transparent_layer
db-images/cms/banner/img/l1_v369373_958_728_90-1.jpg
Blättern: First Back
von 2143 Forward End
Der architektonische Höhepunkt des neuen Museo del Violino in Cremona: das Auditorium. Foto © MDV
Mitten im Wirbel des Klangs
von Martina Metzner
22. September 2013
Stundenlanges Üben, das Einbalsamieren des Bogens mit Kolophonium und klägliche, quietschende Laute, so erinnere ich mich an meinen Ausflug in die Welt des Geigespielens, als ich als Jugendliche versuchte, dieses Instrument zu erlernen. Nach einem Jahr endete das Experiment. Es scheiterte an meiner Ungeduld. Nun hatte ich, Anlass war die Eröffnung des „Museo del Violino“ in Cremona, abermals Gelegenheit, in die Welt der feinen Laute einzutauchen, die ich mit Namen wie „David Garett“ oder „Nigel Kennedy“ verbinde. Zur „inaugurazione“ war eine ganze Schar von Journalisten in das kleine oberitalienische Städtchen gekommen, hauptsächlich „Leute vom Fach“. Man kennt sich, man plaudert, alle sind gut gelaunt angesichts dieses feierlichen Ereignisses. Ich fühle mich jedoch ein wenig verloren, bin ich doch weniger wegen der Geigen, sondern wegen der Architektur des Palazzo und seiner Umnutzung als Museum angereist.

Ein großer, schwerfälliger Kasten

Bei der Pressekonferenz wird mir schon leichter ums Herz: Das Geigenmuseum ist nicht nur für Spezialisten und Kenner gedacht, sondern auch für absolute Laien und sogar für Kinder. Dass es in Cremona steht, ist alles andere als ein Zufall: Die Stadt gilt als die Wiege des Geigenbaus, sie ist Geburts- und Wirkungsort von Antonio Stradivari und bis heute für seine rund 150 Geigenbauer weltweit bekannt. Ermöglicht wurde das Museum hauptsächlich von der „Fondazione Arvedi Buschini“, der Stiftung des italienischen Stahlmagnaten Giovanni Arvedi, und den sogenannten „Friends of Stradivari“, einem Zusammenschluss von Sammlern der kostbaren Geigen aus der Werkstatt Stradivaris. Das Projekt, so erzählt Virginia Villa, die Direktorin des Museo del Violino, kurz MDV, habe im Jahr 2009 begonnen und es sei just am Tag der Pressekonferenz fertig geworden, als morgens die letzte Geige eintraf.

Nicht nur die einzigartige Ausstellung von historisch wertvollen Stücken aus den Werkstätten von Antonio Stradivari, Giuseppe Guarneri und Andrea Amati markieren die Besonderheit dieses Ortes, sondern auch die architektonische Herausforderung, einen aus rotem Backstein und in strenger, faschistischer Ästhetik erbauten Palazzo in ein Museum zu verwandeln. Wie ein großer, schwerfälliger Kasten breitet er sich an der Piazza Marconi aus, die im Zentrum der Stadt liegt und die eigens für das Museum umgestaltet wurde. Eine sichtlich gute Entscheidung, den ehemaligen Parkplatz in eine große Fläche mit Zugang, Grünanlage und – teils unter Glas offengelegten – Überresten römischer Mauern umzugestalten, die dem Museum ein würdevolles Entrée bietet.

Aus Cremona in die ganze Welt

Grüppchenweise werden wir von Professore Renato Meucci, dem wissenschaftlichen Leiter des Museums, durch das Haus geführt – und allmählich erschließt sich mir das Faszinosum „Violine“. Ich erfahre, dass die Geschichte der Geige mit der Viola begann und dass von Cremona aus die Geige zunächst in Europa und dann in der ganzen Welt ihren Siegeszug antrat. So holte etwa Katharina de Medici zwanzig Violinisten in ihren Hofstaat nach Paris. Dass die ausgestellten Geigen besonders kostbar sind, versteht sich von selbst, doch als Meucci den Wert einer Geige mit durchschnittlich zehn Millionen Euro beziffert, werden wir Zuhörer für einen Moment andächtig.

So wandeln wir durch die zehn Museumsräume, in denen die Preziosen – von Glaskästen geschützt – in einem unregelmäßigen Rhythmus verteilt im Raum stehen. Die Bedeutendsten von ihnen – zehn an der Zahl und sämtlich aus den Händen Stradivaris – sind im „Scrigno“ untergebracht, was „Schmuckasten“ bedeutet. Dieser wirkt durch den Einsatz von weinrotem Samt wie ein königliches Grab. Die anderen Räume sind licht und hell, großzügig und klar gestaltet. Grauer Marmorfußboden trifft auf weiße Wände und raumhohe Gestaltungselemente aus Holz, die gleichsam einen „Raum im Raum“ bilden, um den Kontrast der riesigen Säle zu den zierlichen Instrumenten aufzuheben. Ein großer Holz-Rahmen schafft Platz für die temporäre Ausstellungen und in einer ebenfalls aus Holz bestehenden Halbkugel, die wie ein vom Himmel gefallener Kokon ausschaut, bekommt die Violine mittels Konzertausschnitten oder Film-Dokumentationen kurzerhand Leben und vor allem Klang eingehaucht. Es sind diese Elemente, die schon aufgrund ihrer Materialität eine Nähe zum Geigenbau herstellen, mit deren Hilfe sich das Gebäude mit seiner Nutzung verbindet, der wuchtige Palazzo mit den filigran gearbeiteten Violinen, die er nun beherbergt.

Virtuelles im Archiv

Besonders beeindruckend ist die multimediale Darstellungsweise, die sich an vielen Punkten im Museum wiederfindet. Auf großen Touchscreens kann man das Archiv der Stradivari-Geigen einsehen, einen virtuellen Rundgang durch das historische Cremona erleben oder in alten Büchern blättern, die vom Geigenbau handeln. Selbst noch auf die Decke werden Geigen projiziert. An dieser Stelle scheiden sich wohl die Geister – während die einen, die sich seit Beginn des Rundgangs bewaffnet mit ihren iPads Notizen machen, an die Screens heraneilen, um die virtuellen Geigen zu drehen und zu wenden, bin ich ein wenig traurig, nicht die echten Stücke, Einzelteile oder Bauanleitungen Stradivaris bewundern zu können.

Die Dramaturgie der Veranstaltung erreicht ihren Höhepunkt kurz vor Ende: Wir werden in das Auditorium geführt, das Schauplatz des ebenso neu installierten Stradivari Festivals ist und nicht nur Musikinteressierte, sondern eben auch Architekturfans einige „Ohhs“ und „Ahhs“ entlocken dürfte. Wie in einem riesigem Wirbel streben die Geländer aus hellem Ahornholz zwischen den Sitzrängen von der Bühne – dem Mittelpunkt des Raumes – aus in die Höhe. Alles im Raum scheint in Bewegung, scheint zu fließen – sanft und federleicht. Das Organische der Formen steht im krassen Gegensatz zum streng symmetrischen Aufbau des Saales. Doch sobald man sitzt, löst sich das Gefühl auf, das Auditorium bilde ein Fremdkörper in diesem Raum, und ich fühle mich von den weichen Formen und den warmen Tönen des Holzes wie umarmt. Passend zu diesem Gefühl kommen wir in den Genuss einer kurzen musikalischen Vorstellung der „la Cremonese“, einer Stradivari aus dem Jahr 1715. Im Spiel der Geige verschmelzen Architektur und Klangerlebnis. Es ist, als säße man ganz nah beim Violinisten und höre alle Feinheiten und Timbres seines Spiels und seines Instruments.

Ping Pong zwischen Palù und Toyota

Giorgio Palù, der als Architekt für den Umbau verantwortlich zeichnet, erklärt, dass dieser Saal zusammen mit dem japanischen Akustiker Yasuhisa Toyota in einer Art kreativem „Ping Pong“ entstanden sei. Toyota zählt weltweit zu den besten Akustikern und realisiert unter anderem gerade den Konzertsaal der Hamburger Elbphilharmonie. Die erste Forderung des Japaners, so Palù, sei es gewesen, eine Raumhöhe von 14 Metern herzustellen, weshalb Palù den Boden vier Meter in die Tiefe absenken musste. Konvexe Formen waren für Toyota ein Tabu, also setzte Palù auf konkave. Die Bühne platzierte Toyota in der Mitte, so dass man von allen 480 Plätzen aus eine gute Sicht und Akustik erhält. Die Bühne in der Mitte zu platzieren ist kein Novum. Seit gut vier Jahrzehnten werden Konzertsäle in dieser Weise gebaut. Einer der ersten war jener der Berliner Philharmonie. Insbesondere die Wahl der Materialien war für den Cremoneser Architekten eine Herausforderung, denn Palù musste sich mit ihren klangabsorbierenden und klangreflektierenden Eigenschaften auseinandersetzen. So besteht der Boden aus weißem Zedernholz aus Alaska, der Tribünenkorpus, aus einem Stahlbetongeflecht geformt, ist ummantelt mit Ahornholz. Alles scheint von ausgesuchter Qualität und Ergebnis des Zusammenspiels zweier Handwerkskünste, die sich an diesem Ort treffen und auf geglückte Weise ihre Vermählung feiern. Absolut hörens- und sehenswert.

www.museodelviolino.org


Mehr auf STYLEPARK:

Ludwig dirigiert auf großer Bühne: der Bau der Pariser Philharmonie
(29. Januar 2010)

Großes Theater in Big D: Rem Kohlhaas und Norman Foster entwerfen Kulturbauten für Dallas
(11. Dezember 2009)
Andächtiger Moment: Eine Original-Stradivari kostet durchschnittlich 10 Millionen Euro. Foto © MDV
Hörens- und sehenswert: das neue Museo del Violino in Cremona. Foto © MDV
Die Macher des Museo del Violino: Cremonas Bürgermeister Oreste Perri, Stahlmagnat Giovanni Arvedi und Architekt Giorgio Palù. Foto © MDV
Multimedia-Screens laden zu virtuellen Rundgängen ein. Foto © MDV
Im Inneren des Klang-Kokon kann man Violinen-Konzertmitschnitten lauschen. Foto © MDV
Erlesene Auswahl: Ausgestellt sind Instrumente bedeutendender Geigenbauer wie Antonio Stradivari, Giuseppe Guarneri und Andrea Amati. Foto © MDV
Raum in Raum: Ein mächtiger Rahmen macht Platz für Wechselausstellungen. Foto © MDV
Im Museum finden auch die 150 Geigenbauern, die es derzeit in Cremona gibt, ihren Platz. Foto © MDV
Der ehemalige Palazzo dell'arte wurde in den 40er Jahren nach Plänen von Carlo Cocchia gebaut. Foto © Martina Metzner, Stylepark
Mensch im Notenkleid: Die Skulptur am Eingang stammt von Jaume Plensa. Foto © Martina Metzner, Stylepark
Im “Scrigno” - Schmuckkasten - sind die wertvollsten Geigen untergebracht. Foto © MDV
News & Stories › 2013 › September
Mitten im Wirbel des Klangs
von Martina Metzner | 22. September 2013
Nicht nur Geigen-Aficionados dürften hier auf ihre Kosten kommen: Das neu eröffnete „Museo del Violino“ in Stradivaris Geburtsstadt Cremona glänzt neben seiner wertvollen Sammlung historischer Instrumente durch die harmonische Umgestaltung eines Palazzo aus den 1940er Jahren.
Stundenlanges Üben, das Einbalsamieren des Bogens mit Kolophonium und klägliche, quietschende Laute, so erinnere ich mich an meinen Ausflug in die Welt des Geigespielens, als ich als Jugendliche versuchte, dieses Instrument zu erlernen. Nach einem Jahr endete das Experiment. Es scheiterte an meiner Ungeduld. Nun hatte ich, Anlass war die Eröffnung des „Museo del Violino“ in Cremona, abermals Gelegenheit, in die Welt der feinen Laute einzutauchen, die ich mit Namen wie „David Garett“ oder „Nigel Kennedy“ verbinde. Zur „inaugurazione“ war eine ganze Schar von Journalisten in das kleine oberitalienische Städtchen gekommen, hauptsächlich „Leute vom Fach“. Man kennt sich, man plaudert, alle sind gut gelaunt angesichts dieses feierlichen Ereignisses. Ich fühle mich jedoch ein wenig verloren, bin ich doch weniger wegen der Geigen, sondern wegen der Architektur des Palazzo und seiner Umnutzung als Museum angereist.

Ein großer, schwerfälliger Kasten

Bei der Pressekonferenz wird mir schon leichter ums Herz: Das Geigenmuseum ist nicht nur für Spezialisten und Kenner gedacht, sondern auch für absolute Laien und sogar für Kinder. Dass es in Cremona steht, ist alles andere als ein Zufall: Die Stadt gilt als die Wiege des Geigenbaus, sie ist Geburts- und Wirkungsort von Antonio Stradivari und bis heute für seine rund 150 Geigenbauer weltweit bekannt. Ermöglicht wurde das Museum hauptsächlich von der „Fondazione Arvedi Buschini“, der Stiftung des italienischen Stahlmagnaten Giovanni Arvedi, und den sogenannten „Friends of Stradivari“, einem Zusammenschluss von Sammlern der kostbaren Geigen aus der Werkstatt Stradivaris. Das Projekt, so erzählt Virginia Villa, die Direktorin des Museo del Violino, kurz MDV, habe im Jahr 2009 begonnen und es sei just am Tag der Pressekonferenz fertig geworden, als morgens die letzte Geige eintraf.

Nicht nur die einzigartige Ausstellung von historisch wertvollen Stücken aus den Werkstätten von Antonio Stradivari, Giuseppe Guarneri und Andrea Amati markieren die Besonderheit dieses Ortes, sondern auch die architektonische Herausforderung, einen aus rotem Backstein und in strenger, faschistischer Ästhetik erbauten Palazzo in ein Museum zu verwandeln. Wie ein großer, schwerfälliger Kasten breitet er sich an der Piazza Marconi aus, die im Zentrum der Stadt liegt und die eigens für das Museum umgestaltet wurde. Eine sichtlich gute Entscheidung, den ehemaligen Parkplatz in eine große Fläche mit Zugang, Grünanlage und – teils unter Glas offengelegten – Überresten römischer Mauern umzugestalten, die dem Museum ein würdevolles Entrée bietet.

Aus Cremona in die ganze Welt

Grüppchenweise werden wir von Professore Renato Meucci, dem wissenschaftlichen Leiter des Museums, durch das Haus geführt – und allmählich erschließt sich mir das Faszinosum „Violine“. Ich erfahre, dass die Geschichte der Geige mit der Viola begann und dass von Cremona aus die Geige zunächst in Europa und dann in der ganzen Welt ihren Siegeszug antrat. So holte etwa Katharina de Medici zwanzig Violinisten in ihren Hofstaat nach Paris. Dass die ausgestellten Geigen besonders kostbar sind, versteht sich von selbst, doch als Meucci den Wert einer Geige mit durchschnittlich zehn Millionen Euro beziffert, werden wir Zuhörer für einen Moment andächtig.

So wandeln wir durch die zehn Museumsräume, in denen die Preziosen – von Glaskästen geschützt – in einem unregelmäßigen Rhythmus verteilt im Raum stehen. Die Bedeutendsten von ihnen – zehn an der Zahl und sämtlich aus den Händen Stradivaris – sind im „Scrigno“ untergebracht, was „Schmuckasten“ bedeutet. Dieser wirkt durch den Einsatz von weinrotem Samt wie ein königliches Grab. Die anderen Räume sind licht und hell, großzügig und klar gestaltet. Grauer Marmorfußboden trifft auf weiße Wände und raumhohe Gestaltungselemente aus Holz, die gleichsam einen „Raum im Raum“ bilden, um den Kontrast der riesigen Säle zu den zierlichen Instrumenten aufzuheben. Ein großer Holz-Rahmen schafft Platz für die temporäre Ausstellungen und in einer ebenfalls aus Holz bestehenden Halbkugel, die wie ein vom Himmel gefallener Kokon ausschaut, bekommt die Violine mittels Konzertausschnitten oder Film-Dokumentationen kurzerhand Leben und vor allem Klang eingehaucht. Es sind diese Elemente, die schon aufgrund ihrer Materialität eine Nähe zum Geigenbau herstellen, mit deren Hilfe sich das Gebäude mit seiner Nutzung verbindet, der wuchtige Palazzo mit den filigran gearbeiteten Violinen, die er nun beherbergt.

Virtuelles im Archiv

Besonders beeindruckend ist die multimediale Darstellungsweise, die sich an vielen Punkten im Museum wiederfindet. Auf großen Touchscreens kann man das Archiv der Stradivari-Geigen einsehen, einen virtuellen Rundgang durch das historische Cremona erleben oder in alten Büchern blättern, die vom Geigenbau handeln. Selbst noch auf die Decke werden Geigen projiziert. An dieser Stelle scheiden sich wohl die Geister – während die einen, die sich seit Beginn des Rundgangs bewaffnet mit ihren iPads Notizen machen, an die Screens heraneilen, um die virtuellen Geigen zu drehen und zu wenden, bin ich ein wenig traurig, nicht die echten Stücke, Einzelteile oder Bauanleitungen Stradivaris bewundern zu können.

Die Dramaturgie der Veranstaltung erreicht ihren Höhepunkt kurz vor Ende: Wir werden in das Auditorium geführt, das Schauplatz des ebenso neu installierten Stradivari Festivals ist und nicht nur Musikinteressierte, sondern eben auch Architekturfans einige „Ohhs“ und „Ahhs“ entlocken dürfte. Wie in einem riesigem Wirbel streben die Geländer aus hellem Ahornholz zwischen den Sitzrängen von der Bühne – dem Mittelpunkt des Raumes – aus in die Höhe. Alles im Raum scheint in Bewegung, scheint zu fließen – sanft und federleicht. Das Organische der Formen steht im krassen Gegensatz zum streng symmetrischen Aufbau des Saales. Doch sobald man sitzt, löst sich das Gefühl auf, das Auditorium bilde ein Fremdkörper in diesem Raum, und ich fühle mich von den weichen Formen und den warmen Tönen des Holzes wie umarmt. Passend zu diesem Gefühl kommen wir in den Genuss einer kurzen musikalischen Vorstellung der „la Cremonese“, einer Stradivari aus dem Jahr 1715. Im Spiel der Geige verschmelzen Architektur und Klangerlebnis. Es ist, als säße man ganz nah beim Violinisten und höre alle Feinheiten und Timbres seines Spiels und seines Instruments.

Ping Pong zwischen Palù und Toyota

Giorgio Palù, der als Architekt für den Umbau verantwortlich zeichnet, erklärt, dass dieser Saal zusammen mit dem japanischen Akustiker Yasuhisa Toyota in einer Art kreativem „Ping Pong“ entstanden sei. Toyota zählt weltweit zu den besten Akustikern und realisiert unter anderem gerade den Konzertsaal der Hamburger Elbphilharmonie. Die erste Forderung des Japaners, so Palù, sei es gewesen, eine Raumhöhe von 14 Metern herzustellen, weshalb Palù den Boden vier Meter in die Tiefe absenken musste. Konvexe Formen waren für Toyota ein Tabu, also setzte Palù auf konkave. Die Bühne platzierte Toyota in der Mitte, so dass man von allen 480 Plätzen aus eine gute Sicht und Akustik erhält. Die Bühne in der Mitte zu platzieren ist kein Novum. Seit gut vier Jahrzehnten werden Konzertsäle in dieser Weise gebaut. Einer der ersten war jener der Berliner Philharmonie. Insbesondere die Wahl der Materialien war für den Cremoneser Architekten eine Herausforderung, denn Palù musste sich mit ihren klangabsorbierenden und klangreflektierenden Eigenschaften auseinandersetzen. So besteht der Boden aus weißem Zedernholz aus Alaska, der Tribünenkorpus, aus einem Stahlbetongeflecht geformt, ist ummantelt mit Ahornholz. Alles scheint von ausgesuchter Qualität und Ergebnis des Zusammenspiels zweier Handwerkskünste, die sich an diesem Ort treffen und auf geglückte Weise ihre Vermählung feiern. Absolut hörens- und sehenswert.

www.museodelviolino.org


Mehr auf STYLEPARK:

Ludwig dirigiert auf großer Bühne: der Bau der Pariser Philharmonie
(29. Januar 2010)

Großes Theater in Big D: Rem Kohlhaas und Norman Foster entwerfen Kulturbauten für Dallas
(11. Dezember 2009)