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Luxus durch Nachdenken
von Claudia Beckmann | 1. Dezember 2008
Partnerwahl ist naturgemäß ein spannendes Thema. Für eine erfolgversprechende, fruchtbare Zukunft will sie wohl überlegt sein. Das wusste auch der Goldschmied und Produktdesigner Marc-Jens Biegel als er sich 2002 zu einer spannenden Zusammenarbeit entschloss. Alles begann - wie so oft im Leben - mit einer Frage: „Warum gibt es im Schmuckbereich kein Autorendesign?" Oder wenn, wie im Falle von Ettore Sottsass, warum ist es nie in Serie gegangen? Vielleicht mag einer der Gründe darin bestehen, dass Schmuck nach wie vor mit Tradition und Prestige identifiziert wird. Oft geht es auch um edle Materialien und teure Steine, kurz: um Luxus, bei dem die gestalterische Handschrift nicht an erster Stelle steht.

Allerdings hat sich das in jüngster Zeit geändert. Die Liste klassischer Geschmeide mag noch so lang sein, es gibt immer wieder Goldschmiede und Schmuckdesigner, die das Repertoire variieren oder erweitern und eine Vielzahl junger Designerinnen und Designer, die das Genre neu belebt haben. Sie verzichten ganz bewusst auf die gängigen Zeichen für Luxus und entwerfen Kreationen, die Einflüsse aus Kunst, Design und Mode aufnehmen.

An dieser Stelle setzen Marc-Jens Biegels Überlegungen an. Seine Idee war es, eine Serie - bestehend aus Ring, Kette, Armband und Ohrring -aus einem Entwurfsgedanken zu entwickeln. Interessant sind die Partner, die er sich für sein Projekte aussuchte: Allesamt Produktdesigner, die eigentlich Möbel, Leuchten oder sonstige Objekte in großem Maßstab entwerfen. Doch nun ging es um Schmuck - Objekte für den Körper -, und um eine Verbindung von Design und Kunsthandwerk. In diesem Sinne nannte er die Kollektion „Bodysign" - ein Kunstwort, mit dem er die Verbindung aus Körper und Zeichenhaftigkeit deutlich machte.

Das Projekt startete fulminant mit Serien von Uwe Fischer, Axel Kufus und Konstantin Grcic. Um mit einer Edition aus sechs Produktlinien zur Möbelmesse in Köln 2003 an den Start gehen zu können, wurden in kürzester Zeit drei weitere Serien entwickelt, für die Biegel Ronan & Erwan Bouroullec, Hannes Wettstein und Shin & Tomoko Azumi gewinnen konnte. Das ambitionierte Projekt glückte. Nach dem erfolgreichen Start der Kollektionsidee trat Biegel zum Designmai 2005 mit weiteren Kollektionen an: diesmal von Tom Dixon, Alfredo Häberli und Werner Aisslinger. Kaum ein Jahr später entwarfen Saskia und Stefan Diez die bislang letzte Serie für die Designer-Kollektion von Biegel.

Soweit die Geschichte im Zeitraffer, deren Tempo allerdings auch in Echtzeit erstaunlich ist. Marc-Jens Biegel hat mit Bodysign eine Kollektion initiiert, die wesentlich dazu beigetragen hat, dem zeitgenössischen Schmuckdesign neue Konturen zu geben. Mal sind es Zahlen und deren Symbolik, die inspirierend wirken, mal molekulare biochemische Strukturen der menschlichen Natur, mal werden rational-industrielle Entwurfsprozesse oder architektonische Bezüge reflektiert oder mit historischen und kulturellen Codes gespielt. Und so offenbaren sämtliche Entwürfe „eine Schönheit, die aus der Einfachheit erwächst, eine, die nicht simpel ist, sondern sich den Luxus der Reflexion leistet", so Volker Fischer, Kurator am Museum für Angewandte Kunst Frankfurt.

„Precious simplicity" lautet die Gestaltungsmaxime des Hauses. „Man muss sie spüren, sie dürfen aber nicht stören", so charakterisiert Marc-Jens Biegel seine kostbaren Pretiosen. Eine solche Störung lässt man sich allerdings gerne gefallen.

www.biegel.biz
von oben nach unten: Gran Prix von Konstantin Grcic Elizabeth von Shin und Tomoko Azumi Molecular von Uwe Fischer Spike von Tom Dixon Oyster von Saskia und Stefan Diez