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Onkel Toms Jacke
von Martina Metzner | 22. Dezember 2013
Enorme Präsenz: Premiere von Adidas by Tom Dixon zur Mailänder Möbelwoche 2013 im MOST (Museum of Science and Technology). Alle Fotos © Adidas by Tom Dixon
Zaha Hadid entwirft futuristische Schuhe für Melissa, Rem Koolhaas T-Shirts für Prada und Stefan Diez Taschen für Authentics. Dass Designer und Architekten ihren Ästhetik-Anspruch nicht allein auf ihre eigene Disziplin beschränken, sondern gern auch mal in anderen Gebieten wildern, ist keine ganz so neue Erscheinung mehr. Während aber bei den Genannten eher von einem Flirt ohne große Wirkung die Rede sein kann, kommt nun eine Kooperations-Kollektion in die Läden, die mehr sein möchte als nur eine Marketing-Laune.

Adidas by Tom Dixon. Zwei klangvolle Namen, die jeweils in ihrer Branche zu den Spitzenvertretern gehören, sich aber auf den ersten Blick nicht so ohne weiteres zusammenbringen lassen. Kann das passen?

Tom Dixon fügt sich zunächst einmal in eine erfolgreiche Reihe ein. Stella McCartney und Yohji Yamamoto arbeiten schon seit geraumer Zeit mit dem Sportartikelhersteller aus dem bayrischen Herzogenaurach zusammen. Ihre Sonderlinien sind sehr erfolgreich und schärfen das Profil von Adidas in Richtung Innovation und Extravaganz. Mit der Zusammenarbeit mit Tom Dixon betritt Adidas indes Neuland. Vielleicht auch deshalb ist die Kollektion erst einmal auf zwei Jahre angelegt. Trotzdem meinen es Dixon und Adidas ernst, das zeigte allein schon die enorme Präsenz der Kollektion – einerseits auf dem Salone del Mobile in diesem Frühjahr, andererseits auf der wichtigsten Männermodemesse der Welt, dem Pitti Uomo in Florenz diesen Sommer.

„Mein Ausgangsproblem war: Ich möchte gerne organisiert und auf alles vorbereitet sein – aber bin es nicht“, erklärt Tom Dixon in einem Interview mit Monopol. „Ich habe Kleidungsstücke entworfen, die mehrere Funktionen erfüllen und bei denen man auch das Innere nach außen tragen kann. So muss man nicht so viel mitnehmen und hat immer alles dabei.“ Noch eine Großstadt-Nomaden-Hipster-Kollektion also? Es ist kein Marketing-Geplapper, was Dixon da von sich gibt: Als er als junger Mann das erste Mal zum Salone nach Mailand reiste, konnte er sich kein Hotel leisten – und musste auf einer Parkbank übernachten. Das prägt, bis heute. Dixon hat sich Zeit gelassen für die Kollektion. Schon vor ein paar Jahren fragte Adidas ihn für eine Schuhkollektion an. Doch Dixon wollte mehr.

Herausgekommen ist eine kompakte Linie, die mit 24 Teilen nicht nur Bekleidung, sondern auch Schuhe und Taschen umfasst und als Unisex-Kollektion angepriesen wird, in Summe dem Mann aber deutlich mehr zu bieten hat. Sämtliche Teile erscheinen klar und aufgeräumt. Alles hat seinen Platz und seine Funktion. Dixon bringt den frischen, ungewohnten Blick eines Industriedesigners mit, Adidas das textile Know-how.

Also gibt es Jacken, Hosen und Overalls, die durch ihre kantigen, geradlinigen Formen, durch ihr stabiles Material und nicht zuletzt durch zurückhaltende Töne wie Grau, Mint und Schlammgrün in Look und Silhouette Industriearbeiter-Uniformen zitieren. Die man aber nach Belieben auf kräftige (Warn-)Farben „umschalten“ kann, denn die Stücke lassen sich alle wenden, von Schlammgrün auf Grellgelb oder von Grau auf Stahlblau. Angesagt ist Multifunktionalität: Jacken, die sich im Handumdrehen in einen Rock oder einen Schlafsack (Parkbank!) verwandeln lassen; Schuhe, die man durch ihre ölig glänzende Patina im ersten Moment bei Greenpeace-Aktivisten verortet – und die dann durch ihre schlichte Machart sowie durch den Stilmix von Desert-Boot mit Running-Schuhsohle verblüffen. All das hat Witz – und macht durchaus Sinn.

Die Krönung der Kollektion aber ist das Gepäck: eine geräumige Reisetasche, eine Messenger-Bag und ein Rucksack, die sich durch ein organisiertes Innenleben als textiles Möbelstück entpuppen und in denen man so einiges verstauen kann. „Everything-you-need-for-a-week-away-folded-nice-and-flat-in-a-carry-on-bag“, heißt es in der Beschreibung. So kommt eben doch der Möbeldesigner zum Vorschein.

„So viel wie möglich auf eine Story reduzieren“ – das ist Tom Dixon für Adidas gelungen. Eine fokussierte, gut gemachte Kollektion mit sportivem Akzent für Menschen mit Sinn für den Chic des Wesentlichen. Brauchbare, flexible und zugleich stabile Kleidungsstücke, die nicht den halbjährlichen Modezyklen unterworfen sind, sondern auch noch in ein paar Jahren getragen werden können. Weshalb man bei Adidas by Tom Dixon wohl nicht von Mode, sondern von Bekleidung sprechen sollte. Bekleidung, die – offen gesagt – dem Geschmack eines design-orientierten Publikums huldigt, all jenen, die sich auch für die Authentics-Taschen von Diez begeistern.

Mal sehen, ob wir beim kommenden Salone auf Menschen in moderner Arbeiter-Kluft oder in Parkas treffen, die sie nach einer durchzechten Nacht in einen Schlafsack verwandeln? Oder die sich nun noch mehr Kataloge in die Taschen stecken können.

www.tomdixon.net
www.adidas.de


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(31. Juli 2013)
Eine kompakte Linie mit 24 Teilen, die für Frau und Mann gleichermaßen angeboten wird.
Kleines Raumwunder: Der Rucksack.
Jacke-Trench-Rock-Teil.
„So viel wie möglich auf eine Story reduzieren“.
Würde auch einen Industriearbeiter kleiden.
Wieso nicht auf einer Parkbank übernachten?
„Die Zukunft des Sport Style”, heißt es in der Pressemitteilung.
Drei Taschentypen gibt’s: eine Reisetasche, einen Rucksack und eine Messenger Bag.
Produkte
Tom Dixon: Mirror Ball Pendent @ Stylepark
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Tom Dixon: Enamel Vessels @ Stylepark
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Biegel: Spike Ring @ Stylepark
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Eclectic by Tom Dixon: Cast Factory Black @ Stylepark
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Eclectic by Tom Dixon: Hex Champagne Bucket @ Stylepark
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Eclectic by Tom Dixon: Scented Candles @ Stylepark
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News & Stories › 2013 › Dezember
Onkel Toms Jacke
von Martina Metzner | 22. Dezember 2013
Schon seit einiger Zeit wildern Designer und Architekten in der Modewelt. Jetzt kommt die Kollektion von Tom Dixon für Adidas in die Läden. Mit wenig Trend, viel Bekleidung und Taschen, die sich als textiles Möbelstück entpuppen.

Zaha Hadid entwirft futuristische Schuhe für Melissa, Rem Koolhaas T-Shirts für Prada und Stefan Diez Taschen für Authentics. Dass Designer und Architekten ihren Ästhetik-Anspruch nicht allein auf ihre eigene Disziplin beschränken, sondern gern auch mal in anderen Gebieten wildern, ist keine ganz so neue Erscheinung mehr. Während aber bei den Genannten eher von einem Flirt ohne große Wirkung die Rede sein kann, kommt nun eine Kooperations-Kollektion in die Läden, die mehr sein möchte als nur eine Marketing-Laune.

Adidas by Tom Dixon. Zwei klangvolle Namen, die jeweils in ihrer Branche zu den Spitzenvertretern gehören, sich aber auf den ersten Blick nicht so ohne weiteres zusammenbringen lassen. Kann das passen?

Tom Dixon fügt sich zunächst einmal in eine erfolgreiche Reihe ein. Stella McCartney und Yohji Yamamoto arbeiten schon seit geraumer Zeit mit dem Sportartikelhersteller aus dem bayrischen Herzogenaurach zusammen. Ihre Sonderlinien sind sehr erfolgreich und schärfen das Profil von Adidas in Richtung Innovation und Extravaganz. Mit der Zusammenarbeit mit Tom Dixon betritt Adidas indes Neuland. Vielleicht auch deshalb ist die Kollektion erst einmal auf zwei Jahre angelegt. Trotzdem meinen es Dixon und Adidas ernst, das zeigte allein schon die enorme Präsenz der Kollektion – einerseits auf dem Salone del Mobile in diesem Frühjahr, andererseits auf der wichtigsten Männermodemesse der Welt, dem Pitti Uomo in Florenz diesen Sommer.

„Mein Ausgangsproblem war: Ich möchte gerne organisiert und auf alles vorbereitet sein – aber bin es nicht“, erklärt Tom Dixon in einem Interview mit Monopol. „Ich habe Kleidungsstücke entworfen, die mehrere Funktionen erfüllen und bei denen man auch das Innere nach außen tragen kann. So muss man nicht so viel mitnehmen und hat immer alles dabei.“ Noch eine Großstadt-Nomaden-Hipster-Kollektion also? Es ist kein Marketing-Geplapper, was Dixon da von sich gibt: Als er als junger Mann das erste Mal zum Salone nach Mailand reiste, konnte er sich kein Hotel leisten – und musste auf einer Parkbank übernachten. Das prägt, bis heute. Dixon hat sich Zeit gelassen für die Kollektion. Schon vor ein paar Jahren fragte Adidas ihn für eine Schuhkollektion an. Doch Dixon wollte mehr.

Herausgekommen ist eine kompakte Linie, die mit 24 Teilen nicht nur Bekleidung, sondern auch Schuhe und Taschen umfasst und als Unisex-Kollektion angepriesen wird, in Summe dem Mann aber deutlich mehr zu bieten hat. Sämtliche Teile erscheinen klar und aufgeräumt. Alles hat seinen Platz und seine Funktion. Dixon bringt den frischen, ungewohnten Blick eines Industriedesigners mit, Adidas das textile Know-how.

Also gibt es Jacken, Hosen und Overalls, die durch ihre kantigen, geradlinigen Formen, durch ihr stabiles Material und nicht zuletzt durch zurückhaltende Töne wie Grau, Mint und Schlammgrün in Look und Silhouette Industriearbeiter-Uniformen zitieren. Die man aber nach Belieben auf kräftige (Warn-)Farben „umschalten“ kann, denn die Stücke lassen sich alle wenden, von Schlammgrün auf Grellgelb oder von Grau auf Stahlblau. Angesagt ist Multifunktionalität: Jacken, die sich im Handumdrehen in einen Rock oder einen Schlafsack (Parkbank!) verwandeln lassen; Schuhe, die man durch ihre ölig glänzende Patina im ersten Moment bei Greenpeace-Aktivisten verortet – und die dann durch ihre schlichte Machart sowie durch den Stilmix von Desert-Boot mit Running-Schuhsohle verblüffen. All das hat Witz – und macht durchaus Sinn.

Die Krönung der Kollektion aber ist das Gepäck: eine geräumige Reisetasche, eine Messenger-Bag und ein Rucksack, die sich durch ein organisiertes Innenleben als textiles Möbelstück entpuppen und in denen man so einiges verstauen kann. „Everything-you-need-for-a-week-away-folded-nice-and-flat-in-a-carry-on-bag“, heißt es in der Beschreibung. So kommt eben doch der Möbeldesigner zum Vorschein.

„So viel wie möglich auf eine Story reduzieren“ – das ist Tom Dixon für Adidas gelungen. Eine fokussierte, gut gemachte Kollektion mit sportivem Akzent für Menschen mit Sinn für den Chic des Wesentlichen. Brauchbare, flexible und zugleich stabile Kleidungsstücke, die nicht den halbjährlichen Modezyklen unterworfen sind, sondern auch noch in ein paar Jahren getragen werden können. Weshalb man bei Adidas by Tom Dixon wohl nicht von Mode, sondern von Bekleidung sprechen sollte. Bekleidung, die – offen gesagt – dem Geschmack eines design-orientierten Publikums huldigt, all jenen, die sich auch für die Authentics-Taschen von Diez begeistern.

Mal sehen, ob wir beim kommenden Salone auf Menschen in moderner Arbeiter-Kluft oder in Parkas treffen, die sie nach einer durchzechten Nacht in einen Schlafsack verwandeln? Oder die sich nun noch mehr Kataloge in die Taschen stecken können.

www.tomdixon.net
www.adidas.de


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Emotion statt Konzept: Was bestimmt die Mode des Sommers 2014? Teil 1 der Catwalk-Analyse.
(15. November 2013)

Wieso gehen wir nicht im Schlafanzug einkaufen? Unter dem Titel „Untragbar“ haben Studierende der Hochschule für Künste in Bremen ein originelles Magazin gestaltet.
(31. Juli 2013)