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Kokosschnüre in Singapur und Stahlkappen in Paris
von Esther Schulze-Tsatsas | 14. Juli 2015
Im Herzen Kyotos: Der Aesop Laden im Stadtviertel Kawaramachi. Alle Fotos © Aesop
Eine globale und wiedererkennbare Marke und lokale architektonische Bezüge – wie passt das zusammen? Die Kosmetikmarke Aesop macht es mit ihren Läden vor.
Schlendert man durch die Metropolen der Welt und bemerkt plötzlich einen Cremespender, der an der Fassade eines Gebäudes angebracht ist, reibt man sich verwundert die Augen. Oder man kennt die Marke Aesop und weiß, dass man soeben eine ihrer 110 Filialen passiert und schon draußen vor dem Laden zum Probieren der hochpreisigen Produkte eingeladen wird. Der „Resurrection Aromatique Hand Balm“, gewonnen aus Mandarinenschalen, Zedernholz und Rosmarin, soll schon beim ersten Kontakt überzeugen und aus einem Passanten einen Kunden machen.

In den 28 Jahren seit der Gründung in Melbourne ist Aesop zu einem weltumspannenden Kosmetikkonzern geworden. Damit einher geht eine Markeninszenierung, die an Stringenz kaum zu überbieten ist – angefangen vom elegant-schlichten Branding des Produktsortiments über die Gestaltung der eigenen Läden bis hin zu unzähligen Zitaten großer Persönlichkeiten, die, als Hommage an den Namensgeber der Marke, den griechischen Fabeldichter aus dem 6. Jahrhundert v.Chr., die Verpackungen zieren.

Dennis Paphitis, der Gründer von Aesop, zeigte von Beginn an große Ambitionen in Sachen Architektur und Gestaltung und engagierte sich stark in lokalen Kulturszenen. „Mir graute es vor dem Gedanken, dass sich Aesop zu einer Kette ohne Seele entwickelt”, ließ Dennis Paphitis vor Jahren in einem Interview verlauten. Er ist überzeugt, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen spannenden Ladenkonzepten und dem zugehörigen Kundenverkehr gibt. Und so war es wohl nicht nur seine kulturelle Seele, sondern auch Geschäftssinn, der Paphitis zu dem Schritt bewegte, mit Gestaltern rund um den Globus für jede Filiale der Marke ein individuelles Konzept zu entwickeln.

Ob die Designer jung und aufstrebend, renommiert oder weltbekannt sind, die Läden, die sie für Aesop gestalten, tragen ihre eigene Handschrift. Der Einsatz lokaler Materialien und Bezüge zu Kultur und Geschichte der Umgebung stehen dabei im Vordergrund. Einerseits soll dem Ort und seiner Tradition mit Respekt begegnet werden, andererseits sollen die wesentlichen Merkmale der Marke wiedererkennbar und deren DNA herausgestellt werden. Schauen wir uns einige Filialen an.


ABC-Viertel, Hamburg, Vincent van Duysen
Im Januar diesen Jahres eröffnete Aesop seinen ersten Laden in der Hansestadt im Erdgeschoss eines denkmalgeschützten Gebäudes mitten im schicken ABC-Viertel. Der belgische Architekt Vincent Van Duysen, ansässig in Antwerpen und bekannt für seinen minimalistischen und zugleich sinnlichen Umgang mit Licht und natürlichen Materialien, führte den Raum zu seinem Ursprung zurück, indem er Wände und Decken freilegen ließ. Inspiration für das skulpturale Waschbassin aus Chalkanthit, einem hellen Mineralgestein, lieferten laut Van Duysen mittelalterliche Brunnen. Elemente aus geschwärztem Stahl zitieren zudem die ursprüngliche gusseiserne Fassade des Gebäudes.


Millenia Walk, Singapur, March Studio
Von der Decke hängen insgesamt 30 Kilometer Schnur aus Kokosfasern. Das in Melbourne ansässige Studio March hat im Jahr 2009 Schnüre, die sonst von Aesop beim Verpacken von Geschenken eingesetzt werden, kurzerhand zur gestalterischen Grundlage für den ersten Laden der Kosmetikmarke in Singapur erkoren. Geographie und Klima beeinflussten den Entwurf, sind Kokosnüsse doch typisch für das feucht-tropische Klima das Region und die Schnüre werden vor Ort produziert. Ein schöner Nebeneffekt: Jeder Windhauch bringt Dynamik in die engmaschig geknüpfte Decke.


Prinsensgate, Oslo, Snøhetta Architects
In den Räumen des 100. Flagshipstores wurde mit der Akribie von Archäologen in der Osloer Prinsensgate Gewölbestrukturen aus dem 19. Jahrhundert freigelegt. Das ortsansässige, international agierende Architekturbüro Snøhetta fühlte sich an die traditionellen Formen orthodoxer Kirchen und Klöster erinnert und schuf zehn Gewölbe aus mattem Gipsputz, die mit dem Licht, aber auch mit der Akustik des Raums spielen. Das unverzichtbare Wasserbecken besteht in Oslo aus Faserzement greift die Formen der Decke auf und steht, wie immer, im Zentrum des hier monochromen Verkaufsraums.


Le Marais, Paris, Studio Ciguë
Die Aesop Filiale des Pariser Architekturstudios Ciguë, die im September 2011 im Marais eröffnet wurde, schmücken 427 Schalen aus Stahl. Sie stammen allesamt aus der Pariser Kanalisation, wo sie als Verschlusskappen der Abwasserrohre dienen. Nun sind sie mal geschwärzt, mal poliert oder einfach unbehandelt und dienen als Konsolen für die über 90 Haut-, Haar- und Körperpflegeprodukte der australischen Marke. Damit aber nicht genug: Die Deckel großer Rohrleitungen funktionierte Ciguë zu Waschbecken um.


Kawaramachi, Kyoto, Torafu Architects
Einen Ort der Ruhe inmitten des städtischen Trubels wollte das Team von Torafu Architects im Herzen Kyotos schaffen. Metallrohre und Glühlampen hängen von der Decke des Verkaufsraumes, die zuvor von Fischern auf ihren Booten beim Tintenfischfang benutzt wurden. Vor den rauen Betonwänden wirken die schlichten Leuchten wie filigrane Schmuckstücke, die die Höhe des Ladens betonen. Der Boden besteht aus Ōya Stein, einem Material, das in Japan traditionell zum Hausbau verwendet wird.


Nolita, New York City, Jeremy Barbour
Im September 2011 eröffnete Aesop seinen ersten eigenen Laden in New York City, in einem kleinen Raum in der Nähe der Bowery. Er ist Beispiel für nachhaltige Architektur: Wände und Verkaufstresen bestehen aus alten Ausgaben der New York Times. Der ortsansässige Architekt Jeremy Barbour wollte mit dem Entwurf nicht nur dem geschriebenen Wort Respekt zollen, sondern auch die baulichen Qualitäten und Möglichkeiten von Zeitungspapier aufzeigen.


Adelaide City, Adelaide, Rodney Eggleston
Das visuell stark von der Landwirtschaft geprägte Australien stand Pate für die Gestaltung des 2008 eröffneten Ladens in Adelaide. Um die lichtempfindlichen Inhaltsstoffe zu schützen, werden die Produkte seit der Gründung von Aesop in braunen Glasgefäßen verkauft. Man kennt das von alten Apothekergläsern. Der australische Architekt Rodney Eggleston lässt genau 7.560 solche Gefäße von der Decke herabhängen, für ihn ein Verweis auf den massenhaften Anbau von Pflanzen in der Landwirtschaft.

www.aesop.com
www.vincentvanduysen.com
www.marchstudio.com.au
www.snohetta.com
www.cigue.net
www.torafu.com
www.tacklebox-ny.com

News & Stories › 2015 › Juli
Kokosschnüre in Singapur und Stahlkappen in Paris
von Esther Schulze-Tsatsas | 14. Juli 2015
Eine globale und wiedererkennbare Marke und lokale architektonische Bezüge – wie passt das zusammen? Die Kosmetikmarke Aesop macht es mit ihren Läden vor.
Schlendert man durch die Metropolen der Welt und bemerkt plötzlich einen Cremespender, der an der Fassade eines Gebäudes angebracht ist, reibt man sich verwundert die Augen. Oder man kennt die Marke Aesop und weiß, dass man soeben eine ihrer 110 Filialen passiert und schon draußen vor dem Laden zum Probieren der hochpreisigen Produkte eingeladen wird. Der „Resurrection Aromatique Hand Balm“, gewonnen aus Mandarinenschalen, Zedernholz und Rosmarin, soll schon beim ersten Kontakt überzeugen und aus einem Passanten einen Kunden machen.

In den 28 Jahren seit der Gründung in Melbourne ist Aesop zu einem weltumspannenden Kosmetikkonzern geworden. Damit einher geht eine Markeninszenierung, die an Stringenz kaum zu überbieten ist – angefangen vom elegant-schlichten Branding des Produktsortiments über die Gestaltung der eigenen Läden bis hin zu unzähligen Zitaten großer Persönlichkeiten, die, als Hommage an den Namensgeber der Marke, den griechischen Fabeldichter aus dem 6. Jahrhundert v.Chr., die Verpackungen zieren.

Dennis Paphitis, der Gründer von Aesop, zeigte von Beginn an große Ambitionen in Sachen Architektur und Gestaltung und engagierte sich stark in lokalen Kulturszenen. „Mir graute es vor dem Gedanken, dass sich Aesop zu einer Kette ohne Seele entwickelt”, ließ Dennis Paphitis vor Jahren in einem Interview verlauten. Er ist überzeugt, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen spannenden Ladenkonzepten und dem zugehörigen Kundenverkehr gibt. Und so war es wohl nicht nur seine kulturelle Seele, sondern auch Geschäftssinn, der Paphitis zu dem Schritt bewegte, mit Gestaltern rund um den Globus für jede Filiale der Marke ein individuelles Konzept zu entwickeln.

Ob die Designer jung und aufstrebend, renommiert oder weltbekannt sind, die Läden, die sie für Aesop gestalten, tragen ihre eigene Handschrift. Der Einsatz lokaler Materialien und Bezüge zu Kultur und Geschichte der Umgebung stehen dabei im Vordergrund. Einerseits soll dem Ort und seiner Tradition mit Respekt begegnet werden, andererseits sollen die wesentlichen Merkmale der Marke wiedererkennbar und deren DNA herausgestellt werden. Schauen wir uns einige Filialen an.


Im Januar diesen Jahres eröffnete Aesop seinen ersten Laden in der Hansestadt im Erdgeschoss eines denkmalgeschützten Gebäudes mitten im schicken ABC-Viertel. Der belgische Architekt Vincent Van Duysen, ansässig in Antwerpen und bekannt für seinen minimalistischen und zugleich sinnlichen Umgang mit Licht und natürlichen Materialien, führte den Raum zu seinem Ursprung zurück, indem er Wände und Decken freilegen ließ. Inspiration für das skulpturale Waschbassin aus Chalkanthit, einem hellen Mineralgestein, lieferten laut Van Duysen mittelalterliche Brunnen. Elemente aus geschwärztem Stahl zitieren zudem die ursprüngliche gusseiserne Fassade des Gebäudes.


Von der Decke hängen insgesamt 30 Kilometer Schnur aus Kokosfasern. Das in Melbourne ansässige Studio March hat im Jahr 2009 Schnüre, die sonst von Aesop beim Verpacken von Geschenken eingesetzt werden, kurzerhand zur gestalterischen Grundlage für den ersten Laden der Kosmetikmarke in Singapur erkoren. Geographie und Klima beeinflussten den Entwurf, sind Kokosnüsse doch typisch für das feucht-tropische Klima das Region und die Schnüre werden vor Ort produziert. Ein schöner Nebeneffekt: Jeder Windhauch bringt Dynamik in die engmaschig geknüpfte Decke.


In den Räumen des 100. Flagshipstores wurde mit der Akribie von Archäologen in der Osloer Prinsensgate Gewölbestrukturen aus dem 19. Jahrhundert freigelegt. Das ortsansässige, international agierende Architekturbüro Snøhetta fühlte sich an die traditionellen Formen orthodoxer Kirchen und Klöster erinnert und schuf zehn Gewölbe aus mattem Gipsputz, die mit dem Licht, aber auch mit der Akustik des Raums spielen. Das unverzichtbare Wasserbecken besteht in Oslo aus Faserzement greift die Formen der Decke auf und steht, wie immer, im Zentrum des hier monochromen Verkaufsraums.


Die Aesop Filiale des Pariser Architekturstudios Ciguë, die im September 2011 im Marais eröffnet wurde, schmücken 427 Schalen aus Stahl. Sie stammen allesamt aus der Pariser Kanalisation, wo sie als Verschlusskappen der Abwasserrohre dienen. Nun sind sie mal geschwärzt, mal poliert oder einfach unbehandelt und dienen als Konsolen für die über 90 Haut-, Haar- und Körperpflegeprodukte der australischen Marke. Damit aber nicht genug: Die Deckel großer Rohrleitungen funktionierte Ciguë zu Waschbecken um.


Einen Ort der Ruhe inmitten des städtischen Trubels wollte das Team von Torafu Architects im Herzen Kyotos schaffen. Metallrohre und Glühlampen hängen von der Decke des Verkaufsraumes, die zuvor von Fischern auf ihren Booten beim Tintenfischfang benutzt wurden. Vor den rauen Betonwänden wirken die schlichten Leuchten wie filigrane Schmuckstücke, die die Höhe des Ladens betonen. Der Boden besteht aus Ōya Stein, einem Material, das in Japan traditionell zum Hausbau verwendet wird.


Im September 2011 eröffnete Aesop seinen ersten eigenen Laden in New York City, in einem kleinen Raum in der Nähe der Bowery. Er ist Beispiel für nachhaltige Architektur: Wände und Verkaufstresen bestehen aus alten Ausgaben der New York Times. Der ortsansässige Architekt Jeremy Barbour wollte mit dem Entwurf nicht nur dem geschriebenen Wort Respekt zollen, sondern auch die baulichen Qualitäten und Möglichkeiten von Zeitungspapier aufzeigen.


Das visuell stark von der Landwirtschaft geprägte Australien stand Pate für die Gestaltung des 2008 eröffneten Ladens in Adelaide. Um die lichtempfindlichen Inhaltsstoffe zu schützen, werden die Produkte seit der Gründung von Aesop in braunen Glasgefäßen verkauft. Man kennt das von alten Apothekergläsern. Der australische Architekt Rodney Eggleston lässt genau 7.560 solche Gefäße von der Decke herabhängen, für ihn ein Verweis auf den massenhaften Anbau von Pflanzen in der Landwirtschaft.

www.aesop.com
www.vincentvanduysen.com
www.marchstudio.com.au
www.snohetta.com
www.cigue.net
www.torafu.com
www.tacklebox-ny.com