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Mehr Licht, besseres Licht!
von Thomas Edelmann | 21. April 2009
In den nächsten Jahren sollen herkömmliche Glühlampen komplett vom Markt verschwinden. Wir erinnern uns: Bevor 2008 „Finanzkrise" von der Gesellschaft für deutsche Sprache zum unbestrittenen „Wort des Jahres" gekürt wurde, stand 2007 genauso unbestritten „Klimakatastrophe" ganz oben auf der medialen Aufmerksamkeitsagenda. Der konservative australische Ministerpräsident John Howard entdeckte damals eine populäre Möglichkeit für symbolisches Handeln, die manche Politiker bekanntlich gern an die Stelle von Veränderungen der Ursachen setzen: Das Verbot der Glühbirne, die wegen ihres hohen Energieverbrauchs einer der Verursacher der Klimaerwärmung sei, was Klimaforscher bis heute als wirkungslosen Aktionismus ansehen. Statt also beispielsweise über angemessenes Licht zu reden und die teure und sinnlose Umweltverschmutzung mit Licht in den Metropolen zu reduzieren, forderte Howard die Abschaffung der Glühbirne. Sein irischer Kollege Bertie Ahern schloss sich an, und bald schon fasste die EU-Kommission den Entschluss, der Glühbirne den Garaus zu machen. Konventionelle Lampen mit mehr als 80-Watt sollen bereits ab 1. September aus dem Handel verschwinden. Eine Steilvorlage für Designer und Hersteller, die auf der Mailänder Euroluce ihre neuesten Produkte präsentieren, sollte man meinen. Doch obwohl immer schneller LED-Panele mit immer höherer Lichtstärke auf den Markt kommen und neue Lichttechniken sich mitunter in traditionellen Formen verkleiden, gibt es die eine richtige Alternative bislang nicht. Im Büro beispielsweise, das einen weit höheren Anteil an sinnlosem Energieverbrauch (und damit an unnötiger CO2-Produktion) hat, als private Haushalte, sehen Ausschreibungen bislang bestimmte Lichtmengen vor, anstatt konkrete Vorgaben für die Einsparung von Energie zu machen.

Werden sich also die Aussteller und Designer auf der Euroluce und den Fuorisaloni diesmal dem Spannungsfeld von Energie und Schönheit stellen? Werden sie angemessene Strategien präsentieren, um mit neuer Gestaltung auf den Klimawandel zu antworten? Die Entwürfe, die im Vorfeld kursieren, lassen sich in drei Gruppen einteilen: Die Lichtinszenierung, die Suche nach der technischen Innovation und als dritte Gruppe die formale Ausdifferenzierung, bei der über Technik zwar nachgedacht, aber wenig geredet wird. Licht bedarf mitunter komplexer Technik und dringt ein anderes Mal aus äußerst simplen Gehäusen. Interessant sind Übergänge und Schnittmengen. Sie bieten weit mehr Erhellendes als nur den Stoff für einen kurzen Messetalk.

Licht im Raum: Die Inszenierung

Für Ingo Maurer war bekanntlich eine roh unter die Decke geschraubte Glühbirne in einem New Yorker Hotel Ausgangspunkt seiner rastlosen Suche nach poetischen Formen des Lichts. Er ist noch immer Pionier, wenn es darum geht, neue Techniken auszuprobieren und ihnen eine Gestalt zu verleihen. Im vergangenen Jahr zeigte er beispielsweise mit „Early Future" die Studie einer Tischleuchte mit organischen Leuchtdioden OLED. „Es ist nicht irgendeine Form, die unser Wohlbefinden beeinflusst, es ist das Licht," sagte Maurer kürzlich bei einem Designkongress in Schweden. Edisons Glühbirne, der er verschiedene seiner Entwürfe widmete, ist für ihn ein zutiefst menschliches Produkt, seine Verbannung daher verheerend. Mit seinen Inszenierungen „Lacrime del Pescatore" und „Shine on you crazy Diamond" im Spazio Krizia, in den er diesmal als Partner Borek Sipek eingeladen hat, aber auch mit neuen Leuchten, die das LED-Licht als alltägliche Lichtquelle erlebbar machen könnten, setzt Maurer Akzente. Zu sehen gibt es auch Entwürfe, die sich explizit mit dem geplanten Verschwinden der Glühbirne auseinandersetzen und sich spielerisch dagegen zur Wehr setzen.

Licht in all seinen unbegrenzten und spektakulären Variationen wird zum Protagonisten der Eröffnungsveranstaltung der Mailänder Messe im Hof des Palazzo Reale, für die der walisische Künstler Cerith Wyn Evans ausgewählt wurde. Seine große bewegliche Neonskulptur „Invocation" (Anrufung) soll eine leuchtende Wolke und den Bezug zwischen Stadt und Messe herstellen.

Nicht weit entfernt, bei Sawaya & Moroni (Via Manzoni 11), präsentiert der Künstler Olafur Eliasson „Starbrick", sein Experiment aus Lichtmodulation und Raum für Zumtobel. „Sternförmige Module auf Basis eines Stapelprinzips lassen drei Arten von Raum entstehen", so Eliasson: „Die solide Struktur des Moduls an sich, des negativen Raums in Form eines kubischen Oktaeders in dessen Mitte und die polyedrischen Bereiche, die sich beim Stapeln zwischen den Modulen ergeben." Der Starbrick besteht aus gespritzten Polycarbonat-Bauteilen mit matt-schwarzem Finish. Halbtransparente Spiegelflächen im Kern werden von LEDs hinterleuchtet. Das Modul verfügt über verschiedene Lichteinstellungen, die sowohl funktionales Licht als auch Raumlicht bieten. Starbrick funktioniert als Einzelobjekt, aber auch als Lichtbaustein. „Man könnte sogar ein ganzes Lichthaus aus Starbricks bauen", sagt Eliasson in der erläuternden Dokumentation.

Luceplan nähert sich der Lichtinszenierung von der Seite des Designs mit einem modernen Kronleuchter aus Kunststoff, entworfen von dem Argentinischen Designer Francisco Gomez Paz und dem Mailänder Architekten, Designer und Unternehmer Paolo Rizzato. Das Stück trägt den äußerst aktuellen Namen „Hope". Rizatto, Mitbegründer von Luceplan, hat sich seit langem über eine zeitgemäße Interpretation des Kronleuchters Gedanken gemacht. Nicht die Form klassischer Vorbilder, sondern deren Lichteffekte standen bei der Neuentwicklung im Vordergrund. Gomez Paz und Rizatto entschieden sich, für ihren Leuchter auf die Prinzipien der Fresnel-Linsen zurückzugreifen, die früher in Leuchttürmen eine wesentliche Rolle spielten. Das Geheimnis dieses Objektes, das mit Unterstützung von Technikern von Carl Zeiss entstand, liegt in Millimeterbruchteilen und Mikroprismen. Der zerlegbare Leuchter wiegt nicht mehr als zwei Kilogramm und wird zunächst in zwei Größen mit 64 und 72 Zentimeter Durchmesser angeboten. Und in der Mitte des Ganzen: Eine Glühbirne!

Die neue Gestalt des Lichts

Philips präsentiert im Superstudio Piú (Via Tortona 27) organische Leuchtdioden (OLED), Lichtstärke und Lebensdauer dieser Bauteile sollen sich in nächster Zeit deutlich verbessern. Für die Mitsubishi-Tochter Lumiotec hat Toshiyuki Kita „Future Delight" entworfen. Die Prototypen von kardanisch aufgehängten OLED-Elementen werden in der Galleria il Castello (Via Brera 16) gezeigt. Bei Handy-Displays finden OLEDs bereits Verwendung. In Zukunft könnten sie an Stelle von Leuchten treten. Flexible transparente Leuchtelemente würden dann in Möbeln, Fahrzeuginterieurs und Räumen jeder Art integriert werden. Der neue Zweig von Toshiba, der Lichtsystemen und vor allem LED-Leuchten nun auch in Europa anbieten will, stellt in der Designlibrary (Via Savona 11) Produkte und Projekte vor.

Eher experimentell als industriell ist der Ansatz des Niederländer Bertjan Pot, der im Spazio Rossana Orlandi seinen „Revolving Chandelier" präsentiert. Dessen Halogenbirnen stecken in halb transparenten, propellerförmigen Lampenschirmen. Wird die Lampe eingeschaltet, entsteht so viel Wärme, dass sich die Schirme in Bewegung setzen. Das Prinzip ist von Leuchten für Kinder bekannt. Der Designer vermutet, dass Halogen-Leuchtmittel wegen ihrer schlechten Energiebilanz als nächste nach der Glühbirne vom Markt verschwinden könnten. Noch allerdings gibt es keinen effizienten Ersatz für die Halogen-Birnen. Der Leuchter, der leise vor sich hin dreht, wird als limitierte Edition von zwölf Stück hergestellt.

Formen und andere Erfindungen

Für Martí Guixé ist die traditionelle Schirmleuchte ganz in Weiß ein Vorwand, er selbst spricht von einem Avartar. Denn „Cau", seine Version der Schirmleuchte für Danese, hat weder Fassung noch Stromversorgung, die bringt stattdessen die ebenso klassische Arbeitslampe mit langem orangefarbenen Kabel ins Spiel. Guixé hängt die Arbeitsleuchte in den repräsentativen Schirm, der sogleich mit dem langen Kabel umwickelt wird: Fertig ist die Hängeleuchte!

Neunzig Jahre Bauhaus, das merkwürdig krumme Jubiläum, wirkt bis nach Mailand. „My Bauhaus is better than yours" heißt eine Ausstellung von Studenten der Bauhaus Universität Weimar im Wok Store Mailand (viale Col di Lana, 5a). Mit dabei ist eine Variante der Bauhausleuchte WA 24, eines der berühmtesten Bauhaus-Produkte überhaupt. Allerdings spendet der hölzerne Entwurf von Lisa Dinges kein Licht, sondern ruft bestenfalls ein Schmunzeln beim Betrachter hervor. Zieht man am charakteristischen Schnürchen von „wagenfällt", wird klar, dass es sich um ein Holzpuzzle handelt, das mit lautem Scheppern zusammenstürzt. Auch so kann man sich an der Designgeschichte abarbeiten.

Die neue Leuchte „Tress" von Foscarini strahlt nach oben und unten. Marc Sadler greift bei seinem Entwurf auf lackierte Glasfaser zurück, die er bereits bei früheren Entwürfen für Foscarini verwendete. Statt auf gleichmäßige ruhige Formen setzt er bei „Tress" auf durchbrochene, scheinbar chaotische Überlagerungen. Gewinnt man etwas Abstand, wirkt die Leuchte wie eine urbane Struktur.

Money" heißt die neue Familie von Leuchten mit farbigen Schirmen aus Mund geblasenem Glas, die Tobias Grau erstmals in Mailand präsentiert. „Falling in Love" ist eine kompakte Leuchte, die in einer Art Nest auf dem Tisch oder im Regal liegen kann. Mit der Stehleuchte „xt-a" ergänzt Grau sein Programm an Büroleuchten um ein Modell mit Metallgehäuse.

Was die wichtigsten Neuheiten betrifft, haben wir für Sie bereits jetzt eine Auswahl zusammengestellt, um Ihnen den Besuch der Euroluce im Vorfeld etwas zu strukturieren.

Hier finden Sie eine Zusammenstellung.

Euroluce
22. - 27. April 2009
von 9.30 bis 18.30 Uhr geöffnet
Messegelände, Rho (Milan)
www.cosmit.it
Apaya by Ayala Serfaty for Aqua Creations
Prometeo by A. Basaglia, N. Rota Nodari for I Tre
Homology by Giorgio Gurioli for Kundalini
Lumiblade by Philips Hope by Gomez Paz and Rizzatto Revolving Chandelier by Bertjan Pot Coco by Annet van Egmond
Lift by Fernando Prado for Lumini
Pink Filament by Janne Kyttänen for Freedom Of Creation