum jedoch ein offener, multifunktionaler Raum für Künstler und Kunstfreunde. Und es scheint als hätte man keinen besseren Ort dafür finden können. In Vilnius gibt es ungeachtet der Gebäudeart sehr strenge Baurichtlinien. Aufgrund der Beschränkungen hinsichtlich Höhe und Grundfläche durfte das Gebäude nur ein Stockwerk mit einer nur 10 Meter hohen Dachlinie haben und nicht größer als 2.096 Quadratmeter sein. Es gibt wahrscheinlich nur wenige Architekten die derartig strikte Vorgaben als positive Herausforderung und Chance empfinden und das Gespür haben, dafür eine besondere Lösung zu entwickeln.

Die Form des Gebäudes definiert seine Funktionsbereiche und ihre Positionen in ihm. Im ersten Stockwerk befindet sich eine Ausstellungshalle mit einer Bibliothek und einem Verwaltungstrakt: hier werden Ausstellungen, Seminare und Vorträge abgehalten. Das zweite Stockwerk und das Untergeschoss in dem sogar auch ein Atelier für Computerkunst untergebracht ist, ist den Künstlern vorbehalten. Spezielle Oberlichter sorgen hier für ausreichend Tageslicht, das für die im Bereich Computerkunst arbeitenden Künstler weniger wichtig ist. Die Ateliers im zweiten Stock hingegen verfügen über große Fenster, die einen großartigen Ausblick über die Umgebung eröffnen. Diese Ateliers werden von litauischen und Künstlern aus dem Ausland genutzt, die an speziellen Kunstprogrammen teilnehmen.

Für die Gestaltung waren vor allem zwei Aspekte wesentlich, zum einen die Lage in dem Badeort und zum anderen der Bezug zur Kunst. Die großflächigen Atelierfenster im zweiten Stock zitieren auf moderne Weise die Holzhäuser, die es in diesem Teil der Stadt immer noch gibt. Die hier untergebrachten Künstler sagen häufig, dass sie sich hier fühlen als seien sie im Urlaub. Im Sommer sind vor allem die Treppen eine Versuchung, die von den Ateliers im zweiten Stock direkt zum Strand führen.

Da sich das Gebäude in einer einmaligen landschaftlichen Umgebung befindet, sollte es visuell gut mit den Kiefern harmonieren, die hier stehen. Für die Fassade wurden daher wärmebehandelte, aber ansonsten naturbelassene Kiefernholzbretter verwendet.

Die schlichte Architektur verrät wenig über den Zweck des Gebäudes, obwohl es auch einige verspielte und ironische Untertöne gibt. So ist die Hauptfassade mit zahlreichen Öffnungen versehen, die an Schlüssellöcher erinnern. Für Neugierige gibt es dahinter garantiert geheimnisvolle Dinge zu entdecken. Aber auch für jene, die sich bislang noch nicht in das Gebäude gewagt haben, da es hier weder Eiscreme noch Limonade im Angebot gibt.

Hoffentlich sind die Passanten oder Urlauber beim nächsten Mal etwas mutiger, denn hinter den Öffnungen offenbart sich ein sehr offener und einladender und behaglicher Innenraum. Der Architekt hat sich hier für eine Verkleidung aus gebleichten Kiefernholzpaneelen, ein helles Eschenholzparkett und im Untergeschoss für geschliffene Betonfußböden entschieden. Mehr muss man eigentlich über das Innere nicht sagen, es steht für sich.

Die Möbel im Rupert Art Incubator verdienen jedoch besondere Aufmerksamkeit. Nauris Kalinauskas, einer der bekanntesten litauischen Designer hat für dieses Projekt streng ökologische und nachhaltige Büromöbel entwickelt bzw. umgestaltet. Der Stil der Tische und Vitrinen aus der “75er” Serie ist deutlich von den 1980er Jahren inspiriert, wobei die Objekte alle sehr schlicht gestalten sind: Der Tisch ist 75cm hoch. Die Möbel wurden aus Schichtholz und massiver Esche gefertigt und besitzen keine Kunststoff- bzw. Metallkomponenten. Das “+” Regalsystem für Bücher zeichnet sich durch ein einzigartiges Verbindungsprinzip aus, wobei durch einzelne Kiefernholzmodule ohne Schrauben verschiedene Regalgrößen hergestellt werden können. Den “004” Stuhl hat der Designer ebenfalls speziell für dieses Projekt entworfen, er ist mittlerweile zu einem Bestseller im litauischen Möbeldesign avanciert. Auch für den Küchenbereich wurde mit “Loft” ein eigenes Möbelsystem entwickelt.

Ein Traum von Audrius Ambrasas bleibt jedoch der Entwurf einer Konzerthalle, denn die gibt es in Litauen noch nicht. Wer weiß, wann dieser Traum wahr wird.

www.rupert.lt


MEHR auf Stylepark:

Drei Stühle und litauisches Design: Welche Rolle spielt Design überhaupt in einem kleinen Land zwischen Skandinavien und Russland?
(12. Juli 2013)