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Raum für neue Ideen: Der „Sanaa-Kubus" in Essen wird Sitz des neu gegründeten „Instituts für interdisziplinäre Studien und Projekte“ im Fachbereich Gestaltung der Folkwang-Universität der Künste. Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Im Würfel kann’s gefallen
von Thomas Wagner
20. September 2013
„Es gibt gleichfalls – und das wohl in jeder Kultur, in jeder Zivilisation – wirkliche Orte, wirksame Orte, die in die Einrichtung der Gesellschaft hineingezeichnet sind, sozusagen Gegenplatzierungen oder Widerlager, tatsächlich realisierte Utopien, in denen die wirklichen Plätze innerhalb der Kultur gleichzeitig repräsentiert, bestritten und gewendet sind, gewissermaßen Orte außerhalb aller Orte, wiewohl sie tatsächlich geortet werden können. Weil diese Orte ganz andere sind als alle Plätze, die sie reflektieren oder von denen sie sprechen, nenne ich sie im Gegensatz zu den Utopien die Heterotopien.“
Michel Foucault


In großen Lettern steht Schwarz auf gelben Schaltafeln geschrieben: „Heterotopia – Sommerworkshop 2013“. Wir sind in Essen, im sogenannten „Sanaa-Kubus“ auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Zollverein. Lange wurde das extravagante Sichtbetongebäude mit seinen apart über die Fassade verteilten Fenstern nur temporär genutzt. Geplant hatten die japanischen Architekten Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa von „Sanaa“ den Kubus ursprünglich für die recht ambitionierte, aber gescheiterte private Hochschule „Zollverein School of Management and Design“. Nach einigem Hin und Her gehört der 2006 eröffnete Bau nun zur „Folkwang Universität der Künste“, die zwei Etagen künftig für einen neu eingerichteten Masterstudiengang im Fachbereich Gestaltung nutzen wird. Für den Aufbau und die Leitung dieses „Instituts für Interdisziplinäre Studien und Projekte“, so der vorläufige Name, das vom kommenden Wintersemester an im Kubus untergebracht sein wird, konnte der Designer Ruedi Baur als Gastprofessor gewonnen werden.

Wie gestaltet man eine Schule?

Ziel der sommerlichen Gemeinschaftsaktion unter dem programmatischen Titel „Heterotopia“ sei es gewesen, so Ruedi Baur, „das Ganze nicht nur zu denken, sondern es auch zu machen.“ Und so geschah es dann auch: Zwei Wochen lang wurde im Sanaa-Kubus rund um die Uhr gedacht und gemacht, überlegt und ausprobiert, geplant und gebaut, um Visionen, Prototypen und benutzbare Installationen für das Arbeiten im „Graduate Programm Gestaltung/Heterotopia“ zu entwickeln. Wobei in Hirn und Herz von mehreren Professoren und rund vierzig Studierenden beständig die Frage bewegt wurde, wie man überhaupt eine Schule und das Arbeiten in ihr gestaltet und welche Inneneinrichtung das Sanaa-Gebäude zur Nutzung als Studienort benötigt. Genauer gesagt: Welche Inneneinrichtung es braucht und welche es verträgt.

Denn so faszinierend die offenen Räume auch sind, die sich zum Teil über ein ganzes Stockwerk erstecken, so groß und reizvoll ist die Herausforderung, diese einzurichten, ohne den Atem der Weite und den Charme der Einfachheit zu beschädigen, der sie durchweht. So akademisch der Begriff „Heterotopia“ zunächst auch klingen mag, er passt gut zu dem Kubus, der im Ensemble der Zeche Zollverein tatsächlich so etwas wie ein Widerlager darstellt, das die es umgebende Industriearchitektur der Moderne reflektiert, dementiert und kommentiert.

Konzertierte Aktion

Um die komplexe Frage, wie man das Unterrichten und die dazu nötigen Räume offen und zeitgemäß gestalten kann, von vorneherein nicht nur aus einer, sondern gleich aus mehreren Perspektiven angehen zu können, wurde der Workshop zusammen mit befreundeten Institutionen und Designern abgehalten. Neben Lehrenden der Folkwang Universität brachten Axel Kufus und Jörg Höltje von der „Universität der Künste Berlin“, Axel Müller-Schöll, Klaus Michel und Ilja Oelschlägel von der „Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle“, sowie Uwe Fischer und Caroline Perret von der „Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart“ ihre Vorstellungen und Ideen ein. Vielfalt und diskursive Offenheit waren also von vorne herein Programm, um unterschiedliche Ansätze zu diskutieren und prototypische Lösungen für ein Café, ein Plenum und variable Arbeitsplätze zu entwickeln.

Von Möblierung zu sprechen, wäre untertrieben

Das Wort „Möblierung“ klingt viel zu statisch, um auch nur annähernd beschreiben zu können, was konkret an flexiblem Mobiliar entwickelt wurde. Die Vorschläge gehen weit darüber hinaus. Allein schon die Idee, auf Schalplatten als Material zurückzugreifen, wirkt verblüffend einfach – und obendrein reagiert die Inneneinrichtung damit wie ein Echo auf den Sichtbeton der Architektur. Im Grunde wurde die Schalung, aus der das Gebäude entstanden ist, einfach in eine Inneneinrichtung verwandelt. Hinzu kommt: Die sonnig-gelben „doka“-Schalplatten“, aus denen unterschiedliche Tische, Präsentationssysteme, Raumteiler und vieles mehr gebaut wurde, setzen einen farblichen Akzent, der belebend auf die kühle Schlichtheit des Baus zurückwirkt. Auch dass das Mobiliar eher improvisiert wirkt, tut der Gesamtatmosphäre gut: Perfektes und Imperfektes, Prozessuales und Vollendetes kommen ins Gleichgewicht.

Einfaches, aus dem Komplexes entsteht

Selbst zur Metaphorik einer offenen, dialogischen Form der Lehre, die Freiräume schaffen und nutzen möchte, passen die Einbauten und Möbel, sind Schaltafeln doch einfache, standardisierte Platten, aus denen ebenso etwas Komplexes anderes entsteht wie aus dem Zusammenspiel vieler beim Gestalten. Ein Beispiel dafür, dass nicht einfach nur Möbel gebaut wurden, sondern permanent auf verschiedenen Ebenen agiert wird, ist die lange Tafel, die nun den Eingangsbereich dominiert: Wo zuvor einzelne Tische und Stühle das Getrenntsein betonten, sitzt man jetzt gemeinsam an einem langen Tisch, ohne dass alle immer beisammen sitzen müssen. Nicht anders verhält es sich mit einem variablen „Display“-System: Einerseits füllt es selbst die Leere des Raumes, andererseits umfängt und betont es einen Binnenraum, der allererst mit Leben gefüllt werden will.

Podeste und Rückzugsorte, Stehtische und Projektionsrahmen, alles dient erkennbar einem Wechsel zwischen Nähe und Distanz. Ob es fahrbare Kojen sind, die zum Dialog vors Fenster geschoben oder zu größeren Debatteninseln kombiniert werden können, ob – ebenfalls fahrbare – Baldachine samt integrierter Sitzbänke das Gespräch an einem großen Tisch optisch und akustisch abschirmen, oder ob Lese- oder Unterrichtsbereiche durch transparente, mit Folie bespannte Raumteiler beruhigt werden, stets macht es das Mobiliar möglich, nach Bedarf eher private oder eher öffentliche Zonen herzustellen. Ganz gleich, welche Funktion die jeweiligen Prototypen auch erfüllen, sie kommentieren das Gebäude und setzen diesem etwas entgegen.

Machen und Testen

Im Grunde, so Axel Kufus, sei man so vorgegangen, als würde man eine Art „Rapid Prototyping“ betreiben. Und was daraus hervorgegangen sei, werde nun getestet. Überhaupt hat man den Eindruck, als werde hier auch künftig alles und jedes dialogisch und jenseits gängiger Hierarchien geklärt. Zumindest verändert die „Agora“ – die man bewusst als „Antagonia“, als Ort des lebendigen Streitgesprächs und mithin als Visualisierung des Zentrums des Denkens innerhalb der Schule versteht – die Art des miteinander Sprechens und Konferierens. Auch sie antwortet also auf visuelle und metaphorische Weise auf das Konzept der Schule, wenn in ihrer Mitte eine Leuchte steht, um die herum man sitzt wie um ein Lagerfeuer. Sollte der Disput doch einmal zu heftig ausfallen, so kann man die erhitzten Köpfe zur Beruhigung gemeinsam in eine beruhigende Wolke aus Stoff stecken. Ob das im Alltag auch funktioniert, wird sich zeigen.

Die Ergebnisse von zwei Wochen „Heterotopia“ ­erzählen nicht nur von der Lust des Anfangens, was voller Elan ausgedacht wurde. Sie führen auch vor Augen, was entsteht, wenn das Nachdenken an eine Praxis gekoppelt wird, die es möglich macht, Ideen zurückzuholen ins Verkörperbare. Fröhlicher und befreiender lässt sich kaum vermitteln, was „Design im Kontext“ bedeuten kann: Gemeinsam etwas zu tun, aus dem etwas entsteht. Möglichkeiten schaffen, die neue Möglichkeiten eröffnen. Lernen, was es heißt, Schule zu machen.

www.folkwang-uni.de
www.zollverein.de
www.udk-berlin.de
www.abk-stuttgart.de
www.ruedi-baur.eu
www.kufus.de


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Wie gestaltet man die Innenräume des neuen Instituts? Ein Sommerworkshop unter dem Titel „Heterotopia“ hat die Antworten geliefert. Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Um den Atem der Weite und den Charme der Einfachheit nicht zu beschädigen... Foto © Thomas Wagner, Stylepark
...entschied man sich für ein simples Mobiliar. Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Schalungsplatten, aus denen Büromöbel gezimmert wurden. Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Podeste, Tische, Rahmen sind flexibel einsetzbar. Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Kurt Mehnert von der Folkwang-Universität und Axel Müller-Schöll von der Hochschule Burg Giebichstein. Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Vielfältige optische Raumteiler: das Mobiliar aus „Doka“-Schalplatten. Foto © Thomas Wagner, Stylepark
„Das Ganze nicht nur denken, sondern auch machen.“ Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Der Gesamtatmosphäre tut das improvisierte Mobiliar gut. Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Ruedi Baur (Mitte) in der „Agora“, Zentrum des Instituts und Ort zukünftiger Debatten. Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Wieder belebt: der „Sanaa-Kubus" in Essen. Foto © Folkwang Universität
Architektur › 2013 › September
Im Würfel kann’s gefallen
von Thomas Wagner | 20. September 2013
Endlich kommt wieder Leben in den „Sanaa-Kubus“ in Essen. Im Herbst startet dort ein neu eingerichteter Studiengang der Folkwang Universität. Unter dem Titel „Heterotopia – Sommerworkshop 2013“ haben Designer und Studierende vorab Prototypen für die Einrichtung entwickelt. Mit verblüffenden Ergebnissen.
„Es gibt gleichfalls – und das wohl in jeder Kultur, in jeder Zivilisation – wirkliche Orte, wirksame Orte, die in die Einrichtung der Gesellschaft hineingezeichnet sind, sozusagen Gegenplatzierungen oder Widerlager, tatsächlich realisierte Utopien, in denen die wirklichen Plätze innerhalb der Kultur gleichzeitig repräsentiert, bestritten und gewendet sind, gewissermaßen Orte außerhalb aller Orte, wiewohl sie tatsächlich geortet werden können. Weil diese Orte ganz andere sind als alle Plätze, die sie reflektieren oder von denen sie sprechen, nenne ich sie im Gegensatz zu den Utopien die Heterotopien.“
Michel Foucault


In großen Lettern steht Schwarz auf gelben Schaltafeln geschrieben: „Heterotopia – Sommerworkshop 2013“. Wir sind in Essen, im sogenannten „Sanaa-Kubus“ auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Zollverein. Lange wurde das extravagante Sichtbetongebäude mit seinen apart über die Fassade verteilten Fenstern nur temporär genutzt. Geplant hatten die japanischen Architekten Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa von „Sanaa“ den Kubus ursprünglich für die recht ambitionierte, aber gescheiterte private Hochschule „Zollverein School of Management and Design“. Nach einigem Hin und Her gehört der 2006 eröffnete Bau nun zur „Folkwang Universität der Künste“, die zwei Etagen künftig für einen neu eingerichteten Masterstudiengang im Fachbereich Gestaltung nutzen wird. Für den Aufbau und die Leitung dieses „Instituts für Interdisziplinäre Studien und Projekte“, so der vorläufige Name, das vom kommenden Wintersemester an im Kubus untergebracht sein wird, konnte der Designer Ruedi Baur als Gastprofessor gewonnen werden.

Wie gestaltet man eine Schule?

Ziel der sommerlichen Gemeinschaftsaktion unter dem programmatischen Titel „Heterotopia“ sei es gewesen, so Ruedi Baur, „das Ganze nicht nur zu denken, sondern es auch zu machen.“ Und so geschah es dann auch: Zwei Wochen lang wurde im Sanaa-Kubus rund um die Uhr gedacht und gemacht, überlegt und ausprobiert, geplant und gebaut, um Visionen, Prototypen und benutzbare Installationen für das Arbeiten im „Graduate Programm Gestaltung/Heterotopia“ zu entwickeln. Wobei in Hirn und Herz von mehreren Professoren und rund vierzig Studierenden beständig die Frage bewegt wurde, wie man überhaupt eine Schule und das Arbeiten in ihr gestaltet und welche Inneneinrichtung das Sanaa-Gebäude zur Nutzung als Studienort benötigt. Genauer gesagt: Welche Inneneinrichtung es braucht und welche es verträgt.

Denn so faszinierend die offenen Räume auch sind, die sich zum Teil über ein ganzes Stockwerk erstecken, so groß und reizvoll ist die Herausforderung, diese einzurichten, ohne den Atem der Weite und den Charme der Einfachheit zu beschädigen, der sie durchweht. So akademisch der Begriff „Heterotopia“ zunächst auch klingen mag, er passt gut zu dem Kubus, der im Ensemble der Zeche Zollverein tatsächlich so etwas wie ein Widerlager darstellt, das die es umgebende Industriearchitektur der Moderne reflektiert, dementiert und kommentiert.

Konzertierte Aktion

Um die komplexe Frage, wie man das Unterrichten und die dazu nötigen Räume offen und zeitgemäß gestalten kann, von vorneherein nicht nur aus einer, sondern gleich aus mehreren Perspektiven angehen zu können, wurde der Workshop zusammen mit befreundeten Institutionen und Designern abgehalten. Neben Lehrenden der Folkwang Universität brachten Axel Kufus und Jörg Höltje von der „Universität der Künste Berlin“, Axel Müller-Schöll, Klaus Michel und Ilja Oelschlägel von der „Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle“, sowie Uwe Fischer und Caroline Perret von der „Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart“ ihre Vorstellungen und Ideen ein. Vielfalt und diskursive Offenheit waren also von vorne herein Programm, um unterschiedliche Ansätze zu diskutieren und prototypische Lösungen für ein Café, ein Plenum und variable Arbeitsplätze zu entwickeln.

Von Möblierung zu sprechen, wäre untertrieben

Das Wort „Möblierung“ klingt viel zu statisch, um auch nur annähernd beschreiben zu können, was konkret an flexiblem Mobiliar entwickelt wurde. Die Vorschläge gehen weit darüber hinaus. Allein schon die Idee, auf Schalplatten als Material zurückzugreifen, wirkt verblüffend einfach – und obendrein reagiert die Inneneinrichtung damit wie ein Echo auf den Sichtbeton der Architektur. Im Grunde wurde die Schalung, aus der das Gebäude entstanden ist, einfach in eine Inneneinrichtung verwandelt. Hinzu kommt: Die sonnig-gelben „doka“-Schalplatten“, aus denen unterschiedliche Tische, Präsentationssysteme, Raumteiler und vieles mehr gebaut wurde, setzen einen farblichen Akzent, der belebend auf die kühle Schlichtheit des Baus zurückwirkt. Auch dass das Mobiliar eher improvisiert wirkt, tut der Gesamtatmosphäre gut: Perfektes und Imperfektes, Prozessuales und Vollendetes kommen ins Gleichgewicht.

Einfaches, aus dem Komplexes entsteht

Selbst zur Metaphorik einer offenen, dialogischen Form der Lehre, die Freiräume schaffen und nutzen möchte, passen die Einbauten und Möbel, sind Schaltafeln doch einfache, standardisierte Platten, aus denen ebenso etwas Komplexes anderes entsteht wie aus dem Zusammenspiel vieler beim Gestalten. Ein Beispiel dafür, dass nicht einfach nur Möbel gebaut wurden, sondern permanent auf verschiedenen Ebenen agiert wird, ist die lange Tafel, die nun den Eingangsbereich dominiert: Wo zuvor einzelne Tische und Stühle das Getrenntsein betonten, sitzt man jetzt gemeinsam an einem langen Tisch, ohne dass alle immer beisammen sitzen müssen. Nicht anders verhält es sich mit einem variablen „Display“-System: Einerseits füllt es selbst die Leere des Raumes, andererseits umfängt und betont es einen Binnenraum, der allererst mit Leben gefüllt werden will.

Podeste und Rückzugsorte, Stehtische und Projektionsrahmen, alles dient erkennbar einem Wechsel zwischen Nähe und Distanz. Ob es fahrbare Kojen sind, die zum Dialog vors Fenster geschoben oder zu größeren Debatteninseln kombiniert werden können, ob – ebenfalls fahrbare – Baldachine samt integrierter Sitzbänke das Gespräch an einem großen Tisch optisch und akustisch abschirmen, oder ob Lese- oder Unterrichtsbereiche durch transparente, mit Folie bespannte Raumteiler beruhigt werden, stets macht es das Mobiliar möglich, nach Bedarf eher private oder eher öffentliche Zonen herzustellen. Ganz gleich, welche Funktion die jeweiligen Prototypen auch erfüllen, sie kommentieren das Gebäude und setzen diesem etwas entgegen.

Machen und Testen

Im Grunde, so Axel Kufus, sei man so vorgegangen, als würde man eine Art „Rapid Prototyping“ betreiben. Und was daraus hervorgegangen sei, werde nun getestet. Überhaupt hat man den Eindruck, als werde hier auch künftig alles und jedes dialogisch und jenseits gängiger Hierarchien geklärt. Zumindest verändert die „Agora“ – die man bewusst als „Antagonia“, als Ort des lebendigen Streitgesprächs und mithin als Visualisierung des Zentrums des Denkens innerhalb der Schule versteht – die Art des miteinander Sprechens und Konferierens. Auch sie antwortet also auf visuelle und metaphorische Weise auf das Konzept der Schule, wenn in ihrer Mitte eine Leuchte steht, um die herum man sitzt wie um ein Lagerfeuer. Sollte der Disput doch einmal zu heftig ausfallen, so kann man die erhitzten Köpfe zur Beruhigung gemeinsam in eine beruhigende Wolke aus Stoff stecken. Ob das im Alltag auch funktioniert, wird sich zeigen.

Die Ergebnisse von zwei Wochen „Heterotopia“ ­erzählen nicht nur von der Lust des Anfangens, was voller Elan ausgedacht wurde. Sie führen auch vor Augen, was entsteht, wenn das Nachdenken an eine Praxis gekoppelt wird, die es möglich macht, Ideen zurückzuholen ins Verkörperbare. Fröhlicher und befreiender lässt sich kaum vermitteln, was „Design im Kontext“ bedeuten kann: Gemeinsam etwas zu tun, aus dem etwas entsteht. Möglichkeiten schaffen, die neue Möglichkeiten eröffnen. Lernen, was es heißt, Schule zu machen.

www.folkwang-uni.de
www.zollverein.de
www.udk-berlin.de
www.abk-stuttgart.de
www.ruedi-baur.eu
www.kufus.de


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