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Kein Fortschritt ohne Langeweile
Lensvelt präsentiert eine „Boring Collection“
6. April 2016
Fotos © Lensvelt
Dialektiker sind selten geworden. Lensvelt und Space Encounters arbeiten an der Balance von Arbeit und Spiel.
„Langeweile“, lässt der Philosoph Sören Kierkegaard eines seiner Pseudonyme, den „Ästhetiker A“ sagen, „ist eine Wurzel allen Übels“. Und er fährt fort: „Was Wunder also, dass es rückwärts geht mit der Welt, dass das Übel immer mehr um sich greift, da die Langeweile zunimmt und Langeweile eine Wurzel allen Übels ist. Dies lässt sich vom Anbeginn der Welt her verfolgen.“
Der ebenso schrullige wie geniale Däne wäre aber nicht der luzide Dialektiker, als den man ihn kennt, erweise sich die Langeweile in der kurzen Geschichte des Fortschritts, die sein Ästhetiker im folgenden erzählt, nicht als wirksame Triebkraft des Fortschritts der Menschheit – wie problematisch dieser auch sei.

Bei Lensvelt weiß man offenbar um diese produktive Dialektik der Langeweile. Was die schlicht-funktionale Gestaltung von Möbeln angeht, war man immer schon anders. Die Niederländer brauchten nie lustig gestaltete Möbel, um kreativ, kritisch und lustig sein zu können. Nun erhebt man die Unaufdringlichkeit zum Prinzip und präsentiert – als Gegenmittel gegen die grassierende Infantilisierung des Büros
à la Google – eine Kollektion bewusst „langweiliger“ Büromöbel,
die in Kooperation mit Space Encounters Office for Architecture entstanden ist.

Hervorgegangen, so Lensvelt, sei die „Boring Collection“ aus der Unzufriedenheit mit dem Design von bezahlbarem „project furniture“, das zu sehr von gesetzlichen Vorgaben bestimmt sei und deshalb oft mit anderen Elementen des Interieurs im Streit liege. Schließlich muss nicht nur das Mobiliar bezahlbar und langlebig sein und die Work-Life-Balance stimmen. Irgendeiner muss auch für die richtige Balance zwischen Arbeit und Spiel sorgen. Um zu demonstrieren, was alles entstehen kann, wenn man sich langweilt, hat man Teile aus der Kollektion schon mal so übereinander und ineinander gestellt, bis das Ergebnis an den legendären „Carlton“-Raumteiler erinnert, den Ettore Sottsass 1981 im Geiste von Memphis gestaltete hat. Um den Einsatz für die Langeweile abzurunden, gibt es vom 12. auf den 13. April einen „Boring Rave“ in der „Boring Gallery“ (1 Via Privata Oslavia, 20134 Mailand, begrenzte Anzahl von Karten). (tw)

www.lensvelt.nl
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Kein Fortschritt ohne Langeweile
6. April 2016
Dialektiker sind selten geworden.
Lensvelt und Space Encounters arbeiten an der Balance von Arbeit und Spiel.
„Langeweile“, lässt der Philosoph Sören Kierkegaard eines seiner Pseudonyme, den „Ästhetiker A“ sagen, „ist eine Wurzel allen Übels“. Und er fährt fort: „Was Wunder also, dass es rückwärts geht mit der Welt, dass das Übel immer mehr um sich greift, da die Langeweile zunimmt und Langeweile eine Wurzel allen Übels ist. Dies lässt sich vom Anbeginn der Welt her verfolgen.“
Der ebenso schrullige wie geniale Däne wäre aber nicht der luzide Dialektiker, als den man ihn kennt, erweise sich die Langeweile in der kurzen Geschichte des Fortschritts, die sein Ästhetiker im folgenden erzählt, nicht als wirksame Triebkraft des Fortschritts der Menschheit – wie problematisch dieser auch sei.

Bei Lensvelt weiß man offenbar um diese produktive Dialektik der Langeweile. Was die schlicht-funktionale Gestaltung von Möbeln angeht, war man immer schon anders. Die Niederländer brauchten nie lustig gestaltete Möbel, um kreativ, kritisch und lustig sein zu können. Nun erhebt man die Unaufdringlichkeit zum Prinzip und präsentiert – als Gegenmittel gegen die grassierende Infantilisierung des Büros
à la Google – eine Kollektion bewusst „langweiliger“ Büromöbel,
die in Kooperation mit Space Encounters Office for Architecture entstanden ist.

Hervorgegangen, so Lensvelt, sei die „Boring Collection“ aus der Unzufriedenheit mit dem Design von bezahlbarem „project furniture“, das zu sehr von gesetzlichen Vorgaben bestimmt sei und deshalb oft mit anderen Elementen des Interieurs im Streit liege. Schließlich muss nicht nur das Mobiliar bezahlbar und langlebig sein und die Work-Life-Balance stimmen. Irgendeiner muss auch für die richtige Balance zwischen Arbeit und Spiel sorgen. Um zu demonstrieren, was alles entstehen kann, wenn man sich langweilt, hat man Teile aus der Kollektion schon mal so übereinander und ineinander gestellt, bis das Ergebnis an den legendären „Carlton“-Raumteiler erinnert, den Ettore Sottsass 1981 im Geiste von Memphis gestaltete hat. Um den Einsatz für die Langeweile abzurunden, gibt es vom 12. auf den 13. April einen „Boring Rave“ in der „Boring Gallery“ (1 Via Privata Oslavia, 20134 Mailand, begrenzte Anzahl von Karten). (tw)

www.lensvelt.nl