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von 2143 Forward End
Mein Kollege, das Roboter-Auto
von Laura Stresing | 9. November 2014
Werden Autofahrer in Zukunft das Know-how eines Piloten brauchen? Foto © Thinkstock
Wenn Roboter die Aufgaben von Menschen übernehmen, ist die Skepsis meist groß. Neben Sicherheitsbedenken spielt vor allem die Angst vor dem Verlust von Arbeitsplätzen eine Rolle. Umso überraschender ist, wie gelassen die Fahrlehrerverbände in Deutschland auf das Thema computergestütztes Fahren reagieren. Zukunftsängste kennt die Branche offenbar nicht. Hier ist man im Gegenteil sogar überzeugt: Der Beruf des Fahrlehrers wird auch in Zukunft gebraucht – sogar mehr als je zuvor. „Unsere Erfahrung zeigt: das Verständnis für die Assistenzsysteme macht mehr und nicht weniger Ausbildung nötig“, erklärt Gerhard von Bressensdorf, Vorsitzender des Dachverbandes der deutschen Fahrlehrerverbände.
Wer mit Hilfe von computergestützten Systemen Auto fährt – und das wird in nicht allzu ferner Zukunft die Mehrheit der Autofahrer sein – muss verstehen, wie Lenkhilfe, Tempomat und Co. überhaupt ticken.

„Die Anforderungen an die Fahrer sind gewachsen“, sagt von Bressensdorf, der seit 51 Jahren das Fahren unterrichtet. Zu Verkehrsregeln kommt jetzt noch verstärkt die Technologie zum Lernstoff dazu. Die meisten Fahrschulen haben ihre Flotten bereits aufgerüstet. Technisch auf dem neuesten Stand zu sein ist schließlich eine Notwendigkeit, wenn man die nächste Generation der Autofahrer ausbildet.
Letztendlich bleibt es aber den Schülern überlassen, ob sie die technische Hilfestellung in den Fahrzeugen nutzen. Der überwiegende Teil verzichte sogar darauf, sagt von Bressensdorf. Sogar das ungeliebte Einparken wird von den Fahrschülern lieber „von Hand“ durchgeführt. „Das finde ich hochinteressant“, sagt der Fahrlehrer. Sich auf ein halbautomatisches System zu verlassen, braucht offenbar auch Übung.
Im Gegensatz zu den Schülern sind von Bressensdorf und seine Kollegen regelrecht begeistert von den Möglichkeiten der Robotik. „Man kann das didaktisch in die Ausbildung einbringen und das bringt was“, schwärmt von Bressensdorf.
Dank Sensoren, Kameras und Automatiklenkung können Einparkhilfen zum Beispiel bereits weitaus mehr, als nur piepsende Warnsignale von sich zu geben. Wenn sich dann das Lenkrad wie von Geisterhand bewegt und die Kunst des Einparkens in Perfektion vorführt, muss sich der Fahrschüler nur noch die Bewegung einprägen. Der erste Selbstversuch klappt dann gleich viel besser.

Auch ein Toter-Winkel-Assistent oder eine Spurwechselhilfe sind gute Lehrmeister, erklärt von Bressensdorf. Mit ihren lautstarken Signalen bremsen sie den Übermut der Schüler und belegen, wie wichtig der Schulterblick ist.
Manchmal ist das ständige Blinken, Piepen und Vibrieren aber auch einfach zu viel des Guten. „In Teilen haben wir festgestellt, dass zu viel Assistenz auch zu einer Überforderung führen kann“, so von Bressensdorf. Gerade Fahranfänger mache die Elektronik oft nervös.
Eine Gefahr liegt aber auch in dem anderen Extrem: Immer präzisere Systeme nehmen dem Menschen das Lenkrad aus der Hand. Das ist komfortabel und manch einer gibt bereitwillig die Verantwortung an die Maschine ab. Der Mensch werde aber in der Folge unterfordert und irgendwann das Fahren gar verlernen, so die Sorge.
Tatsächlich habe er an sich selbst die Gefahren eines Gewöhnungseffekts beobachten können, gesteht von Bressensdorf. Den Spurwechsel-Assistenten, der bei Gefahr auffällig blinkt, verwende er deshalb schon absichtlich nicht mehr so oft. Denn: „Ich hab bemerkt: Ich werde schlampiger in der Straßenbeobachtung.“
Aus Gesprächen mit Lufthansa-Piloten weiß von Bressensdorf, welche gefährliche Gratwanderung zwischen Langeweile und höchste Leistungsanforderung das Fliegen mit dem Autopilot mit sich bringt. Berufs-Piloten müssen nämlich über viele Stunden hinweg hochkonzentriert bleiben, um im Notfall das Steuer übernehmen zu können. Dabei sind sie permanent unterfordert.
Diese Herausforderung könnte eben auch auf die Autofahrer zukommen. „Es wird immer die Grenz- und Schnittstellen geben, wo das halb- und voll-autonome Fahren nicht funktioniert“, ist von Bressensdorf überzeugt.
Der Geschäftsmann, der zeitungslesend im autonomen Privatauto zur Arbeit fährt, ist und bleibt daher eine ambitionierte Vorstellung. Aber den Weg zur Arbeit entspannt lesend zurücklegen kann man schließlich schon heute – und zwar im Zug.

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News & Stories › 2014 › November
Mein Kollege, das Roboter-Auto
von Laura Stresing | 9. November 2014
Viele Fahrlehrer freuen sich über die Assistenzsysteme in den Autos von heute. Sorgen, dass das pilotierte Fahren sie irgendwann einmal den Job kosten könnte, kennt die Branche nicht – ganz im Gegenteil.
Wenn Roboter die Aufgaben von Menschen übernehmen, ist die Skepsis meist groß. Neben Sicherheitsbedenken spielt vor allem die Angst vor dem Verlust von Arbeitsplätzen eine Rolle. Umso überraschender ist, wie gelassen die Fahrlehrerverbände in Deutschland auf das Thema computergestütztes Fahren reagieren. Zukunftsängste kennt die Branche offenbar nicht. Hier ist man im Gegenteil sogar überzeugt: Der Beruf des Fahrlehrers wird auch in Zukunft gebraucht – sogar mehr als je zuvor. „Unsere Erfahrung zeigt: das Verständnis für die Assistenzsysteme macht mehr und nicht weniger Ausbildung nötig“, erklärt Gerhard von Bressensdorf, Vorsitzender des Dachverbandes der deutschen Fahrlehrerverbände.
Wer mit Hilfe von computergestützten Systemen Auto fährt – und das wird in nicht allzu ferner Zukunft die Mehrheit der Autofahrer sein – muss verstehen, wie Lenkhilfe, Tempomat und Co. überhaupt ticken.

„Die Anforderungen an die Fahrer sind gewachsen“, sagt von Bressensdorf, der seit 51 Jahren das Fahren unterrichtet. Zu Verkehrsregeln kommt jetzt noch verstärkt die Technologie zum Lernstoff dazu. Die meisten Fahrschulen haben ihre Flotten bereits aufgerüstet. Technisch auf dem neuesten Stand zu sein ist schließlich eine Notwendigkeit, wenn man die nächste Generation der Autofahrer ausbildet.
Letztendlich bleibt es aber den Schülern überlassen, ob sie die technische Hilfestellung in den Fahrzeugen nutzen. Der überwiegende Teil verzichte sogar darauf, sagt von Bressensdorf. Sogar das ungeliebte Einparken wird von den Fahrschülern lieber „von Hand“ durchgeführt. „Das finde ich hochinteressant“, sagt der Fahrlehrer. Sich auf ein halbautomatisches System zu verlassen, braucht offenbar auch Übung.
Im Gegensatz zu den Schülern sind von Bressensdorf und seine Kollegen regelrecht begeistert von den Möglichkeiten der Robotik. „Man kann das didaktisch in die Ausbildung einbringen und das bringt was“, schwärmt von Bressensdorf.
Dank Sensoren, Kameras und Automatiklenkung können Einparkhilfen zum Beispiel bereits weitaus mehr, als nur piepsende Warnsignale von sich zu geben. Wenn sich dann das Lenkrad wie von Geisterhand bewegt und die Kunst des Einparkens in Perfektion vorführt, muss sich der Fahrschüler nur noch die Bewegung einprägen. Der erste Selbstversuch klappt dann gleich viel besser.

Auch ein Toter-Winkel-Assistent oder eine Spurwechselhilfe sind gute Lehrmeister, erklärt von Bressensdorf. Mit ihren lautstarken Signalen bremsen sie den Übermut der Schüler und belegen, wie wichtig der Schulterblick ist.
Manchmal ist das ständige Blinken, Piepen und Vibrieren aber auch einfach zu viel des Guten. „In Teilen haben wir festgestellt, dass zu viel Assistenz auch zu einer Überforderung führen kann“, so von Bressensdorf. Gerade Fahranfänger mache die Elektronik oft nervös.
Eine Gefahr liegt aber auch in dem anderen Extrem: Immer präzisere Systeme nehmen dem Menschen das Lenkrad aus der Hand. Das ist komfortabel und manch einer gibt bereitwillig die Verantwortung an die Maschine ab. Der Mensch werde aber in der Folge unterfordert und irgendwann das Fahren gar verlernen, so die Sorge.
Tatsächlich habe er an sich selbst die Gefahren eines Gewöhnungseffekts beobachten können, gesteht von Bressensdorf. Den Spurwechsel-Assistenten, der bei Gefahr auffällig blinkt, verwende er deshalb schon absichtlich nicht mehr so oft. Denn: „Ich hab bemerkt: Ich werde schlampiger in der Straßenbeobachtung.“
Aus Gesprächen mit Lufthansa-Piloten weiß von Bressensdorf, welche gefährliche Gratwanderung zwischen Langeweile und höchste Leistungsanforderung das Fliegen mit dem Autopilot mit sich bringt. Berufs-Piloten müssen nämlich über viele Stunden hinweg hochkonzentriert bleiben, um im Notfall das Steuer übernehmen zu können. Dabei sind sie permanent unterfordert.
Diese Herausforderung könnte eben auch auf die Autofahrer zukommen. „Es wird immer die Grenz- und Schnittstellen geben, wo das halb- und voll-autonome Fahren nicht funktioniert“, ist von Bressensdorf überzeugt.
Der Geschäftsmann, der zeitungslesend im autonomen Privatauto zur Arbeit fährt, ist und bleibt daher eine ambitionierte Vorstellung. Aber den Weg zur Arbeit entspannt lesend zurücklegen kann man schließlich schon heute – und zwar im Zug.

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