transparent_layer
db-images/cms/banner/img/l1_v369373_958_728_90-1.jpg
Blättern: First Back
von 2139 Forward End
Atelier ST feiert sein zehnjähriges Bestehen mit einer Monographie. Foto © Sarah Böttger, Stylepark
Hier wird’s persönlich
von Adeline Seidel
5. November 2015
Das Leipziger Architekturbüro Atelier ST, das 2005 von dem Architektenpaar Silvia Schellenberg-Thaut und Sebastian Thaut gegründet wurde, feiert sein Jubiläum mit einer Monografie. Eine Dekade ist in der Architektur ja keine lange Zeit – in der Branche, in der es eben eine Weile dauert, bis ein Projekt fertiggestellt ist. Ganz im Gegensatz zu Start-up-Unternehmen im amerikanischen Silicon Valley, die aber oft gar nicht erst ihr zehntes Jahr erreichen.

Aber zurück zu Atelier ST, zu ihrer gedruckten Selbstdarstellung, zunächst einmal rein äußerlich betrachtet: In Grün gehüllt und – für eine Monografie – recht leicht liegt das Buch in der Hand. Dünn erscheint es dennoch nicht. Obwohl plakativ und in weißen Majuskeln „Architektur und Du“ auf dem Hardcover steht, ist von ersterer nichts zu sehen. Dafür ziehen zwei grüne Männchen die Aufmerksamkeit auf sich. Die Abwesenheit von Architektur und der Trick mit der direkten Ansprache ist auf den Betrachter durchaus reizvoll und verleitet zum Blättern. Die Gestaltung des Innenteils ist angenehm aufgeräumt und vor allem eines: lesefreundlich. Große Buchstaben, eine angenehme Laufweite und zwischen dem Text gut platziert: visuelles Futter. Die Bilder können auch mal eine Seite oder gar eine Doppelseite füllen, aber nie hat man den Eindruck, dass die Textbeiträge reine Nebensache sind.

Um Stringenz und Vollständigkeit geht es den Machern des Buches nicht. Vielmehr wollen die Herausgeber Stephan Burkoff und Jeanette Kunsmann – beide sind sie die Gründer des noch jungen Mitte/Rand Verlages, in dem das Buch erschienen ist – ein Lücke schließen: „Wir dachten, das fehlt: ein Buch über Architektur und Dich. Ein Buch über die Geschichten aller Beteiligten. Jeder erzählt von seinem Standpunkt aus.“ So verwundert es also nicht, dass bei manchen der insgesamt sieben vorgestellten Projekte mal Grundrisse, mal Ansichten, mal Schnitte und/oder Skizzen zu den Fotos gezeigt werden, bei anderen wiederum nicht. Auch, mit welchen Kriterien genau diese sieben Projekte aus dem Œuvre der Architekten ausgewählt wurden, bleibt verborgen. Möglicherweise sind es jene, bei denen auch die Bauherren zu Wort kommen konnten.

Kunsmann und Burkoff wollten mit dem Buch etwas Anderes bieten als die gängigen, mitunter nüchternen Projektbeschreibungen und bedienen sich ganz unterschiedlicher Textarten, um Architektur zu vermitteln. So erfährt der Leser mehr zu dem Entwurfsprozess des Lutherarchivs in Eisleben durch eine Parabel von zwei Brüdern; eine Bauherrin berichtet über ihre persönlichen architektonischen Vorlieben; und auch eine Galgenballade findet man in der Monografie. Und natürlich darf ein ausgiebiges Interview mit den Architekten nicht fehlen.

Doch „Geschichten aller Beteiligten“ findet man in diesem Buch letztlich nicht. Weder kommt ein Handwerker zu Wort, noch ein Nutzer – es sei denn, es handelt sich um einen Bauherr. Und schon gar nicht kommen alle Beteiligten von einem Projekt zu Wort. Das wäre durchaus spannend gewesen, die unterschiedlichen Perspektiven und Erzählungen aller Beteiligten zu einem einzigen Projekt zusammen zu packen – etwa bei dem Wirtschaftsgebäude für den Forstbezirk 14 in Eibenstock. Aber dann wäre der Band auch keine Monografie über die Architekten mehr, sondern eine über das Gebäude. Trotz der konzeptionellen Ungenauigkeiten ist die Publikation angenehm bescheiden – wie die Architekten es selbst auch sind – und ist dabei informativ sowie unterhaltsam. Das macht sie zu einer idealen Lektüre für einen Tag am Pool, im Park oder im Bett. Denn man blättert in diesem Buch nicht sonderlich ehrfürchtig durch das Architektenwerk, sondern eher nonchalant wie in einer Zeitschrift.

www.atelier-st.de


Architektur und Du

hrgs. von Stephan Burkoff und Jeanette Kunsmann
134 Seiten, Hardcover
Mitte Rand, Berlin 2015
34,90 EUR
www.mitte-rand.de
Silvia Schellenberg-Thaut und Sebastian Thaut sind Atelier ST. Foto © Anikka Bauer
.
Buch Innenansichten. Alle Fotos © Sarah Böttger, Stylepark
News & Stories › 2015 › November
Hier wird’s persönlich
von Adeline Seidel | 5. November 2015
„Architektur und Du“ heißt die Monografie von Atelier ST: Ein nonchalantes Buch mit etwas anderen Texten über Architektur.
Das Leipziger Architekturbüro Atelier ST, das 2005 von dem Architektenpaar Silvia Schellenberg-Thaut und Sebastian Thaut gegründet wurde, feiert sein Jubiläum mit einer Monografie. Eine Dekade ist in der Architektur ja keine lange Zeit – in der Branche, in der es eben eine Weile dauert, bis ein Projekt fertiggestellt ist. Ganz im Gegensatz zu Start-up-Unternehmen im amerikanischen Silicon Valley, die aber oft gar nicht erst ihr zehntes Jahr erreichen.

Aber zurück zu Atelier ST, zu ihrer gedruckten Selbstdarstellung, zunächst einmal rein äußerlich betrachtet: In Grün gehüllt und – für eine Monografie – recht leicht liegt das Buch in der Hand. Dünn erscheint es dennoch nicht. Obwohl plakativ und in weißen Majuskeln „Architektur und Du“ auf dem Hardcover steht, ist von ersterer nichts zu sehen. Dafür ziehen zwei grüne Männchen die Aufmerksamkeit auf sich. Die Abwesenheit von Architektur und der Trick mit der direkten Ansprache ist auf den Betrachter durchaus reizvoll und verleitet zum Blättern. Die Gestaltung des Innenteils ist angenehm aufgeräumt und vor allem eines: lesefreundlich. Große Buchstaben, eine angenehme Laufweite und zwischen dem Text gut platziert: visuelles Futter. Die Bilder können auch mal eine Seite oder gar eine Doppelseite füllen, aber nie hat man den Eindruck, dass die Textbeiträge reine Nebensache sind.

Um Stringenz und Vollständigkeit geht es den Machern des Buches nicht. Vielmehr wollen die Herausgeber Stephan Burkoff und Jeanette Kunsmann – beide sind sie die Gründer des noch jungen Mitte/Rand Verlages, in dem das Buch erschienen ist – ein Lücke schließen: „Wir dachten, das fehlt: ein Buch über Architektur und Dich. Ein Buch über die Geschichten aller Beteiligten. Jeder erzählt von seinem Standpunkt aus.“ So verwundert es also nicht, dass bei manchen der insgesamt sieben vorgestellten Projekte mal Grundrisse, mal Ansichten, mal Schnitte und/oder Skizzen zu den Fotos gezeigt werden, bei anderen wiederum nicht. Auch, mit welchen Kriterien genau diese sieben Projekte aus dem Œuvre der Architekten ausgewählt wurden, bleibt verborgen. Möglicherweise sind es jene, bei denen auch die Bauherren zu Wort kommen konnten.

Kunsmann und Burkoff wollten mit dem Buch etwas Anderes bieten als die gängigen, mitunter nüchternen Projektbeschreibungen und bedienen sich ganz unterschiedlicher Textarten, um Architektur zu vermitteln. So erfährt der Leser mehr zu dem Entwurfsprozess des Lutherarchivs in Eisleben durch eine Parabel von zwei Brüdern; eine Bauherrin berichtet über ihre persönlichen architektonischen Vorlieben; und auch eine Galgenballade findet man in der Monografie. Und natürlich darf ein ausgiebiges Interview mit den Architekten nicht fehlen.

Doch „Geschichten aller Beteiligten“ findet man in diesem Buch letztlich nicht. Weder kommt ein Handwerker zu Wort, noch ein Nutzer – es sei denn, es handelt sich um einen Bauherr. Und schon gar nicht kommen alle Beteiligten von einem Projekt zu Wort. Das wäre durchaus spannend gewesen, die unterschiedlichen Perspektiven und Erzählungen aller Beteiligten zu einem einzigen Projekt zusammen zu packen – etwa bei dem Wirtschaftsgebäude für den Forstbezirk 14 in Eibenstock. Aber dann wäre der Band auch keine Monografie über die Architekten mehr, sondern eine über das Gebäude. Trotz der konzeptionellen Ungenauigkeiten ist die Publikation angenehm bescheiden – wie die Architekten es selbst auch sind – und ist dabei informativ sowie unterhaltsam. Das macht sie zu einer idealen Lektüre für einen Tag am Pool, im Park oder im Bett. Denn man blättert in diesem Buch nicht sonderlich ehrfürchtig durch das Architektenwerk, sondern eher nonchalant wie in einer Zeitschrift.

www.atelier-st.de


Architektur und Du

hrgs. von Stephan Burkoff und Jeanette Kunsmann
134 Seiten, Hardcover
Mitte Rand, Berlin 2015
34,90 EUR
www.mitte-rand.de