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Mr Hashimotos Chou Chou-Effekt
IM GESPRÄCH: YUKIO HASHIMOTO
1. Juni 2014
„Nicht das Material gestalten, sondern das Ambiente“ - so lautet das Motto von Interior- und Lichtgestalter Yukio Hashimoto. Foto © Martina Metzner, Stylepark
Wer einmal eines der Restaurants in Tokio besucht, dessen Gestaltung die Handschrift von Yukio Hashimoto trägt, wird diese elegant komponierte Stil-Symphonie mit stets äußerst präzisen Beleuchtung nie vergessen. Mit seinen Designs für unzählige Restaurants in Tokio wie das Ten oder das Suikyo-Tei, Clubs wie dem Chou Chou oder Hotels wie dem Hilton in Hokkaido oder dem Peninsula in Tokio gehört Hashimoto zur Top-Riege der Innenarchitekten Japans. Seine Gestaltungsprache besticht durch eine gekonnte Verbindung von japanischer Tradition mit modernen Aspekten, teils mit einer poetischen oder humoristischen Note. Mit seinen 18 Mitarbeitern ist das Studio Hashimoto Yukio Design Inc. nicht nur in Japan, sondern auch in China, Taiwan und den Vereinigten Staaten tätig. Außerdem ist Hashimoto auch Produktdesigner, entwirft Leuchten und hält als Gastprofessor Vorlesungen an der polytechnischen Universität in Tokio. Zuletzt ist der Lichtgestalter als Kurator des Gastlandes Japan auf der Konsumgütermesse Ambiente, die Anfang Februar 2014 in Frankfurt stattfand, aufgefallen und damit auch dem europäischen Publikum bekannt geworden.

Martina Metzner: Sie geben auf Ihrer Internetseite zum Stichpunkt „Konzept“ an: „Nicht das Material gestalten, sondern das Ambiente: Das ist unser Ziel.“ Können Sie uns dazu ein paar mehr Wörter reichen?

Yukio Hashimoto: Eine gut gestaltete Umgebung ist mir wichtig, nicht das einzelne Produkt. Es geht um die Mischung, die Komposition der Dinge. Wenn ich ein einzelnes Produkt gestalte, dann denke ich stets an das Ambiente, die umgebende Atmosphäre.

Sie haben sehr viele Restaurants gestaltet. Wie kam es dazu?

Hashimoto: Es ist ein Zufall, dass es zu so vielen Restaurants kam. Es ist nicht meine besondere Leidenschaft. Ein Auftrag folgte dem nächsten. Restaurants sind ein spezieller Ort, ein Ort für ungewöhnliches Design. Man geht dort für eine besondere Gelegenheit hin, isst etwas sehr Außergewöhnliches. Daher ist es ein guter Platz, um meine Ideen zu realisieren.

Ihre Innenarchitekturen sprechen eine starke japanische Sprache, traditionelle Elemente erscheinen jedoch in Verbindung mit modernen Aspekten. Können Sie das so unterstreichen?

Hashimoto: In Japan gibt es eine reiche Tradition. Allerdings gibt es leider auch einen starken Willen und Bewegung, diese Dinge zu modernisieren, sodass diese Traditionen verschwinden. Das ist sehr schade. Ich versuche etwas Neues zu kreieren, indem ich Elemente aus beiden Welten nehme und vereine.

Neben der traditionellen Thematik habe ich auch poetische sowie humoristische Aspekte in ihren Innenarchitekturen gefunden. Um nur zwei Beispiele zu nennen: Die Schmetterlinge, die im Chou Chou-Club von der Decke hängen – oder auch die Leuchten im Restaurant Ten, die mich an Vogelkäfige erinnern.

Hashimoto: Ich mag kleine, niedliche Dinge, Dinge kombiniert mit einer kleinen Geschichte. Ja bei Ten hat es Humor, exakt. Da wollte ich etwas Unterhaltsames in den Raum einbringen, eben die Leuchten, die an Vogelkäfige erinnern.

Einen weiteren Aspekt, den ich in Ihrer Arbeit fand, ist die Verwendung von Natur, Stein, Holz in ihrer rauen, ursprünglichen Materialität.

Hashimoto: Ich verwende gerne natürliche Materialien. Es hat mehr Tiefe als industriell gefertigtes Material. Außerdem ist es wärmer und länger haltbar, teilweise bis zu 100 Jahren. Deshalb arbeite ich mit natürlichen Materialien. Dahinter steht auch die Idee, Natur in die Räume, in die Städte zu bringen, wo wir den Sinn fürs Natürliche verlieren, insbesondere gilt das für Hotels und Restaurants in Tokio. So kommen die Menschen wieder mehr in Kontakt zur Natur.

Ihre Räume bestechen durch ein elegantes, ausgeklügeltes und präzises Lichtdesign. Was fasziniert sie an Lichtgestaltung? Wie gehen Sie da vor?

Hashimoto: Wenn ich an einen gut gestalteten Raum denke, so muss er auch eine gute Beleuchtung haben. Wenn ich also Restaurants oder andere Räume gestalte, dann denke ich immer auch an das Licht. Normalerweise sogar als erstes. Natürlich arbeiten wir auch mit Lichtdesignern zusammen, mit denen wir unsere Ideen entwickeln. Wir setzen zunächst ein Konzept auf, wie ein Bild, warmes oder kaltes Licht, direktes oder indirektes Licht. Wir haben die Idee, die Lichtdesigner setzen sie dann um.

Bei Restaurants: Haben Sie da einen speziellen Ansatz, Licht zu gestalten?

Hashimoto: Restaurants sind spezielle Orte. Dafür verwende ich oft eine dramatische Beleuchtung – wie in einem guten Film. Wenn es sich um ein romantisches Restaurant handelt, dann nehme ich beispielsweise pinkes Licht. Es hängt also immer auch vom Konzept ab.

Sie arbeiten auch mit LED. Was halten Sie von dieser Lichttechnologie und wie hat sie ihre Arbeit verändert?

Hashimoto: LED hilft mir viel. Bevor LED auf den Markt kam, hatte ich viele Ideen mit Licht, konnte sie aber nicht realisieren. Mit LED klappt das jetzt, weil sie klein und kompakt sind – und nicht erhitzen. Deshalb mag ich LED sehr.

Können Sie mir Beispiele nennen?

Hashimoto: Beispielsweise meine hölzerne Tischleuchte „Moonbird“ – ohne LED wäre sie nicht machbar, weil sich mit gewöhnlichen Leuchtmitteln das Holz erhitzen und verformen würde. Ich kann also LED mit natürlichen Materialien, mit Holz oder Erde, kombinieren. Dank dieser neuen Technologie kann ich traditionelle Materialien wieder stärker einbringen.

Zum Schluss würde ich gerne von Ihnen wissen, als Gastkurator des Gastlandes Japan auf der Ambiente 2014, wieso es sich lohnt, in Sachen Design und Gestaltung nach Japan zu schauen?

Hashimoto: Japan hat eine einzigartige Denk- und Herangehensweise, wenn es um Design und Architektur geht. Wir sind stark im essentiellen Denken und Gestalten. Alles ist "basic". Etwa so wie bei Origami: Es ist zwar nur ein Blatt Papier, lässt sich aber in so viele verschiedene Formen bringen. Japanisches Design ist simpel, aber besonders flexibel und funktionell. Wir haben diese essentielle Herangehensweise, die wir auch auf neue Dinge anwenden. Ich möchte diese grundsätzliche Herangehensweise auch anderen Leuten vermitteln. Es kann ungemein nützlich sein und daraus kann viel Neues und Interessantes entstehen.

www.hydesign.jp

MEHR auf Stylepark:

Die Stadt als gebauter Wald: Ayako Kamozawa traf Sou Fujimoto in Tokio und sprach mit ihm über seine Vorstellung von Ordnung.
(12. Mai 2011)
Dramatische Beleuchtung für Restaurants, wie hier für das Toraji Ginza in Tokio – so die Maxime von Yukio Hashimoto. Foto © Nacasa and Partners Inc.
Tradition und Moderne verbinden: Yukio Hashimoto gestaltete das Interior des Restaurants Lei Garden in Shanghai. Foto © Nacasa and Partners Inc.
Licht steht am Anfang des Entwurfs: Projektionen im Restaurant Suikyo Tei (zu Deutsch: Wasserring) in Tokio. Foto © Nacasa and Partners Inc.
Kleine, niedliche Ding mit Geschichte: Club Chou Chou in Tokio, gestaltet von Yukio Hashimoto. Foto © Nacasa and Partners Inc.
Feinsinniger Luxus: Für das Tokioter Hotel der Kette Peninsula zeichnete Yukio Hashimoto für die komplette Innengestaltung verantwortlich. Foto © Nacasa and Partners Inc.
Für seine Leuchte „Moonbird“ für den japanischen Hersteller Yamagiwa kombinierte Yukio Hashimoto Holz mit LED. Foto © Nacasa and Partners Inc.
Natur in die Stadt holen: Hochzeitshalle von Yukio Hashimoto im öffentlichen Garten Happo-En in Tokio. Foto © Nacasa and Partners Inc.
News & Stories › 2014 › Juni
Mr Hashimotos Chou Chou-Effekt
1. Juni 2014
Yukio Hashimoto gehört zur Top-Riege der Interiordesigner in Japan und gestaltet Hotels, Spas und Restaurants. Wie Hashimoto Tradition mit modernen Aspekten verbindet und wieso Restaurants dramatisches Licht brauchen, darüber sprach der Architekt mit Martina Metzner.
Wer einmal eines der Restaurants in Tokio besucht, dessen Gestaltung die Handschrift von Yukio Hashimoto trägt, wird diese elegant komponierte Stil-Symphonie mit stets äußerst präzisen Beleuchtung nie vergessen. Mit seinen Designs für unzählige Restaurants in Tokio wie das Ten oder das Suikyo-Tei, Clubs wie dem Chou Chou oder Hotels wie dem Hilton in Hokkaido oder dem Peninsula in Tokio gehört Hashimoto zur Top-Riege der Innenarchitekten Japans. Seine Gestaltungsprache besticht durch eine gekonnte Verbindung von japanischer Tradition mit modernen Aspekten, teils mit einer poetischen oder humoristischen Note. Mit seinen 18 Mitarbeitern ist das Studio Hashimoto Yukio Design Inc. nicht nur in Japan, sondern auch in China, Taiwan und den Vereinigten Staaten tätig. Außerdem ist Hashimoto auch Produktdesigner, entwirft Leuchten und hält als Gastprofessor Vorlesungen an der polytechnischen Universität in Tokio. Zuletzt ist der Lichtgestalter als Kurator des Gastlandes Japan auf der Konsumgütermesse Ambiente, die Anfang Februar 2014 in Frankfurt stattfand, aufgefallen und damit auch dem europäischen Publikum bekannt geworden.

Martina Metzner: Sie geben auf Ihrer Internetseite zum Stichpunkt „Konzept“ an: „Nicht das Material gestalten, sondern das Ambiente: Das ist unser Ziel.“ Können Sie uns dazu ein paar mehr Wörter reichen?

Yukio Hashimoto: Eine gut gestaltete Umgebung ist mir wichtig, nicht das einzelne Produkt. Es geht um die Mischung, die Komposition der Dinge. Wenn ich ein einzelnes Produkt gestalte, dann denke ich stets an das Ambiente, die umgebende Atmosphäre.

Sie haben sehr viele Restaurants gestaltet. Wie kam es dazu?

Hashimoto: Es ist ein Zufall, dass es zu so vielen Restaurants kam. Es ist nicht meine besondere Leidenschaft. Ein Auftrag folgte dem nächsten. Restaurants sind ein spezieller Ort, ein Ort für ungewöhnliches Design. Man geht dort für eine besondere Gelegenheit hin, isst etwas sehr Außergewöhnliches. Daher ist es ein guter Platz, um meine Ideen zu realisieren.

Ihre Innenarchitekturen sprechen eine starke japanische Sprache, traditionelle Elemente erscheinen jedoch in Verbindung mit modernen Aspekten. Können Sie das so unterstreichen?

Hashimoto: In Japan gibt es eine reiche Tradition. Allerdings gibt es leider auch einen starken Willen und Bewegung, diese Dinge zu modernisieren, sodass diese Traditionen verschwinden. Das ist sehr schade. Ich versuche etwas Neues zu kreieren, indem ich Elemente aus beiden Welten nehme und vereine.

Neben der traditionellen Thematik habe ich auch poetische sowie humoristische Aspekte in ihren Innenarchitekturen gefunden. Um nur zwei Beispiele zu nennen: Die Schmetterlinge, die im Chou Chou-Club von der Decke hängen – oder auch die Leuchten im Restaurant Ten, die mich an Vogelkäfige erinnern.

Hashimoto: Ich mag kleine, niedliche Dinge, Dinge kombiniert mit einer kleinen Geschichte. Ja bei Ten hat es Humor, exakt. Da wollte ich etwas Unterhaltsames in den Raum einbringen, eben die Leuchten, die an Vogelkäfige erinnern.

Einen weiteren Aspekt, den ich in Ihrer Arbeit fand, ist die Verwendung von Natur, Stein, Holz in ihrer rauen, ursprünglichen Materialität.

Hashimoto: Ich verwende gerne natürliche Materialien. Es hat mehr Tiefe als industriell gefertigtes Material. Außerdem ist es wärmer und länger haltbar, teilweise bis zu 100 Jahren. Deshalb arbeite ich mit natürlichen Materialien. Dahinter steht auch die Idee, Natur in die Räume, in die Städte zu bringen, wo wir den Sinn fürs Natürliche verlieren, insbesondere gilt das für Hotels und Restaurants in Tokio. So kommen die Menschen wieder mehr in Kontakt zur Natur.

Ihre Räume bestechen durch ein elegantes, ausgeklügeltes und präzises Lichtdesign. Was fasziniert sie an Lichtgestaltung? Wie gehen Sie da vor?

Hashimoto: Wenn ich an einen gut gestalteten Raum denke, so muss er auch eine gute Beleuchtung haben. Wenn ich also Restaurants oder andere Räume gestalte, dann denke ich immer auch an das Licht. Normalerweise sogar als erstes. Natürlich arbeiten wir auch mit Lichtdesignern zusammen, mit denen wir unsere Ideen entwickeln. Wir setzen zunächst ein Konzept auf, wie ein Bild, warmes oder kaltes Licht, direktes oder indirektes Licht. Wir haben die Idee, die Lichtdesigner setzen sie dann um.

Bei Restaurants: Haben Sie da einen speziellen Ansatz, Licht zu gestalten?

Hashimoto: Restaurants sind spezielle Orte. Dafür verwende ich oft eine dramatische Beleuchtung – wie in einem guten Film. Wenn es sich um ein romantisches Restaurant handelt, dann nehme ich beispielsweise pinkes Licht. Es hängt also immer auch vom Konzept ab.

Sie arbeiten auch mit LED. Was halten Sie von dieser Lichttechnologie und wie hat sie ihre Arbeit verändert?

Hashimoto: LED hilft mir viel. Bevor LED auf den Markt kam, hatte ich viele Ideen mit Licht, konnte sie aber nicht realisieren. Mit LED klappt das jetzt, weil sie klein und kompakt sind – und nicht erhitzen. Deshalb mag ich LED sehr.

Können Sie mir Beispiele nennen?

Hashimoto: Beispielsweise meine hölzerne Tischleuchte „Moonbird“ – ohne LED wäre sie nicht machbar, weil sich mit gewöhnlichen Leuchtmitteln das Holz erhitzen und verformen würde. Ich kann also LED mit natürlichen Materialien, mit Holz oder Erde, kombinieren. Dank dieser neuen Technologie kann ich traditionelle Materialien wieder stärker einbringen.

Zum Schluss würde ich gerne von Ihnen wissen, als Gastkurator des Gastlandes Japan auf der Ambiente 2014, wieso es sich lohnt, in Sachen Design und Gestaltung nach Japan zu schauen?

Hashimoto: Japan hat eine einzigartige Denk- und Herangehensweise, wenn es um Design und Architektur geht. Wir sind stark im essentiellen Denken und Gestalten. Alles ist "basic". Etwa so wie bei Origami: Es ist zwar nur ein Blatt Papier, lässt sich aber in so viele verschiedene Formen bringen. Japanisches Design ist simpel, aber besonders flexibel und funktionell. Wir haben diese essentielle Herangehensweise, die wir auch auf neue Dinge anwenden. Ich möchte diese grundsätzliche Herangehensweise auch anderen Leuten vermitteln. Es kann ungemein nützlich sein und daraus kann viel Neues und Interessantes entstehen.

www.hydesign.jp

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Die Stadt als gebauter Wald: Ayako Kamozawa traf Sou Fujimoto in Tokio und sprach mit ihm über seine Vorstellung von Ordnung.
(12. Mai 2011)