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Klein, aber Design
von Daniel von Bernstorff | 2. September 2015
Exklusives Design im Kinderzimmer? Für die Eltern ist das schön und vor den Freunden kann man auch damit glänzen. Was aber haben die Kleinen davon?


Die Verzweiflung ist groß. Da ist die Wohnung mit den schönsten Designobjekten von Flos über Thonet bis Moroso ausgestattet, da hat sich die Ehefrau endlich an die als „Baustellenlampe“ verunglimpfte Mayday und den als „schwarze Spinne“ geschmähten Luminator gewöhnt, doch öffnet man die Tür zum Kinderzimmer, ist man ob der gestalterischen Tristesse tief getroffen. Ikea, Ikea und noch mal Ikea. Ja, gibt es denn nichts andres?

Einziges Highlight im Zimmer der Kleinen, so bemerkt der ästhetische Sachverstand, ist der für die Wickelkommode eigens vom Schreiner gefertigte Aufsatz. Schon das in tagelanger Kleinarbeit zusammengebaute Hochbett scheint nach einem ganz besonderen Prinzip produziert zu werden: Pro Euro weniger, den man zahlt, kommen zehn Einzelteile mehr ins Haus. Und nicht zu vergessen das von der Großmutter geerbte Sofa. Biedermeier und Ikea – gibt es denn dazwischen nichts?

Was ist denn mit den zur Geburt des Sohnes von wohlmeinenden Bekannten geschenkten Mini-Panton-Chairs und -Ameisen? Weisen sie den Weg aus der Sackgasse? Vermögen sie das Schöne mit dem Praktisch-Kindgerechten zu versöhnen? Von statusbewussten Eltern und designaffinen Gästen werden sie geliebt und als Zeichen von Kennerschaft und gutem Geschmack sogar in der Wohnküche zur Schau gestellt.

Und was machen die Kinder? Nicht selten empfinden sie die schönen-und-guten Stücke als unpraktisch und ungemütlich, was soweit geht, dass diese zumindest zeitweise in den Keller verlagert werden. Aus der Kehle der Kleinen aber tönt es unisono: „Ich will auch auf dem großen Stuhl sitzen!“

Ist Design für die Kleinen also nichts als eine Marotte der Eltern? Ist der Erfolg eines Trip-Trap Stuhls vor allem das Ergebnis hervorragenden Marketings? Der Elefant der Eames ein schönes „Stehrümchen“ für Erwachsene? Könnten die Kinder auf solche Fragen schon antworten, sie würden uns vermutlich auslachen. In ihren Augen sind ganz andere Dinge wichtig: Kann man aus diesem Stuhl eine Höhle bauen? Taugt das Schaukelpferd tatsächlich zum Schaukeln? Lässt sich das Spielzeug mit in die Badewanne nehmen?

Soll man also – mit leicht gespielter Empörung – ausrufen: Lasst die Kleinen doch in Ruhe mit unserer Vorstellung von Design! Lasst sie einfach ihren eigenen Geschmack entwickeln! Schaut auf ihre Bedürfnisse, nicht auf eure eigenen!

Man merkt schnell: So einfach ist die Sache nicht. Ästhetisch und praktisch müssen auch im Kinderzimmer keine Gegensätze sein, und wie Geschmacksbildung bei Kindern funktioniert, weiß bis heute keiner so genau. Denn natürlich gibt es schöne, gleichzeitig funktionale und kindgerechte Produkte, auch wenn man sie nicht nur in den Hochglanzkatalogen führender Designhersteller findet.

Und so gilt am Ende wohl: Es gibt nur individuelle Lösungen. Wer sucht, der wird auch finden. Am besten zusammen mit dem Nachwuchs. Unser Schwerpunkt „Möbel für Kinder“ soll dazu einige Anregungen geben.
News & Stories › 2015 › September
Klein, aber Design
von Daniel von Bernstorff | 2. September 2015
Exklusives Design im Kinderzimmer? Für die Eltern ist das schön und vor den Freunden kann man auch damit glänzen. Was aber haben die Kleinen davon?
Exklusives Design im Kinderzimmer? Für die Eltern ist das schön und vor den Freunden kann man auch damit glänzen. Was aber haben die Kleinen davon?


Die Verzweiflung ist groß. Da ist die Wohnung mit den schönsten Designobjekten von Flos über Thonet bis Moroso ausgestattet, da hat sich die Ehefrau endlich an die als „Baustellenlampe“ verunglimpfte Mayday und den als „schwarze Spinne“ geschmähten Luminator gewöhnt, doch öffnet man die Tür zum Kinderzimmer, ist man ob der gestalterischen Tristesse tief getroffen. Ikea, Ikea und noch mal Ikea. Ja, gibt es denn nichts andres?

Einziges Highlight im Zimmer der Kleinen, so bemerkt der ästhetische Sachverstand, ist der für die Wickelkommode eigens vom Schreiner gefertigte Aufsatz. Schon das in tagelanger Kleinarbeit zusammengebaute Hochbett scheint nach einem ganz besonderen Prinzip produziert zu werden: Pro Euro weniger, den man zahlt, kommen zehn Einzelteile mehr ins Haus. Und nicht zu vergessen das von der Großmutter geerbte Sofa. Biedermeier und Ikea – gibt es denn dazwischen nichts?

Was ist denn mit den zur Geburt des Sohnes von wohlmeinenden Bekannten geschenkten Mini-Panton-Chairs und -Ameisen? Weisen sie den Weg aus der Sackgasse? Vermögen sie das Schöne mit dem Praktisch-Kindgerechten zu versöhnen? Von statusbewussten Eltern und designaffinen Gästen werden sie geliebt und als Zeichen von Kennerschaft und gutem Geschmack sogar in der Wohnküche zur Schau gestellt.

Und was machen die Kinder? Nicht selten empfinden sie die schönen-und-guten Stücke als unpraktisch und ungemütlich, was soweit geht, dass diese zumindest zeitweise in den Keller verlagert werden. Aus der Kehle der Kleinen aber tönt es unisono: „Ich will auch auf dem großen Stuhl sitzen!“

Ist Design für die Kleinen also nichts als eine Marotte der Eltern? Ist der Erfolg eines Trip-Trap Stuhls vor allem das Ergebnis hervorragenden Marketings? Der Elefant der Eames ein schönes „Stehrümchen“ für Erwachsene? Könnten die Kinder auf solche Fragen schon antworten, sie würden uns vermutlich auslachen. In ihren Augen sind ganz andere Dinge wichtig: Kann man aus diesem Stuhl eine Höhle bauen? Taugt das Schaukelpferd tatsächlich zum Schaukeln? Lässt sich das Spielzeug mit in die Badewanne nehmen?

Soll man also – mit leicht gespielter Empörung – ausrufen: Lasst die Kleinen doch in Ruhe mit unserer Vorstellung von Design! Lasst sie einfach ihren eigenen Geschmack entwickeln! Schaut auf ihre Bedürfnisse, nicht auf eure eigenen!

Man merkt schnell: So einfach ist die Sache nicht. Ästhetisch und praktisch müssen auch im Kinderzimmer keine Gegensätze sein, und wie Geschmacksbildung bei Kindern funktioniert, weiß bis heute keiner so genau. Denn natürlich gibt es schöne, gleichzeitig funktionale und kindgerechte Produkte, auch wenn man sie nicht nur in den Hochglanzkatalogen führender Designhersteller findet.

Und so gilt am Ende wohl: Es gibt nur individuelle Lösungen. Wer sucht, der wird auch finden. Am besten zusammen mit dem Nachwuchs. Unser Schwerpunkt „Möbel für Kinder“ soll dazu einige Anregungen geben.