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von 2143 Forward End
Mobilonomics: Team Boston
von Adeline Seidel | 22. April 2014
Aus "Slummerville" wird wieder Somerville: Auch wenn es noch nicht ersichtlich ist, die Stadt zieht immer mehr Start-Ups an. Foto © Audi Urban Future Initiative
„Slummerville“ wurde die Stadt in den 1980er Jahren genannt. Nicht besonders nett, klingt doch der „richtige“ Name – Somerville – irgendwie recht verheißungsvoll. Somervilles Geschichte ist eine, wie sie viele Städte erzählen können: Erst kam die Eisenbahn, brachte Industrie und damit Aufschwung. Irgendwann zogen aber die Firmen in das günstigere Hinterland. Dort gab es zwar keine Eisenbahn, dafür aber Autobahnen. Die Stadt verarmte und so wurde aus Somerville „Slummerville“.

Aktuell ist die Stadt, die nicht weit von Boston und Cambridge entfernt ist, wieder auf einem aufsteigenden Ast: Dank diverser Investitionen in unterschiedliche Infrastrukturprojekte, wie beispielsweise den Ausbau der Metrolinie nach Boston, entwickelt sie sich derzeit von allen Stadtgebieten in ganz Neu-England am schnellsten und gilt als eines der am dichtesten besiedelten Gebiete des Bundesstaates. Diese Investitionen wirken sich maßgeblich auf die Stadtentwicklung aus: Das alte Zentrum um den Union Square wird aktuell großflächig saniert, auf der ehemaligen Industriebrache „Assembly Row“ entsteht gerade ein neues Viertel – direkt am Wasser. Immer mehr Start-Ups siedeln sich an und auch die lebendige Kreativszene zieht immer mehr, vor allem junge, Menschen an. Somerville hat den zweithöchsten Bevölkerungsanteil an 24-35jährigen in Vereinigten Staaten.

Es scheint doch alles gut zu laufen in Somerville. Warum also hat das Team aus Boston sich gerade diesen Ort für ihren Wettbewerbsbeitrag zum diesjährigen Audi Urban Future Award ausgesucht? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, lohnt der Blick auf die Teamzusammensetzung. Philip Parson, ehemaliger Dekan der Harvard University: Er beschäftigt sich seit über dreißig Jahren mit datenbasierter Stadtplanung. Parson hat ein Programm entwickelt, bei dem man in Echtzeit sehen kann, wie sich unterschiedliche Fortbewegungsarten, Nutzungen, Kosten und räumliche Kapazitäten verändern. So kann er die Wechselwirkungen zwischen Investitionen, Nutzungsarten und Nutzungsdauer untersuchen und daraufhin die Planung ausrichten. Parsons Teampartner sind Frederico Parolotto, Gründer von „Mobility in Chain“ (MIC) – ein Beratungs- und Planungsbüro für Mobilität, führend wenn es darum geht, Verkehrsflüsse zu simulieren – und die Stadtplanerin Janne Corneil.

Ein konkreter und gerade im Wandel begriffener Ort wie Somerville ist ideal, um aktuelle technische Entwicklungen und ihre Auswirkungen auf den Stadtraum zu untersuchen. Welche Kennzahlen zu Raumgewinn, Nutzungsüberlagerungen und Aufwertung ergeben sich, wenn man neue Technologien wie beispielsweise pilotiertes Parken in Somerville simuliert? Welche neuen Gestaltungsmöglichkeiten entstehen durch eine Optimierung der Infrastrukturen? Diesen Fragen möchte das Team aus Boston nachgehen. Ihr Ziel: den Mobilitätsmarkt erweitern und die Grenzen zwischen individuellem Verkehr und öffentlichem Nahverkehr auflösen. Erst wenn junge Start-Ups – wie es sie zu Genüge in Somerville gibt – neue Services und Angebote rund um die Mobilität anbieten können, entsteht tatsächlich eine individuelle, maßgeschneiderte Fortbewegung für jeden, unabhängig von der Wahl des Fortbewegungsmittels, so die These des Teams.


Der „Audi Urban Future Award" wird kuratiert von Stylepark.


Das AUFA-Team Boston (v.l.n.r.): Janne Corneil, Philip Parson und Federico Parolotto. Foto © Audi Urban Future Initiative
Bikeshare-Systeme ergänzen das Mobilitätsangebot im Autoverliebten Somerville. Foto © Audi Urban Future Initiative
Video © Audi Urban Future Initiative
News & Stories › 2014 › April
Mobilonomics: Team Boston
von Adeline Seidel | 22. April 2014
Wie verändert sich der Stadtraum durch pilotiertes Parken? Kann man die Auswirkungen von Infrastrukturprojekten auf den Stadtraum berechnen? Diesen Fragen geht das Team aus Boston nach und möchte die Grenzen des Mobilitätsmarktes erweitern.

„Slummerville“ wurde die Stadt in den 1980er Jahren genannt. Nicht besonders nett, klingt doch der „richtige“ Name – Somerville – irgendwie recht verheißungsvoll. Somervilles Geschichte ist eine, wie sie viele Städte erzählen können: Erst kam die Eisenbahn, brachte Industrie und damit Aufschwung. Irgendwann zogen aber die Firmen in das günstigere Hinterland. Dort gab es zwar keine Eisenbahn, dafür aber Autobahnen. Die Stadt verarmte und so wurde aus Somerville „Slummerville“.

Aktuell ist die Stadt, die nicht weit von Boston und Cambridge entfernt ist, wieder auf einem aufsteigenden Ast: Dank diverser Investitionen in unterschiedliche Infrastrukturprojekte, wie beispielsweise den Ausbau der Metrolinie nach Boston, entwickelt sie sich derzeit von allen Stadtgebieten in ganz Neu-England am schnellsten und gilt als eines der am dichtesten besiedelten Gebiete des Bundesstaates. Diese Investitionen wirken sich maßgeblich auf die Stadtentwicklung aus: Das alte Zentrum um den Union Square wird aktuell großflächig saniert, auf der ehemaligen Industriebrache „Assembly Row“ entsteht gerade ein neues Viertel – direkt am Wasser. Immer mehr Start-Ups siedeln sich an und auch die lebendige Kreativszene zieht immer mehr, vor allem junge, Menschen an. Somerville hat den zweithöchsten Bevölkerungsanteil an 24-35jährigen in Vereinigten Staaten.

Es scheint doch alles gut zu laufen in Somerville. Warum also hat das Team aus Boston sich gerade diesen Ort für ihren Wettbewerbsbeitrag zum diesjährigen Audi Urban Future Award ausgesucht? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, lohnt der Blick auf die Teamzusammensetzung. Philip Parson, ehemaliger Dekan der Harvard University: Er beschäftigt sich seit über dreißig Jahren mit datenbasierter Stadtplanung. Parson hat ein Programm entwickelt, bei dem man in Echtzeit sehen kann, wie sich unterschiedliche Fortbewegungsarten, Nutzungen, Kosten und räumliche Kapazitäten verändern. So kann er die Wechselwirkungen zwischen Investitionen, Nutzungsarten und Nutzungsdauer untersuchen und daraufhin die Planung ausrichten. Parsons Teampartner sind Frederico Parolotto, Gründer von „Mobility in Chain“ (MIC) – ein Beratungs- und Planungsbüro für Mobilität, führend wenn es darum geht, Verkehrsflüsse zu simulieren – und die Stadtplanerin Janne Corneil.

Ein konkreter und gerade im Wandel begriffener Ort wie Somerville ist ideal, um aktuelle technische Entwicklungen und ihre Auswirkungen auf den Stadtraum zu untersuchen. Welche Kennzahlen zu Raumgewinn, Nutzungsüberlagerungen und Aufwertung ergeben sich, wenn man neue Technologien wie beispielsweise pilotiertes Parken in Somerville simuliert? Welche neuen Gestaltungsmöglichkeiten entstehen durch eine Optimierung der Infrastrukturen? Diesen Fragen möchte das Team aus Boston nachgehen. Ihr Ziel: den Mobilitätsmarkt erweitern und die Grenzen zwischen individuellem Verkehr und öffentlichem Nahverkehr auflösen. Erst wenn junge Start-Ups – wie es sie zu Genüge in Somerville gibt – neue Services und Angebote rund um die Mobilität anbieten können, entsteht tatsächlich eine individuelle, maßgeschneiderte Fortbewegung für jeden, unabhängig von der Wahl des Fortbewegungsmittels, so die These des Teams.


Der „Audi Urban Future Award" wird kuratiert von Stylepark.