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Hauptsache edel und selten
von Thomas Wagner | 1. Juli 2010
Es ist eines der ehernen Gesetze des Kunstmarktes, dass es auf diesem nicht um industriell gefertigte Massenware, sondern - abgesehen von Grafik und Fotografie - um Unikate, sprich um Originale geht. Besonders auf der Art Basel, immerhin der bedeutendsten Kunstmesse der Welt. Hier zählt das Einzigartige, und hier gibt es Kunst für jeden Geschmack und für jeden Geldbeutel. Dass heute bei einer derartigen Veranstaltung auch Design nicht fehlen darf, liegt auf der Hand. Man weiß schließlich, was man sich schuldig ist. Doch, wie könnte es anders sein, eben nicht als Massenprodukt, wie man es in jedem guten Möbelhaus kaufen kann, sondern als gut erhaltenes Einzelstück, seltener Klassiker, als Teil einer ebenso edlen wie exklusiven Edition, oder, wenn es denn sein muss, als Kuriosität. Die Frage, was das mit Design zu tun hat, verbietet sich dabei ebenso von selbst wie die - ja nach Objekt - nach dem Unterschied zur Kunst und zum Kunsthandwerk. Schließlich sind wir in keinem Oberseminar. Hier floriert der Handel mit dem Besonderen.

„Der kundige Industriegestalter weiß genau, welches Bild sich der Verbraucher von seinem schönen Gerät formt. Ungünstige Faktoren, die den Geschmack des Käufers abstoßen, muss er ausmerzen und durch Ansprechendere ersetzen. Wir nennen dieses Verfahren in unserem Betrieb das Rangerhöhungssystem." Das Verfahren, das Raymond Loewy, einer der Väter des Designs, dem Gestalter empfiehlt, hat sich auf dem Feld des Handels mit Designraritäten längst bewährt. Und die Kunst dient, in einer Zeit, da sich Designer gern als Künstler fühlen und selbst Künstler dann und wann einen Ausflug aufs Terrain der Gegenstände des höheren Verbrauchs wagen, erfolgreich als „Rangerhöhungssystem".

Dass ein Wandregal, das Charlotte Perriand 1965 für die Ateliers Prouvé geschaffen hat, eine ebenso feine Sache ist wie ein sehr langes Sideboard - aus dem selben Jahr und von derselben Dame - aus Kirschholz mit roten und weißen Türen (bei der Galerie Patrick Seguin, Paris), steht außer Frage. Weshalb aber ein Künstler wie Jonathan Monk (für D&A Lab, Brüssel) aus mehrfarbigen, pulverbeschichteten Metallplatten eine Art Couchtisch entwerfen musste, der sich auf der Suche nach seiner Funktion als Skulptur irgendwo zwischen Donald Judd und Liam Gillick verliert, mögen andere zu verstehen versuchen. Für mich passt bereits (Karena Schuessler Gallery, Berlin) eine dicke, massive Eichenholzplatte nicht sonderlich gut zu einem „aufgeblasenen" Metallgestell von Oskar Zieta. Doch Rangerhöhung muss eben manchmal massiv und aus Holz sein.

Nachdem wir bereits durch die ganze Halle geschlendert waren und bei einem Spezialisten für dänisches Design nach dem Preis für einen „Three-Legged Chair" von Hans J. Wegner von 1963 gefragt hatten -zweifelsohne ein schönes Exemplar in dunkel gebeiztem Schichtholz mit dünner Polsterung in Hellbeige -, und uns, nachdem betont worden war, das Stück sei bereits verkauft, zu einem Preis von 50.000 Euro - nein, nicht etwa Franken - doch etwas den Atem genommen hatte, kehrten wir unverzüglich zur „Art Unlimited" in der Halle nebenan zurück. Vielleicht, dachten wir, sollten wir doch eher über den Erwerb von Michael Beutler „Pipeline Field" nachdenken, einem riesigen Lager aus Röhren, die vor Ort aus unbedruckter, an den Rändern wie Schillerlocken verdrehter Tetrapack-Kartonage gefertigt worden waren. Auf diesen kann man zwar nicht sitzen und man braucht auch etwas mehr Platz - aber das spielt bei einem Preis von nur 45.000 Euro dann auch keine Rolle mehr. Es lebe das „Rangerhöhungssystem"!

www.designmiami.com
Design Miami/Basel
Design Miami/Basel, Bush of Iron von Nacho Carbonell, Rossana Orlandi
Design Miami/Basel, Plopp von Oskar Zieta, Karena Schuessler Gallery
Daily Handkerchief von Studio Makkink Bey, Droog
Droog
Design Miami/Basel, Daybed von Rick Owéns, Galerie Jousse Entreprise
Design Miami/Basel, Alle Fotos: Franziska Holzmann
Design Miami/Basel, Dusk dawn mirror von Droog, Minale Maeda
Galerie Kreo
Mirror Angle von Jeppe Hein, 303 Gallery
Design Miami/Basel, Shell Chair von Hans J.Wegener, Dansk Møbelkunst
Droog
Art Unlimited, The conference von Steiner&Lenzlinger