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Fischgrät-Parkett neu interpretiert von Patricia Urquiola: „Biscuit Collection“ für Margaritelli Italia. Foto © Tyler Loco
Kein Boden ohne Story
von Uta Abendroth
19. Januar 2016
„Innovation ist der Antrieb unserer Welt“, sagt Piero Lissoni. Besser als der italienische Architekt und Designer, in diesem Jahr Special Guest der Domotex in Hannover, hätten es die Veranstalter der Weltleitmesse für Teppiche und Bodenbeläge nicht formulieren können. Mit ihrem Neuheiten-Konzept „Innovations@Domotex“ arbeitet die führende Messe für Bodenbeläge seit drei Jahren daran, zu zeigen, was Teppich, Holzboden und Designboden so alles können und wie sie Interior Design und Architektur bereichern. Unter dem Vorsitz von Stefan Diez wählt eine Jury alljährlich die spannendsten Neuheiten der DOMOTEX aus. „Nicht immer sind die Produkte optisch ausgereift“, sagt der Designer, „aber es stecken viele gute Ideen und interessante Neuerungen darin. Die Aufmerksamkeit für Bodenbeläge wächst. Auch wir Gestalter sehen das Potenzial, das darin steckt.“ In diesem Jahr stellten 1.441 Aussteller aus 59 Ländern vom 16. Bis 19. Januar in den Hallen der Messe Hannover ihre Produkte aus. Trotz heftigem Wintereinbruch mit starkem Schneefall am ersten Messetag, zeigte sich der Vorstand der Deutschen Messe, Dr. Jochen Köckler, überaus zufrieden, was die ersten Zahlen anging: „Wir sind gut gestartet, am ersten Tag kamen mehr Besucher als im Vorjahr.“

Frisch aus dem Sägewerk

Holz zählt zu den ältesten Materialien für Bodenbeläge überhaupt. Während Laminat- und Designboden-Hersteller noch an der perfekten Imitation von Holzoberflächen arbeiten, erlebt das Ursprungsmaterial ein Comeback. Massive Holzböden müssen eine bestimmte Dicke sowie einen guten Unterbau haben, damit sie nicht auf Luftfeuchtigkeit reagieren, sich ausdehnen und zusammenziehen. Natürlich und ursprünglich soll der Holzboden wirken. Daher wird heute geölt und nicht mehr versiegelt, denn dadurch gehen die haptischen Qualitäten des Materials nicht verloren, andererseits lassen sich Schäden leichter beheben. Gerade rustikale Oberflächen bei Dielen, mit Rillen, Astlöchern und Unebenheiten wie „frisch aus dem Sägewerk“ sind stark gefragt.

„Die Natur ist der beste Designer“, heißt es daher beim österreichischen Unternehmen Mafi: Aus 13 mitteleuropäischen Holzarten entstehen Beläge mit gebürsteten oder geschliffenen Oberflächen; der Fokus liegt auf geölten Dielen in naturbelassener, aber auch in Weiß und Grau lasierter Qualität. „Domino Lärche Vulcano“ ist ein massiver Belag aus Hirnholzklötzen, die dem Boden eine unglaubliche Stabilität verleihen. Dank der Thermobehandlung des Holzes hat nahezu jeder Block eine andere Farbe, was eine lebendige Oberfläche entstehen lässt und eine Vielfalt an Kombinationsmöglichkeiten bietet. Mafi Naturholzböden sind für Fußbodenheizungen geeignet, die Dielen werden mit einem sogenannten „White Glue“ auf Essigbasis verklebt, das als ökologisch unbedenklich gilt; produziert wird nur auf Nachfrage.

Das alte Fischgrät-Parkett hat Patricia Urquiola neu interpretiert. Die „Biscuit Collection“ der Spanierin für Margaritelli Italia hat eine sehr feminine Anmutung. Die einzelnen Parkettstäbe sind schlank und am Ende abgerundet, wodurch sich beim Verlegen eine lebendige Optik ergibt. Zusätzlich ist die Oberfläche leicht gewölbt. Das ist kompliziert in der Herstellung, aber angenehm zu berühren.

Sanfte Welle

Ein weiterer Holzspezialist ist die 1857 gegründete Firma Kährs, die ihre Böden an aktuelle Design- und Farbtrends anpasst und dafür mit externen Designern zusammenarbeitet. Derzeit ist die Farbe Weiß ein wichtiges Thema bei den Schweden. Die wachsende Nachfrage, vor allem in Mitteleuropa, hat zu zwei Kollektionen geführt: „A Whiter Shade of Pale“ und „A Soft Wave“. Weißes Öl wird nach dem Bürsten in die Poren des Holzes eingebracht; die Struktur des Holzes bleibt erhalten – fertig ist die helle Landhausdiele. Die bessere Geschichte ist die eines Alvar Aalto-Entwurfs: Vor rund 25 Jahren hatte der Finne einen Bodenbelag gestaltet, für den Birkenholzfurnier vertikal gestellt und geschnitten wird. Dadurch wird das für einen Bodenbelag ansonsten zu weiche Holz ausreichend strapazierfähig. Das zur klassischen Eiche nun vermehrt auch andere Hölzer von den Anbietern vorgestellt wurden, zeigt sich auch bei Kährs: In der „Domani Collection Druma“ bleiben Risse und Hobelspuren sichtbar, der Ton geht ins Graue und zeugt schon fast von einer urtümlichen Schönheit.

Ein anderes Material, das endlich sein verstaubtes Image ablegen kann, ist Kork. Dieser wird jedoch neu verarbeitet, eingefärbt und teils bedruckt, sodass neue, zeitgemäße Optiken entstehen. Bei der Kollektion „Wicanders Artcomfort Reclaimed“ vom portugiesischen Hersteller Amorim werden in hoher Qualität Holz- und Stein-Dekore direkt auf den Kork gedruckt. Einer der größten Vorteile von Kork ist die Geräuschdämmung, das Material ist „leise“. Darüber hinaus sind die thermischen Eigenschaften so gut, dass Räume sich angenehm warm anfühlen. Die Temperatur kann sogar, wenn ein Raum mit Kork ausgelegt wird, um zwei Grad Celsius gesenkt werden – das ist vielleicht für einen Privathaushalt nicht entscheidend, aber unter Kostengesichtspunkten durchaus interessant für die Hotellerie. Ein weiteres interessantes Produkt des Weltmarktführers für Korkprodukte ist die Serie „Authentica“ der Kollektion „Vinylcomfort“: Durch die Verringerung der Vinylschicht, den Verzicht auf einen PVC-Träger und eine nur 0,55 Millimeter dünne transparente Folie ist die mittlere Korkschicht deutlich stärker geworden.

Von der Mode inspiriert

Aber nicht nur Holzböden, auch Teppiche gelangen wieder mehr in den Fokus von Interior Design – nicht allein durch besonders weiche, naturnahe oder gar natürliche Qualitäten, sondern auch mit filigraneren und auf die Design-Welt abgestimmteren Farbkonzepten. So hat Giulio Ridolfo, der als Farbexperte bereits für Vitra, Moroso ,Fritz Hansen und Kvadrat gearbeitet hat, für Vorwerk die bestehende Kollektion „Fascination“ überarbeitet – 85 Prozent der 350 Farben sind neu. „Wir haben zwei Jahre lang dafür gebraucht“, erklärt der italienische Designer, dessen Karriere einst in der Modewelt begann. „Wir sind umgeben von Farben und sie können sogar ganze Epochen definieren. Es geht darum, Nuancen aufzugreifen und sie in Teppiche für ganz verschiedene Situationen und Orte einzufangen.“ Das Vorwerk Atelier hat zusätzlich Bordüren für abgepasste Teppiche entwickelt, denn der Trend geht – zumindest in Europa – weg von „Wall-to-wall“-Teppichen. Die Bordüren sind aus Stoff oder Leder, sie sind ein-, zwei- oder dreifarbig und schmal oder breit – die Einfassungen, ästhetisch von der Mode inspiriert, setzen Akzente und verleihen den Teppichen zusätzlich Charakter. Darüberhinaus gibt es noch die „Selected Rugs“-Kollektion der Bordürenteppiche, die Vorwerks Philosophie, Böden in Welten zu verwandeln und sie als aktives gestalterisches Element eines Raumes ins Bewusstsein zu rufen, auf den Punkt bringt.

Auch Balsan setzt auf Farben und modische Muster. Dafür arbeitet das französische Unternehmen unter anderem mit der „Ecole Nationale Supérieure des Beaux-Arts“ in Lyon zusammen. Die Studenten haben die Kollektion „Dare Your Dreams Talents“ entworfen, wobei sie auf 160 Farben von Balsan zurückgreifen konnten. Rodolphe Ake, der einzige Mann im Team, hat das klassische Hahnentritt-Muster verfremdet und mit pinkfarbenen Akzenten zusätzlich modernisiert.

Bei den handgefertigten Teppichen ging es schon immer darum, Geschichten zu erzählen. Gärten und Tiere wurden ebenso dargestellt wie symbolträchtige, historische Ornamente. Das Angebot von Zollanvari umfasst klassische und moderne Designs, bringt sie zusammen in allen möglichen Formen: als grob geknüpfter Gabbeh oder als flach gewebter Kelim. Auf der Domotex präsentierten die Züricher mit iranischen Wurzeln eine moderne Kollektion aus ihrer „Kundan Pure Silk“-Linie, die von Tierfellen und Häuten inspiriert ist. Die Teppiche werden in Indien mit Seide hergestellt. Diese nimmt Farbe anders als die anderen Garne des Teppichs an, dadurch entsteht eine schimmernde, strukturierte Textur. Die Linie wird im indischen Rajasthan als Reaktion auf das US-Embargo auf iranische Produkte geknüpft. Die anstehende Aufhebung des Embargos wird von den „Rugies“, so wie sich die Menschen in der handgeknüpften Teppichwelt bezeichnen, sehnlichst erwartet – und wird das Geschäft stark verändern.

Geschichten von Geschichten

Für gewagte Designs und starke Farbe ist das Label Rug Star bekannt. Die neue „Animal Collection“, für die sich Designer und Inhaber Jürgen Dahlmanns von 400 Jahre alten indischen Tierzeichnungen inspirieren ließ, ist da fast zurückhaltend. Insgesamt sind es 400 neue Farb- und Designvarianten, die der Berliner präsentiert: „Ein Teppich schafft Räume, definiert Verkehrs- und Aufenthaltsflächen, bildet Intimität – ohne fehlt was.“ Und wieder wird eine Geschichte zum Besten gegeben: Jürgen Dahlmanns erzählt, dass er mehrmals im Monat Freunde mit einem Teppich besucht, um ihn in deren Wohnung zu inszenieren und zu fotografieren. Über die kommenden zwei Jahre soll so eine Dokumentation entstehen und zeigen, wie die textilen Kunstwerke Räume abrunden. Der Titel des Buches steht schon fest: „Intimacy Berlin“ – und ist kein einfaches Teppich-Lookbook, sondern ein Kompendium, das Geschichten von Geschichten erzählt.


www.domotex.de

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News & Stories › 2016 › Januar
Kein Boden ohne Story
von Uta Abendroth | 19. Januar 2016
Böden werden weißer und Parkette bekommen Gesichter: Ein Rundgang über die Domotex.
„Innovation ist der Antrieb unserer Welt“, sagt Piero Lissoni. Besser als der italienische Architekt und Designer, in diesem Jahr Special Guest der Domotex in Hannover, hätten es die Veranstalter der Weltleitmesse für Teppiche und Bodenbeläge nicht formulieren können. Mit ihrem Neuheiten-Konzept „Innovations@Domotex“ arbeitet die führende Messe für Bodenbeläge seit drei Jahren daran, zu zeigen, was Teppich, Holzboden und Designboden so alles können und wie sie Interior Design und Architektur bereichern. Unter dem Vorsitz von Stefan Diez wählt eine Jury alljährlich die spannendsten Neuheiten der DOMOTEX aus. „Nicht immer sind die Produkte optisch ausgereift“, sagt der Designer, „aber es stecken viele gute Ideen und interessante Neuerungen darin. Die Aufmerksamkeit für Bodenbeläge wächst. Auch wir Gestalter sehen das Potenzial, das darin steckt.“ In diesem Jahr stellten 1.441 Aussteller aus 59 Ländern vom 16. Bis 19. Januar in den Hallen der Messe Hannover ihre Produkte aus. Trotz heftigem Wintereinbruch mit starkem Schneefall am ersten Messetag, zeigte sich der Vorstand der Deutschen Messe, Dr. Jochen Köckler, überaus zufrieden, was die ersten Zahlen anging: „Wir sind gut gestartet, am ersten Tag kamen mehr Besucher als im Vorjahr.“

Frisch aus dem Sägewerk

Holz zählt zu den ältesten Materialien für Bodenbeläge überhaupt. Während Laminat- und Designboden-Hersteller noch an der perfekten Imitation von Holzoberflächen arbeiten, erlebt das Ursprungsmaterial ein Comeback. Massive Holzböden müssen eine bestimmte Dicke sowie einen guten Unterbau haben, damit sie nicht auf Luftfeuchtigkeit reagieren, sich ausdehnen und zusammenziehen. Natürlich und ursprünglich soll der Holzboden wirken. Daher wird heute geölt und nicht mehr versiegelt, denn dadurch gehen die haptischen Qualitäten des Materials nicht verloren, andererseits lassen sich Schäden leichter beheben. Gerade rustikale Oberflächen bei Dielen, mit Rillen, Astlöchern und Unebenheiten wie „frisch aus dem Sägewerk“ sind stark gefragt.

„Die Natur ist der beste Designer“, heißt es daher beim österreichischen Unternehmen Mafi: Aus 13 mitteleuropäischen Holzarten entstehen Beläge mit gebürsteten oder geschliffenen Oberflächen; der Fokus liegt auf geölten Dielen in naturbelassener, aber auch in Weiß und Grau lasierter Qualität. „Domino Lärche Vulcano“ ist ein massiver Belag aus Hirnholzklötzen, die dem Boden eine unglaubliche Stabilität verleihen. Dank der Thermobehandlung des Holzes hat nahezu jeder Block eine andere Farbe, was eine lebendige Oberfläche entstehen lässt und eine Vielfalt an Kombinationsmöglichkeiten bietet. Mafi Naturholzböden sind für Fußbodenheizungen geeignet, die Dielen werden mit einem sogenannten „White Glue“ auf Essigbasis verklebt, das als ökologisch unbedenklich gilt; produziert wird nur auf Nachfrage.

Das alte Fischgrät-Parkett hat Patricia Urquiola neu interpretiert. Die „Biscuit Collection“ der Spanierin für Margaritelli Italia hat eine sehr feminine Anmutung. Die einzelnen Parkettstäbe sind schlank und am Ende abgerundet, wodurch sich beim Verlegen eine lebendige Optik ergibt. Zusätzlich ist die Oberfläche leicht gewölbt. Das ist kompliziert in der Herstellung, aber angenehm zu berühren.

Sanfte Welle

Ein weiterer Holzspezialist ist die 1857 gegründete Firma Kährs, die ihre Böden an aktuelle Design- und Farbtrends anpasst und dafür mit externen Designern zusammenarbeitet. Derzeit ist die Farbe Weiß ein wichtiges Thema bei den Schweden. Die wachsende Nachfrage, vor allem in Mitteleuropa, hat zu zwei Kollektionen geführt: „A Whiter Shade of Pale“ und „A Soft Wave“. Weißes Öl wird nach dem Bürsten in die Poren des Holzes eingebracht; die Struktur des Holzes bleibt erhalten – fertig ist die helle Landhausdiele. Die bessere Geschichte ist die eines Alvar Aalto-Entwurfs: Vor rund 25 Jahren hatte der Finne einen Bodenbelag gestaltet, für den Birkenholzfurnier vertikal gestellt und geschnitten wird. Dadurch wird das für einen Bodenbelag ansonsten zu weiche Holz ausreichend strapazierfähig. Das zur klassischen Eiche nun vermehrt auch andere Hölzer von den Anbietern vorgestellt wurden, zeigt sich auch bei Kährs: In der „Domani Collection Druma“ bleiben Risse und Hobelspuren sichtbar, der Ton geht ins Graue und zeugt schon fast von einer urtümlichen Schönheit.

Ein anderes Material, das endlich sein verstaubtes Image ablegen kann, ist Kork. Dieser wird jedoch neu verarbeitet, eingefärbt und teils bedruckt, sodass neue, zeitgemäße Optiken entstehen. Bei der Kollektion „Wicanders Artcomfort Reclaimed“ vom portugiesischen Hersteller Amorim werden in hoher Qualität Holz- und Stein-Dekore direkt auf den Kork gedruckt. Einer der größten Vorteile von Kork ist die Geräuschdämmung, das Material ist „leise“. Darüber hinaus sind die thermischen Eigenschaften so gut, dass Räume sich angenehm warm anfühlen. Die Temperatur kann sogar, wenn ein Raum mit Kork ausgelegt wird, um zwei Grad Celsius gesenkt werden – das ist vielleicht für einen Privathaushalt nicht entscheidend, aber unter Kostengesichtspunkten durchaus interessant für die Hotellerie. Ein weiteres interessantes Produkt des Weltmarktführers für Korkprodukte ist die Serie „Authentica“ der Kollektion „Vinylcomfort“: Durch die Verringerung der Vinylschicht, den Verzicht auf einen PVC-Träger und eine nur 0,55 Millimeter dünne transparente Folie ist die mittlere Korkschicht deutlich stärker geworden.

Von der Mode inspiriert

Aber nicht nur Holzböden, auch Teppiche gelangen wieder mehr in den Fokus von Interior Design – nicht allein durch besonders weiche, naturnahe oder gar natürliche Qualitäten, sondern auch mit filigraneren und auf die Design-Welt abgestimmteren Farbkonzepten. So hat Giulio Ridolfo, der als Farbexperte bereits für Vitra, Moroso ,Fritz Hansen und Kvadrat gearbeitet hat, für Vorwerk die bestehende Kollektion „Fascination“ überarbeitet – 85 Prozent der 350 Farben sind neu. „Wir haben zwei Jahre lang dafür gebraucht“, erklärt der italienische Designer, dessen Karriere einst in der Modewelt begann. „Wir sind umgeben von Farben und sie können sogar ganze Epochen definieren. Es geht darum, Nuancen aufzugreifen und sie in Teppiche für ganz verschiedene Situationen und Orte einzufangen.“ Das Vorwerk Atelier hat zusätzlich Bordüren für abgepasste Teppiche entwickelt, denn der Trend geht – zumindest in Europa – weg von „Wall-to-wall“-Teppichen. Die Bordüren sind aus Stoff oder Leder, sie sind ein-, zwei- oder dreifarbig und schmal oder breit – die Einfassungen, ästhetisch von der Mode inspiriert, setzen Akzente und verleihen den Teppichen zusätzlich Charakter. Darüberhinaus gibt es noch die „Selected Rugs“-Kollektion der Bordürenteppiche, die Vorwerks Philosophie, Böden in Welten zu verwandeln und sie als aktives gestalterisches Element eines Raumes ins Bewusstsein zu rufen, auf den Punkt bringt.

Auch Balsan setzt auf Farben und modische Muster. Dafür arbeitet das französische Unternehmen unter anderem mit der „Ecole Nationale Supérieure des Beaux-Arts“ in Lyon zusammen. Die Studenten haben die Kollektion „Dare Your Dreams Talents“ entworfen, wobei sie auf 160 Farben von Balsan zurückgreifen konnten. Rodolphe Ake, der einzige Mann im Team, hat das klassische Hahnentritt-Muster verfremdet und mit pinkfarbenen Akzenten zusätzlich modernisiert.

Bei den handgefertigten Teppichen ging es schon immer darum, Geschichten zu erzählen. Gärten und Tiere wurden ebenso dargestellt wie symbolträchtige, historische Ornamente. Das Angebot von Zollanvari umfasst klassische und moderne Designs, bringt sie zusammen in allen möglichen Formen: als grob geknüpfter Gabbeh oder als flach gewebter Kelim. Auf der Domotex präsentierten die Züricher mit iranischen Wurzeln eine moderne Kollektion aus ihrer „Kundan Pure Silk“-Linie, die von Tierfellen und Häuten inspiriert ist. Die Teppiche werden in Indien mit Seide hergestellt. Diese nimmt Farbe anders als die anderen Garne des Teppichs an, dadurch entsteht eine schimmernde, strukturierte Textur. Die Linie wird im indischen Rajasthan als Reaktion auf das US-Embargo auf iranische Produkte geknüpft. Die anstehende Aufhebung des Embargos wird von den „Rugies“, so wie sich die Menschen in der handgeknüpften Teppichwelt bezeichnen, sehnlichst erwartet – und wird das Geschäft stark verändern.

Geschichten von Geschichten

Für gewagte Designs und starke Farbe ist das Label Rug Star bekannt. Die neue „Animal Collection“, für die sich Designer und Inhaber Jürgen Dahlmanns von 400 Jahre alten indischen Tierzeichnungen inspirieren ließ, ist da fast zurückhaltend. Insgesamt sind es 400 neue Farb- und Designvarianten, die der Berliner präsentiert: „Ein Teppich schafft Räume, definiert Verkehrs- und Aufenthaltsflächen, bildet Intimität – ohne fehlt was.“ Und wieder wird eine Geschichte zum Besten gegeben: Jürgen Dahlmanns erzählt, dass er mehrmals im Monat Freunde mit einem Teppich besucht, um ihn in deren Wohnung zu inszenieren und zu fotografieren. Über die kommenden zwei Jahre soll so eine Dokumentation entstehen und zeigen, wie die textilen Kunstwerke Räume abrunden. Der Titel des Buches steht schon fest: „Intimacy Berlin“ – und ist kein einfaches Teppich-Lookbook, sondern ein Kompendium, das Geschichten von Geschichten erzählt.


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