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Luft macht, was sie will
im Gespräch mit Sabina Lang und Daniel Baumann
25. Oktober 2013
Statement ihrer künstlerischen Arbeitsweise: Sabina Lang und Daniel Baumann in „Sport #1“. Foto © L/B
Ein Künstlerpaar der besonderen Art, das sind Sabina Lang und Daniel Baumann. Die beiden Künstler leben im beschaulichen Burgdorf in der Schweiz, agieren mit ihren raumgreifenden Installationen aber weltweit an Orten wie Paris, Warschau, Madrid, Peking oder Buenos Aires. Dabei sind ihre Arbeiten recht vielfältig. Sie reichen von riesigen Luftschläuchen, die sich durch Häuserfassaden winden über surrealistische Treppensteige bis zu bunten, mäandernden Linien als Street Paintings oder gar irritierende Fußballfeld-Markierungen. Lang/Baumann, bekannt unter dem Kürzel „L/B“, sehen den Raum als ihre Spielwiese an und testen seine Grenzen fortlaufend. Özlem Özdemir sprach mit den beiden über barocke Ausdruckskraft, das Verhältnis von Kunst und Sport sowie ihre Pläne für den Weltraum.

Özlem Özdemir: Im Vergleich zu anderen Künstlerpaaren verschmelzen Sie derart, dass nur noch das Kürzel „L/B“ übrig bleibt. Weshalb?

Daniel Baumann: Es ist reizvoll, sich hinter einem solchen Label zu verstecken. Es wird ja in der Kunst gerne die Vorstellung gepflegt, der Künstler sei ein Genie. Bei einem Label ist die Situation eine andere. Ein Label kann nicht genial sein. Es macht uns Freude, uns zu verstecken und dadurch der Kunst selbst dazu zu verhelfen, sich hervorzutun.

Die Attribute, die man über Sie liest, reichen von sportiv, verspielt über poppig, schnittig, elegant bis dekorativ. Wow-Effekt, Humor, unverhohlene Schönheit, Traum und Wirklichkeit sowie Wahrnehmungsverwirrungen sind weitere. Wie erklären Sie sich das?

Lang: Ich denke, mit Hilfe solcher Etiketten will man uns in eine bestimmte Schublade stecken. Wir versuchen, dem Betrachter einen leichten Einstieg zu ermöglichen, zum Beispiel durch Farbigkeit oder Architekturelemente. Dann erst werden andere Sachen „dahinter“ entdeckt, die in diesen Kategorisierungsversuchen weniger zur Sprache kommen..

Baumann: Ein Punkt, der uns interessiert, ist eine Masse, die kaum mehr erfassbar ist und extrem wuchtig. Wenn etwas sehr schön ist und gleichzeitig monströs groß, dann gibt es da einen Widerspruch. Wir schätzen es, solche Spannungsfelder zwischen Dingen zu entwickeln, die eigentlich nicht zusammenpassen. Wir arbeiten aber so lange daran, dass es sich irgendwie verträgt und der Betrachter am Schluss völlig verschiedene Sichtweisen darauf haben kann.

Was halten Sie von dem Attribut „barock“? Passt die typisch barocke Lebensfreude nicht ebenso zu Ihren Arbeiten wie eine gewisse Üppigkeit?

Lang und Baumann: (lachen) Ja!

Baumann: Gerade mit der Üppigkeit können wir gut leben. Es gibt sehr viele Künstler, die sich endlos darüber Gedanken machen, wie sie mit noch weniger Mitteln das Gleiche aussagen können. Wir fragen uns andersherum: Verträgt’s noch mehr? Können wir eine Facette mehr hineinbringen? Wir wollen viele verschiedene Sichtweisen auf unsere Kunst anbieten, die alle richtig sind, aber sich auch widersprechen können. Opulenz empfinden wir von daher überhaupt nicht als etwas Negatives.

Kommen wir zu einer älteren Arbeit: das Foto „Sport #1“. Wir sehen Sabina Lang in einer angedeuteten Rolle rückwärts und Daniel Baumann in einer Denkerpositur à la Rodin. Hier kindlich-empathischer Nachahmungstrieb, dort Analyse, mittendrin eine Spielrennbahn, die man wie ein Ying Yang-Zeichen lesen kann. Ist das ein Statement zu Ihrer künstlerischen Arbeitsweise?

Baumann: Das können wir voll und ganz unterschreiben. Die Endlosschlaufe beschreibt die Unendlichkeit, in der alles enthalten ist. Sie ist wie die Acht, die nach einem bestimmten Maß an Fortschritt dort ankommt, wo alles angefangen hat. Es geht auch um die Frage, was kann in einem Umfeld, wo man sich immer auf den gleichen Spuren befindet und das Feld schon abgesteckt ist, noch Erfindung und Innovation sein.

Sie tragen darauf Trainingsanzüge. Was bedeutet das?

Lang: Der Sport und seine Ästhetik interessieren uns bis heute. Wir haben Arbeiten gemacht mit Fußballfeldern, weil es eine Parallele gibt zur Kunst im Sinne von „Spiel und Regel“. Als Künstler setzt man sich seine eigenen Regeln. Dieses Foto entstand 1996 und in den neunziger Jahren war Techno-Zeit. Man trug diese Trainingsanzüge. Sie wurden zweckentfremdet, in eine andere Freizeitdomäne übertragen – und dieses Verschieben, das hat uns interessiert. Bei dieser Kleidung fragt man sich, ist das wirklich Sport oder etwas ganz anderes? Mit Sport hat’s schlussendlich wenig zu tun.

In den 1960er und 1970er Jahren waren „Supergraphics“ ein großes Thema. Haben Sie sich damit beschäftigt?

Lang: Supergraphics hat ja den Anspruch des Totalintegralen. Es gibt in den 1970er-Jahren Do-it-yourself-Bücher, mit deren Hilfe man sich Sofas bauen oder ganze Räume gestalten kann. Immer mit dem Anspruch, dass ein Element von der Wand sich weiterzieht bis aufs Sofa und dann auf den Teppich. Das ist etwas, was uns interessiert: der Anspruch, alles einzubeziehen.

Der französische Farbdesigner Jean-Philippe Lenclos hat gesagt: „I was fascinated by the graphic elements I found in the urban landscape, such as signs and road markings on the street.”Das erinnert mich an Ihre Arbeit im Ulmbergtunnel in Zürich, bei der Sie eine Mittellinie aufgegriffen haben.

Baumann: Der Ursprung war, dass die Stadt gegen die Graffitis in dem Tunnel kämpfte. Sie dachten sich, wir laden Künstler ein, die etwas für die Wände entwerfen können, dann wird’s lebendig und das Graffitiproblem ist auch gleich erledigt. Wir haben aber gesagt, es wäre viel klüger auf den Belag zu gehen, denn wir wollen nicht im Kampf stehen mit den Sprayern. Man nimmt ja solche Aufträge gerne an, doch wenn man dann liest, sie hätten diese Maßnahmen und jene Maßnahmen probiert, die alle nichts bewirkt hätten, ja und jetzt als letzte Lösung: „Probieren wir’s noch mit Kunst!“. Wir sind doch keine Dienstleister und schon gar nicht irgendwelche Hoffnungsträger oder Glücksbringer.

Wie sind sie dann dazu gekommen, Fassaden, Innenräume, Treppenhäuser und Eingangshallen zu gestalten und Schlauchkonstruktionen einzusetzen, die oft ganze Gebäude durchdringen, umhüllen oder verzieren?

Baumann: Angefangen mit diesen Schläuchen hat es in der Villa du Parc, im französischen Annemasse. Es gab eine Einladung, in den 13 Räumen der Villa auszustellen und wir hatten einen Horror davor, dort 13 verschiedene Arbeiten zu zeigen. Also haben wir uns überlegt, wie können wir all diese Räume einbinden und auch noch einen Dialog nach außen entwickeln.

Wie muss man sich die praktische Seite der Schlauchkonstruktionen vorstellen?

Baumann: Wir arbeiten mit Prototypen. Für das Projekt in Madrid haben wir eine 20 Meter lange Wurst produziert und dann alles an der Fassade unseres Atelier getestet und gemessen. Es ist wirklich notwendig, die Dinge eins zu eins zu testen. Bei der Luft ist es noch schlimmer, wenn dabei etwas nicht funktioniert. Die Luft macht einfach, was sie will.

Von den Schläuchen zur Straße: Wie kam es zu den „Street Painting“-Projekten?

Lang: „Street Painting #1“, das war im Schweizer Jura, in Môtiers und Umgebung. Alle paar Jahre gibt es dort eine große Ausstellung, bei der die Werke im Wald, im Dorf und auf der Wiese gezeigt werden. Wir hatten damals eine kleine Straße, das Ende vom Parcours der Ausstellung. Die Straße wird zu einem geteerten Feldweg und von diesem haben wir ein Stück mit einem ganz einfachen Streifenmotiv bemalt. Es ist also unausweichlich, dass man dieser Malerei begegnet, etwa wenn man mit dem Auto drüber fährt.

Ihr Projekt „Hotel Everland“ funktioniert ein wenig nach dem Prinzip Raumschiff. Hat L/B auch Ambitionen für den Weltraum?

Baumann: Tatsächlich ist Everland ein reisendes Hotel, welches bisher an unterschiedlichen Orten zu Gast war. Die Visionen der Sechziger, Siebziger Jahre für ein Leben im Weltall, waren für uns natürlich eine große Referenz, eine Kapsel zu kreieren, die alles einschließt und einem alles bietet. Es sind faszinierende Konzepte entwickelt worden, aber ich denke, für uns bleibt das für ganz lange ein Traum.

www.langbaumann.com
www.everland.ch

Aktuelle Ausstellungen:

Beautiful Steps #7
Rive de Saône, Rochetaillée, Lyon/Frankreich
seit 1.September 2013
www.lesrivesdesaone.com

Street Painting #7
Rue Jules Simon, Rennes/ Frankreich
Mai 2013 bis Mai 2014
www.40mcube.org

Feu sacré
Kunstmuseum, Bern/Schweiz
20. September 2013 bis 5. Januar 2014
www.kunstmuseumbern.ch

Chambre de luxe
Kunstmuseum, Thun/ Schweiz
21. September bis 24. November 2013
www.kunstmuseumthun.ch


Publikation:

Lang/Baumann. More is More
Sabina Lang / Daniel Baumann & Editions Loevenbruck, Paris
21 x 28 cm, 240 Seiten
Die Gestalten Verlag, Berlin , 2013
www.shop.gestalten.com
„Street Painting #3“ im Ulmbergtunnel in Zürich: „Probieren wir’s noch mit Kunst!“ Foto © L/B
Erinnert an Graffiti und Kalligrafie – „Nuit Blanche” in Paris, 2010. Foto © L/B
„Nuit Blanche”, Ecole Elementaire de Belleville, Paris, 2010. Foto © L/B
Wo die Schlauchkunst begann: Villa du Parc, Annemasse/Frankreich, 2007. Foto © L/B
„Street Painting #7“ in Rennes/Frankreich – bis Mai 2014. Foto © L/B
„Beautiful Walls #22“ zur Ausstellung "The Old, the New, the Different", Kunsthalle, Bern/Schweiz, 2012. Foto © L/B
„Hotel Everland“ in Paris, Palais de Tokyo, 2007. Foto © L/B
„Hotel Everland“ in Paris, Palais de Tokyo, 2007. Foto © L/B
News & Stories › 2013 › Oktober
Luft macht, was sie will
25. Oktober 2013
Ob plakative Street Paintings, üppige Fassadendekorationen oder surrealistische Treppensteige – der öffentliche Raum ist für Sabina Lang und Daniel Baumann eine große Spielwiese. Das Schweizer Künstler-Paar im Interview mit Özlem Özdemir.
Ein Künstlerpaar der besonderen Art, das sind Sabina Lang und Daniel Baumann. Die beiden Künstler leben im beschaulichen Burgdorf in der Schweiz, agieren mit ihren raumgreifenden Installationen aber weltweit an Orten wie Paris, Warschau, Madrid, Peking oder Buenos Aires. Dabei sind ihre Arbeiten recht vielfältig. Sie reichen von riesigen Luftschläuchen, die sich durch Häuserfassaden winden über surrealistische Treppensteige bis zu bunten, mäandernden Linien als Street Paintings oder gar irritierende Fußballfeld-Markierungen. Lang/Baumann, bekannt unter dem Kürzel „L/B“, sehen den Raum als ihre Spielwiese an und testen seine Grenzen fortlaufend. Özlem Özdemir sprach mit den beiden über barocke Ausdruckskraft, das Verhältnis von Kunst und Sport sowie ihre Pläne für den Weltraum.

Özlem Özdemir: Im Vergleich zu anderen Künstlerpaaren verschmelzen Sie derart, dass nur noch das Kürzel „L/B“ übrig bleibt. Weshalb?

Daniel Baumann: Es ist reizvoll, sich hinter einem solchen Label zu verstecken. Es wird ja in der Kunst gerne die Vorstellung gepflegt, der Künstler sei ein Genie. Bei einem Label ist die Situation eine andere. Ein Label kann nicht genial sein. Es macht uns Freude, uns zu verstecken und dadurch der Kunst selbst dazu zu verhelfen, sich hervorzutun.

Die Attribute, die man über Sie liest, reichen von sportiv, verspielt über poppig, schnittig, elegant bis dekorativ. Wow-Effekt, Humor, unverhohlene Schönheit, Traum und Wirklichkeit sowie Wahrnehmungsverwirrungen sind weitere. Wie erklären Sie sich das?

Lang: Ich denke, mit Hilfe solcher Etiketten will man uns in eine bestimmte Schublade stecken. Wir versuchen, dem Betrachter einen leichten Einstieg zu ermöglichen, zum Beispiel durch Farbigkeit oder Architekturelemente. Dann erst werden andere Sachen „dahinter“ entdeckt, die in diesen Kategorisierungsversuchen weniger zur Sprache kommen..

Baumann: Ein Punkt, der uns interessiert, ist eine Masse, die kaum mehr erfassbar ist und extrem wuchtig. Wenn etwas sehr schön ist und gleichzeitig monströs groß, dann gibt es da einen Widerspruch. Wir schätzen es, solche Spannungsfelder zwischen Dingen zu entwickeln, die eigentlich nicht zusammenpassen. Wir arbeiten aber so lange daran, dass es sich irgendwie verträgt und der Betrachter am Schluss völlig verschiedene Sichtweisen darauf haben kann.

Was halten Sie von dem Attribut „barock“? Passt die typisch barocke Lebensfreude nicht ebenso zu Ihren Arbeiten wie eine gewisse Üppigkeit?

Lang und Baumann: (lachen) Ja!

Baumann: Gerade mit der Üppigkeit können wir gut leben. Es gibt sehr viele Künstler, die sich endlos darüber Gedanken machen, wie sie mit noch weniger Mitteln das Gleiche aussagen können. Wir fragen uns andersherum: Verträgt’s noch mehr? Können wir eine Facette mehr hineinbringen? Wir wollen viele verschiedene Sichtweisen auf unsere Kunst anbieten, die alle richtig sind, aber sich auch widersprechen können. Opulenz empfinden wir von daher überhaupt nicht als etwas Negatives.

Kommen wir zu einer älteren Arbeit: das Foto „Sport #1“. Wir sehen Sabina Lang in einer angedeuteten Rolle rückwärts und Daniel Baumann in einer Denkerpositur à la Rodin. Hier kindlich-empathischer Nachahmungstrieb, dort Analyse, mittendrin eine Spielrennbahn, die man wie ein Ying Yang-Zeichen lesen kann. Ist das ein Statement zu Ihrer künstlerischen Arbeitsweise?

Baumann: Das können wir voll und ganz unterschreiben. Die Endlosschlaufe beschreibt die Unendlichkeit, in der alles enthalten ist. Sie ist wie die Acht, die nach einem bestimmten Maß an Fortschritt dort ankommt, wo alles angefangen hat. Es geht auch um die Frage, was kann in einem Umfeld, wo man sich immer auf den gleichen Spuren befindet und das Feld schon abgesteckt ist, noch Erfindung und Innovation sein.

Sie tragen darauf Trainingsanzüge. Was bedeutet das?

Lang: Der Sport und seine Ästhetik interessieren uns bis heute. Wir haben Arbeiten gemacht mit Fußballfeldern, weil es eine Parallele gibt zur Kunst im Sinne von „Spiel und Regel“. Als Künstler setzt man sich seine eigenen Regeln. Dieses Foto entstand 1996 und in den neunziger Jahren war Techno-Zeit. Man trug diese Trainingsanzüge. Sie wurden zweckentfremdet, in eine andere Freizeitdomäne übertragen – und dieses Verschieben, das hat uns interessiert. Bei dieser Kleidung fragt man sich, ist das wirklich Sport oder etwas ganz anderes? Mit Sport hat’s schlussendlich wenig zu tun.

In den 1960er und 1970er Jahren waren „Supergraphics“ ein großes Thema. Haben Sie sich damit beschäftigt?

Lang: Supergraphics hat ja den Anspruch des Totalintegralen. Es gibt in den 1970er-Jahren Do-it-yourself-Bücher, mit deren Hilfe man sich Sofas bauen oder ganze Räume gestalten kann. Immer mit dem Anspruch, dass ein Element von der Wand sich weiterzieht bis aufs Sofa und dann auf den Teppich. Das ist etwas, was uns interessiert: der Anspruch, alles einzubeziehen.

Der französische Farbdesigner Jean-Philippe Lenclos hat gesagt: „I was fascinated by the graphic elements I found in the urban landscape, such as signs and road markings on the street.”Das erinnert mich an Ihre Arbeit im Ulmbergtunnel in Zürich, bei der Sie eine Mittellinie aufgegriffen haben.

Baumann: Der Ursprung war, dass die Stadt gegen die Graffitis in dem Tunnel kämpfte. Sie dachten sich, wir laden Künstler ein, die etwas für die Wände entwerfen können, dann wird’s lebendig und das Graffitiproblem ist auch gleich erledigt. Wir haben aber gesagt, es wäre viel klüger auf den Belag zu gehen, denn wir wollen nicht im Kampf stehen mit den Sprayern. Man nimmt ja solche Aufträge gerne an, doch wenn man dann liest, sie hätten diese Maßnahmen und jene Maßnahmen probiert, die alle nichts bewirkt hätten, ja und jetzt als letzte Lösung: „Probieren wir’s noch mit Kunst!“. Wir sind doch keine Dienstleister und schon gar nicht irgendwelche Hoffnungsträger oder Glücksbringer.

Wie sind sie dann dazu gekommen, Fassaden, Innenräume, Treppenhäuser und Eingangshallen zu gestalten und Schlauchkonstruktionen einzusetzen, die oft ganze Gebäude durchdringen, umhüllen oder verzieren?

Baumann: Angefangen mit diesen Schläuchen hat es in der Villa du Parc, im französischen Annemasse. Es gab eine Einladung, in den 13 Räumen der Villa auszustellen und wir hatten einen Horror davor, dort 13 verschiedene Arbeiten zu zeigen. Also haben wir uns überlegt, wie können wir all diese Räume einbinden und auch noch einen Dialog nach außen entwickeln.

Wie muss man sich die praktische Seite der Schlauchkonstruktionen vorstellen?

Baumann: Wir arbeiten mit Prototypen. Für das Projekt in Madrid haben wir eine 20 Meter lange Wurst produziert und dann alles an der Fassade unseres Atelier getestet und gemessen. Es ist wirklich notwendig, die Dinge eins zu eins zu testen. Bei der Luft ist es noch schlimmer, wenn dabei etwas nicht funktioniert. Die Luft macht einfach, was sie will.

Von den Schläuchen zur Straße: Wie kam es zu den „Street Painting“-Projekten?

Lang: „Street Painting #1“, das war im Schweizer Jura, in Môtiers und Umgebung. Alle paar Jahre gibt es dort eine große Ausstellung, bei der die Werke im Wald, im Dorf und auf der Wiese gezeigt werden. Wir hatten damals eine kleine Straße, das Ende vom Parcours der Ausstellung. Die Straße wird zu einem geteerten Feldweg und von diesem haben wir ein Stück mit einem ganz einfachen Streifenmotiv bemalt. Es ist also unausweichlich, dass man dieser Malerei begegnet, etwa wenn man mit dem Auto drüber fährt.

Ihr Projekt „Hotel Everland“ funktioniert ein wenig nach dem Prinzip Raumschiff. Hat L/B auch Ambitionen für den Weltraum?

Baumann: Tatsächlich ist Everland ein reisendes Hotel, welches bisher an unterschiedlichen Orten zu Gast war. Die Visionen der Sechziger, Siebziger Jahre für ein Leben im Weltall, waren für uns natürlich eine große Referenz, eine Kapsel zu kreieren, die alles einschließt und einem alles bietet. Es sind faszinierende Konzepte entwickelt worden, aber ich denke, für uns bleibt das für ganz lange ein Traum.

www.langbaumann.com
www.everland.ch

Aktuelle Ausstellungen:

Beautiful Steps #7
Rive de Saône, Rochetaillée, Lyon/Frankreich
seit 1.September 2013
www.lesrivesdesaone.com

Street Painting #7
Rue Jules Simon, Rennes/ Frankreich
Mai 2013 bis Mai 2014
www.40mcube.org

Feu sacré
Kunstmuseum, Bern/Schweiz
20. September 2013 bis 5. Januar 2014
www.kunstmuseumbern.ch

Chambre de luxe
Kunstmuseum, Thun/ Schweiz
21. September bis 24. November 2013
www.kunstmuseumthun.ch


Publikation:

Lang/Baumann. More is More
Sabina Lang / Daniel Baumann & Editions Loevenbruck, Paris
21 x 28 cm, 240 Seiten
Die Gestalten Verlag, Berlin , 2013
www.shop.gestalten.com