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Salone Satellite Superlativo
von Jasmin Jouhar
2. Mai 2016
Zehn mal super! Hoffnungsvolle Talente und frische Ideen von der Nachwuchs-Plattform.
Salone Satellite? Finden wir super! Die Nachwuchs-Plattform des Salone del Mobile versammelt jedes Jahr hoffnungsvolle Talente und unverbrauchte Ideen. Die ein oder andere internationale Karriere nahm in den beiden Hallen am äußeren Rand des Messegeländes ihren Anfang. Welche Beiträge uns in diesem Jahr besonders aufgefallen sind, verraten unsere zehn Superlative – von A wie Auftritt bis T wie Teppich.

Der sympathischste Auftritt

Junge Designerinnen und Designer sind per se sympathisch – so enthusiastisch und idealistisch sie vorgehen, und gelegentlich auch so erfrischend unangepasst. Zumal im Vergleich mit den marketinggetunten Ständen der Hersteller in den anderen Hallen. Aber der Auftritt des Designstudios Henry&Co aus Verona war der sympathischste beim diesjährigen Salone Satellite. Zum einen das Thema: ein Küchen- und Badmodul ganz aus recycelten und recycelbaren Werkstoffen. Aber auch die Präsentation: Auf allerkleinster Standfläche hatten Henry&Co nicht nur ihren Entwurf untergebracht, sondern auch die Herstellung der Materialien dargestellt. Gekrönt von einer Wandgestaltung, die verspielt Anleihen bei heroischen Bauern und Arbeitern der modernen Kunst wagte, die sie mit fröhlichen Farben und einem Lächeln in Sendboten des besseren Lebens verwandelte.

Kunstvolles mit Nachhaltigkeitsanspruch: Der Stand des Designerduo Henry&Co. Foto © Jasmin Jouhar, Stylepark
Die beweglichste Leuchte

Leuchtendesign ist zurzeit einer der innovativsten Bereiche der Gestaltung. Auch die Jungen machen da keine Ausnahme. Die deutsche Designerin Antje Pesel beispielsweise zeigte am Gemeinschaftsstand Halle/Berlin ihre Leuchte „Align“, bei der die Aufhängung von der Stromversorgung getrennt und zudem magnetisch ist. So lässt sich „Align“ in allen denkbaren Winkeln positionieren. Mit einem Silikonring wird etwa eine Tischleuchte daraus. Und als hätte sich der Nachwuchs abgesprochen, gab es beim Salone Satellite überall balancierende, verschiebbare, verstellbare, überhaupt verwandelbare Leuchten zu sehen.
Minimalistisch im Design und variantenreich im Gebrauch: Die Leuchte „Align“ von Antje Pesel. Foto © Jasmin Jouhar, Stylepark
Die konstrastreichste Kollaboration

Im vergangenen Jahr waren sie noch getrennt beim Salone Satellite aufgetreten, der Schweizer Designer Daniel Wehrli und das ebenfalls Schweizer Heimtextillabel Schönstaub. Doch geschicktes Kollaborieren ist nicht nur in der Modebranche die Strategie die Stunde, und ein doppelt so großer Stand verschafft womöglich doppelt so viel Aufmerksamkeit. Interessanterweise verbindet diese beiden Partner außer dem Heimatland auf den ersten Blick nicht viel, aber gerade die Kontraste machten die Sache reizvoll: Die wilden Muster der Schönstaub-Teppiche spiegelten sich sanft in den Metallsockeln von Wehrlis kühl-konstruierten Beistelltischen. Win-win!
Schweizer Kollaboration: Teppiche von Schönstaub mit Spiegeltischen von Daniel Wehrli. Foto © Jasmin Jouhar, Stylepark
Der heißeste Ofen

Das war mal ein Hingucker! In der niederländischen Gemeinschaftskoje standen diese Holzöfen des Arnheim-Absolventen Klaas Kuiken. Und warum auch nicht, gerade im Ferienhaus sind Öfen ein unübersehbarer Teil des Interieurs. Für seine „eps“-Kollektion hat Kuiken mit einem Gussverfahren aus der Autoindustrie experimentiert. Formen aus Polystyrol-Schaum werden in einen sandgefüllten Container eingegraben. Flüssiges Eisen schmilzt den Schaum weg und nimmt seine Form an, inklusive der charakteristisch genoppten Oberfläche.
Kleine Wärmekapseln aus dem Norden: Gusseiserne Öfen aus der „eps“-Kollektion von Klaas Kuiken. Foto © Jasmin Jouhar, Stylepark
Der konstruktivistischste Stand

Zwischen all den Holzregalen, dekorativen Leuchten und Textilien fiel dieser Stand auf: Der in Mailand lebende, aus Brasilien stammende Gustavo Martini hatte sich für einen konzeptionellen Auftritt entschieden. Die Idee: Ein zweidimensionales, schwarzes Raster wird in einen begehbaren Raum verwandelt und aus schwarz ausgefüllten Flächen wird in der dritten Dimension die Möblierung. Im bunten Durcheinander der Ausstellungskojen setzt solch ein Gesamtkonzept einen starken Akzent. Überdies noch betont vom Designer selbst, der ebenfalls streng in Schwarz ging. Wohnlich ist das nicht, aber dafür sind sie ja da, die Jungen, dass sie jenseits der Marktbedürfnisse experimentieren.
Klare Perspektiven, geordnete Strukturen: Ein Raum aus schwarzen Linien von Gustavo Martini. Foto © Jasmin Jouhar, Stylepark
Das glänzendste Metall

Einer der großen Interior-Trends der vergangenen Jahre? Definitiv Buntmetall! Möglichst warm und weich sollten die Oberflächen wirken. Und da zu jedem Trend die Übersättigung gleich mitgeliefert wird, darf Metall jetzt wieder hart und kalt sein. Statt oxidiertem Kupfer und mattiertem Messing lieber Chrom, Edelstahl oder Aluminium, und zwar hochglänzend poliert. Wie die wandelbare (!) Pendelleuchte „Topsy“ von Earnest Studio aus Rotterdam spiegelte und gleißte es an vielen Ständen.
Spiegelglatt poliert: Die Pendelleuchte „Topsy“ von Earnest Studio. Foto © Jasmin Jouhar, Stylepark
Der fetteste Querschnitt

Dürre Beinchen oder dicke Hose? Man muss sich entscheiden als Designer, ob man es lieber ätherisch-schwebend mag oder fest auf dem Boden der Tatsachen stehen möchte. Frank Chou vom gleichnamigen Designstudio aus China ließ da keinen Zweifel aufkommen: Er zeigte die Möbel mit den fettesten Querschnitten des ganzen Salone Satellite. Elefantenfüßige Tischbeine, adipöse Polster und eine Standleuchte aus Zehner-Rohr. Respekt!
Masse und Material: Frank Chou kombiniert Moderne mit Pop. Foto © Jasmin Jouhar, Stylepark
Der tierischste Teppich

Dieser hübsche Leopardengecko wertet nicht nur jede Raumecke auf, er darf auch Exempel spielen für das Interesse der Jungen an Textilien. Seine Schöpferin Jiwon Kim aus Korea hat für ihr Abschlussprojekt lange recherchieren müssen, bis sie Handwerker in Indien fand, die ihre tierischen Teppiche in der gewünschten Qualität aus Wolle handtuften konnten. Andere Nachwuchskräfte suchten neue Anwendungen für traditionelle chinesische Webtechniken (Yanding) oder bannten ghanaische Muster und Symbole auf Tapeten und Vorhangstoffe (AMWA).
Tierisches Muster: Jiwon Kim zeigt einen Teppich in Form eines Geckos. Foto © Jasmin Jouhar, Stylepark
Die lustigste Leiter

Der Weg zum Erfolg ist bekanntlich lang und mühsam, auch für junge Designer. Ob der Österreicher Clemens Auer mit dieser Leiter schneller nach oben kommt, wird sich zeigen müssen. Bequemer soll es allemal sein, denn Auer hat die Leiter nach ergonomischen Gesichtspunkten konstruiert. Wie beim Klettern von Ast zu Ast sollen beide Füße gleichwertig sein in der Aufwärtsbewegung – normale Leitern würden nämlich zum Hinken zwingen.
Der Natur abgeschaut: Clemens Auer entwirft eine Leiter aus Zellstrukturen. Foto © Jasmin Jouhar, Stylepark

Der plüschigste Stand

Nein, wir haben uns nicht verlaufen zu Fendi Casa und Konsorten. Diese, Verzeihung, Orgie aus Fell, Leder, Chrom und Edelholz hatte das Label Galiatea aus Miami auf dem Salone Satellite inszeniert. Der Webshop verrät, dass auch die Preise eher zur Fendi-Casa-Klientel passen. Sorry guys, falsche Halle!
Luxuriöse Materialien: Bei Galiatea setzt man ganz auf Pelz, Leder, Edelholz und Chrom. Foto © Jasmin Jouhar, Stylepark
News & Stories › 2016 › Mai
Salone Satellite Superlativo
von Jasmin Jouhar | 2. Mai 2016
Zehn mal super! Hoffnungsvolle Talente und frische Ideen von der Nachwuchs-Plattform.
Salone Satellite? Finden wir super! Die Nachwuchs-Plattform des Salone del Mobile versammelt jedes Jahr hoffnungsvolle Talente und unverbrauchte Ideen. Die ein oder andere internationale Karriere nahm in den beiden Hallen am äußeren Rand des Messegeländes ihren Anfang. Welche Beiträge uns in diesem Jahr besonders aufgefallen sind, verraten unsere zehn Superlative – von A wie Auftritt bis T wie Teppich.

Der sympathischste Auftritt

Junge Designerinnen und Designer sind per se sympathisch – so enthusiastisch und idealistisch sie vorgehen, und gelegentlich auch so erfrischend unangepasst. Zumal im Vergleich mit den marketinggetunten Ständen der Hersteller in den anderen Hallen. Aber der Auftritt des Designstudios Henry&Co aus Verona war der sympathischste beim diesjährigen Salone Satellite. Zum einen das Thema: ein Küchen- und Badmodul ganz aus recycelten und recycelbaren Werkstoffen. Aber auch die Präsentation: Auf allerkleinster Standfläche hatten Henry&Co nicht nur ihren Entwurf untergebracht, sondern auch die Herstellung der Materialien dargestellt. Gekrönt von einer Wandgestaltung, die verspielt Anleihen bei heroischen Bauern und Arbeitern der modernen Kunst wagte, die sie mit fröhlichen Farben und einem Lächeln in Sendboten des besseren Lebens verwandelte.

Die beweglichste Leuchte

Leuchtendesign ist zurzeit einer der innovativsten Bereiche der Gestaltung. Auch die Jungen machen da keine Ausnahme. Die deutsche Designerin Antje Pesel beispielsweise zeigte am Gemeinschaftsstand Halle/Berlin ihre Leuchte „Align“, bei der die Aufhängung von der Stromversorgung getrennt und zudem magnetisch ist. So lässt sich „Align“ in allen denkbaren Winkeln positionieren. Mit einem Silikonring wird etwa eine Tischleuchte daraus. Und als hätte sich der Nachwuchs abgesprochen, gab es beim Salone Satellite überall balancierende, verschiebbare, verstellbare, überhaupt verwandelbare Leuchten zu sehen.
Die konstrastreichste Kollaboration

Im vergangenen Jahr waren sie noch getrennt beim Salone Satellite aufgetreten, der Schweizer Designer Daniel Wehrli und das ebenfalls Schweizer Heimtextillabel Schönstaub. Doch geschicktes Kollaborieren ist nicht nur in der Modebranche die Strategie die Stunde, und ein doppelt so großer Stand verschafft womöglich doppelt so viel Aufmerksamkeit. Interessanterweise verbindet diese beiden Partner außer dem Heimatland auf den ersten Blick nicht viel, aber gerade die Kontraste machten die Sache reizvoll: Die wilden Muster der Schönstaub-Teppiche spiegelten sich sanft in den Metallsockeln von Wehrlis kühl-konstruierten Beistelltischen. Win-win!
Der heißeste Ofen

Das war mal ein Hingucker! In der niederländischen Gemeinschaftskoje standen diese Holzöfen des Arnheim-Absolventen Klaas Kuiken. Und warum auch nicht, gerade im Ferienhaus sind Öfen ein unübersehbarer Teil des Interieurs. Für seine „eps“-Kollektion hat Kuiken mit einem Gussverfahren aus der Autoindustrie experimentiert. Formen aus Polystyrol-Schaum werden in einen sandgefüllten Container eingegraben. Flüssiges Eisen schmilzt den Schaum weg und nimmt seine Form an, inklusive der charakteristisch genoppten Oberfläche.
Der konstruktivistischste Stand

Zwischen all den Holzregalen, dekorativen Leuchten und Textilien fiel dieser Stand auf: Der in Mailand lebende, aus Brasilien stammende Gustavo Martini hatte sich für einen konzeptionellen Auftritt entschieden. Die Idee: Ein zweidimensionales, schwarzes Raster wird in einen begehbaren Raum verwandelt und aus schwarz ausgefüllten Flächen wird in der dritten Dimension die Möblierung. Im bunten Durcheinander der Ausstellungskojen setzt solch ein Gesamtkonzept einen starken Akzent. Überdies noch betont vom Designer selbst, der ebenfalls streng in Schwarz ging. Wohnlich ist das nicht, aber dafür sind sie ja da, die Jungen, dass sie jenseits der Marktbedürfnisse experimentieren.
Das glänzendste Metall

Einer der großen Interior-Trends der vergangenen Jahre? Definitiv Buntmetall! Möglichst warm und weich sollten die Oberflächen wirken. Und da zu jedem Trend die Übersättigung gleich mitgeliefert wird, darf Metall jetzt wieder hart und kalt sein. Statt oxidiertem Kupfer und mattiertem Messing lieber Chrom, Edelstahl oder Aluminium, und zwar hochglänzend poliert. Wie die wandelbare (!) Pendelleuchte „Topsy“ von Earnest Studio aus Rotterdam spiegelte und gleißte es an vielen Ständen.
Der fetteste Querschnitt

Dürre Beinchen oder dicke Hose? Man muss sich entscheiden als Designer, ob man es lieber ätherisch-schwebend mag oder fest auf dem Boden der Tatsachen stehen möchte. Frank Chou vom gleichnamigen Designstudio aus China ließ da keinen Zweifel aufkommen: Er zeigte die Möbel mit den fettesten Querschnitten des ganzen Salone Satellite. Elefantenfüßige Tischbeine, adipöse Polster und eine Standleuchte aus Zehner-Rohr. Respekt!
Der tierischste Teppich

Dieser hübsche Leopardengecko wertet nicht nur jede Raumecke auf, er darf auch Exempel spielen für das Interesse der Jungen an Textilien. Seine Schöpferin Jiwon Kim aus Korea hat für ihr Abschlussprojekt lange recherchieren müssen, bis sie Handwerker in Indien fand, die ihre tierischen Teppiche in der gewünschten Qualität aus Wolle handtuften konnten. Andere Nachwuchskräfte suchten neue Anwendungen für traditionelle chinesische Webtechniken (Yanding) oder bannten ghanaische Muster und Symbole auf Tapeten und Vorhangstoffe (AMWA).
Die lustigste Leiter

Der Weg zum Erfolg ist bekanntlich lang und mühsam, auch für junge Designer. Ob der Österreicher Clemens Auer mit dieser Leiter schneller nach oben kommt, wird sich zeigen müssen. Bequemer soll es allemal sein, denn Auer hat die Leiter nach ergonomischen Gesichtspunkten konstruiert. Wie beim Klettern von Ast zu Ast sollen beide Füße gleichwertig sein in der Aufwärtsbewegung – normale Leitern würden nämlich zum Hinken zwingen.

Der plüschigste Stand

Nein, wir haben uns nicht verlaufen zu Fendi Casa und Konsorten. Diese, Verzeihung, Orgie aus Fell, Leder, Chrom und Edelholz hatte das Label Galiatea aus Miami auf dem Salone Satellite inszeniert. Der Webshop verrät, dass auch die Preise eher zur Fendi-Casa-Klientel passen. Sorry guys, falsche Halle!