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von 2143 Forward End
Lowdensity Polyethylene
von Thomas Wagner | 18. Januar 2016
Mit seinem Bildband „LPDE“ ist Fotograf Julian Faulhaber eine gelungene Studie über menschenleere Räume gelungen. Oberes Bild: Tankstelle.
Foto © Julian Faulhaber / VG Bildkunst Bonn
Die Aufnahmen von Julian Faulhaber tragen so einfache Titel wie „Trennwand“, „Garage“, „Hinterausgang“ oder „Tresen“. Sie erstrahlen in einer ebenso berauschenden wie beängstigenden Künstlichkeit. Angerichtet wie Amuse Gueules stehen Zapfsäulen und Staubsaugermodul unterm Lichthimmel einer Tankstelle. Eine Sporthalle schrumpft zum pinkfarbenen Architekturmodell. Ein Luftschacht mutiert zu einem Gemälde, das Ad Reinhardt gefallen hätte. Ein Supermarkt erscheint wie eine Pforte in eine fremde andere Welt. Regale und Lichtbänder saugen sich mit Erinnerungen an Malerei voll. Während ein Tresen vergebens darauf wartet, sein Dasein als Skulptur zu beenden. Menschen sucht man vergebens. Sie haben hier nichts verloren. So wenig wie Schmutz, Elend, Leben. Hier regiert allein das Bild. Nur seine Logik zählt, bestimmt von Ausschnitt, Licht, Farbe und Detail. Alles ist Oberfläche und Oberfläche ist alles, was übrigbleibt. Als bestünden unsere Städte und Gebäude plötzlich aus Renderings. Als habe sich die Welt vollständig in ihr Abbild zurückgezogen. Als gäbe es nur noch das Spektakel einer coolen und befremdlichen Illusion. Als wäre „LDPE“ nicht nur die Bezeichnung für Low-Density-Polyethylen, stark verzweigte Polymerketten von geringer Dichte. (tw)

Julian Faulhaber
LDPE
80 S., Hardcover, Leineneinband
Trademark Publishing, Frankfurt am Main 2015,
ISBN 978-3-9817475-1-5
38,00 Euro
Supermarkt. Foto © Julian Faulhaber / VG Bildkunst Bonn
Regale. Foto © Julian Faulhaber / VG Bildkunst Bonn
Sporthalle. Foto © Julian Faulhaber / VG Bildkunst Bonn
Decke. Foto © Julian Faulhaber / VG Bildkunst Bonn
Stühle. Foto © Julian Faulhaber / VG Bildkunst Bonn
News & Stories › 2016 › Januar
Lowdensity Polyethylene
von Thomas Wagner | 18. Januar 2016
Julian Faulhaber ist mit „LDPE“ ein außergewöhnlicher Fotoband gelungen.
Die Aufnahmen von Julian Faulhaber tragen so einfache Titel wie „Trennwand“, „Garage“, „Hinterausgang“ oder „Tresen“. Sie erstrahlen in einer ebenso berauschenden wie beängstigenden Künstlichkeit. Angerichtet wie Amuse Gueules stehen Zapfsäulen und Staubsaugermodul unterm Lichthimmel einer Tankstelle. Eine Sporthalle schrumpft zum pinkfarbenen Architekturmodell. Ein Luftschacht mutiert zu einem Gemälde, das Ad Reinhardt gefallen hätte. Ein Supermarkt erscheint wie eine Pforte in eine fremde andere Welt. Regale und Lichtbänder saugen sich mit Erinnerungen an Malerei voll. Während ein Tresen vergebens darauf wartet, sein Dasein als Skulptur zu beenden. Menschen sucht man vergebens. Sie haben hier nichts verloren. So wenig wie Schmutz, Elend, Leben. Hier regiert allein das Bild. Nur seine Logik zählt, bestimmt von Ausschnitt, Licht, Farbe und Detail. Alles ist Oberfläche und Oberfläche ist alles, was übrigbleibt. Als bestünden unsere Städte und Gebäude plötzlich aus Renderings. Als habe sich die Welt vollständig in ihr Abbild zurückgezogen. Als gäbe es nur noch das Spektakel einer coolen und befremdlichen Illusion. Als wäre „LDPE“ nicht nur die Bezeichnung für Low-Density-Polyethylen, stark verzweigte Polymerketten von geringer Dichte. (tw)

Julian Faulhaber
LDPE
80 S., Hardcover, Leineneinband
Trademark Publishing, Frankfurt am Main 2015,
ISBN 978-3-9817475-1-5
38,00 Euro