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Auf der Ausstellung „Samskara – Made in…India“ in Delhi: In der Ayurveda-Heilkunst ist Wasser, das aus Messing- und Silbergefäßen getrunken wird, gesund. Episode produziert diese zum Teil lackierte „Panchdhatu“-Kanne mit Becher. Alle Fotos © Uta Abendroth
New India Design
von Uta Abendroth
21. März 2014
Die Luft in Neu-Delhi ist ständig angereichert von einem stickigen Geruch nach verbrannten Autoreifen. Läuft man durch die Straßen, legt sich dieser Geruch als eigenartiger Geschmack auf die Zunge. Dazu ertönt eine Kakophonie aus immer wieder an- und abschwellenden Hup- und Klingelkonzerten von Tuc Tucs, Autos, Bussen, Lastwagen, Motorrollern und Fahrrad-Rikschas. Alles ist in Bewegung, alles ist bunt, alles ist laut. Indien ist vor rund zehn Jahren in den Kreis der zehn größten Volkswirtschaften der Welt vorgerückt, die Leistungen in den Branchen Informationstechnologie und Pharmazie haben internationales Spitzenniveau erreicht. Mal eben so, en passant, ist das in den Straßen der indischen Hauptstadt nicht zu erkennen. Aber, wo erschließt sich schon etwas so Komplexes wie Wirtschaft oder Wirtschaftswachstum auf den ersten Blick?

Indien ist ein Land, das von der internationalen Arbeitsteilung und der Globalisierung profitiert – und sich dennoch unter Wert verkauft. Zumindest beim Thema Design. Louis Vuitton, Prada, Dries van Noten, Alexander McQueen, all diese europäischen Modelabels lassen Stickarbeiten in Indien ausführen, aber keiner gibt das an oder nennt das als entscheidendes Qualitätsmerkmal. Das reiche Erbe indischer Handwerkskunst, das im internationalen Wettbewerb als Gütesiegel, als besondere Raffinesse propagiert werden könnte, wird nicht herausgestellt. Doch das soll sich dank des Thinktanks „Be Open“ ändern. Diese internationale Stiftung, die 2012 während des Salone del Mobile in Mailand von der Russin Yelena Baturina gegründet wurde, will durch verschiedene Veranstaltungen und Ausstellungen auf die global vorhandenen handwerklichen und gestalterischen Fähigkeiten sowie die damit verbundenen Kulturen aufmerksam machen. Als erste Station hat man Indien ausgewählt und internationale Gäste nach Neu-Delhi zur Schau „Samskara – Made in…India“ eingeladen, die vom 10. bis 28. Februar im „Indira Gandhi National Centre for the Arts“ stattfand. Sunil Sethi, der Präsident des „Fashion Design Council of India stellte in nur acht Monaten die Ausstellung mit 23 Designern und 350 Produkten aus 18 verschiedenen Regionen Indiens auf die Beine. In dieser Zeit waren 1.500 Menschen mit der Produktion von Objekten wie Leuchten, Kleidern, Accessoires, Möbeln und sogar Granitplatten beschäftigt. „Es geht darum, das Handwerk und diese Künste zu bewahren, die sonst verloren gehen würden, und ihnen ihren Platz in der modernen Welt zu sichern“, sagt Stiftungs-Direktor Gennady Terebkov bei der Ausstellungseröffnung,

Der Kontrast zwischen dem Treiben und Tosen auf der Straße und der Ruhe im „Indira Gandhi National Centre for the Arts“ könnte kaum größer sein. Die Architektin Anupama Kundoo, die auf der Architekturbiennale 2012 in Venedig ihr „Wall House“ aus demindischen Auroville eins zu eins im venezianischen Arsenale nachbauen ließ, entwickelte das Ausstellungsdesign. In Indien abgebaute und mit der Hand bearbeitete Granitplatten pflastern den Boden des fensterlosen Raumes, bilden die Begrenzung für kleine Wasserbecken und schwingen sich zu tresenartigen Präsentationsflächen auf. Die Idee ist es, den Eindruck eines Concept Stores zu vermitteln und keine museale Schau zu veranstalten. Indisches Design wird unter hunderten von einfachen Blechlampen inszeniert – und das mit einem durchaus zeitgenössischen Anspruch, der das Label „Made in India“ nicht nur in einem moderneren Licht erscheinen lässt, sondern auch praktikabel für ein international wettbewerbsfähiges Niveau ist.

Und dieser Eindruck wird schnell bestätigt, wenn man mit den Designern spricht. Alle, die hier versammelt sind, waren im Ausland, in Europa, Australien oder in Amerika, sei es zum Studium oder beruflich. Aber keiner hat sich allzu weit von seinen indischen Wurzeln entfernt. Sahil Bagga und Sarthak Sengupta, die 2009 ihr Studio Sahil & Sarthak gründeten, sind überzeugt davon, dass man folkloristische Motive in aktuelles Design übertragen kann. Vor ein paar Jahren bekamen die beiden von der italienischen Handelskammer ein Stipendium für einen Master am Politecnico in Mailand. Diese Erfahrung, den indischen Markt von einer internationalen Perspektive zu sehen, hat für sie viel verändert. „Dieser Kurs hat uns gezeigt, Fähigkeiten im Produkt-, Interior- und Grafikdesign mit anderen Leistungen wie beispielsweise Markenbildung zusammenzubringen“, erklärt Sarthak Sengupta. „Für uns war das der Beginn eines Business-Konzepts.“

In der Ausstellung zeigen sie unter anderem den versilberten Messingleuchter „Pooklamp“, der mit der Anzahl seiner Ebenen auf die Anzahl der Tage anspielt, die das „Onam Festival“ (eine Art Erntedankfest in Kerala) dauert. Auch die Blumenornamente an den einzelnen Ringen spiegeln die spirituelle Bedeutung wider, die Blüten für Inder haben. Aus Manipur im Nordosten Indiens stammt die schwarze „Longpi“-Keramik. Die Handwerker vor Ort machen daraus Töpfe, Becher und Vasen, alle sehr schlicht, fast schon minimalistisch. Für das dekorative Vasenobjekt „Magia Nera“ haben Sahil & Sarthak eine Art Haushaltsgefäß abgewandelt und das Innere mit Gold bemalt. „Es gibt dieses Vorurteil, das von Hand gefertigte Produkte etwas Souvenir-artiges an sich haben“, sagt Sarthak Sengupta. „Aber indem wir sie funktional und schön machen, beweisen wir, dass intelligente Designlösungen diese Wahrnehmung ändern können. Wir machen ‘glokale‘ Produkte: Sie mögen mit einem Dorf, einer bestimmten Gegend oder auch mit einer bestimmten Zeit in Verbindung gebracht werden, aber sie haben internationales Niveau.“

Jiten Thukral und Sumir Tagra, die sich am New Delhi College of Art kennenlernten und seit 2004 zusammenarbeiten, zählen weltweit zu den bekanntesten indischen Künstlern. Für das italienische Modehaus Etro hat das Duo Taschen gestaltet und sich dabei mit dem traditionellen persischen Paisley-Muster beschäftigt. Die Art Basel hatte Thukral und Tagra vor zwei Jahren eingeladen, ihre Porzellan-Unikate zu zeigen. Ausgehend von historischen Vasen aus den Meissener Archiven schufen sie Skulpturen, die von Nostalgie geprägt, aber mit ihrer für sie typischen Bildersprache bemalt sind. In der Ausstellung in Neu-Delhi zeigen die beiden Tongebilde, die als Lautsprecher und Aufladegeräte für Smartphones fungieren sollen – Ton ist eins der typischsten indischen Materialien überhaupt.

Ebenso wie Silber: Die Manufaktur Episode aus Noida stellt in der vierten Generation Becher, Schalen, Teller, Kannen und dekorative Objekte her. „Schon mein Großvater hat sich immer wieder mit Georg Jensen ausgetauscht“, sagt Deepak Whorra, einer der Episode-Inhaber. Er ist stolz auf den schon lange existierenden Wissens-Transfer zwischen Indien und Dänemark. Und er betont die schon seit Jahrtausenden hoch entwickelte Kunst der Metallverarbeitung in Indien, erklärt die Bedeutung von Silber für Ayurveda, das Giftstoffe besonders gut klären soll. Trinkgefässe sind teilweise mit Kupfer ausgekleidet, denn diesem chemischen Element wird nachgesagt, dass das daraus getrunkene Wasser einen positiven Effekt auf die Gesundheit habe.

Einen interessanten Ansatz verfolgen auch die beiden Inhaber von Klove aus Neu-Delhi, Prateek Jain und Gautam Seth. Indien hat schon lange einen guten Ruf in Sachen Glas – Spezialglas für die chemische Industrie oder den medizinischen Bereich. Warum nicht mehr daraus machen? Jain und Seth arbeiten seit 2005 daran, die Glasbläserei in Indien zu etablieren. Ihre Leuchter, die sich inzwischen in vielen Hotels, Läden und Privathäusern befinden, sind inspiriert von indischem Schmuck oder dort sehr beliebten Motiven wie Blumen und Vögeln, allen voran dem Pfau, Indiens Nationaltier.

Die Ausstellung in Neu-Delhi kann nur ein Auftakt sein, über die Qualität von Handwerk im Design zu diskutieren. Tatsächlich hat die Be Open-Stiftung für dieses Jahr das Motto „Nord/Süd – Ost/West“ ausgegeben und strebt weitere Aktionen in anderen Ländern an. Die Samskara-Schau macht auf jeden Fall deutlich, dass indisches Design trotz manch kultureller Geschmacksunterschiede mit westlichen Produkten mithalten kann – oder sogar in ihnen steckt, ohne dass uns das bewusst ist.

MEHR auf Stylepark:


Das Bauhaus in Kalkutta: Der Titel klingt nach strahlend weißen Häusern in exotischer Umgebung, ausgestattet mit eleganten Stahlrohrmöbeln.
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„Potli Chair“ aus Holz und Polsterelementen von Gunjan Gupta.
Wasserblütenspiel: Klove zeigt seine Leuchten in einem Haus in Neu-Delhi, in dem sich typische Arrangements wie dieses Wasserbecken mit Blüten befinden.
Die „Longpi“-Keramik, typisch für Töpfe, Becher und Vasen aus dem Norden Indiens, verfremden Sahil & Sarthak, in dem sie das Innere mit Gold bemalen.
Master in Mailand: Sahil Bagga und Sarthak Sengupta gründeten 2009 ihr Studio Sahil & Sarthak.
Detailarbeit: Mode von Rahul Mishrader (links im Bild) und Ashish Soni (rechts), der erste indische Modedessigner, der zur New York Fashion Week eingeladen wurde.
Mode mit Überraschungseffekt: Ashish Soni verwendet unter anderem Sicherheitsnadeln für Ornamente.
Mit einer über 600 Jahre alten Technik werden bei Ezma Tücher gewebt.
Höchste Kaschmirkunst: An so einem Tuch sitzen die Weber wochenlang.
Fantasievoll: Klove widmet Indiens Nationaltier, dem Pfau, eine Leuchte aus Glas.
News & Stories › 2014 › März
New India Design
von Uta Abendroth | 21. März 2014
Leuchten, die Blüten-Motive des Onam-Festivals aufnehmen oder mit Kupfer ausgekleidete Silberbecher, die gesund machen. Das sind nur zwei Beispiele, wie indisches Design Tradition mit Innovation verbindet, zu sehen auf der Design-Ausstellung „Samskara – Made in...India“.
Die Luft in Neu-Delhi ist ständig angereichert von einem stickigen Geruch nach verbrannten Autoreifen. Läuft man durch die Straßen, legt sich dieser Geruch als eigenartiger Geschmack auf die Zunge. Dazu ertönt eine Kakophonie aus immer wieder an- und abschwellenden Hup- und Klingelkonzerten von Tuc Tucs, Autos, Bussen, Lastwagen, Motorrollern und Fahrrad-Rikschas. Alles ist in Bewegung, alles ist bunt, alles ist laut. Indien ist vor rund zehn Jahren in den Kreis der zehn größten Volkswirtschaften der Welt vorgerückt, die Leistungen in den Branchen Informationstechnologie und Pharmazie haben internationales Spitzenniveau erreicht. Mal eben so, en passant, ist das in den Straßen der indischen Hauptstadt nicht zu erkennen. Aber, wo erschließt sich schon etwas so Komplexes wie Wirtschaft oder Wirtschaftswachstum auf den ersten Blick?

Indien ist ein Land, das von der internationalen Arbeitsteilung und der Globalisierung profitiert – und sich dennoch unter Wert verkauft. Zumindest beim Thema Design. Louis Vuitton, Prada, Dries van Noten, Alexander McQueen, all diese europäischen Modelabels lassen Stickarbeiten in Indien ausführen, aber keiner gibt das an oder nennt das als entscheidendes Qualitätsmerkmal. Das reiche Erbe indischer Handwerkskunst, das im internationalen Wettbewerb als Gütesiegel, als besondere Raffinesse propagiert werden könnte, wird nicht herausgestellt. Doch das soll sich dank des Thinktanks „Be Open“ ändern. Diese internationale Stiftung, die 2012 während des Salone del Mobile in Mailand von der Russin Yelena Baturina gegründet wurde, will durch verschiedene Veranstaltungen und Ausstellungen auf die global vorhandenen handwerklichen und gestalterischen Fähigkeiten sowie die damit verbundenen Kulturen aufmerksam machen. Als erste Station hat man Indien ausgewählt und internationale Gäste nach Neu-Delhi zur Schau „Samskara – Made in…India“ eingeladen, die vom 10. bis 28. Februar im „Indira Gandhi National Centre for the Arts“ stattfand. Sunil Sethi, der Präsident des „Fashion Design Council of India stellte in nur acht Monaten die Ausstellung mit 23 Designern und 350 Produkten aus 18 verschiedenen Regionen Indiens auf die Beine. In dieser Zeit waren 1.500 Menschen mit der Produktion von Objekten wie Leuchten, Kleidern, Accessoires, Möbeln und sogar Granitplatten beschäftigt. „Es geht darum, das Handwerk und diese Künste zu bewahren, die sonst verloren gehen würden, und ihnen ihren Platz in der modernen Welt zu sichern“, sagt Stiftungs-Direktor Gennady Terebkov bei der Ausstellungseröffnung,

Der Kontrast zwischen dem Treiben und Tosen auf der Straße und der Ruhe im „Indira Gandhi National Centre for the Arts“ könnte kaum größer sein. Die Architektin Anupama Kundoo, die auf der Architekturbiennale 2012 in Venedig ihr „Wall House“ aus demindischen Auroville eins zu eins im venezianischen Arsenale nachbauen ließ, entwickelte das Ausstellungsdesign. In Indien abgebaute und mit der Hand bearbeitete Granitplatten pflastern den Boden des fensterlosen Raumes, bilden die Begrenzung für kleine Wasserbecken und schwingen sich zu tresenartigen Präsentationsflächen auf. Die Idee ist es, den Eindruck eines Concept Stores zu vermitteln und keine museale Schau zu veranstalten. Indisches Design wird unter hunderten von einfachen Blechlampen inszeniert – und das mit einem durchaus zeitgenössischen Anspruch, der das Label „Made in India“ nicht nur in einem moderneren Licht erscheinen lässt, sondern auch praktikabel für ein international wettbewerbsfähiges Niveau ist.

Und dieser Eindruck wird schnell bestätigt, wenn man mit den Designern spricht. Alle, die hier versammelt sind, waren im Ausland, in Europa, Australien oder in Amerika, sei es zum Studium oder beruflich. Aber keiner hat sich allzu weit von seinen indischen Wurzeln entfernt. Sahil Bagga und Sarthak Sengupta, die 2009 ihr Studio Sahil & Sarthak gründeten, sind überzeugt davon, dass man folkloristische Motive in aktuelles Design übertragen kann. Vor ein paar Jahren bekamen die beiden von der italienischen Handelskammer ein Stipendium für einen Master am Politecnico in Mailand. Diese Erfahrung, den indischen Markt von einer internationalen Perspektive zu sehen, hat für sie viel verändert. „Dieser Kurs hat uns gezeigt, Fähigkeiten im Produkt-, Interior- und Grafikdesign mit anderen Leistungen wie beispielsweise Markenbildung zusammenzubringen“, erklärt Sarthak Sengupta. „Für uns war das der Beginn eines Business-Konzepts.“

In der Ausstellung zeigen sie unter anderem den versilberten Messingleuchter „Pooklamp“, der mit der Anzahl seiner Ebenen auf die Anzahl der Tage anspielt, die das „Onam Festival“ (eine Art Erntedankfest in Kerala) dauert. Auch die Blumenornamente an den einzelnen Ringen spiegeln die spirituelle Bedeutung wider, die Blüten für Inder haben. Aus Manipur im Nordosten Indiens stammt die schwarze „Longpi“-Keramik. Die Handwerker vor Ort machen daraus Töpfe, Becher und Vasen, alle sehr schlicht, fast schon minimalistisch. Für das dekorative Vasenobjekt „Magia Nera“ haben Sahil & Sarthak eine Art Haushaltsgefäß abgewandelt und das Innere mit Gold bemalt. „Es gibt dieses Vorurteil, das von Hand gefertigte Produkte etwas Souvenir-artiges an sich haben“, sagt Sarthak Sengupta. „Aber indem wir sie funktional und schön machen, beweisen wir, dass intelligente Designlösungen diese Wahrnehmung ändern können. Wir machen ‘glokale‘ Produkte: Sie mögen mit einem Dorf, einer bestimmten Gegend oder auch mit einer bestimmten Zeit in Verbindung gebracht werden, aber sie haben internationales Niveau.“

Jiten Thukral und Sumir Tagra, die sich am New Delhi College of Art kennenlernten und seit 2004 zusammenarbeiten, zählen weltweit zu den bekanntesten indischen Künstlern. Für das italienische Modehaus Etro hat das Duo Taschen gestaltet und sich dabei mit dem traditionellen persischen Paisley-Muster beschäftigt. Die Art Basel hatte Thukral und Tagra vor zwei Jahren eingeladen, ihre Porzellan-Unikate zu zeigen. Ausgehend von historischen Vasen aus den Meissener Archiven schufen sie Skulpturen, die von Nostalgie geprägt, aber mit ihrer für sie typischen Bildersprache bemalt sind. In der Ausstellung in Neu-Delhi zeigen die beiden Tongebilde, die als Lautsprecher und Aufladegeräte für Smartphones fungieren sollen – Ton ist eins der typischsten indischen Materialien überhaupt.

Ebenso wie Silber: Die Manufaktur Episode aus Noida stellt in der vierten Generation Becher, Schalen, Teller, Kannen und dekorative Objekte her. „Schon mein Großvater hat sich immer wieder mit Georg Jensen ausgetauscht“, sagt Deepak Whorra, einer der Episode-Inhaber. Er ist stolz auf den schon lange existierenden Wissens-Transfer zwischen Indien und Dänemark. Und er betont die schon seit Jahrtausenden hoch entwickelte Kunst der Metallverarbeitung in Indien, erklärt die Bedeutung von Silber für Ayurveda, das Giftstoffe besonders gut klären soll. Trinkgefässe sind teilweise mit Kupfer ausgekleidet, denn diesem chemischen Element wird nachgesagt, dass das daraus getrunkene Wasser einen positiven Effekt auf die Gesundheit habe.

Einen interessanten Ansatz verfolgen auch die beiden Inhaber von Klove aus Neu-Delhi, Prateek Jain und Gautam Seth. Indien hat schon lange einen guten Ruf in Sachen Glas – Spezialglas für die chemische Industrie oder den medizinischen Bereich. Warum nicht mehr daraus machen? Jain und Seth arbeiten seit 2005 daran, die Glasbläserei in Indien zu etablieren. Ihre Leuchter, die sich inzwischen in vielen Hotels, Läden und Privathäusern befinden, sind inspiriert von indischem Schmuck oder dort sehr beliebten Motiven wie Blumen und Vögeln, allen voran dem Pfau, Indiens Nationaltier.

Die Ausstellung in Neu-Delhi kann nur ein Auftakt sein, über die Qualität von Handwerk im Design zu diskutieren. Tatsächlich hat die Be Open-Stiftung für dieses Jahr das Motto „Nord/Süd – Ost/West“ ausgegeben und strebt weitere Aktionen in anderen Ländern an. Die Samskara-Schau macht auf jeden Fall deutlich, dass indisches Design trotz manch kultureller Geschmacksunterschiede mit westlichen Produkten mithalten kann – oder sogar in ihnen steckt, ohne dass uns das bewusst ist.

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