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Oberflächen mit Mehrwert
von Mathias Remmele | 24. Oktober 2010
Für gewöhnlich macht man sich kaum klar, in wie vielen Disziplinen ein zunächst so alltäglich und banal erscheinendes Thema wie Oberfläche eine wichtige Rolle spielt: in der Kunst, in fast allen Bereichen der Gestaltung, in zahlreichen technischen Fächern, in den Naturwissenschaften natürlich und nicht zuletzt auch in den Geisteswissenschaften. Vor diesem Hintergrund erscheint es plausibel, dass das Phänomen Oberfläche für transdisziplinäre Forschungs- und Entwicklungsansätze ein besonders vielversprechender Gegenstand ist. Wie fruchtbar hier ein Blick über den Rand der Disziplinen sein kann, zeigt derzeit eine kleine, überaus spannende Gruppenausstellung in der Berliner Galerie Aedes. Unter dem Titel „Membranes, Surfaces, Boundaries. Creating Interstices" stellt die bisweilen etwas ungelenke Schau mehrere, teils eher experimentelle, dann wieder bereits recht ausgereifte Projekte zum Thema Oberflächen vor, die im Grenzbereich von Kunst, Design, Architektur, Physik, Elektronik und Materialforschung angesiedelt sind.

Während sich Susanna Hertrich dem Thema mit einem konzeptionell-künstlerischen Ansatz nähert und in ihren Arbeiten vor allem die emotionalen Aspekte von Oberflächen untersucht, begreift Clemens Winkler Oberfläche als „Vermittlungsebene zwischen dem Menschen und seiner Umwelt". Das konkretisiert sich bei ihm in verschiedenen Arten von ungewöhnlichen Schnittstellen, die zur Interaktion einladen. Besonders eindrücklich ist dies bei „Strom Stift" gelungen. Mit einem Bleistift lassen sich hier auf einer Oberfläche Grafitspuren legen, durch die bei Berührung ein schwacher Strom fließt, der wiederum mit Hilfe eines am Stift befestigen Verstärkers hörbar gemacht wird.

Im Gegensatz zu dieser reizvollen, aber eher experimentellen Arbeit ist das Projekt „BlingCrete" von Heike Klussmann und Thorsten Klooster bereits fast zur Produktreife gediehen. Mit Hilfe von zahlreichen, großformatigen Materialproben anschaulich gemacht, steht es eindeutig im Mittelpunkt der Ausstellung. Bei BlingCrete handelt es sich um retroreflexiven Beton, der einfallende Lichtstrahlen in der Richtung der Lichtquelle widerspiegelt - ein optisches Phänomen, das etwa für Straßenmarkierungen genutzt wird. Die Retroreflexion entsteht hier durch die Integration von Mikroglaskugeln in die Betonoberfläche. In einem komplexen, hochtechnologischen Produktionsverfahren, in das viel Entwicklungsarbeit eingeflossen ist, entstand eine je nach Betrachtungswinkel und Beleuchtungssituation bald matte, dann gleißend schimmernde Oberfläche, die auch ein haptisches Erlebnis bietet. Dank seiner faszinierenden Eigenschaften eröffnen sich für BlingCrete vielfältige Anwendungsmöglichkeiten, die sowohl auf einer künstlerisch-ästhetischen als auch auf einer ganz praktischen Ebene liegen können. Im Rahmen eines Forschungsprojekt an der Uni Kassel entstanden, darf BlingCrete ganz zurecht als Prototyp für eine transdisziplinäre Materialentwicklung gelten, die einlöst, was sie verspricht.

Membranes, Surfaces, Boundaries. Creating Interstices
Aedes Am Pfefferberg, Berlin
Vom 8. Oktober bis 11. November 2010

www.aedes-arc.de
Unter Strom von Clemens Winkler
Unter Strom
Unter Strom
Unter Strom
Waterradio von Clemens Winkler
BlingCrete von Heike Klussmann und Thorsten Klooster
BlingCrete
BlingCrete
BlingCrete | Magnetic Patterning of Concrete
Robot von Susanna Hertrich