transparent_layer
db-images/cms/banner/img/l1_v369374_958_728_90-1.jpg
Blättern: First Back
von 2143 Forward End
Ich sehe, was du nicht siehst
von Martina Metzner | 16. Februar 2014
„Wir stehen wir am Beginn einer neuen Phase in der Brillen-Industrie: der Einführung von ‚Smart Eyewear‘“, sagt Isabelle Olsson, die Leiterin des „Google Glass“-Design Departments. Olsson trägt das neue Modell „Curve“. Alle Fotos © Google Glass
Als Mitte 2012 das erste Exemplar von „Google Glass“ vorgestellt wurde, haben viele das als Techno-Spinnerei abgetan. Bei dem Gerät handelt es sich um eine mit einem Minicomputer versehene Brille, die mit einem kleinen, transparenten Bildschirm vor dem rechten Glas ausgestattet ist, den man durch Fingertippen am Gestell oder mittels Sprache steuert, um ständig online sein, Emails lesen, aber auch, um Fotos schießen und sogar Videos drehen zu können. Nachdem das erste Modell recht puristisch daherkam, tritt das Produkt, von dem man sich bei Google eine Menge verspricht, nun in die Phase des Designs ein. War „Google Glass“ bislang hauptsächlich ein Gadget für Nerds, mit dem man sich vorstellen mochte, fast so wie Chefingenieur Geordi LaForge aus der zweiten Staffel von „Startrek“ durch die Welt zu laufen, so kommt die Technik der Datenbrille nun in Verbindung mit einem schicken Gestell daher, das sich eben auch mal ohne die „Google Glass“-Apparatur als normale Brille tragen lässt.

Das erste Modell, „Explorer“, ohne optische Gläser, wird nun durch sieben Brillenfassungen ergänzt, die dem Design einer Brille von IC Berlin oder Ray Ban in nichts nachstehen. Vier Modelle – sie heißen „Bold“, „Curve“, „Thin“ und „Split“ – können mit dioptrischen Gläsern ausgestattet werden. Hinzu kommen drei Sonnenbrillen, die „Classic“, „Edge“ und „Active“ getauft wurden. Und on top gibt es die „Google Glass“-Apparatur nun in fünf neuen Farben, von Kohlschwarz, Schiefergrau und Baumwollweiß bis Himmelblau und Mandarinenorange. Nimmt man die „Explorer“ hinzu, so bietet Google seine „Glass“ nun also in 40 möglichen Stil-Kombinationen an.

Mit diesen neuen Fassungen und Farben gehe Google einen Schritt weiter, erklärt Isabelle Olsson, die Leiterin des „Google Glass“-Design Departments, im Interview mit Dezeen. „Sie geben den Benutzern die Möglichkeit, die Brille individuell anzupassen.“ Und weiter: „Damit stehen wir am Beginn einer neuen Phase in der Brillen-Industrie: der Einführung von ‚Smart Eyewear‘“.

Olsson, die 2011 zu Google X kam und in Schweden Industrie-Design studiert hat, steht einem Team von zehn Designern vor, die, ebenso wie sie selbst, keinen Technologie-Hintergrund haben. Die Maxime von Olsson, die bereits die „Explorer“ gestaltete, lautet: „Google Glass“ sollte erstens leicht, zweitens schlicht sein und drittens den „Eine-passt-allen“-Gedanken zum Ausdruck bringen. Die „Explorer“-Gemeinde – 10.000 Probanden in den Vereinigten Staaten – zeigte sich rasch überzeugt von den Funktionen des ersten Modells, doch viele wünschten sich, die Brille auch ohne den Apparat tragen zu können. Außerdem wollte es Google auch den vielen Menschen, die wegen einer Sehschwäche eine Brille tragen, ermöglichen, „Glass“ zu verwenden. So kam es zur neuen „Titanium Collection“, deren Gestelle jeweils 225 US-Dollar kosten. Die „Google Glass“-Apparatur selbst schlägt zudem mit 1500 US-Dollar zu Buche.

Google gibt sich offenbar allergrößte Mühe, einen neues, globales Phänomen ähnlich dem „iPhone“ von Apple – die Verpackung der „Google Glass“ ähnelt der des „iPhones“ frappierend – zu erzeugen. Ob etwas schickere Brillengestelle allein dazu beitragen können, dass man sich freiwillig einen Mini-Computer vor ein Auge klemmt? Die Knackpunkte bleiben trotz der Aufhübschung der Gestelle die gleichen wie bisher: Will man das? Braucht man das? Will man ständig vernetzt und von Google überwacht werden? Dass Google selbst von der Sinnhaftigkeit eines solchen Tuns überzeugt ist, versteht sich von selbst. Dass dabei aber auch andere Aspekte eine Rolle spielen, zeigt die Entwicklung von „Smart Lenses“, einer Kontaktlinse, die den Glukose-Spiegel bei Diabetes-Patienten misst und in kritischen Situationen anfängt zu blinken. Es passt also ins Bild, wenn der Konzern in einem Internetvideo für seine Datenbrille schon mal eine Rollstuhlfahrerin bemüht, die dank „Google Glass“ ihr Leben scheinbar leichter und angenehmer gestalten kann. Fest steht: Die neuen, mit „Google Glass“ kombinierbaren Gestelle sollen Ende diesen Jahres in Amerika auf den Markt kommen. Weitere Länder seien nach laut Google erst einmal nicht anvisiert. Chef-Designerin Olsson jedenfalls rechnet damit, dass spätestens in zehn Jahren das Tragen von „Google Glass“ zum Alltag gehöre.

www.google.com/glass

Sehen Sie, wie „Google Glass" funktioniert:
www.youtube.com
Die neue Titanium-Collection besteht aus den Modellen „Curve“…
Modell „Bold”.
Modell „Split”.
Modell „Thin”.
„Google Glass“-Probanden im eigens eingerichteten L.A. Basecamp von Google.
Auch beim Sport muss man „Google Glass“ nicht missen: „Active“-Shade fürs „Explorer“-Gestell.
Die zwei Sonnenbrillen-Modelle für „Google Glass“, als Add-on zum „Explorer”-Gestell: „Classic” und ...
„Edge“.
Das Original: Am 28. Juni 2012 stellte Google erstmals „Google Glass” vor – zunächst mit dem “Explorer”-Modell, das ohne Gläser funktioniert.
News & Stories › 2014 › Februar
Ich sehe, was du nicht siehst
von Martina Metzner | 16. Februar 2014
Google hat für seine Internet-Brille sieben neue Fassungen vorgestellt, vier Gestelle für optische Gläser und drei Sonnenbrillen. Ob sich dadurch auch Non-Techies überzeugen lassen, permanent online und digital vernetzt durch die Welt zu laufen?
Als Mitte 2012 das erste Exemplar von „Google Glass“ vorgestellt wurde, haben viele das als Techno-Spinnerei abgetan. Bei dem Gerät handelt es sich um eine mit einem Minicomputer versehene Brille, die mit einem kleinen, transparenten Bildschirm vor dem rechten Glas ausgestattet ist, den man durch Fingertippen am Gestell oder mittels Sprache steuert, um ständig online sein, Emails lesen, aber auch, um Fotos schießen und sogar Videos drehen zu können. Nachdem das erste Modell recht puristisch daherkam, tritt das Produkt, von dem man sich bei Google eine Menge verspricht, nun in die Phase des Designs ein. War „Google Glass“ bislang hauptsächlich ein Gadget für Nerds, mit dem man sich vorstellen mochte, fast so wie Chefingenieur Geordi LaForge aus der zweiten Staffel von „Startrek“ durch die Welt zu laufen, so kommt die Technik der Datenbrille nun in Verbindung mit einem schicken Gestell daher, das sich eben auch mal ohne die „Google Glass“-Apparatur als normale Brille tragen lässt.

Das erste Modell, „Explorer“, ohne optische Gläser, wird nun durch sieben Brillenfassungen ergänzt, die dem Design einer Brille von IC Berlin oder Ray Ban in nichts nachstehen. Vier Modelle – sie heißen „Bold“, „Curve“, „Thin“ und „Split“ – können mit dioptrischen Gläsern ausgestattet werden. Hinzu kommen drei Sonnenbrillen, die „Classic“, „Edge“ und „Active“ getauft wurden. Und on top gibt es die „Google Glass“-Apparatur nun in fünf neuen Farben, von Kohlschwarz, Schiefergrau und Baumwollweiß bis Himmelblau und Mandarinenorange. Nimmt man die „Explorer“ hinzu, so bietet Google seine „Glass“ nun also in 40 möglichen Stil-Kombinationen an.

Mit diesen neuen Fassungen und Farben gehe Google einen Schritt weiter, erklärt Isabelle Olsson, die Leiterin des „Google Glass“-Design Departments, im Interview mit Dezeen. „Sie geben den Benutzern die Möglichkeit, die Brille individuell anzupassen.“ Und weiter: „Damit stehen wir am Beginn einer neuen Phase in der Brillen-Industrie: der Einführung von ‚Smart Eyewear‘“.

Olsson, die 2011 zu Google X kam und in Schweden Industrie-Design studiert hat, steht einem Team von zehn Designern vor, die, ebenso wie sie selbst, keinen Technologie-Hintergrund haben. Die Maxime von Olsson, die bereits die „Explorer“ gestaltete, lautet: „Google Glass“ sollte erstens leicht, zweitens schlicht sein und drittens den „Eine-passt-allen“-Gedanken zum Ausdruck bringen. Die „Explorer“-Gemeinde – 10.000 Probanden in den Vereinigten Staaten – zeigte sich rasch überzeugt von den Funktionen des ersten Modells, doch viele wünschten sich, die Brille auch ohne den Apparat tragen zu können. Außerdem wollte es Google auch den vielen Menschen, die wegen einer Sehschwäche eine Brille tragen, ermöglichen, „Glass“ zu verwenden. So kam es zur neuen „Titanium Collection“, deren Gestelle jeweils 225 US-Dollar kosten. Die „Google Glass“-Apparatur selbst schlägt zudem mit 1500 US-Dollar zu Buche.

Google gibt sich offenbar allergrößte Mühe, einen neues, globales Phänomen ähnlich dem „iPhone“ von Apple – die Verpackung der „Google Glass“ ähnelt der des „iPhones“ frappierend – zu erzeugen. Ob etwas schickere Brillengestelle allein dazu beitragen können, dass man sich freiwillig einen Mini-Computer vor ein Auge klemmt? Die Knackpunkte bleiben trotz der Aufhübschung der Gestelle die gleichen wie bisher: Will man das? Braucht man das? Will man ständig vernetzt und von Google überwacht werden? Dass Google selbst von der Sinnhaftigkeit eines solchen Tuns überzeugt ist, versteht sich von selbst. Dass dabei aber auch andere Aspekte eine Rolle spielen, zeigt die Entwicklung von „Smart Lenses“, einer Kontaktlinse, die den Glukose-Spiegel bei Diabetes-Patienten misst und in kritischen Situationen anfängt zu blinken. Es passt also ins Bild, wenn der Konzern in einem Internetvideo für seine Datenbrille schon mal eine Rollstuhlfahrerin bemüht, die dank „Google Glass“ ihr Leben scheinbar leichter und angenehmer gestalten kann. Fest steht: Die neuen, mit „Google Glass“ kombinierbaren Gestelle sollen Ende diesen Jahres in Amerika auf den Markt kommen. Weitere Länder seien nach laut Google erst einmal nicht anvisiert. Chef-Designerin Olsson jedenfalls rechnet damit, dass spätestens in zehn Jahren das Tragen von „Google Glass“ zum Alltag gehöre.

www.google.com/glass

Sehen Sie, wie „Google Glass" funktioniert:
www.youtube.com