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"Funkii" von Viso. Foto © Adam Drobiec, Stylepark
Linsen und anderer Lichtzauber
von Thomas Edelmann
10. April 2014
Wie Strom in Zukunft als Licht in Wohnungen, Büros und auf der Straße verteilt werden soll und von Gebäudeautomation handelt die Light+Building, die sich neuerdings „Weltmesse für Energieeffizienz“ nennt. Rekorde sind zu vermelden. 211.500 Besucher kamen nach Frankfurt, angereist aus 161 Ländern, 47 Prozent davon aus dem Ausland. Ob sie alle, Hersteller wie Besucher, nach Effizienz streben, ist noch nicht ausgemacht. Immerhin beflügeln Lichttechniken rund um LED und OLED viele Branchen und Gewerke. Eine entspannte Stimmung machte sich auf der Messe breit. Denn es scheint großen wie kleinen Marken zu gelingen, an den neuen Entwicklungen zu partizipieren. Wer nach neuen, überzeugenden Formen und umfassenden gestalterischen Konzepten sucht, wird da nicht unbedingt fündig. Erneuerung wird sichtbar im Detail, mal winzig klein, dann wieder riesenhaft groß.

Da sind etwa die Linsen und Streuscheiben, optische Systeme, die vor LED-Bauelemente geschaltet sind und die gezielte Lichtverteilung übernehmen. Je nach Einsatzzweck sorgen sie mal für die konzentrierte Bündelung oder für die Streuung des Lichts. Mit ihnen bestückt etwa Tobias Grau seine neuen Strahler „Set“, die es in unterschiedlichen An- und Einbauvarianten sowie Farben gibt. Bis auf zwei Modellreihen hat Grau nun sein gesamtes Produktprogramm auf LED als Leuchtmittel umgestellt. Immer mehr Hersteller beschreiten diesen Weg.

Erco präsentierte den Besuchern neben neuen LED-Lichtwerkzeugen wie dem Außenscheinwerfer „Lightscan“ auch deren Innenleben, wie Kollimatoroptiken und Spherolit-Linsen. Die Gestaltung des Messestands leitete sich von der Form einer LED-Platine ab, überdimensional vergrößert. Deutlich reduziert wurde der Stromverbrauch bei Erco. Mit 6,17 Watt pro Quadratmeter benötigte das Unternehmen 19 Prozent weniger Strom als bei der letzten Messe 2012.

Beim Ausführen ihrer Hunde lernten sich der bekannte niederländische Industriedesigner Friso Kramer und der Chef der Firma Lightwell, Henk Janssen, kennen. Lightwell fertigt Leuchten mit LED-Technik für den öffentlichen Raum, die Leuchtmittel kommen von Philips und Cree. Kramer ist einer der besten holländischen Designer und seit den 1950er Jahren aktiv. Hierzulande wurde er vor allem bekannt durch sein Sitzbanksystem „1200“ für Wilkhahn und Büromöbel für Ahrend. 1960 entwarf er im Auftrag der Stadt Den Haag eine runde Straßenlaterne. Nun hat Friso Kramer (Jahrgang 1922) für Lightwell seiner Laterne neues Leben eingehaucht. Ihr LED-Licht wird gegen einen asymmetrisch facettierten Reflektor geworfen. Die Leuchte, die wie ihr historischer Vorläufer für Wohngebiete gedacht ist, hat einen dreifach geteilten Lichtkegel. Sie scheint nicht in Wohnungen, strahlt aber bis auf die Höhe der Eingangstüren.

Public Design ganz anderer Art stellt die Firma A&O Technology aus Bremen her. Ihre großen Xenon- und LED-Scheinwerfer dienen dem „Architainment“, sie beleuchten ebenso Events wie auch spektakuläre Bauten, etwa in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder in Miami. Die in Deutschland gefertigten Scheinwerfer trotzen Hitze, Kälte und Luftfeuchtigkeit. Selbst den derzeit höchsten Wolkenkratzer der Welt, den Burj Khalifa in Dubai, haben die Bremer bereits mehrfach erleuchtet.

Noch im Prototypen-Stadium befindet sich „T.T. Moon“ von Ingo Maurer. Wie eine Miniatur-Raumstation mit angedockten Segeln, die als Reflektoren dienen, schwebt die technoide Leuchtplattform im Raum. LED-Up- und Downlights sitzen auf der Platine, die an speziellen Sensorflächen auch gedimmt werden kann. Auf den ersten Blick sieht „Brick“ aus wie ein übliches Lichtsystem. Tatsächlich ist jedes Brick-Lichtelement (neben einem Basis-Modul können zwei weitere angebaut werden) um 360 Grad drehbar. Den Leuchtkörper gibt es in Schwarz, Blau oder in „naturbelassenem“ Aluminium, die Lamellenblende in Leuchtrot, Leuchtgelb oder Silber. 42 eingebaute LEDs brauchen 17 Watt und erzeugen 1500 Lumen. „Brick“ ist stufenlos dimmbar. Die Hängelampe „Luminophor“ von Till Armbrüster, ebenfalls bei Ingo Maurer, demonstriert die Funktionsweise weißer LED. Aus einer blauen LED im Leuchtenkopf wird das Licht zunächst von einer Linse gebündelt und darauf, durch eine beschichtete Streuscheibe geleitet, in weißes Licht umgewandelt.

Es sind eben nicht nur Riesen, die Neues präsentieren. „Combilight“ von Steng wurde entworfen von Prof. Wulf Schneider und Partner. Ein minimalistischer Strahler mit eigenem Kühlkörper, integriert in einen transluzenten Plexiglas-Zylinder mit 44 Millimeter Durchmesser, bildet die Basis des Systembaukastens. Durch Addition von lichtstarken Strahlern lassen sich vielfältige Orte vom Shop über die Praxis bis zum Büro oder der Wohnung mit „Combilight“ beleuchten. Durch das Einlegen von Farbfiltern wird zudem der Lichtton veränderbar. Das System hat Varianten als schwenkbares Downlight, als Pendel-, Decken- und Wandleuchte. Auch Lichtschienen und weitere Systemkomponenten gehören zum Programm.

Erstaunlich ist dagegen, wie manch Großunternehmen sich präsentiert. Osram etwa taucht den Stand in gebrochenes Weiß, Messehostessen tragen orangefarbene Kleidung, die nicht wirklich vorteilhaft wirkt. Und etwas verloren schwebt die OLED-Studie „Luminaire“ von Werner Aisslinger und Till Grosch an der Decke des Standes. Dass die Designer hier traditionelle Fliesenformen zu einer dreidimensionalen Landschaft aus sich wiederholenden und irregulären Elementen schufen, erfährt vor Ort nicht einmal der gutwilligste Besucher.

Auch Philips weiß seine Neuheiten zu inszenieren: Der Besucher durchwandert eine Höhle, die ihn mittels Lichtinstallationen in Stimmung versetzen soll, um sich wiederzufinden in einem Strudel der Philips’schen Präsentationen.

Neben aktuellen Neuheiten bieten manche Hersteller Einblicke in ihre Labore. Während LG sich vorwiegend der OLED und ihrem noch nicht gänzlich überzeugenden Zukunftspotential widmet – ein Mitarbeiter wechselt dabei regelmäßig tragbare flache Leuchtelemente aus, zeigt Samsung eine künftige LED, die sich noch im Forschungsstadium befindet. Ihre Markteinführung ist aber für 2016 vorgesehen. Die Nano LED soll ohne die bislang typische gelbe Phosphor-Beschichtung auskommen. Womöglich dürfte die Lichtszene auf der nächsten Light+Building also schon wieder etwas anders aussehen.
Erco Linsen. Foto © Thomas Edelmann, Stylepark
Messestand von Erco. Foto © Adam Drobiec, Stylepark
"Luminophor 4C" von Till Armbrüster für Ingo Maurer. Foto © Ingo Maurer
"T.T. MOON" von Ingo Maurer. Foto © Thomas Edelmann, Stylepark
Messestand von Osram. Foto © Adam Drobiec, Stylepark
OLED-Studie „Luminaire“ von Werner Aisslinger. Foto © Thomas Edelmann, Stylepark
"Eggboard" von Artemide. Foto © Thomas Edelmann, Stylepark
"Grafa" von Artemide. Foto © Thomas Edelmann, Stylepark
"Falling in Love" von Tobias Grau. Foto © Adam Drobiec, Stylepark
Produkte
Philips Lumiblade: Lumiblade Glow @ Stylepark
Philips Lumiblade
Lumiblade Glow
Zumtobel: Scuba @ Stylepark
Zumtobel
Scuba
Massimo Iosa Ghini
Belux: Karo @ Stylepark
Belux
Karo
Reggiani: Splyt 9x @ Stylepark
Reggiani
Splyt 9x
LAPD
ERCO: Lightscan @ Stylepark
ERCO
Lightscan
Tobias Grau: Set Built In Spot @ Stylepark
Tobias Grau
Set Built In Spot
Tobias Grau
Ingo Maurer: Knot 2 @ Stylepark
Ingo Maurer
Knot 2
Ingo Maurer & Team
Licht im Raum: Ocular Spot 2 Professional @ Stylepark
Licht im Raum
Ocular Spot 2 Professional
Daniel Klages
Johannes Dinnebier
ERCO: Lightscan @ Stylepark
ERCO
Lightscan
Targetti: Cartesio @ Stylepark
Targetti
Cartesio
Tobias Grau: Mary Floor @ Stylepark
Tobias Grau
Mary Floor
Tobias Grau
Modular: MP78 Fortimo LED-line @ Stylepark
Modular
MP78 Fortimo LED-line
Nimbus Group: Louis 64 @ Stylepark
Nimbus Group
Louis 64
News & Stories › 2014 › April
Linsen und anderer Lichtzauber
von Thomas Edelmann | 10. April 2014
Kleine neben großen Unternehmen, winzige Bauteile und mannshohe Architekturstrahler: Auf der Light+Building sprengen die Anbieter alle Dimensionen. Was diesmal zu Rekorden führte.
Wie Strom in Zukunft als Licht in Wohnungen, Büros und auf der Straße verteilt werden soll und von Gebäudeautomation handelt die Light+Building, die sich neuerdings „Weltmesse für Energieeffizienz“ nennt. Rekorde sind zu vermelden. 211.500 Besucher kamen nach Frankfurt, angereist aus 161 Ländern, 47 Prozent davon aus dem Ausland. Ob sie alle, Hersteller wie Besucher, nach Effizienz streben, ist noch nicht ausgemacht. Immerhin beflügeln Lichttechniken rund um LED und OLED viele Branchen und Gewerke. Eine entspannte Stimmung machte sich auf der Messe breit. Denn es scheint großen wie kleinen Marken zu gelingen, an den neuen Entwicklungen zu partizipieren. Wer nach neuen, überzeugenden Formen und umfassenden gestalterischen Konzepten sucht, wird da nicht unbedingt fündig. Erneuerung wird sichtbar im Detail, mal winzig klein, dann wieder riesenhaft groß.

Da sind etwa die Linsen und Streuscheiben, optische Systeme, die vor LED-Bauelemente geschaltet sind und die gezielte Lichtverteilung übernehmen. Je nach Einsatzzweck sorgen sie mal für die konzentrierte Bündelung oder für die Streuung des Lichts. Mit ihnen bestückt etwa Tobias Grau seine neuen Strahler „Set“, die es in unterschiedlichen An- und Einbauvarianten sowie Farben gibt. Bis auf zwei Modellreihen hat Grau nun sein gesamtes Produktprogramm auf LED als Leuchtmittel umgestellt. Immer mehr Hersteller beschreiten diesen Weg.

Erco präsentierte den Besuchern neben neuen LED-Lichtwerkzeugen wie dem Außenscheinwerfer „Lightscan“ auch deren Innenleben, wie Kollimatoroptiken und Spherolit-Linsen. Die Gestaltung des Messestands leitete sich von der Form einer LED-Platine ab, überdimensional vergrößert. Deutlich reduziert wurde der Stromverbrauch bei Erco. Mit 6,17 Watt pro Quadratmeter benötigte das Unternehmen 19 Prozent weniger Strom als bei der letzten Messe 2012.

Beim Ausführen ihrer Hunde lernten sich der bekannte niederländische Industriedesigner Friso Kramer und der Chef der Firma Lightwell, Henk Janssen, kennen. Lightwell fertigt Leuchten mit LED-Technik für den öffentlichen Raum, die Leuchtmittel kommen von Philips und Cree. Kramer ist einer der besten holländischen Designer und seit den 1950er Jahren aktiv. Hierzulande wurde er vor allem bekannt durch sein Sitzbanksystem „1200“ für Wilkhahn und Büromöbel für Ahrend. 1960 entwarf er im Auftrag der Stadt Den Haag eine runde Straßenlaterne. Nun hat Friso Kramer (Jahrgang 1922) für Lightwell seiner Laterne neues Leben eingehaucht. Ihr LED-Licht wird gegen einen asymmetrisch facettierten Reflektor geworfen. Die Leuchte, die wie ihr historischer Vorläufer für Wohngebiete gedacht ist, hat einen dreifach geteilten Lichtkegel. Sie scheint nicht in Wohnungen, strahlt aber bis auf die Höhe der Eingangstüren.

Public Design ganz anderer Art stellt die Firma A&O Technology aus Bremen her. Ihre großen Xenon- und LED-Scheinwerfer dienen dem „Architainment“, sie beleuchten ebenso Events wie auch spektakuläre Bauten, etwa in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder in Miami. Die in Deutschland gefertigten Scheinwerfer trotzen Hitze, Kälte und Luftfeuchtigkeit. Selbst den derzeit höchsten Wolkenkratzer der Welt, den Burj Khalifa in Dubai, haben die Bremer bereits mehrfach erleuchtet.

Noch im Prototypen-Stadium befindet sich „T.T. Moon“ von Ingo Maurer. Wie eine Miniatur-Raumstation mit angedockten Segeln, die als Reflektoren dienen, schwebt die technoide Leuchtplattform im Raum. LED-Up- und Downlights sitzen auf der Platine, die an speziellen Sensorflächen auch gedimmt werden kann. Auf den ersten Blick sieht „Brick“ aus wie ein übliches Lichtsystem. Tatsächlich ist jedes Brick-Lichtelement (neben einem Basis-Modul können zwei weitere angebaut werden) um 360 Grad drehbar. Den Leuchtkörper gibt es in Schwarz, Blau oder in „naturbelassenem“ Aluminium, die Lamellenblende in Leuchtrot, Leuchtgelb oder Silber. 42 eingebaute LEDs brauchen 17 Watt und erzeugen 1500 Lumen. „Brick“ ist stufenlos dimmbar. Die Hängelampe „Luminophor“ von Till Armbrüster, ebenfalls bei Ingo Maurer, demonstriert die Funktionsweise weißer LED. Aus einer blauen LED im Leuchtenkopf wird das Licht zunächst von einer Linse gebündelt und darauf, durch eine beschichtete Streuscheibe geleitet, in weißes Licht umgewandelt.

Es sind eben nicht nur Riesen, die Neues präsentieren. „Combilight“ von Steng wurde entworfen von Prof. Wulf Schneider und Partner. Ein minimalistischer Strahler mit eigenem Kühlkörper, integriert in einen transluzenten Plexiglas-Zylinder mit 44 Millimeter Durchmesser, bildet die Basis des Systembaukastens. Durch Addition von lichtstarken Strahlern lassen sich vielfältige Orte vom Shop über die Praxis bis zum Büro oder der Wohnung mit „Combilight“ beleuchten. Durch das Einlegen von Farbfiltern wird zudem der Lichtton veränderbar. Das System hat Varianten als schwenkbares Downlight, als Pendel-, Decken- und Wandleuchte. Auch Lichtschienen und weitere Systemkomponenten gehören zum Programm.

Erstaunlich ist dagegen, wie manch Großunternehmen sich präsentiert. Osram etwa taucht den Stand in gebrochenes Weiß, Messehostessen tragen orangefarbene Kleidung, die nicht wirklich vorteilhaft wirkt. Und etwas verloren schwebt die OLED-Studie „Luminaire“ von Werner Aisslinger und Till Grosch an der Decke des Standes. Dass die Designer hier traditionelle Fliesenformen zu einer dreidimensionalen Landschaft aus sich wiederholenden und irregulären Elementen schufen, erfährt vor Ort nicht einmal der gutwilligste Besucher.

Auch Philips weiß seine Neuheiten zu inszenieren: Der Besucher durchwandert eine Höhle, die ihn mittels Lichtinstallationen in Stimmung versetzen soll, um sich wiederzufinden in einem Strudel der Philips’schen Präsentationen.

Neben aktuellen Neuheiten bieten manche Hersteller Einblicke in ihre Labore. Während LG sich vorwiegend der OLED und ihrem noch nicht gänzlich überzeugenden Zukunftspotential widmet – ein Mitarbeiter wechselt dabei regelmäßig tragbare flache Leuchtelemente aus, zeigt Samsung eine künftige LED, die sich noch im Forschungsstadium befindet. Ihre Markteinführung ist aber für 2016 vorgesehen. Die Nano LED soll ohne die bislang typische gelbe Phosphor-Beschichtung auskommen. Womöglich dürfte die Lichtszene auf der nächsten Light+Building also schon wieder etwas anders aussehen.