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Spezial | das BÜro nach dem BÜro
initiiert von Evoline
Jedem das Licht, das er braucht
Adeline Seidel im GesprÄch mit
Stefan von Terzi, Marketingdirektor bei Zumtobel
5. November 2013
Adeline Seidel: Wie wirken sich aktuellen Entwicklungen zur flexiblen Nutzung des Büros und zu individuell anpassbaren Arbeitsplätzen auf die Lichtbranche aus?

Stefan von Terzi: Ich bin mir manchmal nicht sicher, ob diese Entwicklung schon überall angekommen ist. Schaut man durch die gängigen Bürobroschüren der Lichtindustrie, scheint immer noch der Einzelarbeitsplatz im Fokus zu stehen. Wir sehen Arbeitssituationen und Arbeitsplätze differenzierter: Es haben sich unterschiedliche Tätigkeitsbereiche und Subanwendungen in einer Bürolandschaft entwickelt. Deswegen wird eine Standartbeleuchtung über alle Anwendungsbereiche hinweg der Aufgabenstellung nicht mehr gerecht. Informelle Besprechungsbereiche, Rückzugs- oder Erholungszonen benötigen nun einmal andere Lichtsituationen als beispielsweise Einzelarbeitsplätze – ansonsten werden sie vom Büroarbeiterüberhaupt nicht oder nur ungern aufgesucht.

Im Gespräch: Stefan von Terzi, Marketingdirektor bei Zumtobel. Foto © Adam Drobiec
Können Sie die einzelnen Arbeitsbereiche und die daraus folgenden Konsequenzen für die Lichtqualität genauer beschreiben?

Stefan von Terzi: Bereiche für ein konzentriertes, fokussiertes Arbeiten sollten in der Nähe von Fensterfronten platziert werden. Diese Bereiche kennzeichnet ein Mix aus Tages- und Kunstlicht. Hier besteht die Herausforderung darin, eine gleichmäßige Lichtqualität blendfrei und in der richtigen Farbtemperatur bereitzustellen. Bei Projektarbeitsplätzen arbeitet man in kleinen Gruppen von vier bis sechs Personen häufig sehr aktiv – an Stehtischen und vertikalen, beschreibbaren Flächen wie „Whiteboards“ oder „Smartboards“. Horizontales Ausleuchten wäre hier vollkommen ungeeignet. Hier braucht es eine indirekte Beleuchtung mit kühleren Farbtemperaturen.

In Zumtobels Lichtforum auf dem Firmengelände in Dornbirn erlebt man Licht in allen Facetten. Foto © Adam Drobiec
Sophie Moser, PR Manager bei Zumtobel, führt durch das Lichtforum. Foto © Adam Drobiec
Unterscheiden sich die „Lichtbedürfnisse“ von Mitarbeiter zu Mitarbeiter eigentlich sehr?

Stefan von Terzi: Oft arbeiten drei, manchmal sogar vier Generationen in einem Unternehmen. Wenn man hier einmal hineinleuchtet, was diese unterschiedlichen Generationen unter „Arbeitsplatzbedingungen“ und unter „Beleuchtung“ verstehen, so stellt man fest: Die Vorstellungen können weit auseinander klaffen. So kommt man bei älteren Mitarbeitern mit dem Normwert von 500 Lux in einem Büro gar nicht mehr aus. Zudem weisen unsere Studien nach, dass diese Mitarbeitergeneration eine stärkere Strukturierung von Arbeitsplatzbereichen verlangt und durchaus das Zellenbüro präferiert. Die Jüngeren hingegen bevorzugen offene, interaktive Raumformen, beanspruchen eine viel stärkere Technologieintegration am Arbeitsplatz und nutzen flexibel die diversen räumlichen Angebote für unterschiedliche Tätigkeiten. Für diese jüngere Generation sollten die Räume multifunktional konzipiert werden. Unsere Kunden benötigen also ein Lichtsystem, das es den einzelnen Mitarbeitern ermöglicht, das Licht individuell an die jeweiligen Bedürfnisse anzupassen.

Messung der Wasserdichtigkeit. Foto © Zumtobel
Magnetfeld-Messung der Produkte. Foto © Zumtobel
Wie generiert und evaluiert „Zumtobel“ sein Wissen? Und wie beeinflussen die Ergebnisse von Studien dann Ihre Produkte?

Stefan von Terzi: Wir forschen aktiv, sowohl intern als auch mit externen Partnern und Forschungsinstituten. Gerade führen wir beispielsweise eine weltweite Nutzerstudie zur wahrgenommenen Lichtqualität im Büro gemeinsam mit dem Fraunhofer IAO durch. Je nachdem welche Art von Erhebung stattfindet, bekommen wir ein sehr konkretes Feedback, beispielsweise, welche Farbtemperatur des Lichts von welcher Personengruppe bevorzugt wird. Oder wie die Steuerbarkeit der Lichtsituation für den eigenen Arbeitsplatz bewertet wird. Wir können Aussagen dazu treffen, welche Altersgruppen welche Lichtsituation bei einer bestimmten Tätigkeit bevorzugen. Selbst regionale Unterschiede können wir benennen. Dieses Wissen über Nutzerbedürfnisse schafft die Voraussetzung für die Entwicklung innovativer und relevanter Lichtlösungen.

In der Zürcher Zentrale der „Credit Suisse“ im Uetlihof 2 verwenden Sie die Systeme „sensControl“ und „swarmControl“. Sind diese Entwicklungen Ergebnis ihrer Forschungsinitiativen und Analysen der Nutzerbedürfnisse?

Stefan von Terzi: Beide Entwicklungen sind ein sehr gutes Beispiel. Hier kommen zwei Partner zusammen: Zum einen der Kunde und Nutzer mit seinen Erwartungen an die Qualität eines Arbeitsplatzes, zum anderen unsere Forschungs- und Entwicklungsabteilung, die zu verwandten Themen bereits gearbeitet hat. Erst solche Konstellationen führen meiner Meinung nach zu einer relevanten Innovation, die aktuelle Probleme löst. Der Architekt nimmt hier die Rolle des Dirigenten ein: Er ist es, der die Fäden des Gesamtkonzeptes zusammenhält, und er ist e auch, der uns vor diese technischen Herausforderungen stellt.

Im Lichtforum werden die unterschiedlichen Produkte gezeigt. Foto © Adam Drobiec
Was genau muss man sich unter „sensControl“ und „swarmControl“ vorstellen – und wozu braucht man das?

Stefan von Terzi: Im Grunde ist „swarmControl“ ein hoch flexibles Stehleuchten-Konzept. Ein Bespiel: Fühlen Sie sich spät abends im Großraumbüro wohl, wenn sie einmal länger arbeiten und ihre Leuchte die einzige ist, die den Raum erhellt? Wahrscheinlich nicht. Fragt man aber den Facility Manager, so wird er sagen: „Wozu die gesamte Beleuchtung brennen lassen, wenn nur eine Person im Büro ist?“ Aus dem Grund haben wir „swarmControl“ entwickelt: Jede Stehleuchte eines Arbeitsplatzes verfügt über einen Sensor. Diese Sensoren kommunizieren untereinander und können Dimm-Niveaus untereinander anpassen. Der Sensor reagiert auf die Anwesenheit der Nutzer und korrespondiert mit den anderen Leuchten in einer bestimmten Reichweite. So folgt dem Nutzer eine Art „Lichtwolke“, wenn er sich durch den Raum bewegt. Bei „swarmControl“ folgt das Licht dem Nutzer. Unter „sensControl“ verstehen wir dagegen grundsätzlichdie individuelle Lichtsteuerung über Sensoren. Der Präsenzmelder aktiviert die Leuchte automatisch, wenn eine Person am Arbeitsplatz ist, der Lichtsensor misst parallel dazu das zur Verfügung stehende Tageslicht und dimmt die Leuchte entsprechend. Verlässt der Mitarbeiter den Arbeitsplatz schaltet sich die Leuchte ab. Zusätzlich lässt sich die Leuchte noch individuell einstellen. In Zukunft wird das beispielsweise via „Bluetooth“ von einem Smartphone ansteuer- und damit auch regulierbar sein.

Die Zumtobel Produktionshallen in Dornbirn. Foto © Adam Drobiec
Hat sich die Elektrifizierung eines Gebäudes durch die neuen Lichtanwendungen verändert? Welche Herausforderungen gibt es, die bei der Planung bedacht werden sollten?

Stefan von Terzi: Wir sprechen oft mit Architekten. Einer der größten Zeitfresser ist für sie der Abgleich von Schnittstellen bei der Elektrifizierung: Softwareinterfaces, Normen und Technologiestandards müssen aufeinander abgestimmt werden, damit die gesamte Gebäudeeinheit auch in ihrer technologischen Performance die erwartete Leistung bringt. Je früher wir bei der Planung als Partner mit einbezogen werden, desto besser sind wir in der Lage, den Projektverantwortlichen mit unserem Wissen über Normen, Licht und Schnittstellen zu unterstützen. Und das wiederum verschafft ihm einen erheblichen Zeitvorteil.

Inwiefern wird eigentlich die Elektrifizierung von Lichtsystemen mit der Elektrifizierung von Arbeitsplätzen zusammen gedacht?

Stefan von Terzi: In der Realität sind es, so wie ich es wahrnehme, noch immer getrennte Systeme. Für den Nutzer sind Datenzugänge, Strom- und Ladevorgänge natürlich die wesentlichen Forderungen, die er an den Arbeitsplatz stellt. Ich wundere mich immer wieder darüber, dass die Elektrifizierung selten auf unkomplizierte Weise gelöst ist. Wenn man elektrifiziert, muss man ganz genau wissen, was für Tätigkeiten wo und wann stattfinden. Ich erlebe es immer wieder, dass Rückzugsbereiche oder Wartebereiche ohne eine einzige Steckdose geplant werden. Heute ist von allen Planungsbeteiligten gefordert, verstärkt die Perspektive des Nutzers einzunehmen, um eine gute Arbeitsumgebung zu gestalten. Und das wiederum bedingt, dass wir alle früher verstehen müssen, wie wir Tätigkeiten optimieren und unterstützen können. Hier steckt ein noch nicht ausgeschöpftes Potential, Systeme der Elektrifizierung mit Lichtsystemen und Büromöbelausstattern zusammenzudenken.

Foto © Adam Drobiec
Wie schätzen Sie die Entwicklung von adaptiven Lichtsystemen ein?

Stefan von Terzi: Es gibt Unternehmen, die sprechen heute schon vom „empathischen Raum“. Gemeint ist damit ein Raum, der versteht, was für Lichtqualität benötigt wird, und darauf eingeht, wie ein Raum genutzt wird, wer sich darin aufhält und was darin passiert. Das sind ganz sicher Lichtkonzepte, die stärker auf Sensorik setzen und Softwarelösungen, die vom Verhalten des Nutzers lernen – weil dieser in Zukunft beispielsweise die Helligkeit und die Farbtemperatur des Lichtes in seiner Arbeitsumgebung über Apps im Smartphone oder über ein Bildschirmmenü steuern kann.

Das „Homeoffice“ ist ein wichtiger Bestandteil der heutigen Arbeitskultur, die aus mehr besteht als aus einem Arbeitsplatz. Kann ich eine Zumtobel-Lösung für meinen Arbeitsplatz zuhause erwarten?

Stefan von Terzi: Dieser Aspekt erhält in unseren Konzepten zunehmend eine höhere Relevanz. Aber unsere heutige Ausrichtung ist noch ganz klar „Business-to-Business“. Wir werden uns aber zunehmend Situationen annehmen, die keine „klassischen“ Bürosituationen sind, sondern beispielweise in Richtung informelle Bereiche in unterschiedlichen Lebensbereichen gehen.

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Produkte
Evoline: Frame Dock @ Stylepark
Evoline
Frame Dock
Evoline: Dock @ Stylepark
Evoline
Dock
Evoline: U-Dock @ Stylepark
Evoline
U-Dock
Evoline: Port @ Stylepark
Evoline
Port
Evoline: Vertical @ Stylepark
Evoline
Vertical
Evoline: V-Dock @ Stylepark
Evoline
V-Dock
Evoline: Plug Schutzkontaktstecker @ Stylepark
Evoline
Plug Schutzkontaktstecker
News & Stories › 2013 › November
Jedem das Licht, das er braucht
5. November 2013
Licht ist aus unserer Arbeitswelt nicht wegzudenken. Trotzdem lässt es sich nur selten an die individuellen Bedürfnisse der Nutzer anpassen. Genau das wird sich ändern. Adeline Seidel hat mit Stefan von Terzi, Marketingdirektor bei „Zumtobel“, über Entwicklungen der Lichtgestaltung am Arbeitsplatz gesprochen.
Adeline Seidel: Wie wirken sich aktuellen Entwicklungen zur flexiblen Nutzung des Büros und zu individuell anpassbaren Arbeitsplätzen auf die Lichtbranche aus?

Stefan von Terzi: Ich bin mir manchmal nicht sicher, ob diese Entwicklung schon überall angekommen ist. Schaut man durch die gängigen Bürobroschüren der Lichtindustrie, scheint immer noch der Einzelarbeitsplatz im Fokus zu stehen. Wir sehen Arbeitssituationen und Arbeitsplätze differenzierter: Es haben sich unterschiedliche Tätigkeitsbereiche und Subanwendungen in einer Bürolandschaft entwickelt. Deswegen wird eine Standartbeleuchtung über alle Anwendungsbereiche hinweg der Aufgabenstellung nicht mehr gerecht. Informelle Besprechungsbereiche, Rückzugs- oder Erholungszonen benötigen nun einmal andere Lichtsituationen als beispielsweise Einzelarbeitsplätze – ansonsten werden sie vom Büroarbeiterüberhaupt nicht oder nur ungern aufgesucht.

Können Sie die einzelnen Arbeitsbereiche und die daraus folgenden Konsequenzen für die Lichtqualität genauer beschreiben?

Stefan von Terzi: Bereiche für ein konzentriertes, fokussiertes Arbeiten sollten in der Nähe von Fensterfronten platziert werden. Diese Bereiche kennzeichnet ein Mix aus Tages- und Kunstlicht. Hier besteht die Herausforderung darin, eine gleichmäßige Lichtqualität blendfrei und in der richtigen Farbtemperatur bereitzustellen. Bei Projektarbeitsplätzen arbeitet man in kleinen Gruppen von vier bis sechs Personen häufig sehr aktiv – an Stehtischen und vertikalen, beschreibbaren Flächen wie „Whiteboards“ oder „Smartboards“. Horizontales Ausleuchten wäre hier vollkommen ungeeignet. Hier braucht es eine indirekte Beleuchtung mit kühleren Farbtemperaturen.

Unterscheiden sich die „Lichtbedürfnisse“ von Mitarbeiter zu Mitarbeiter eigentlich sehr?

Stefan von Terzi: Oft arbeiten drei, manchmal sogar vier Generationen in einem Unternehmen. Wenn man hier einmal hineinleuchtet, was diese unterschiedlichen Generationen unter „Arbeitsplatzbedingungen“ und unter „Beleuchtung“ verstehen, so stellt man fest: Die Vorstellungen können weit auseinander klaffen. So kommt man bei älteren Mitarbeitern mit dem Normwert von 500 Lux in einem Büro gar nicht mehr aus. Zudem weisen unsere Studien nach, dass diese Mitarbeitergeneration eine stärkere Strukturierung von Arbeitsplatzbereichen verlangt und durchaus das Zellenbüro präferiert. Die Jüngeren hingegen bevorzugen offene, interaktive Raumformen, beanspruchen eine viel stärkere Technologieintegration am Arbeitsplatz und nutzen flexibel die diversen räumlichen Angebote für unterschiedliche Tätigkeiten. Für diese jüngere Generation sollten die Räume multifunktional konzipiert werden. Unsere Kunden benötigen also ein Lichtsystem, das es den einzelnen Mitarbeitern ermöglicht, das Licht individuell an die jeweiligen Bedürfnisse anzupassen.

Wie generiert und evaluiert „Zumtobel“ sein Wissen? Und wie beeinflussen die Ergebnisse von Studien dann Ihre Produkte?

Stefan von Terzi: Wir forschen aktiv, sowohl intern als auch mit externen Partnern und Forschungsinstituten. Gerade führen wir beispielsweise eine weltweite Nutzerstudie zur wahrgenommenen Lichtqualität im Büro gemeinsam mit dem Fraunhofer IAO durch. Je nachdem welche Art von Erhebung stattfindet, bekommen wir ein sehr konkretes Feedback, beispielsweise, welche Farbtemperatur des Lichts von welcher Personengruppe bevorzugt wird. Oder wie die Steuerbarkeit der Lichtsituation für den eigenen Arbeitsplatz bewertet wird. Wir können Aussagen dazu treffen, welche Altersgruppen welche Lichtsituation bei einer bestimmten Tätigkeit bevorzugen. Selbst regionale Unterschiede können wir benennen. Dieses Wissen über Nutzerbedürfnisse schafft die Voraussetzung für die Entwicklung innovativer und relevanter Lichtlösungen.

In der Zürcher Zentrale der „Credit Suisse“ im Uetlihof 2 verwenden Sie die Systeme „sensControl“ und „swarmControl“. Sind diese Entwicklungen Ergebnis ihrer Forschungsinitiativen und Analysen der Nutzerbedürfnisse?

Stefan von Terzi: Beide Entwicklungen sind ein sehr gutes Beispiel. Hier kommen zwei Partner zusammen: Zum einen der Kunde und Nutzer mit seinen Erwartungen an die Qualität eines Arbeitsplatzes, zum anderen unsere Forschungs- und Entwicklungsabteilung, die zu verwandten Themen bereits gearbeitet hat. Erst solche Konstellationen führen meiner Meinung nach zu einer relevanten Innovation, die aktuelle Probleme löst. Der Architekt nimmt hier die Rolle des Dirigenten ein: Er ist es, der die Fäden des Gesamtkonzeptes zusammenhält, und er ist e auch, der uns vor diese technischen Herausforderungen stellt.

Was genau muss man sich unter „sensControl“ und „swarmControl“ vorstellen – und wozu braucht man das?

Stefan von Terzi: Im Grunde ist „swarmControl“ ein hoch flexibles Stehleuchten-Konzept. Ein Bespiel: Fühlen Sie sich spät abends im Großraumbüro wohl, wenn sie einmal länger arbeiten und ihre Leuchte die einzige ist, die den Raum erhellt? Wahrscheinlich nicht. Fragt man aber den Facility Manager, so wird er sagen: „Wozu die gesamte Beleuchtung brennen lassen, wenn nur eine Person im Büro ist?“ Aus dem Grund haben wir „swarmControl“ entwickelt: Jede Stehleuchte eines Arbeitsplatzes verfügt über einen Sensor. Diese Sensoren kommunizieren untereinander und können Dimm-Niveaus untereinander anpassen. Der Sensor reagiert auf die Anwesenheit der Nutzer und korrespondiert mit den anderen Leuchten in einer bestimmten Reichweite. So folgt dem Nutzer eine Art „Lichtwolke“, wenn er sich durch den Raum bewegt. Bei „swarmControl“ folgt das Licht dem Nutzer. Unter „sensControl“ verstehen wir dagegen grundsätzlichdie individuelle Lichtsteuerung über Sensoren. Der Präsenzmelder aktiviert die Leuchte automatisch, wenn eine Person am Arbeitsplatz ist, der Lichtsensor misst parallel dazu das zur Verfügung stehende Tageslicht und dimmt die Leuchte entsprechend. Verlässt der Mitarbeiter den Arbeitsplatz schaltet sich die Leuchte ab. Zusätzlich lässt sich die Leuchte noch individuell einstellen. In Zukunft wird das beispielsweise via „Bluetooth“ von einem Smartphone ansteuer- und damit auch regulierbar sein.

Hat sich die Elektrifizierung eines Gebäudes durch die neuen Lichtanwendungen verändert? Welche Herausforderungen gibt es, die bei der Planung bedacht werden sollten?

Stefan von Terzi: Wir sprechen oft mit Architekten. Einer der größten Zeitfresser ist für sie der Abgleich von Schnittstellen bei der Elektrifizierung: Softwareinterfaces, Normen und Technologiestandards müssen aufeinander abgestimmt werden, damit die gesamte Gebäudeeinheit auch in ihrer technologischen Performance die erwartete Leistung bringt. Je früher wir bei der Planung als Partner mit einbezogen werden, desto besser sind wir in der Lage, den Projektverantwortlichen mit unserem Wissen über Normen, Licht und Schnittstellen zu unterstützen. Und das wiederum verschafft ihm einen erheblichen Zeitvorteil.

Inwiefern wird eigentlich die Elektrifizierung von Lichtsystemen mit der Elektrifizierung von Arbeitsplätzen zusammen gedacht?

Stefan von Terzi: In der Realität sind es, so wie ich es wahrnehme, noch immer getrennte Systeme. Für den Nutzer sind Datenzugänge, Strom- und Ladevorgänge natürlich die wesentlichen Forderungen, die er an den Arbeitsplatz stellt. Ich wundere mich immer wieder darüber, dass die Elektrifizierung selten auf unkomplizierte Weise gelöst ist. Wenn man elektrifiziert, muss man ganz genau wissen, was für Tätigkeiten wo und wann stattfinden. Ich erlebe es immer wieder, dass Rückzugsbereiche oder Wartebereiche ohne eine einzige Steckdose geplant werden. Heute ist von allen Planungsbeteiligten gefordert, verstärkt die Perspektive des Nutzers einzunehmen, um eine gute Arbeitsumgebung zu gestalten. Und das wiederum bedingt, dass wir alle früher verstehen müssen, wie wir Tätigkeiten optimieren und unterstützen können. Hier steckt ein noch nicht ausgeschöpftes Potential, Systeme der Elektrifizierung mit Lichtsystemen und Büromöbelausstattern zusammenzudenken.

Wie schätzen Sie die Entwicklung von adaptiven Lichtsystemen ein?

Stefan von Terzi: Es gibt Unternehmen, die sprechen heute schon vom „empathischen Raum“. Gemeint ist damit ein Raum, der versteht, was für Lichtqualität benötigt wird, und darauf eingeht, wie ein Raum genutzt wird, wer sich darin aufhält und was darin passiert. Das sind ganz sicher Lichtkonzepte, die stärker auf Sensorik setzen und Softwarelösungen, die vom Verhalten des Nutzers lernen – weil dieser in Zukunft beispielsweise die Helligkeit und die Farbtemperatur des Lichtes in seiner Arbeitsumgebung über Apps im Smartphone oder über ein Bildschirmmenü steuern kann.

Das „Homeoffice“ ist ein wichtiger Bestandteil der heutigen Arbeitskultur, die aus mehr besteht als aus einem Arbeitsplatz. Kann ich eine Zumtobel-Lösung für meinen Arbeitsplatz zuhause erwarten?

Stefan von Terzi: Dieser Aspekt erhält in unseren Konzepten zunehmend eine höhere Relevanz. Aber unsere heutige Ausrichtung ist noch ganz klar „Business-to-Business“. Wir werden uns aber zunehmend Situationen annehmen, die keine „klassischen“ Bürosituationen sind, sondern beispielweise in Richtung informelle Bereiche in unterschiedlichen Lebensbereichen gehen.