transparent_layer
db-images/cms/banner/img/l1_v369373_958_728_90-1.jpg
Blättern: First Back
von 2143 Forward End
Alles ist erlaubt: Ebenso bunt wie das Publikum auf der Heimtextil, geht es auch in einer der Trendboxen im „Theme Park“ zu. Foto © Barbara Wildung, Stylepark
Jahrmarkt für die Sinne
von Martina Metzner
20. Januar 2015
Auf dem Weg zur Heimtextil sitzt in der U-Bahn eine junge Dame mit brünettem Pferdeschwanz, den Blick gesenkt. In der Hand hält sie einen Stock, sie ist blind. Was würde sie bemerken, mitnehmen, wahrnehmen, wenn sie auf eine Messe wie die Heimtextil ginge? Die Farben, die Muster – all das entginge ihr doch? Obwohl sie bestimmt nicht an Blinde bei ihrer Installation dachte, so hat es Trendforscherin Anne Marie Commandeur vom Stijlinstituut aus Amsterdam doch geschafft, den neuen Heimtextil „Theme Park“ so zu gestalten, dass wohl auch Blinde viel mitnehmen würden aus der Welt der Stoffe fürs Zuhause. Nicht mehr im Forum, sondern unmittelbar in der Messehalle 4.0, wartet der Trendbereich auf die Besucher und lässt sie spielerisch von Station zu Station wandern, die allesamt kreisrund angelegt sind.

Kurzum, man fühlt sich wie in einem Fantasialand für Erwachsene: Gleich am Eingang plustern sich Berge aus Goldpapier in die Höhe und Chiffontücher wehen geheimnisvoll von der Decke. Auf Schritt und Tritt warten Überraschungen und Sinnesexplosionen, was kein Wunder ist, denn die Trendforscherin stammt aus den Niederlanden, wo einige besonders exalierte Designer zu Hause sind und die Design Academy Eindhoven, die vielleicht unkonventionellste Designhochschule Europas, ihren Sitz hat. Deren Studenten hat Frau Commandeur auch fleißig eingeladen. Die Nachwuchstalente stellen ihre letzten Entwicklungen in Sachen „Smart Textiles“, also mit Technik und Elektronik versehene, vernetzte Textilien vor, die beispielsweise vibrieren, wenn man sie streichelt. Im Labor des Künstlers Bart Hesse – diese Installation war bereits zur vergangenen Mailänder Möbelwoche im Atelier Clerici zu finden – dürfen Besucher Noppen auf Gummihäute auftragen und so an futuristischer Haute Couture mitwirken. An einer weiteren Station kann der Besucher in virtuelle Räume abtauchen und mit Hilfe von 3D-Oculus-Rift-Brillen sehen, wie Räume in Zukunft gestaltet werden.

Den Gegenpol bieten da besinnliche Stationen wie die Wellnessoase mit duftenden Salzkristallen, in die man seine Füße eintauchen kann, oder das watteweich gestaltete Schlafzimmer mit allerlei wunderbar strukturierten, flauschigen Stoffen aus Naturmaterialien. Ebenso der Muße und der Sinnlichkeit verpflichtet ist die junge Textildesignerin Diene Dekker, die mit ihrem Webstuhl aus Rotterdam angereist war und ein kleines Atelier aufgebaut hat – inklusive eines Bettes, auf dem sie aber nicht schläft, wie sie erklärt. Die Absolventin der Design Academy Eindhoven verwebt ungewöhnliche Materialien wie Plastikabsperrbänder, bedruckt Textilien per Hand so, dass sie aussehen wie abstrahierte, maschinelle Webmuster oder nimmt Papierbänder und flechtet daraus Masken und Fabelwesen.

„Für was man das brauchen kann?“, wollen manche Besucher wissen. Es sind Ideen, ein Anfang, genau wie dieser „Theme Park“, in dem natürlich die obligatorischen Stoffproben, die im Kreis von der Decke hängen, nicht fehlen dürfen. Zur Abrundung kommt hinzu, dass die Vorträge über Farbtrends bis hin zu Architekturthemen in einem eigens gestalteten Raum mit Tribüne gehalten werden, der in den „Theme Park“ integriert ist – und die damit nicht mehr in einem schnöden Konferenzraum wie in den Jahren zuvor stattfinden. Ebenso ein Novum, das Emotionen weckt – genau wie Anne Marie Commandeur sie mit ihrer Installation „Experience“ hervorrufen wollte.
„Tactile Dialogues”, ein Kissen mit integrierten Vibrationselementen, das für demente Patienten eingesetzt werden soll – eine Studienarbeit von Martijn ten Bhömer und Borre Akkersdijk, Design Academy Eindhoven. Foto © Martina Metzner, Stylepark
Die Zukunft des Einrichtens – mithilfe von digitalen Projektionen. Foto © Martina Metzner, Stylepark
Kommt die Kleidung in Zukunft aus dem 3D-Drucker? Wenn es nach den Studenten der Design Academy Eindhoven ginge, ja! Foto © Barbara Wildung, Stylepark
Was mag uns dieser goldene Haufen sagen? Vielleicht, dass die Zukunft der Heimtextilien glänzend ist? Auf jeden Fall reizt er unsere Synapsen…. Foto © Barbara Wildung, Stylepark
Im Chemielabor des Künstlers Bart Hess können sich Besucher an gummiartiger Haute Couture versuchen. Foto © Barbara Wildung, Stylepark
Die junge Textildesignerin Diene Dekkers aus Rotterdam webt starke Stücke aus Plastikbändern. Foto © Martina Metzner, Stylepark
Und für zwischendurch: ein schön gestalteter Lollipop. Foto © Martina Metzner, Stylepark
Fingerspitzengefühl: Durch Geräusche bläht sich diese Leuchte wie eine Qualle auf.
Foto © Barbara Wildung, Stylepark
Soft, softer, Heimtextil: natürliche Materialien, helle Farben und Strukturen zum Reinkuscheln.
Foto © Martina Metzner, Stylepark
Alle Stationen im „Theme Park” sind kreisrund angelegt. Foto © Barbara Wildung, Stylepark
News & Stories › 2015 › Januar
Jahrmarkt für die Sinne
von Martina Metzner | 20. Januar 2015
Anne Marie Commandeur vom Stijlinstituut aus Amsterdam hat für die Heimtextil den neuen „Theme Park“ gestaltet – und einen sinnlichen Parcours durch die Welt der Stoffe fürs Zuhause geschaffen.
Auf dem Weg zur Heimtextil sitzt in der U-Bahn eine junge Dame mit brünettem Pferdeschwanz, den Blick gesenkt. In der Hand hält sie einen Stock, sie ist blind. Was würde sie bemerken, mitnehmen, wahrnehmen, wenn sie auf eine Messe wie die Heimtextil ginge? Die Farben, die Muster – all das entginge ihr doch? Obwohl sie bestimmt nicht an Blinde bei ihrer Installation dachte, so hat es Trendforscherin Anne Marie Commandeur vom Stijlinstituut aus Amsterdam doch geschafft, den neuen Heimtextil „Theme Park“ so zu gestalten, dass wohl auch Blinde viel mitnehmen würden aus der Welt der Stoffe fürs Zuhause. Nicht mehr im Forum, sondern unmittelbar in der Messehalle 4.0, wartet der Trendbereich auf die Besucher und lässt sie spielerisch von Station zu Station wandern, die allesamt kreisrund angelegt sind.

Kurzum, man fühlt sich wie in einem Fantasialand für Erwachsene: Gleich am Eingang plustern sich Berge aus Goldpapier in die Höhe und Chiffontücher wehen geheimnisvoll von der Decke. Auf Schritt und Tritt warten Überraschungen und Sinnesexplosionen, was kein Wunder ist, denn die Trendforscherin stammt aus den Niederlanden, wo einige besonders exalierte Designer zu Hause sind und die Design Academy Eindhoven, die vielleicht unkonventionellste Designhochschule Europas, ihren Sitz hat. Deren Studenten hat Frau Commandeur auch fleißig eingeladen. Die Nachwuchstalente stellen ihre letzten Entwicklungen in Sachen „Smart Textiles“, also mit Technik und Elektronik versehene, vernetzte Textilien vor, die beispielsweise vibrieren, wenn man sie streichelt. Im Labor des Künstlers Bart Hesse – diese Installation war bereits zur vergangenen Mailänder Möbelwoche im Atelier Clerici zu finden – dürfen Besucher Noppen auf Gummihäute auftragen und so an futuristischer Haute Couture mitwirken. An einer weiteren Station kann der Besucher in virtuelle Räume abtauchen und mit Hilfe von 3D-Oculus-Rift-Brillen sehen, wie Räume in Zukunft gestaltet werden.

Den Gegenpol bieten da besinnliche Stationen wie die Wellnessoase mit duftenden Salzkristallen, in die man seine Füße eintauchen kann, oder das watteweich gestaltete Schlafzimmer mit allerlei wunderbar strukturierten, flauschigen Stoffen aus Naturmaterialien. Ebenso der Muße und der Sinnlichkeit verpflichtet ist die junge Textildesignerin Diene Dekker, die mit ihrem Webstuhl aus Rotterdam angereist war und ein kleines Atelier aufgebaut hat – inklusive eines Bettes, auf dem sie aber nicht schläft, wie sie erklärt. Die Absolventin der Design Academy Eindhoven verwebt ungewöhnliche Materialien wie Plastikabsperrbänder, bedruckt Textilien per Hand so, dass sie aussehen wie abstrahierte, maschinelle Webmuster oder nimmt Papierbänder und flechtet daraus Masken und Fabelwesen.

„Für was man das brauchen kann?“, wollen manche Besucher wissen. Es sind Ideen, ein Anfang, genau wie dieser „Theme Park“, in dem natürlich die obligatorischen Stoffproben, die im Kreis von der Decke hängen, nicht fehlen dürfen. Zur Abrundung kommt hinzu, dass die Vorträge über Farbtrends bis hin zu Architekturthemen in einem eigens gestalteten Raum mit Tribüne gehalten werden, der in den „Theme Park“ integriert ist – und die damit nicht mehr in einem schnöden Konferenzraum wie in den Jahren zuvor stattfinden. Ebenso ein Novum, das Emotionen weckt – genau wie Anne Marie Commandeur sie mit ihrer Installation „Experience“ hervorrufen wollte.