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Kortrijk Boogie Woogie
von Jasmin Jouhar | 27. Juni 2016
Visualisierung der geplanten Szenografie in den sechs Messehallen und im Außenraum der kommenden Biennale Interieur. Foto © OFFICE Kersten Geers David Van Severen
Der Biennale Interieur geht’s schon silbern: Im Oktober steht die 25. Ausgabe der Designmesse im belgischen Kortrijk an, und zur Feier der „Silver Edition“ kleiden sich die sechs Xpo-Hallen in ein festlich-glänzendes Gewand. Auf die Besucher warten nicht nur Produkte von rund 250 Herstellern, sondern auch aufwendige Inszenierungen, Nachwuchsschauen und Ausstellungen. Für Szenografie und Kulturprogramm sind im Jubiläumsjahr Kersten Geers und David van Severen vom Brüsseler Architekturbüro Office verantwortlich.

Mit Vergnügen reist die Designszene alle zwei Jahre in die belgische Provinz nach Kortrijk, schließlich ist die „Biennale Interieur“ bekannt für außergewöhnliche Auftritte ausgewählter internationaler Hersteller und eine entspannte Atmosphäre. Außerdem ist die Messe anders als Megaevents wie der Mailänder Salone del Mobile im besten Sinne überschaubar, oder, wie es die Macher selbst nennen, ein „One day, one night event“. Was die Schau noch von anderen Messen unterscheidet: Die Biennale in Kortrijk ist ein Non-Profit-Unternehmen, das sich als Ergänzung zum kommerziellen Bereich ein immer wieder anregendes kulturelles Programm leistet. Die Liste der seit der ersten Ausgabe 1968 dafür zuständigen externen Kuratoren kann sich sehen lassen, sie reicht von Verner Panton und Andrea Branzi über Jasper Morrison bis zu Joseph Grima, der vor zwei Jahren angetreten ist.




Links: Das Kuratorenteam mit Joris Kritis, Kersten Geers, Richard Venlet und David van Severen. Rechts: „Le Banquet Gaulois" von Matteo Ghidoni und Jean-Benoît Vétillard, einer der fünf Gewinnerbeiträge des Interieur Awards Spaces, der auf dem Messegelände realisiert werden wird. Fotos © Sam Gilbert, Matteo Ghidoni und Jean-Benoît Vétillard
Zum Jubiläum übernehmen nun mit Kersten Geers und David van Severen die Architekten der Xpo-Erweiterung von 2009 diese Aufgabe – als Verstärkung haben sie den Künstler Richard Venlet und den Grafiker Joris Kritis mit an Bord geholt. Kritis hat auch eine neue grafische Identität entworfen, einen Luxus, den sich die Biennale zu jeder Ausgabe gönnt. Als Motto hat das Kuratorenteam „Silver Lining Interiors“ ausgegeben – und dafür ganz buchstäblich einen Silberstreif entwickelt, der als Leitsystem durch die Messe führt. Locker unter die Decke gehängte Stoffbahnen aus silbernem Textil sollen im Oktober für Orientierung sorgen. Dahinter steht das Konzept, dem Messegelände einen starken architektonischen Rahmen zu geben, es in eine kleine Stadt zu verwandeln: mit einem rechtwinkligen Raster als Grundstruktur, mit „Avenues“ genannten Hauptachsen und daran angedockten Flächen für Ausstellungen und Gastronomie. Auch in den Außenraum greift das Raster aus. Beim Entwerfen hatten die Architekten unter anderem Piet Mondrians ikonisches New Yorker Gemälde „Broadway Boogie Woogie“ mit seinem farbenfrohen Grid im Kopf.

Der zweite Teil des Mottos, „Interiors“, steht für das kuratorische Programm der begleitenden Ausstellungen. „Wir möchten weniger das einzelne Objekt glorifizieren“, sagt David van Severen. „Uns ist es wichtiger, wie die Objekte den Raum bevölkern. So können wir auch viele verschiedene Disziplinen zusammenbringen.“ Das Team selbst wird die Schau „Generations“ beisteuern, einen Rückblick in die Designgeschichte seit 1968, der neue Verbindungen herstellen soll. Außerdem werden Gäste eingeladen, weitere Ausstellungen zum Thema zu konzipieren. Mit dabei: der Designer Jonathan Olivares zusammen mit dem Architekturbüro Johnston MarkLee, der Schweizer Kurator Moritz Küng, die Designer und Architekten Trix & Robert Haussmann zusammen mit Studiolo und der Architekt Philippe Rahm.
Ebenfalls Gewinner des Interieur Awards Spaces: „Made/Found" von Jon Kleinhample und Maša Lončarič von Klein Agency in Antwerpen. Foto © Klein Agency
Bei so viel Augenfutter braucht der Besucher auch mal eine Pause – doch mit dem üblichen Messecatering gibt man sich in Kortrijk nicht zufrieden. Dazu hat die Biennale abermals die „Interieur Awards“ ausgelobt, wobei es in der Kategorie „Space“ um Entwürfe für temporäre Messecafés geht. Fünf Beiträge aus Europa, Japan und Südafrika werden mit einem Budget von jeweils 10.000 Euro realisiert. Gefragt waren Vorschläge, die das Design mit einem besonderen Foodkonzept verbinden. In der „Terra“-Bar beispielsweise sollen Pilze aus Betonblöcken wachsen, serviert werden – Überraschung! – Pilzgerichte. „Le Banquet Gaulois“ wiederum besteht aus freistehenden, bunten Küchenelementen, die von einem ringförmigen Tisch gefasst werden. Kollektive Mahlzeiten mit rituellem Charakter sollen auf der Karte stehen.

Der zweite Wettbewerb, „Interieur Awards Objects“, prämiert Arbeiten junger Talente aus der Designszene. Eingereicht werden durften ausschließlich Prototypen, die weder publiziert noch in Produktion sind. In diesem Jahr gab es 157 Beiträge aus 29 Ländern, insgesamt 18 können sich auf eine Auszeichnung freuen. Der mit 2.500 Euro dotierte Hauptpreis geht diesmal an Dimitri Bähler aus der Schweiz für seine Keramikserie „Volumes, Patterns, Textures und Color“. Der Ecal-Absolvent hat mit innovativen Oberflächenbeschichtungen experimentiert und zweidimensionale Muster auf dreidimensionale Objekte übertragen. Die Arbeiten sämtlicher Gewinner des „Interieur Awards“ werden bei der Biennale ausgestellt. Noch mehr junges Design bietet die Sektion „Ventura Interieur“, die auf 250 Quadratmetern eine kuratierte Auswahl neuer Labels und Nachwuchsgestalter zeigt. Auch die „Silver Ager“-Ausgabe der Biennale Interieur in Kortrijk wird sich dem Publikum also mit einem jungen, frischen Gesicht präsentieren.

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Links: Visualisierung der Messehallen mit silbernen Stoffbahnen, mit denen die Hauptachsen hervorgehoben werden. Rechts: So sieht der silberne Stoff aus der Nähe aus.
Fotos © OFFICE Kersten Geers David Van Severen
News & Stories › 2016 › Juni
Kortrijk Boogie Woogie
von Jasmin Jouhar | 27. Juni 2016
Silberstreif im Oktober: Die Biennale Interieur feiert ihre
25. Ausgabe mit einem umfangreichen Kulturprogramm und rund 250 ausgewählten Ausstellern aus der Designbranche.
Der Biennale Interieur geht’s schon silbern: Im Oktober steht die 25. Ausgabe der Designmesse im belgischen Kortrijk an, und zur Feier der „Silver Edition“ kleiden sich die sechs Xpo-Hallen in ein festlich-glänzendes Gewand. Auf die Besucher warten nicht nur Produkte von rund 250 Herstellern, sondern auch aufwendige Inszenierungen, Nachwuchsschauen und Ausstellungen. Für Szenografie und Kulturprogramm sind im Jubiläumsjahr Kersten Geers und David van Severen vom Brüsseler Architekturbüro Office verantwortlich.

Mit Vergnügen reist die Designszene alle zwei Jahre in die belgische Provinz nach Kortrijk, schließlich ist die „Biennale Interieur“ bekannt für außergewöhnliche Auftritte ausgewählter internationaler Hersteller und eine entspannte Atmosphäre. Außerdem ist die Messe anders als Megaevents wie der Mailänder Salone del Mobile im besten Sinne überschaubar, oder, wie es die Macher selbst nennen, ein „One day, one night event“. Was die Schau noch von anderen Messen unterscheidet: Die Biennale in Kortrijk ist ein Non-Profit-Unternehmen, das sich als Ergänzung zum kommerziellen Bereich ein immer wieder anregendes kulturelles Programm leistet. Die Liste der seit der ersten Ausgabe 1968 dafür zuständigen externen Kuratoren kann sich sehen lassen, sie reicht von Verner Panton und Andrea Branzi über Jasper Morrison bis zu Joseph Grima, der vor zwei Jahren angetreten ist.




Zum Jubiläum übernehmen nun mit Kersten Geers und David van Severen die Architekten der Xpo-Erweiterung von 2009 diese Aufgabe – als Verstärkung haben sie den Künstler Richard Venlet und den Grafiker Joris Kritis mit an Bord geholt. Kritis hat auch eine neue grafische Identität entworfen, einen Luxus, den sich die Biennale zu jeder Ausgabe gönnt. Als Motto hat das Kuratorenteam „Silver Lining Interiors“ ausgegeben – und dafür ganz buchstäblich einen Silberstreif entwickelt, der als Leitsystem durch die Messe führt. Locker unter die Decke gehängte Stoffbahnen aus silbernem Textil sollen im Oktober für Orientierung sorgen. Dahinter steht das Konzept, dem Messegelände einen starken architektonischen Rahmen zu geben, es in eine kleine Stadt zu verwandeln: mit einem rechtwinkligen Raster als Grundstruktur, mit „Avenues“ genannten Hauptachsen und daran angedockten Flächen für Ausstellungen und Gastronomie. Auch in den Außenraum greift das Raster aus. Beim Entwerfen hatten die Architekten unter anderem Piet Mondrians ikonisches New Yorker Gemälde „Broadway Boogie Woogie“ mit seinem farbenfrohen Grid im Kopf.

Der zweite Teil des Mottos, „Interiors“, steht für das kuratorische Programm der begleitenden Ausstellungen. „Wir möchten weniger das einzelne Objekt glorifizieren“, sagt David van Severen. „Uns ist es wichtiger, wie die Objekte den Raum bevölkern. So können wir auch viele verschiedene Disziplinen zusammenbringen.“ Das Team selbst wird die Schau „Generations“ beisteuern, einen Rückblick in die Designgeschichte seit 1968, der neue Verbindungen herstellen soll. Außerdem werden Gäste eingeladen, weitere Ausstellungen zum Thema zu konzipieren. Mit dabei: der Designer Jonathan Olivares zusammen mit dem Architekturbüro Johnston MarkLee, der Schweizer Kurator Moritz Küng, die Designer und Architekten Trix & Robert Haussmann zusammen mit Studiolo und der Architekt Philippe Rahm.
Bei so viel Augenfutter braucht der Besucher auch mal eine Pause – doch mit dem üblichen Messecatering gibt man sich in Kortrijk nicht zufrieden. Dazu hat die Biennale abermals die „Interieur Awards“ ausgelobt, wobei es in der Kategorie „Space“ um Entwürfe für temporäre Messecafés geht. Fünf Beiträge aus Europa, Japan und Südafrika werden mit einem Budget von jeweils 10.000 Euro realisiert. Gefragt waren Vorschläge, die das Design mit einem besonderen Foodkonzept verbinden. In der „Terra“-Bar beispielsweise sollen Pilze aus Betonblöcken wachsen, serviert werden – Überraschung! – Pilzgerichte. „Le Banquet Gaulois“ wiederum besteht aus freistehenden, bunten Küchenelementen, die von einem ringförmigen Tisch gefasst werden. Kollektive Mahlzeiten mit rituellem Charakter sollen auf der Karte stehen.

Der zweite Wettbewerb, „Interieur Awards Objects“, prämiert Arbeiten junger Talente aus der Designszene. Eingereicht werden durften ausschließlich Prototypen, die weder publiziert noch in Produktion sind. In diesem Jahr gab es 157 Beiträge aus 29 Ländern, insgesamt 18 können sich auf eine Auszeichnung freuen. Der mit 2.500 Euro dotierte Hauptpreis geht diesmal an Dimitri Bähler aus der Schweiz für seine Keramikserie „Volumes, Patterns, Textures und Color“. Der Ecal-Absolvent hat mit innovativen Oberflächenbeschichtungen experimentiert und zweidimensionale Muster auf dreidimensionale Objekte übertragen. Die Arbeiten sämtlicher Gewinner des „Interieur Awards“ werden bei der Biennale ausgestellt. Noch mehr junges Design bietet die Sektion „Ventura Interieur“, die auf 250 Quadratmetern eine kuratierte Auswahl neuer Labels und Nachwuchsgestalter zeigt. Auch die „Silver Ager“-Ausgabe der Biennale Interieur in Kortrijk wird sich dem Publikum also mit einem jungen, frischen Gesicht präsentieren.

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